1. Teil: 6.4
Das genähte Spitzenkleid Margas, der Barfrau, das hatte es Jo, dem Revolvermann, einfach angetan. Ständig, daß sein Blick drüberweg wandern mußte. Als ob es irgendwas Besonderes zu sehen gäbe, davon abgesehen, daß es weißfarben war.
Marga, die Barfrau, gewandet wie für eine in Kürze bevorstehende Hochzeit. Oder ihr eigenes Begräbnis.
Wo allerdings bei allem die Willys abblieben, das war die Frage. Überdies: Wer benötigte die Kugel- oder Ovalköpfigen als Hochzeits- oder Trauerfeiergäste?
Der Bräutigam Margas, der Barfrau, der ließ sich einfach nicht blicken. Sofern das eine Hochzeitsfeierlichkeit war, für die Marag, die Barfrau, hergerichtet war.
Zu Gesicht kriegte Jo, der Revolvermann, Marga, der Barfrau, und jene Kugel- und Ovalköpfigen. Die seltsamen Kugel- und Ovalköpfigen wirkten dabei manifestierter als Marga, die Barfrau, des öfteren war.
Ein Willy wollte sich einfach nicht an der Seite Margas, der Barfrau, blicken lassen. Wohl auch, weil der Willy sich sofort mit Jo, dem Revolvermann, duellieren hätte müssen. Da blieb man allen möglichen Geschehnissen bei Jo, dem Revolvermann, lieber fern.
Übers Heiraten hatte Jo, der Revolvermann, mit Marga, wenn sie beide zusammen waren, dann und wann geredet. Ernster als notwendig hatte er das zwar nicht gemeint. Nichtsdestotrotz hätte Marga, die Barfrau, dort bleiben können, wo sie war, statt in einer gemieteten Kutsche abzureisen, sich in ihr zu einem Treffpunkt fahren zu lassen. Dort auf den Willy der Willys und seine gesamte Bagage zu warten.
Für den Willy der Willys, daß Marga sich das lupenweiße Laken überwarf. Für ihn, den Willy der Willys, hatte Marga sich fein ausstaffiert.
Nur eins ergab dabei keinen Sinn: daß Marga, die Barfrau, sich Jo, dem Revolvermann, gegenüber befand. Anstelle eines Willys. Marga, die Barfrau, die hatte sich herbeigesellt, während der eine Willy sonstwo abblieb. Der eine Willy der Willys, der stellte sich lange nicht ein, kam Marga, der Barfrau, nicht dazu. Vielleicht mit einem Revolvergurt um die Hüften.
Wobei alles in der Willy-Stadt Pain Way eine Willy-Angelegenheit war. In der Willy-Stadt Pain Way, daß eigentlich die Willys über alles herrschten. Trotzdem nahm die Geschichte in der Willy-Stadt Pain Way kein Ende für Jo, den Revolvermann.
Marga, die Barfrau, die mußte das auch verstehen, begreifen. Daß es nicht anders ging, als daß ein Willy vor Jo, den Revolvermann, hintrat. Das Beste wäre gewesen, daß der eine Willy der Willys sich zeigte, Jo, dem Revolvermann, gegenübertrat.
Was wollte Jo, der Revolvermann, denn von Marga, der Barfrau? Sie, Marga, die Barfrau, so alleine, einsam und verlassen. Im Angesicht Jo's, des Revolvermannes, sich selber überlassen, Jo, der Revolvermann, der bereits die Revolver auf Marga, die Barfrau, gerichtet hatte. Marga, die Barfrau, ganz und gar schutzlos, ohne einen einzigen Willy an ihrer Seite. Hätte Marga, die Barfrau, den Revolver Jo's, des Revolvermannes, genommen, vielleicht wäre Marga, die Barfrau, lange im Staub herumgelegen. Tot.
Statt dessen befand Marga, die Barfrau, sich in einem halbdurchsichtigen Zustand Jo, dem Revolvermann, gegenüber. Etwas, das nicht zu fassen war. Unbegreiflich. Schrecklich. Wie Marga, die Barfrau, rüberkam. Besser nicht, sich das zu sehr zu überlegen.
Woran zu denken war, daran, daß, wenn das ein Hochzeitskleid war. Was das hieß, mit wem Marga, die Barfrau, in den Stand der Ehe treten wollte: mit dem einem Willy der Willys. Mit einem armseligen, widerwärtigen Willy. Obwohl die Willys überall in der Umgebung Städte errichtet hatten. Ortlichkeiten allerding, in denen dem Glücksspiel gefrönt wurde, der Hurerei und die Gesetzlosigkeit.
Viel geändert hatte sich bei Marga, der Barfrau, nicht, nur weil sie mit dem einen Willy beisammen war. Da wäre es beinahe gewesen, das mit der Totenwacht der Kugel- und Ovalköpfe hätte etwas mit Marga, der Barfrau, zu tun gehabt. Daß diese komischen Gestalten in ihren grau- und schwarzfarbenen Anzügen und Frauenkostümen ihre Totenwache für Marga, die Barfrau, hielten. Durchsichtig jedenfalls war Marga, die Barfrau, jedenfalls gerade, nicht mehr von dieser Welt zu sein.
Einen Meter hoch, daß Marga, Barfrau, bei der der Zustand mit der Halbdurchsichtigkeit anhielt, in der Luft am Platz herumzuschweben begann. Bald nur noch nach der Art eines Geisterwesens.
Nackte Füße mit den rotbemalten zierlichen Zehen hatte sie, die abwärts zum Boden hinab zeigten. Das nächste Phaszinosum für Jo, den Revolvermann.
Unerklärlich fand Jo, der Revolvermann, das mit der anhaltender körperlichen Durchsichtigkeit Margas, der Barfrau. Der Schwebezustand Margas, der Barfrau, an dem konnte ebensowenig allzu viel wirklich sein.
Beinahe sah es aus, Marga, die Barfrau, sie wäre nicht länger von dieser Welt.
Unheimlich war es Jo, dem Revolvermann, zumute, angesichts von der, die er als Marga, die Barfrau, kannte. Marga, die Barfrau, wie was Schreckliches aus dem Totenreich.
Marga, die Barfrau, eine Erscheinung aus einem gruseligen Alptraum.
Flehentlich und leidend, der Blick Margas, der Barfrau, als würde sie im Gesicht Jo's, des Revolvermannes, lesen. Die Hände, Marga, die Barfrau, rang sie.
Die Lippen Margas bewegten sich, und Jo, dem Revolvermann, war, als könnte er was Worte ablesen. Da was begreifen, was Marga, die Barfrau, zu ihm hin meinte.
Was Jo, der Revolvermann, von Marga, der Barfrau, mitzubekommen meinte, war, daß er auf der Stelle fortgehen sollte. Aus der Stadt der Willys sollte er verschwinden. Solange Jo, der Revolvermann, das noch konnte. Ehe ihm eine Kleinigkeit passierte, wie mit den Willys was passiert war.
Den Kopf schüttelte Jo, der Revolvermann, ungläubig zu Marga, der Barfrau, hin. Schließlich hatte er für nichts, was Marga, die Barfrau, da mit ihren Lippenbewegungen zum Ausdruck brachte, einen Beweis. Ein sicherer Beweis wäre vielmehr das gewesen, wenn er dem einen Willy der Willys eine Kugel zwischen die Augen verpaßt hätte. Was anderes war nicht gelten zu lassen.
Jo, der Revolvermann, wähnte, das von den Lippen Margas, der Barfrau, abzulesen, er solle endlich fortgehen. Davonstehlen sollte er sich. Solange er das konnte.
Bloß, Jo, der Revolvermann, er hatte, kaum den Blick von Marga, der Barfrau, fortgenommen, Marga, die Barfrau, die ziemlich durchsichtig auf der Stelle schwebte, die zahlreichen Kugel- und Ovalköpfe erneut in Sicht, Jene, die von links nach rechts dichtgedrängt in einer langen Reihe beisammenstanden.
Weiterhin war eher eine Schwierigkeit für Jo, den Revolvermann, von der Örtlichkeit hinter dem Willys Welcome wegzukommen; gleichgültig, was Marga, die Barfrau, da wortlos zum Ausdruck bringen wollte. Das leichte Gefühl hatte Jo, der Revolvermann, daß die vielen was dagegen einzuwenden haben würden, würde Jo, der Revolvermann, sich zwischen ihnen hindurchdrücken wollen. Zu nahe durfte er ihnen weiterhin nicht kommen, seine Revolverkugeln wie gehabt nicht an sie verschwenden. Ansonsten wäre es mit dem Patt vorbei gewesen. Schlußendlich fürchteten sie das Blei Jo's, des Revolvermannes. Und hatte Jo, der Revolvermann, seine Revolvertrommeln erst leergeballert, dann ... Dann blieb Jo, dem Revolvermann, nicht viel Zeit, noch mal nachzuladen.
Die Schulter zuckte Jo, der Revolvermann, zu Marga, der Barfrau hin. Die eine, die halbdurchsichtig über dem Staubboden rumschwebte, einmal höher, dann in Bodennähe.
Zu Jo, dem Revolvermann, daß Marga, die Barfrau, verständnislos hinstarrte. Dann wieder nach hier oder dort hinzeigend, was Worte mit den Lippen formend.
Jo, der Revolvermann, der konnte doch nach überall hinmachen, wenn er denn nur endlich nach irgendwohin abhauen würde, daß man vor ihm und seinen Revolvern seine Ruhe hätte.
Jo, der Revolvermann, er blieb ruhig. Stand in der Gegend rum.
Daran dachte Jo, der Revolvermann, daß, wenn Marga, die Barfrau, bei ihm in der Nähe herumschwebte, das fast ein Ding der Ummöglichkeit war, daß der eine Willy der Willys nicht doch mal nach Marga, der Barfrau, sah. Sich das fragend, wo Marga, die Barfrau, nur solange abblieb. Und, unter den gegebenen Voraussetzungen, war das kein Problem für Jo, dem Revolvermann, tauchte der eine Willy der Willys urplötzlich auf, sofort auf ihn zu feuern. Womit sich alles wahrscheinlich sofort in Wohlgefallen aufgelöst hätte. War der Willy der Willys reglos am Herumliegen, war auch das mit Marga, der Barfrau, augenblicklich gleichgültig. Dann konnte Marga, die Barfrau, sich sofort ganz in Luft auflösen.
Kam der eine Willy der Willys herbei, hielt nach dem Verbleib Margas, der Barfrau, Auschau zu halten, würde das die Entscheidung herbeiführen. Entweder war es Jo, der Revolvermann. Oder es war eben ER, jener eine Willy. Wenn der Willy der Willys schneller zog als Jo, der Revolvermann.
In der Angelegenheit konnte es nur einen geben. Entweder Jo, den Revolvermann, oder den Willy der Willys. Mit dem Glück des einen Willys mußte es mal vorbei sein. irgendwann mußte Jo, der Revolvermann, mal auf ihn schießen, nicht wie bisher, daß der Willy der Willys eine Schußwaffe hatte, diese abfeuerte. Jo, der Revolvermann, der die Einschläge der Kugeln spürte, Jo, der Revolvermann, ein geübter Schütze, der sich außerdem in Duellen bewiesen hatte.
Gereizt betrachtete Jo, der Revolvermann, Marga, die Barfrau, die mit den Händen in der Gegend herumgestikulierte. Dazu gezwungen sah Jo, der Revolvermann, sich, sich im Lippenlesen zu versuchen.
Was Marga, die Barfrau, darüberhinaus zu meinen schien, das begriff Jo, der Revolvermann, nicht so recht. Das Weib brachte das tatsächlich zum wiederholten Male zum Ausdruck, daß von den Willys keiner mehr in der Willy-Stadt wäre. Alles Willys, die wären fort, ihr vorausgegangen. Bald würde sie den Willys nachfolgen; dauern würde das nicht mehr allzu lange.
Keiner der Willys sollte mehr in der Willy-Stadt sein. Das glaubte Marga, die Barfrau, doch selber nicht.
Wiederholt, daß Jo, der Revolvermann, den Kopf schüttelte. Einzig und alleine, Marga, die Barfrau, die setzte das fort, Jo, dem Revolvermann, Worte mit den Lippen zu formen. Daß Jo, der Revolvermann, da was in einer Weise ausdeutete, sie meine, ihr, Marga, der Barfrau, wäre es bis jetzt noch nicht beschieden, hinüberzugehen. Bei würde das jedoch nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.
Jo, dem Revolvermann, blieb das ungläubige Kopfschütteln. Schulterzucken präsentierte er Marga, der Barfrau. Was Marga, die Barfrau, hier zum Ausdruck brachte, fassungslos machte es. Die Augen verdrehte Jo, der Revolvermann, zum seltsam bleich, farblos wirkenden Himmel hinauf. Durchaus irritierend, die Himmelsansicht.
Nicht lange, dann war sie tot, brachte Marga, die Barfrau, Jo, dem Revolvermann, gegenüber zum Ausdruck. Nur noch ein kleines Weilchen, sie würde genauso tot sein wie der eine Willy. Die restlichen Willys.
Nicht das bißchen Ahnung hätte sie, warum sie überhaupt noch da wäre.
Retten sollte sich Jo, der Revolvermann, sich. Zumindestens er, Jo, der Revolvermann, er könnte sich noch retten.
Tatsächlich mußte Jo, der Revolvermann, die Augen zusammenkneifen, noch den Hauch eines Körperumrisses Margas, der Barfrau, zu erkennen.
Dann war Marga, die Barfrau, denn gänzlich fort. Kehrte wider Erwarten Jo, dem Revolvermann, nicht wieder zurück.