1. Teil: 4.4
Mehrfach hatte Jo, der Revolvermann, sich am Absatz im Kreis herumgedreht. Grüßte dabei mit seinem grauen Stetson in die Landschaft.
Dann wartete er herausfordernd, drehte die Hutkrempe, harmlos tuend, mit den Fingern beider Hände rundherum.
Keiner erschien deswegen. Keiner traute sich das, Jo, dem Revolvermann, offen gegenüberzutreten. Für ein Duell. Eins Mann gegen Mann.
Weit und breit kein Willy, einer, der Jo, den Revolvermann, doch kennen mußte. Darüber Bescheid wußte, was war, wenn Jo, der Revolvermann, in der Stadt war. In einer Willy-Stadt noch dazu.
Jo, der Revolvermann, verließ die Örtlichkeit entweder in einem Sarg. Oder, weil der Willy der Willys in seinem Blut lag. Neben ihm Marga, die Barfrau.
Pain Way, wie Jo, der Revolvermann, das zusammengezimmerte Lattenstädtchen haßte. Jo, der Revolvermann, spuckte ostentativ aus.
Kurch eine der Türen aus einem der notigen Holzbauwerke wollte ein Willy heraustreten. Um vor Jo, den Revolvermann, hinzutreten. Auge in Auge mit Jo, dem Revolvermann, sich aufzustellen.
So was paßte anscheinend keinem Willy momenten in den Kram. Das war einfach nichts für einen Willy. Auch nicht für den einen Willy der Willys, Margas Willy.
Nichts als die Feigheit, die Willys.
Die Feigheit der Willys, anders war das nicht zu bezeichnen.
Von grundauf waren sie feig, die Willys.
Wenn man einem Willy nicht den Rücken zudrehte, war mit einem Willy nichts los.
Dann mußte Jo, der Revolvermann, die Krempe seines Stetsons loslassen. Daß dieser im Straßenstaub drunten landete.
Aus den Augenwinkel hatte er voraus auf der Staubstraße unvermittel Bewegung zu gewahren. Die Rechte Jo, des Revolvermannes, die reflexartig zum Revolver zuckte, während er sich dem zuwandte.
Mit zusammengekniffenen Augen, daß Jo, der Revolvermann, der beschleunigten Herzschlag spürte, geradeaus starrte. Da waren also doch Stadtbewohner, die zum Vorschein kommen wollten. Sechs Gestalten, die aus einem Willys Welcome herausgekommen waren.
Seltsames Volk, das konstatierte Jo, der Revolvermann. Obskure Gestalten, denen sich kein einziger echter Willy dazugesellen hatte wollen.
Weiterhin kein einziger der Willys weit und breit.
Das eine Häuflein Bevölkerung, das Jo, der Revolvermann, sich besah, wirkte bedrohlich. Als wäre es besser, abzudrehen, sich aus Pain Way zu verziehen. Solange man das noch konnte. Die Willy-Stadt Pain Way auf den eigenen Füßen zu verlassen. Daran sich zu erfreuen, daß man Pain Way noch kurz lebendig entkommen konnte.
Die einen üblichen Gesichtslosen, die Jo, den Revolvermann, schon in Pain City an lebendig gewordene, zweibeinige Kleiderpuppen mit strohausgestopften Kugelköpfen erinnerten.
Bloß die beiden Beine, auf denen sie dastanden, die irritierten.
An der Szene änderte sich nichts, zu sechst, daß sie sich breitbeinig Jo, dem Revolvermann, gegenüber aufbauten.
Figuren, überhaupt nicht unbewaffnet. Wie SIE schon in Pain City mit ein, zwei Schießeisen in den Holstern an den Hüften in die Sicht gerieten. Um doch in Pain City, keine größere Rolle zu spielen.
Sollte sich das in Pain Way etwa ändern?
Jo, der Revolvermann, schaffte sich in Bewegung. Näherte sich den sechs reglosen Gestalten. Um im Schritt innezuhalten.
Die ohne jedes Gesicht, die waren ihm nun noch näher. Rührten sich nicht das bißchen von der Stelle, als sollte Jo, der Revolvermann, in sie hineinlaufen.
Da sich mittenrein zwischen sie zu begeben, das schien Jo, dem Revolvermann, keine sonderlich gute Idee.
Wie nebenher, als wäre das nichts Wichtiges, Besonderes, was er unternahm, tastete Jo, der Revolvermann, nach den Hähnen seiner Revolver.
Mit einem gewissen Erchrecken gewahrte Jo, der Revolvermann, daß die vorliegenden Lederschlaufen das schnelle Ziehen seiner Sechsschüsser verhindern würde.
Gut, daß er noch mal beiläufig die Lage geprüft hatte. Wiewohl er sich sicher war, nachdem er sich entschieden hatte, zu Fuß in die Willy-Stadt Pain Way hineinzuspazeren, die ledernen Schlaufen von den Revolverhähnen links und rechts in ihren Holstern an seinen Hüften heruntergefingert zu haben.
Unternahm er das mit der Schlaufen eben noch einmal, entfernte diese, wenn er sich in dem getäuscht hatte, was er dachte, getan zu haben. Das war für ihn kein Problem.
Regelrecht war das eine finstere Zauberei. Fast mit jedem Blinzeln seiner Augen kriegte Jo, der Revolvermann,mit, daß sich immer mehr Stadtvolk in Grautonanzügen oder -hosen und -hemd auf der Hauptstraße zeigte. Stetson auf oder nicht.
Frauenkleider gewahrte Jo, der Revolvermann, mittlerweile.
Die Straßenbreite ihm gegenüber, die füllte sich bedenklich.
Selbst auf den hölzernen Spazierflächen der Lattengebäude links und rechts der Straße begann es vor reglos verharrenden Gestalten zu wimmeln.
Längst waren es mehr, wie Jo, der Revolvermann, Patronen in den Revolvertrommeln hatte. So viele waren nicht zu erledigen.
Was sich abspielte, das war kein gutes Ereignis. Das konnte nur eins heißen, daß Jo, der Revolvermann, den Rückzug anzutreten hatte. Wenn er noch von der Örtlichkeit wegkam.
Jo, der Revolvermann, konnte sich nicht entscheiden, was er anstellen sollte. Also stand er rum. Hielt für sich eins fest: Voraus bei ihm wurden es mehr und mehr. graue, schwarze, mehr oder weniger verstaubte Herrenhosen und -jacketts, weißen, gräulichen Hemden mit dünnen schwarzen Bindern. Desgleichen Weiberkostüme, grau, schwarz. Eingestaubt, trist.
An dem, daß sich für Jo, den Revolvermann, nichts änderte, daß sich nicht regte, davon abgesehen, daß sich die Menge mehrte, viele immer dichter beieinanderstanden.
Einzig und alleine, JENE, das waren keine Willys.
Die, die Jo, dem Revolvermann, gegenübertraten, sich Jo, dem Revolvermann, in den Weg stellten, das waren keine Willys.
Weit und breit waren keine Willys in Sicht. Willys ließen sich keine blicken.
Nirgends ein Willy. Ein Willy drängelte sich zwischen den vielen hervor.
Was bewahrte Jo, den Revolvermann, davor, daß keiner der Horde auf ihn losstürzte? Womöglich die zwölf Kugeln, die Jo, der Revolvermann, in dem Revolvertrommeln hatte. Links und rechts, die Revolver, in ihren Holstern.
Sie warteten darauf, daß einer, eine unter ihnen den Anfang machte. An sich hatte keiner, keine die Lust, daß Jo, der Revolvermann, mit der Schießerei loslegte. Jo, der Revolvermann, der in der Lage war, seine Kugeln schnell zu verschießen und mit jeder zu treffen.
Selbst die Gesichtslosen, jener gesichtslose Pöbel, wie er im Grunde ausgezeichnet zum ganzen Rest des üblichen Willy-Packs dazupaßte, wußten um den Ruf Jo, des Revolvermannes: Jo, der Revolvermann, war ein Schnellzieher, und er tötete. War Jo, der Revolvermann, hinter jemandem her, überlebte derjenige die Verfolgungsjagd nicht.
Am Absatz machte Jo, der Revolvermann, kehrt, wandte der Menge den Rücken zu, beugte sich ruckartig auf den Staubboden der Straße hinab.
WILLY schrieb Jo, der Revolvermann, mit Zeigefinger und Mittelfinger in den Dreck. Machte einen Schritt über die Großbuchstaben drüber, drehte sich wie vorher den vielen zu, stellte sich breitbeinig in Positur. Hoffte, daß was Erwartungsfrohes von seiner Miene abzulesen war.