Overblog Alle Blogs Top-Blogs Literatur, Comics & Gedichte
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
Werbung
Blog von TeddeMehr

1. Teil: 18.7

2. Mai 2021 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Die nächste Rast, die Joachim bei einer Haustür einlegen mußte.

Er hätte sich vielleicht doch in ein Auto reinsetzen sollen. Vor Wind und Wetter wäre er drinnen geschützt gewesen.

Warum er dem Gedanken nicht gehorchen wollte, das war ihm schleierhaft.

Ab und zu war ein Kleidungsstück bei einer Seitentüre dazwischengeklemmt, der Schlüssel steckte erkennbar drinnen.

Nichts, das ein Problem gewesen wäre.

Nur, anzufahren, die jeweilge Karre wohin zu lenken, das war schwierig. Nachdem auf der Straße kaum ein paar Meter weiterzukommen war, soviel Karosserie stand überall kreuz und quer rum, die erst mal Platz hätte machen müssen.

 

 Es war andererseits durchaus kein Mysterium, warum ihm die Häuserfassaden lieber waren. Gegen die er sich anlehnen konnte, wollte anhalten, rasten.

Strecke, die er schon bewältigt hatte, hatte er längst zurückgelegt. Da mußte er nicht erst vor Ort eintreffen, den Weg nehmen müssen.

Da war es am Ende besser, fortzusetzen. Mittlerweile war er so weit, daß erst mal die Apotheke in Sicht kommen mußte.

 

Hinter vielen Fenstern brannte das elektrische Licht, als wäre irgendwas, das die Leute wach hielt.

Irgendein Sportereignis oder so? Oder war es die Nachrichtenlage?

An die leuchtenden Kugeldinger mußte Joachim denken. 

Demnach schienen viele wach. Nur, drückte Joachim an den Klingelleisten herum, meldete sich nie ein elektronischen Surren. Aus einer in der Wand verbauten Lautsprecheranlage schnarrte nie eine Stimme heraus, erkundigte sich mehr oder weniger zornig danach, wer unten vorm Gebäude die Klingel maldrätierte. 

Tatsächlich hätte mal jemand herunterkommen müssen, zur Haustür heraus. Wegen der Klinglerei hätte für Joachim sogar die Gefahr bestanden, daß einer nicht nur wutentbrannt daherschrie. Mit den Fäusten geschlagen zu werden, das war auch die Möglichkeit.

 

Ruhig, daß es in der Stadtumgebung zuging.

So eine Geisterstadt hätte Joachim sich früher nicht mal im Traum vorstellen können.

Das einzige, weswegen die Welt einigermaßen normal wirkte, kam daher, daß mal eine streunende Katzen vorüberlief.  

Trotz der Nässe war Katzenvieh am Herumstreunen.

Katzen, die von der Größe her noch gingen. Anders wie manche Hunderasse.

 

Wie auf Stichwort hörte Joachim in der Ferne einen Hund bellen.

Stockie und seine gelben Zahnreihen hatte Joachim sofort vor seinem inneren Auge.

Angst überkam ihn. Bei der Gebäudeeingangstüre, bei der er rastete, betätigte Joachim die Klinke. Spontan wollte er rein ins Haus.

Nachdem das Hundegekläff klang, als ob die Tölle näherkam.

Es war jedoch nicht reinzukommen; mit der Schulterpartie traf Joachim schmerzhaft die Haustür, bei der ausgerechnet mal abgesperrt war.

Nicht viele Türen waren abgeschlossn, diese jedoch war zu.

Das Hundegebell klang ziemlich nahe. Ein größerer Köter war das.

 

Auf die leuchtenden Knöpfe der Klingelknopfleiste des Wohngebäudes patschte Joachim hektisch mit der Handfläche drauf.

Voraus gewahrte er ein helles Fahrzeug, das tagsüber weiß sein mochte. Der Personenkraftwagen war über den Gehsteig hinweggefahren war und gegen die Hausmauer knallte. 

Was jedoch seit längerem keine Aufregung wert schien. Kein Mensch, der sich in der jüngsten Zeit wegen des Gehsteighindernisses erregt hatte. Gekümmert hatte man sich nahezu um nichts.

 

Joachim fand, das war ganz eindeutig ein Unfall, der hier geschehen war. Wenn jemand im Fahrzeuginnern drinnen saß, mußte er sich schlimmer wehgetan haben.

Im Grunde hätte es schon vor längerem an dem Unfallsort vor Polizisten, Feuerwehrleuten wimmeln müssen. Selbst ein Sanitätsauto und den Wagen mit dem Notarzt sah Joachim in der Vorstellung am Platz. Weil, hier war ein Unglück mit einem Personenschaden passiert.

 

Der Motor des verunfallten Wagens war aus. Kein irgendwie geartetes Geräusch drang von dort an Joachims Gehörgänge.

Es war einfach nichts normal auf der Welt.

Normal, war wo der Ort eines Unglücksgeschehens, daß es nie lange währte, bis die Feuerwehr eintraf, die Polizei. Ebenso die Rettungsdienste - Notarzt, Sanitäter -, um erste Hilfe zu leisten.

Die Polizeibeamten sicherten alles am Platz; allerhöchstens auf Sachverständige wurde gewartet. Und dann, hatten die ihre Arbeit erledigt, wurde im Nu aufgeräumt.

Während es Joachim schien, als ob der Pkw nicht erst vor kurzem so rumstand, gegen die Hauswand gefahren, quer zum Trottoir.

Alles, das einfach so liegenblieb. Als hätte man nicht mal am nächsten Morgen Zeit gehabt, vorbeizusehen, sich die Unfallstelle bei Tageslicht nochmals zu besehen.

So was widersprach einfach jeder Erwartung. War jenseits einer gewohnten Ordnung. Schließlich mußten ein Gehsteig begeh-, eine Straße befahrbar bleiben. Für die morgendlichen Fußgänger hätte aufgeräumt sein müssen. Wenn da eine Unfallsache schon länger her war, war die Angelegenheit unbegreiflich.

 

Mit der Handfläche patschte und patschte Joachim auf der Leiste der Klingelknöpfe herum. Was war los, daß er sich dem Kläffer noch nicht gegenübersah? Hatte der was von einem Menschen in die Nase gekriegt, daraufhin den Schwanz eingezogen und fortgemacht?

Konnte schon möglich sein, daß ein Hundevieh den Menschen lieber mied. Schlecht Erfahrungen mit Fremden. Unter Umständen war das ein Hund, der unliebsame Erfahrungen gemacht hatte.

 

Das überstieg Joachims geistigem Horizont, warum kein Mensch sich meldete oder zur Haustür rausstürmte. Obwohl man einem Spaßvogel die Klingelei einfiel. Trotzdem spielte sich nicht das geringste ab.

Praktisch überall lag ein Kleidungsbündel herum. Oder einzelne Mäntel, Windjacken, Hosen, Schuhe, wie Joachim im Lampenschein ausmachte. 

Unterschiedliche Gewandung, auf die es zur Sekunde wieder nur herunternieselte.

 

Als ob in der näheren Umgebung ein Altkleider-Container explodiert war, sah es aus. Eigentlich fast die gesamte Strecke, die Joachim genommen hatte. Wenn er guckte, lag Kleidung herum.

Bei sich in der Straßengegend konnte Joachim sich nicht an Behältnisse fürs Altkleidersammeln erinnern konnte. Zu solch einer Kleidersammelstelle gelangen, war er früher mit seinen Tragtaschen so weit gelatscht, daß er sich fragte, warum er nicht den Bus nahm, wenn er eine Jahreskarte hatte.

 

Vor den Augen Joachims flackerten grelle Punkte.

Es war die Welt zum Verzweifeln. Schrecklich, die Kälte, die in den Gliedern biß. Durchnäßt war er bis auf die Haut. Und er hatte kaum was am. Wofür er sicherlich in der nächsten Zeit die Rechnung zahlen würde müssen. Bitterlich.

Ein Glas Wasser wünschte Joachim sich; die Zunge klebte ihm am Gaumen.

Der schale Nieselregen, einfach den Mund aufzumachen, das half nicht viel. Das dauerte ewig, bis sich ein wenig mehr Flüssigkeit angesammelt hatte..

Die eine Pein, die ständig bei ihm im Hintergrund lauerte, die schien bald wieder losbrechen zu wollen.

 

Wenn er sich hier nicht den Tod holte, wußte Joachim es nicht. Alles, was er dringend brauchte, war ein Sanitäter, ärztlicher Beistand, Notarztversorgung.

Ein warmes Bett, in das man ihn verbrachte. An einen Tropf angehängt zu werden, war schon lange die reinste Notwendigkeit.

Mit viel Glück, daß er die nächsten Tage, die todsicher schlimm werden würden, irgendwie überstand. Selbst in einem Krankenhaus, angeschlossen an die Notversorgungs- und Beatmungsgeräte war das Überleben nicht gesichert.

 

Einen Fuß setzte Joachim bedächtig vor den anderen.

Die eine, die nächste Apotheke, bei der mußte bald mal sein.

Er war die dritte Parallelstraße runter, deren Bezeichnung ihm im Moment abhandengekommen war, obwohl er das Schild mit dem Straßennamen gelesen hatte. Außerdem wohnte er schon länger in dieser Stadtgegend, hätte alles ohne allzuviel Nachdenken augenblicklich parat haben müssen.

 

Oberhalb der Apotheke fanden sich mehrere Etagen hoch auch Ärzte.

Zwar keiner sein Hausarzt. Zu dem war es noch ein kurzes Stück. Nur, was wollte er immer bei dem?

An sich war ein Arzt wie der andere; erst, wenn man sich kennengelernt hatte ...

Ging's ihm demnächst besser, konnte er wieder seinen gewöhnlichen Hausarzt aufsuchen. Der Mann mußte Verständnis dafür aufbringen, erklärte er ihm die Situation, in der er sich befand. Vor allem das mußte sein, daß ihm ein zurückdatiertes Attest ausgestellt wurde. Eins, das er Personaler Menzle vor die Glotzer halten konnte. Sofort, wenn man sich wiedersah.

 

Dann war es, daß Joachim an einer größeren gläsernen Fläche vorübertaumelte.

Das war sie, die Apotheke, durchzuckte der Gedanke Joachim wie ein Blitz.

In einem früheren Leben war er schon öfters an der Apotheke vorbeispaziert war. In ihr hatte er sich schon was Salbe, Tabletten besorgt hatte.

In dieser Apotheke, wie in der anderen.

 

Keinerlei Reaktion ereignete sich. Das Geklingle Joachims bewirkte nichts.

Noch mal wiederholte Joachim das Knöpfedrücken. Hörte sogar von oberhalb gedämpftes Klingelgeräusch, glaubte es zumindestens.

er Apotheker und die Ärzte, sie schienen alle momentan keinen Nachtdienst zu haben.

Niemand befand sich, oben die Stockwerke, in einem Bett oder angezogen auf einem Liegesofa.

Niemand erschien, der in der Apotheke das elekrische Licht anmachte.

Oberhalb, da brannte hinter zwei Fenstern Lichtschein. Hinter so vielen Fenstern brannte allerdings elektrisches Licht.

 

Von der Glastüre, gegen die er sich mit der Schulter anlehnte, stieß Joachim sich keuchend ab.

Die Winsellaute, die Joachim an die Gehörgänge drangen: von ihm selbst.

Irgendwas mußte sich in nächster Zeit für ihn ergeben. Vielleicht war ein Einbruch ein Mittel der Wahl. Eine Fensterscheibe einzuwerfen.

Mit zwei größeren, zufällig am Trottoir herumliegenden größeren Steinen versuchte Joachim, die Fensterscheibe zu treffen. Beide Male verfehlte er sein Ziel.

So gleichgültig, wie ihm alle Folgen waren. Das, was ihm anschließend passierte, hier, Wie er sich wegen seines Vandalismus vor Polizisten rechtfertigen mußte.

Die Welt, die war eben wahnsinnig, im Moment für ihn. Da war eine Verhaftung durch Polizeibeamte das Allerwenigste.

 

Werbung
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post