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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 5.2

12. Februar 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Die Rechte Jo's, des Revolvermannes, suchte die Nähe des Griffs seines Sechsschüssers rechts im ledernen Hüftholster.

Der Flur, in dem er sich einfand, aufhielt, das war ein Ort, in dem es ziemlich beengt zuging. Viel Platz war nicht, für nichts.

Nichtsdestotrotz, für die Feigheit der Willys war alles bestens.

Ein feiger Willy, der mochte kurz einen Revolver um ein Wandeck herumhalten. Um die gesamte Revolvertrommel leerzuschießen.

Lange umständlich auf was zu zielen, war nicht notwendig, bei der Beengtheit der Örtlichkeit. Hauptsache, die Schüsse streuten. Für den Rest mußte der Willy dann mal ums Eck herumlinsen.

 

An sich, kaum eine Fluchtmöglichkeit, die sich bot.

Eine kurze flüchtige Bewegung voraus, Jo, der Revolvermann, gedachte, wie der Blitz zu ziehen. Den Revolverhahn mit dem Daumen zurückzureißen und abzudrücken. Alles eine fließende Bewegung, tausendfach geübt.

Jo, der Revolvermann, er war in der Lage, das kleinste Ziel zu treffen. Ob das der Lauf eines Revolvers war, der vorkommen wollte, oder nicht.

Im übrigen waren Willys in einem Willys Welcome zu erwarten. Nicht umsonst war das ein Willys Welcome.

Willys mußten mal wo sein, wenn die Willys die Namensgeber für einen Ort waren.

Am Holzschild über dem Vordach war Willys Welcome geschrieben gestanden. Und auch über dem Tresen war ebenfalls ein Schild angebracht. Eins mit dem Schriftzug: W.'s Saloon Welcome.

 

Wenn Willys wen willkommen hießen, war mit Sicherheit damit nicht das gemeint, daß einer wie Jo, der Revolvermann, in einem Willys Welcome willkommen zu heißen war.

Alle Welt - und eigentlich auch das Willy-Pack -, das darüber Bescheid wußte, daß Jo, der Revolvermann, hinter dem einen Willy der Willys her war. Sich endlich das Kopfgeld für den einen Willy zu verdienen. Die Golddollars, die er bereits ausgehändigt bekommen und verpraßt hatte.

Jetzt war Jo, der Revolvermann, hinten in einem Willys Welcome. Dort war Jo, der Revolvermann, wo wahrscheinlich normal kein Gast hinkommen durfte. Nicht, ohne nicht Ärger für sich gewärtigen zu dürfen, wenn er nicht herbeigerufen wurde.

Zumindest dumme Fragen würde jeder Eindringling gestellt bekommen. Von den Willys. Etwas, das die Willy-Konsorten nur bei Jo, dem Revolvermann, ausprobieren sollten. Jo, dem Revolvermann, mit was rüberkommen zu wollen. Jo, der Revolvermann, der wartete nur darauf.

 

Hände drückten außerhalb die Klinke der von Jo, dem Revolermann, abgesperrten Holztüre mehrmals herab.

Gerüttelt wurde am Türgriff, als dürfte jemand, mit dem nichts weiter war, als daß er sich weiter im Gästeraum des Willys Welcome aufhielt, dabei nichts als ein Gast war, sich das erlauben.

Bald rammten sie mit ihren Schultern noch die Tür auf.

Damit hatte es sich für Jo, den Revolvermann, entschieden. Er hatte wirklich auf nichts mehr weiteres zu warten: Man wollte ihm hinterherkommen, und man zögerte demnächst nicht länger, würde sich noch mit Gewalt Eingang verschaffen. Um Jo, dem Revolvermann, auf den Fersen zu bleiben.

Am Schluß schoß nach der in Holztür, gleichgültig, ob die Kugeln das Holz durchschlugen. Sich nicht darum kümmernd, was ein Willy dazu meinte, dem man die Tatsache mit einer kaputten Holztür zu erklären hatte.

Den Flurgang eilte Jo, der Revolvermann, hoch. Gewahrte, daß seine Augen nichts davon mitgekriegt hatten, daß der Flur an der Stelle einen Knick nach linker Hand machte.

 

Jo, der Revolvermann, der eilig ausschritt, verstand die Flurwelt. Es war unglaublich, wie viele Türen dieser enge Gang hatte. Ewig lang schien dieser, wollte für ihn überhaupt kein Ende nehmen.

Zwischen manchen der Tür waren Willy-Porträtbilder an der Wand angebracht. Ab und zu hielt Jo, der Revolvermann, bei einer dieser schmucklosen Holztüren an, drückte die äußere Türklinke herab, um festzustellen, daß zu war. Von drinnen war zugesperrt. Äußerlich steckte nirgends ein Schlüssel.

Da war nichts zu machen, als die Schulter zu zucken. Ohne Gewaltanwendung hineingelangen zu wollen, das war zu vergessen. Erlauschbar war ebenfalls nichts.

 

Das beeilte sich Jo, der Revolvermann, so rasch wie möglich, den Flurgang hinunterzuschreiten. Er hatte das drängede Gefühl, daß ihm seine Verfolger schon unmittelbar auf den Fersen waren.

Bloß, er blieb allein, und er spazierte in einem Flurgang.

Grinsende Willys mit Stetson am Kopf, mit einem Gewehr posierend, mit breiten Revolvergürteln, Waffengurte kreuzweise über der Brust. Glatzkopf-Willys, Willys mit dicken, dünneren Zigarren zwischen den Lippen.

Die Willy-Porträts, Jo, der Revolvermann, er fing an, sie zu hassen.

Wenn sie so gut bewaffnet waren. Wenn sie es nötig hatte, mit Gewehr und Sechsschüssern zu prahlen, kühl wirkend. Wo war dann der Kummer für einen Willy? Dann konnte ein Willy doch rauskommen, aus seinem Versteck, und sich Jo, dem Revolvermann, gegenüber aufzubauen.

Dann würde es sich entscheiden, wer besser mit dem Revolver war, der Willy oder Jo, der Revolvermann. Jeder hatte immer seine Chance, deswegen übte Jo, der Revolvermann, manchmal auch täglich stundenlang.

 

Am liebsten hätte er an dem und dem Willy-Porträt mal was Entstellendes angestellt. Andererseits war das die Frage, ob er für solch ein Unternehmen Zeit hatte.

Außerdem war ein zerstörtes Porträtbild nichts, das den Willys sonderlich wehtun würde. Schmerzen würde das keinen von ihnen, nicht so wie eine Kugel zwischen dei Augen. Tauschte der Willy das alte Willy-Porträt eben gegen ein neues aus.

Das drängende Gefühl hatte Jo, der Revolvermann, daß man ihm ziemich dicht hinterher war. Obwohl er bei jedem Blick zurück über die Schulter keine Verfolger blickte. Auch nichts Verräterisches zu vernehmen war.

Dermaßen bedrängt Jo, den Revolvermann, die Empfindung, daß er mehrere Male knapp dran war, nachdem er Absatz herumzuschnellte, mit dem Sechsschüser mit der Ballerei zu beginnen.

Im letzten Moment konnte er noch zu Bewußtsein kommen. Es war sinnlos, einen Flur hinaufzuschießen, wenn keiner der Kugel- und Ovalköpfe zu blicken war. Ebensowenig wie einer der waffenstarrenden Willys.

 

Das am Flurgang drauflos voranzumarschieren, das wollte nicht aufhören. Bald waren das mehrere Meilen, die Jo, der Revolvermann, in seinen Stiefeln dahingelatscht war.

Es blieb dabei, von irgendeinem Verfolger kriegte Jo nichts zu sehen. Voraus nicht, und in seinem Rücken ebensowenig. Weder die Oval- oder Kugelköpfe. Noch einen Willy.

Am wenigsten ehrte das einen Willy. Das Willys Welcome schlußendlich ein Ort der Willys. Willys gaben allem einen Namen. Und trotzdem mangelte es an Willys, die sich dem Angesicht Jo's, des Revolvermannes, präsentieren wollten.

Wäre in einem Willys Welcome in Pain Way, einer Willy-Stadt, tatsächlich nichts sonderlich Überraschendes gewesen, aufzutauchen. Daß ein Willy eine der seitlichen Türen öffnete, über die Schwelle auf den Flur heraustrat. Um Jo, dem Revolvermann, entgegenzustarren.

Statt dessen geschah nichts. Die Willys blieben allesamt Gestalten auf den glänzenden Schwarzweißbildern, grinsten dem Betrachter schiefmäulig eine Tischrunde.

 

Unvermittelt, nach einer halben Ewigkeit, blickte Jo, der Revolvermann, voraus eine weiß angestrichene Holztüre.

Der weißfarbenen Tür, daß sich Jo, der Revolvermann, bedächtig näherte.

Das Ende des seltsamen Hausflurs war gleichzeitig ein Hindernis.

Bei den Seitentüren längs im Flur war es an sich egal, was mit ihnen los war. Das bekümmerte nicht, daß er durch sie nicht in die Räumlichkeiten dahinter hineingelangen konnte, weil zugesperrt war. In der Folge schritt Jo, der Revolvermann, eben weiter. 

Bloß, hier konnte Jo, der Revolvermann, nicht mehr weiter. Es mußte sich bei dieser Tür irgendwas abspielen. Ließ sich die Tür nicht durch ein einfaches Drücken auf die Klinke öffnen, mußte er sich dann mit der Schulter gegen sie werfen. Und, führte das zu nichts, war ein Revolver zu ziehen, das Türschloß kaputtzuschießen.

 

 

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