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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 8.4

13. April 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Überhaupt nicht besonders fühlte sich Joachim.

Setzte er das, wie es ihm momenten ging, jedoch Menzle, dem Personal-Menschen, auseinander, würde der mit Sicherheit kein Verständnis für irgendwas aufbringen.  Die Antwort von Personaler Menzle, die sich Joachim unter anderem anhören würde müssen: Der Jo, arbeitsunlustig wäre der, sonst nichts.

Personaler Menzle, ohne ärztliches Attest und Krankschreibung, galt bei ihm nichts. Ohne diese Dinge war alles Gesülze aus Joachims Mund gleichgültig. Genausogut hätte Der Jo sich die letzten Tage wirklich selber freinehmen können.

Als Urlaubstage würde Joachim seine Fehltage nicht geltend machen können. Anrechnen würde man ihm nichts, und bezahlt kriegen würde er für nichts auch nichts.

Entweder hielt einer sich an die vorgegebenen Regelungen, lieferte innerhalb kürzester Frist ein ärztliches Attest, oder er hatte das zu ertragen, daß man ihn des einen oder anderen verdächtigte.

 

Nichts wußte Joachim, so, wie er am Flurgang seiner Wohnung herumlag, was er gegen irgendwas unternehmen sollte. War er schließlich weiter nicht in der Lage, sich einen Impuls zu geben und hochzukommen.

Seine Gedanken bewirkten nichts. Er fand sich an seinem Liegeplatz anzustellen, durfte rumliegen, die Flurdecke bestaunen. Ansonsten war er zu nichts fähig.

In der Küche fanden sich das Ladegerät und sein Phon, nirgends sonst. Dorthin, in die Küche mußte er, das Phon in die Hand zu nehmen, war nach der Uhrzeit zu sehen.

Paßte das mit der Uhrzeit, daß es nicht abends, nachts oder früh am Morgen war, hätte er augenblicklich im Büro anrufen und sich mit Personaler Menzle verbinden lassen können.

 

Jaja, Herr Menzle, ist in Ordnung, ich ruf mir dann sofort ein Taxi. Der Taxifahrer soll hochkommen. Hoffe, daß ich ihm aufmachen kann. Dann muß er mir unter die Arme fassen, mir helfen, daß ich mich mit ihm mich zum Lift hinbegeben kann. Lass mich dann auf der Stelle zu meinem Hausarzt bringen, Herr Menzle. Im Taxi. Mein Hausarzt hat seine Praxis nur ein paar Straßenblöcke von hier entfernt. Weiß nicht, wie ich die letzten Tage, Stunden überstanden hab. Mein gesamter Köper ist vollgeblutet, Herr Menzle. Keine Ahnung, was mit mir geschehen ist. Vielleicht sollte ich mich sofort ins Krankenhaus bringen lassen.

Nein, Herr Herrmann, vernahm Joachim die Stimme Personalchefs Menzle deutlich und unmittelbar, Sie begeben sich als allererstes zu Ihrem Hausarzt. Das sollten Sie auf der Stelle machen. Ihr Hausarzt soll mich auf der Stelle anrufen, wenn er mit Ihnen fertig ist. Wenn er Sie ins Krankenhaus schaffen läßt, will ich das wissen. Hoffe das wirklich für Sie, daß ich ein Attest übermittelt bekomme. Eins, das Hand und Fuß hat. Sonst können Sie sich was überlegen, Herr Herrmann, wie das in der Zukunft mit Ihnen weitergeht. Von mir haben Sie jedenfalls mit einem Kündigungsschreiben zu rechnen. Von Ihnen hätt ich das nicht erwartet, Herr Herrmann, daß Sie mal unentschuldigt, grundlos am Arbeitsplatz fehlen. Da bin ich überrascht.

 

Die laute Stimme Personaler Menzles, richtiggehend dröhnend hatte Joachim sie im Ohr. Richtiggehend bellte Peronaler Menzle zuletzt aus der Membran des Phons heraus.

Das Problem daran, Joachim bemerkte bei sich, daß er am Flurboden rumlag. Wie er bereits tagelang kraft- und saftlos bei sich in der Wohnung rumgelegen war. Bisher hatte er im Wachen noch nicht allzuviel unternehmen können. Überdies hatte er weit und breit kein Phon. Das fand sich in der Küche. So daß es nicht eben wahrscheinlich war, daß die Unterhaltung zwischen ihm und Personaler Menzle mit der Wirklichkeit was zu schaffen hatte. Obwohl all die Worte so deutlich und klar klange, als hätte er sie tatsächlich vernommen.

Unfaßlich, was er abgekriegt hatte. Was ihm geschehen sein könnte, keine Ahnung hatte er.

Überall am ganzen Körper hatte was bei ihm aus den Poren rausgeblutet, blutete es ihm weiterhin aus den Poren heraus. Noch nie in seinem Leben hatte ihm derartiges mitgespielt.

 

Ach, hören Sie doch auf, Herr Menzle. Ich war doch noch kaum je einmal krank. Die vergangenen Jahre durch. Auch mit Schnupfen hab ich mich in die Arbeit geschleppt, mit Fieber. Ich sag Ihnen, sobald ich wieder auf die Beine gekommen bin, bin ich sofort wieder pünktlich. Pünktlichkeit steht bei mir ganz oben auf der Liste. Gegen halb acht bin ich im Büro. Meistens bin ich sowieso bei den letzten, die Schluß machen. home office, so was hab ich noch nicht einmal gemacht. Obwohl zu mir gemeint wurde, wenn ich will, könnt ich auch öfters von daheim aus arbeiten.

Woanders war man fexibel, hatte es gleitende Arbeitszeiten. Als Joachim mitkriegte, daß das mit dem home office nicht gerne gesehen war, meldete er sich für diese Möglichkeit nicht an. Den Leuten schaute er zu, die mal wie sie wollten, an ihren Büroschreibtischen auftauchten. Bei Männern, Frauen mit Kindern schien man das mit dem home office zu dulden. Ansonsten herrschte für den Rest, die keinen oder schon älteren Nachwuchs hatten, die Arbeitszeitkultur von vorgestern. Unbezahlte Überstunden mitinbegriffen.

 

Ja, ja, Herr Menzle, die vom Arzt ausgestellte Krankmeldung. Alles wird Ihnen unterschrieben vorgeleg, das versichere ich Ihnen. Bis ins kleinste Detail werden sie alles erfahren, was der Hausarzt bei mir feststellte. Werde dafür sorgen, daß sie, bin ich weiter krankgeschrieben, eine dokumentenechte Krankschreibung per elektronischer Post aus dem Vorzimmer meines Hausarztes und auch aus dem Krankenhaus erhalten, in das man mich eingeliefert hat. Selbstverständlich wird sich das machen lassen. Wenn ich mein Problem schildere, geht bei meinem Hausarzt und auch im Krankenhaus alles klar. Alles werden Sie schriftlich fixiert erhalten, Herr Menzle. Detailliert und mit Unterschrift.

Rasselnd hörte Joachim sich atmen. Auch vor Aufregung.

Arbeitslosigkeit wünschte er sich wirklich nicht. Nicht gerade zu dieser Zeit. Während der sie zu Tausenden nur darauf warteten, sich selber hinter Joachims Schreibtisch zu plazieren, Joachims Geld zu verdienen.

Überdies, brauchte er sein regelmäßiges Einkommen. Wie sonst, daß er Marga auf den Fersen bleiben sollte. Ohne Moos war auch dabei nichts los. Ohne seine monatliche Asche konnte er das vergessen, Marga hinterherzusetzen, und sie vielleicht wieder alleine irgendwo zu erwischen.

 

Dutzende von Bewerbungen gingen unverlangt jede Woche auf der Etage Menzles ein. Hatten sie erst letztens die Tage in der Kantine drüber diskutiert.

Menzle, der Personalchef, hatte, wollte er das, die freie Auswahl. War Personaler Menzle mit dem und dem unzufrieden, konnte er an einem Schreibtisch eine Notiz hinterlassen.

Aus einem Duztend Bewerber konnte Personaler Menzle sich die Vielversprechendsten aussuchen. Die, die einen ersetzten. Ganz davon abgesehen, daß in der Firma öfter mal Planstellen wegfielen. Ältere bekamen eine Abfindung, gingen in Rente, und ihre Arbeitsplätze wurden nicht neu besetzt.

Wegrationiert wurde demnach einiges. Während Personaler Menzle Leute gerne auch mal einfach so vorsprechen ließ, sie zu sich in Büro einlud. Selbst Betriebsführungen veranstaltete Personaler Menzle. Ohne daß hernach im größeren Stil Neueingestellte wo zu entdecken waren.

 

Weiter fühlte Joachim sich dazu aufgerufen, irgendwas zu unternehmen. Bald mal auf die Beine zu kommen. Dafür zu sorgen, daß er rasch in die Küche kam. Dort am Phon nach der Uhrzeit zu sehen.

Wegen Personaler Menzle und den Möglichkeiten, die Personaler Menzle hatte.

Viel länger durfte er nicht negativ bei Personaler Menzle auffallen. Fehltage bis weit in die nächste Woche hinein, noch dazu ohne Attest, das war bald nicht mehr gestattet. 

 

Egal, wie er das anstellte, Joachim mußte sich hochschaffen. Zwingende Notwendigkeit war das, sich mit seinem Hausarzt in Verbindung zu setzen. Der war Tag und Nacht anrufbar, ebenso wie der Notarzt, ein Krankenwagen jederzeit gerufen werden konnte.

So, wie es ihm ging, betrieb er keine dummen Späße. Für niemanden, auch nicht mitten in der Nacht.

Jeder, der zu ihm in die Wohnung reinkam, ob Joachim ihm die Wohnungstür öffnete oder derjenige diese aufbrach, der brauchte lediglich einen kurzen Blick auf ihn zu werfen, um eins zu überblicken: Joachim, der schauspielerte nicht.

 

Trotzdem war das unangenehm, in den Überlegungen Menzles, des Personalchefs, eine besondere Rolle zu spielen. Bei Personaler Menzle auffällig zu werden, das war nie irgendwas, das einem Vorzüge einbrachte.

Jede negative Randnotiz Menzles konnte arge Folgen für einen haben.

Menzle war tatsächlich keiner, der von sich aus irgendwas von selbst aus der Welt schaffte. Personaler Menzle hatte sich seinen schlechten Ruf hart erarbeitet, den wollte er auch verteidigen.

Deswegen war es ratsam, baldigst entweder sein Phon zum Funktionieren zu bringen. Oder anderswo für Kommunikation zu sorgen. Sich bei der Angelegenheit auf Marga und sonst niemandem zu versteifen, das durfte er sich nicht noch mal erlauben.

Marga, die war nicht der Mittelpunkt der Welt. Marga, die schrieb keine Krankenatteste aus. Kein Telefonat mit Marga würde Personaler Menzle zufriedenstellen, außer Marga informierte Personaler Menzle darüber, was sie heute von Joachim hielt. Worüber Marga als erstes informieren würde, war, daß Der Jo und sie kein Liebespaar mehr war. Getrennt hatten sie sich..

 

Etwas spürte Joachim zwischen seinen Fingern, als er vor Wut zufaßte. 

Kein unbekanntes Geräusch, den das entfaltete.

Unwillkürlich hob Joachim sich das eine vor die Augen, als hätte er unvermittelt kein Problem mehr mit so was.

Eine leere Aluminiumpackung Kartoffelchips war das, die er anglotzte..

Einen krümmeligen Rest Chips schüttete Joachim sich auf die Hemdbrust. Ansonsten war die Chips-Packung leer.

 

Überrascht gewahrte Joachim, der den Kopf von Fußboden angehoben hatte, eine verschlossene halbleere Wasserflasche, die seitlich bei ihm rumlag.

Ganz, daß es danach aussah, als hätte er sich an der einen Packung Chips gütlich getan, dann mit Mineralwasser hinterhergespült.

Erinnerung überkam Joachim keine. Entsinnen konnte Joachim sich an nichts.

 

 

 

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