1. Teil: 18.8
Im Schaufenster der Großapotheke blickte Joachim auf die Hell-, Dunkelschattenspiele im Glas, ohne sich selber anschauen zu wollen. Auf das der Umgebung, das es in seinem Rücken mehr oder weniger deutlich zu überblicken gab..
Augenblicklich wußte er nicht, was er tun sollte. Oft und lange genug hatte er Klingelknopfe betätigt. Ohne, daß sich deswegen gerührt hätte. In der Apotheke passierte nichts. Oben, die Stockwerke darüber, dort wollte sich auch nichts abspielen.
Kein Fenster, das sich oberhalb öffnete sich; keiner, der von droben herunterschrie, meinte Joachim solllte sich verziehen. In der Apotheke schob keiner Notdienst. Der allgemine Arbeitsbetrieb fing erst am Morgen wieder an. Oder so.
Sollte er hintenrum die Passage nehmen, nachschauen, ob hinten zufälligerweise ein Parterrefenster abzuschließen vergessen war?
Stieg er wo ein, indem er Glas zerdepperte. Das konnte mit einer Überwachungskamera beobachtet werden. Wurde er auf frischer Tat ertappt, hielt man ihn fest, bis die Polizei da war, brachte ihn das in eine unangenehme Situation. Selbst die einfachen Aufnahmen der Überwachungskamera reichten überallhin.
Immerhin war das ein Einbruch. Bei dem es drauf ankam, was man dem Einbrecher zugutehalten wollte.
Es kam ganz darauf an, welche ärztliche Diagnose ihm später zuteil wurde. Ging es ihm wirklich so schlecht, wie er sich im Augenblick fühlte?.
Nur, konnte er die Fähigkeit entwickeln, wo einbrechen zu können, konnte es ihm auch wieder nicht so mies gehen.
Andererseits: War sein allgemeiner körperlicher Allgemeinzustand war nicht einer zum Verzweifeln?
Eigentlich mußte ihm jeder Arzt alles mögliche diagnostizieren. Das hieß, wenn dahingehend guter Wille an den Tag gelegt wurde.
Nur war das die Frage: Wollte man einem Vandalen und Einbrecher gegenüber guten Willen aufbringen?
Auf der anderen Seite, war Joachim nicht alles längst egal?
Es war ihm doch totalegal, wenn irgendwo bei einer Sicherheitsfirma oder der Polizei ein lauter Alarm losging.
Wenn es sich ereignete, daß irgendein Wachhabender, ob in einem Polizeirevier oder sonstwo einen Knopf drückte. Nachder Kamerabilder auf einem Monitor erschienen waren.
Eigentlich mußte eine abgerissene, durchnäßte Type zu erkennen sein, einer, der böse zugerichtet ausschaute.
Die erstbeste Autostreife, die zufälig in der näheren Umgebung rumkurvte, wurde verständigt, kam an den Tatort hingefahren. Die Hauptsache war, daß einer die offenen, erhobenen Handflächen sehen ließ, sonst keinen Widerstand leistete. Der Rest, der würde sich später klären lassen.
In Handschellen sah Joachim sich, links und rechts von Polizeibeamten gestützt. Kein Ding der Unmöglichkeit, daß man keine Rücksicht auf das körperliche Befinden des Festgenommen nahm. Sachbeschädigung, widerrechtliches Eindringen. Haus- und Landfriedensbruch, mit zimperlicher Rücksichtsnahme war da nicht zu rechnen
Jeder Einbruchsversuch war strafbar. So einfach war das nicht, sich herauszureden. Egal, wie es ihm ging, er hätte die Angelegenheit anders lösen müssen.
Was aber sollte Joachim anstellen, wenn sich nicht ereignte, nichts und niemand sich sehen lassen wollte?
Ärztliche Hilfe war das, was Joachim dringend nötig hatte. Da konnte er doch keine Rücksicht auf Folgen nehmen. Dafür war ihm jedes Mittel recht, selbst das, Alarme auszulösen.
Der Rest, es war zu überleben. Hatte er dann zu guter Letzt eben eine Vorstrafe. Oder auch nicht.
Zugutehalten konnte man Joachim, daß er vorher noch nicht mit so was aufgefallen war, in fremder Leute Häuser einzubrechen.
Hatte Joachim auch nicht, sich in seinem Leben viel damit beschäftigt, sich in irgendwelchen Gebäuden das Eigentum fremder Leute aneignen zu wollen.
Zumeist hatte er Arbeit gehabt. Einen sicheren Arbeitsplatz. Lange Tagesstunden verbrachte er im Büro. Jeden Tag.
Trotzdem war das plötzlich im Bereich des Möglichen, den einen Einbruchsversuch im Lebenlauf drinnenstehen zu haben.
Eine unvorteilhafte Angelegenheit. Für die es tolerante Arbeitgeber brauchte, eine neue Arbeit finden zu können.
Etwas, an dem Joachim bisher vorbeimanövrieren können, polizeibekannt zu werden. Marga, sie hatte es bisher bei einer Drohung belassen, ihren Expartner nicht angezeigt. Darauf verzichtet, Joachim wegen seiner Verfolgertour behördlich anzuschwärzen. Obwohl er sich durchaus zu Grobheiten, Marga gegenüber herabgelassen hatte, Marga schlimme Dinge androhte, sie durch die Gegend schubste und herboxte.
Einen Stalker, daß Marga ihn zuletzt hieß, wurde sie seiner ansichtig.
Personaler Menzle war mit Sicherheit nicht gut auf einen Mitarbeiter zu sprechen, der seit Tagen unentschuldigt am Arbeitsplatz fehlte. Eigentlich mußte längst ein Brief Personaler Menzles eingetrudelt sein. Selbst ein Entlassungsschreiben wäre nicht aus dem Nichts gekommen.
Aus seiner Betrübung schreckte Joachim hoch. Die Wange hatte er an der Schaufensterscheibe der Apotheke gehabt, während er sich mit der Schulter an das Glas lehnte.
Etwas hatte er in der Wahrnehmung, seitlich linker Hand. Irgendwas Komisches. Das es zuvor dort nicht gegeben hatt, als er seine Aufmerksamkeit schon auf die Glaswiederspiegelungen gerichtet hatte.
Das Herz raste Joachim.
Zwei Lichter verharrten nicht allzu weit von ihm entfernt in der Luft. Zweimal gelb leuchtende Dinger, die nichts mit Lampenlicht der Straßenumgebung zu schaffen haben konnten.
Das war Joachim sich sicher, daß dieses Leuchten erst vor kurzem am Ort aufgetauch war.
Zwei der Leuchtkugeln!
Wissen wollte Joachim es genau, wandte sich langsam am Fußballen um.
Er blickte die Phänomene weiterhin. Es war die Szene nicht nur eine Glasspiegelung. Reflektionen, die man auch abtun hätte können.
Joachim blinzelte; sein Blick war soweit klar, fand er.
Er sah keine irgendwie geartete Feuerräder oder Lichtpunkte vor den Augen. Nichts, das schon mal mit seinem miesen Körperzustand was zu tun haben mußte.
Weiterhin blickte er zwei Leuchtkugeln in der Luft. Nicht eben schrill vor sich hin strahlend. die unweltlichen Objekte.
Zwei Stück dieser unweltlichen Objekte.
Die eine Kugel, die anfing, das eine oder anderemal drauflosblinkte. Als wäre plötzlich irgendwas an ihr kaputt. Nur, zu glauben war das nicht, daß dort irgendwas kaputtsein konnte.
An dem einen Gebilde, das wie das zweite wie zu klein geratene Sonnen ausschaute.
Jede Sekunde konnte da die Protuberanzen ausbrechen, über Joachim hinwegfegen. Als wäre da was auf der Sonnenoberfläche entstanden und auf die Erde herabgekommen.
Komische Ausformungen aus der Sonne.
Der Adamsapfel hüpfte Joachim.
Dort, wo die unbekannten Flugobjekte am Punkt schwebten, war eine Seitengasse. Die gegenüberliegende Straßenseite.
Hätte Joachim vorhin die Wahl getroffen, die Straße zu überqueren, um bei den einen Auto, dem die Fahrertüre aufstand, zu warten, ob derjenige herbeikam, dem der Wagen gehörte.
So war er gegenüber geblieben, und das schien auch nicht das Beste zu sein
Die Kugeldinger, die ungefähr einen Meter Durchmesser haben mochten, die still drei Meter über dem Boden verrharrten.
Wie das Selbstverständlichste, Gewöhnlichste auf der Welt. Außerdem, als hätte die beidn Joachim, den mit dem Rücken an die Apothenschaufensterscheibe angelehnten Menschen, haarscharf im Visier.
Nichts spielte sich ab, daß es Joachim unsicher wurde, ob alles in seiner Wahrnehmung nicht doch seiner überspannten Einbildung entstammte.
Oder er war eigenlich im Moment nicht wach, sondern erlebte einen Traum. Aus dem er dann jeden Moment zu sich kommen konnte. Hochsschrecken.
Vielleicht stupste ihn Susan der Wallach von hinten an. Joe der Revolvermann, links und rechts seine zwei Sechsschüsser in den Lederholstern.