1. Teil: 4.2
Den einen Willy der Willys umzulegen, dafür war es allerhöchste Zeit. Daß sich Jo, der Revolvermann, endlich das Kopfgeld verdiente, das er längst verpraßt hatte. Viel davon war bei Pokerrunden draufgegangen.
War der eine Willy der Willys erst hinüber, dann war der Ruf Jo's, des Reolvermannes, schlagartig wiederhergestellt. Hatte Jo, der Revolvermann, dem Willy der Willy erst den Garaus gemacht, war zu sehen, ob es den Rest der Willy-Sippschaft überhaupt noch einen Moment länger geben würde.
War Jo, dem Revolvermann, berichtet worden, daß der Willy der Willys mal angeschossen worden war. Danach fehlten überall die restlichen Willys, als hätten sie sich schlagartig in Luft aufgelöst. Schwer zu überblicken, wohin die Willys sich so schnell hinbegeben hatten können. Jedenfalls war danach weit und breit kein Willy mehr zu entdecken.
Würde Jo, der Revolvermann, dann sehen, wo die Willys hineilten, wenn ihnen ihr Oberhaupt, das Gehirn der Willy-Bande, abhandenkam.
Jo, der Revolvermann, der auf der öden Staubstraße ausschritt. Trotzig Schritt für Schritt.
Links und rechts die Gebäudeumrisse mit immer denselben Holzstangengestell davor, sein Pferd dran anzubinden. Dann und wann fand sich bei so was auch ein hölzerner Trog. Eine Trinkstelle für das Pferd.
Oder man beugte sich selber runter, tauchte den Hut ein ins Naß. Was Jo, der Revolvermann, sofort beim nächsten Wassertrog tun konnte. Er war ja geradezu schon ewig auf der Straße unterwegs, als wäre Pain Way eine große Stadt.
Erschrocken, daß Jo, der Revolvermann, zusammenzuckte. Nachdem der Spaziergang andauerte und andauerte.
Im Schritt verhielt Jo, der Revolvermann. Allüberall nichts als diese für Mitleid hergezimmerten Holzlattengebäude. Hinten, vorn, auf der Seite.
In den Sinn kam es Jo, dem Revolvermann, daß er seit längerem wirklich keine Leute mehr gesehen hatte. Nicht mal aus den Augenwinkeln.
Aufs neue, daß Jo, der Revolvermann, ausschritt. Sicher, irgendwann mal beim Saloon von Pain Way anzukommen.
Durchaus seltsam, wie viele Häuser Pain Way hatte. Das hörte gar nicht mehr auf, an namenlosen Gebäuden zu beiden Seiten der einen Staubstraße vorüberkommen zu müssen.
So gewaltig war die Stadt Pain Way doch nicht, daß hier meilenweit dahingestiefelt werden mußte. Sich in einer Wüste zu verlaufen, das war eher wahrscheinlich, als sich in Pain Way zu verlaufen.
Unverhofft änderte sich beim unentwegten Dahinspazieren doch noch etwas. Jo, der Revolvermann, durfte im Vorüberkommen Kleinigkeiten auf Holzschildern lesen.
Ein Holzbau nannte sich nach dem hölzernen Schild oben am Vorbau The Rancher's Store. Ein anderer: Willys Welcome. Oder: Hotel Willy. Es folgten: Willy the barber, Willy ducks you, Willy's Dead Place, Willy for the Hoof, Willy eats you alive.
Was Willy ducks you und Willy eats you alive zu bedeuten hatten, das rätselte Jo, der Revolvermann. Willy for the Hoof war wohl eine Schmiede. Willy the barber - der Friseurladen.
Bei Willy ducks you und Willy eats you alive war höchstwahrscheinlich gemeint, daß es nicht die Willys selber waren, die Willy's Dead Place kennenlernten.
Irgendwohin abzubiegen, das weigerte sich Jo, der Revolvermann. Ihm fehlte der Ort bei den Benennungen, zu dem er hinwollte: der Saloon. Der eine Saloon, von dem Jo, Revolvermann, wußte, daß es ihn in Pain Way gab.
Obwohl Orte wie Willys Welcome oder Hotel Willy natürlich auch gut für was Saloon-ähnliches Geschehen waren. Bloß - warum dort hineinlatschen, wenn Pain Way einen Saloon hatte?
Es nervte Jo, den Revolvermann, einigermaßen, daß er ständig dieselben Namen wie auf der Endlosschleife las. Als ginge er irgendwo im Kreis. Obwohl er eigentlich auf der Straße geradeaus ausschritt, einer, die eigentlich keine einzige Meile zuviel haben konnte.
Und doch hatte sie für Jo, den Revolvermann, jede Menge Meilen zuviel.
Um die Willy-Stadt, um die war Jo auf Susan, seinem Wallach, doch herumgeritten. Unübersichtlich und großflächig war ihm die Willy-Stadt da nicht erschienen.
Die Willy-Stadt vielmehr eine Örtlichkeit mit einer überschaubaren Anzahl an hölzernen Bauwerken. Abzählbar.
Und jetzt ... Jetzt beschritt Jo, der Revolvermann, eine Großstadt.
Willys Welcome gab es für Jo im blanken Dutzend billiger. Ebenso Hotel Willy. Den Rest mit Willy the barber, Willy ducks you und Willy eats you alive und dem, den sah Jo, der Revolvermann, weniger oft.
Warum ging er starr geradeaus?
Die Antwort, die war Jo, dem Revolvermann, unzweideutig klar: Weil er die Umkehr zu fürchten begann. Das, daß der Rückweg noch viel länger werden könnte.
Unter den gegebenen Bedingungen gab es nur eins: weitergehen. Darauf zu hoffen, daß Pain Way ein Städtchen war, dessen Saloon erreichbar war.
Es nützte nichts, herumzujammern. Auch wenn ihm die zu Fuß zurückgelegte Wegstrecke lange genug schien, die karge Grasbüschel- und Kakteenlandschaft am gegenüberliegenden Stadtende wiederzusehen.
Schließlich war er auf Susans Rücken am entgegengesetzten Ende von Pain Way vorübergeritten.
Jo, der Revolvermann, er latschte und latschte, las Willys Welcome auf einem Schild. Willy ducks you. Willy the barber. Willy eats you alive.
Eins konnte Jo, der Revolvermann, für sich festzuhalten: Viel was Stadtleben hatte Pain Way seit einem geraumem Weilchen nicht mehr. Obwohl Jo, der Revolvermann, sich beobachtet fühlte.
Die Straße gequert hatte auch seit einer halben Ewigkeit keiner mehr.
Fast eine Szene, daß SIE allesamt in ihren Häusern blieben, weil Jo, der Revolvermann, erkannt worden war.
Jo, der Revolvermann, er hatte so was durchaus schon öfters. Erst spielten lustig die Kinder in der Gegend rum, dann zerrten Mutti oder Vati die lieben Kleinen plötzlich davon. Als wäre Jo, der Revolvermann, unterwegs, die Kinderhaufen zu erschießen.
Irgendwie entsann Jo, der Revolvermann, sich darauf, daß er Pferde gesehen hatte, die an einer der Querstangen bei einem Sauftrog angebunden waren. Ein weiß-schwarz geschecktes Indianerpony sah er ganz deutlich vor seinem geistigen Auge.
Auch Reiter mit ins Gesicht gezogenen Stetsons hatte Jo, der Revolvermann, vorüberreiten sehen, als er Susan, seinen Wallach, zurückließ, sich auf der Staubstraße auf seinen Fußmarsch begeben hatte.
Und jetzt?
Jetzt war Pain Way nur noch öde, tot. Gut dasselbe, wie Pain City früher.
Ein scheinbar verlassenes Örtchen, das Jo, der Revolvermann, mit den zwei Revolvern links und rechts in den ledernen Hüftholstern bewanderte. Einen Saloon mußte es aber im Stadtzentrum geben. Marga, die Barfrau, zumindestens sie, sie sollte in dem Saloon anzutreffen sein. Gemeinsam mit Marga, der Barfrau, würde Jo, der Revolvermann, auf den einen Willy warten.
Niemand ließ sich in der näheren Umgebung blicken.
An Situationen anderswo erinnerte sich Jo, der Revlvermann. Dort, daß er dort unterwegs schon den einen oder anderen abgeknallt hatte. Der sich ausprobieren wollte, weil er nicht an Jo, den Revolvermann, glaubte. Mit Grinsegesicht, daß er sich Jo, dem Revolvermann, in den Weg stellte, auf seinen Revolver deutete.
Kaum, daß der eine nach seiner Waffe faßte, hatte er ein Loch in der Stirn. Lag im Dreck. Wo auch mehrere zusammen rumliegen durften.
In Pain Way kam keiner raus, wollte sich selber an Jo, dem Revolvermann, messen. Keiner der üblichen Stadtbewohner, keiner der Nebenher-Willys. Oder sonst ein Stadtfremder, de wegen den europäischen Huren, Margas Freundinnen, nach Pain Way eingeritten war.
Bei den Willys war das an sich keine Überraschung. Daß die lieber dort blieben, wo sie sich im Moment aufhielten. Die Willys, von denen der eine Willy Marga, die Barfrau, Jo entführt hatte, die alle waren nun mal Feiglinge. Die lieber hinterrücks mit dem Gewehr auf einen zielten.
Den Kopf schüttelte Jo, der Revolvermann, belämmert, hob sich den Stetson vom Haar herunter, wischte sich mit dem Arm über die Stirn.
Es war geradezu unfaßlich. Das, daß ihm einfiel, den Verrat Margas, der Barfrau, eine Entführung zu nennen. War es nicht Marga, die Barfrau, die freiwillig auf Reisen ging? Dem Willy der Willys hatte Marga, die Barfrau, an einem vereinbarten Treffpunkt zu getroffen. Der eine Willy, der Marga, die Barfrau, nicht allzu lange auf irgendwas warten ließ, sondern sie wirklich abholen kam. Wie Jo, der Revolvermann, von dem Kutscher erfahren hatte, der Marga, die Barfrau, an den vereinbarten Treffpunkt kutschiert hatte.