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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 8.6

18. April 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

In die Höhe fuhr Joachim.

Einen kurzen Ton hatte er gehört. Zumindestens war er der Meinung.

Andererseits - warum nicht?

Nichts Komisches, Ungewöhnliches, Mysteriöses., klang nach einem Vibrationsalarm.

Wie von einem Smartie. Als wäre auf einem Phon, das auf die Lautlos-Funktion gestellt war, eine Nachricht eingegangen.

 

Das Herz schlug Joachim bis zum Hals. Er horchte angestrengt. Aber, das Geräusch, es wiederholte sich nicht.

Die Tonart einer Vibration. Als hätte sich ein Phon gemeldet. Nicht allzu weit entfernt.

Hatte Joachim seine Telefonie in der Nähe herumliegen? Ohne bisher was von ihr mitbekommen zu haben - weil seine Augen drüberwegsahen?

 

Mit zusammengekniffenen Augen starrte Joachim herum. Nach den Wänden links und rechts, den Teppichboden zur Wohnungstür hinauf.

Kein dunkler flacher Rechteckkörper mit abgerundeten Kanten. Nichts dieser Art sah er herumliegen. 

In die Sitzposition schaffte Joachim sich, verdrehte Hals und Oberkörper, um seitlich den Flur hinunterzugucken.

Verschlossene oder angelehnte Zimmertüren. Zu beiden Seiten. Die Tür in die Küche stand offen.

 

Lediglich die vibrierende Tonart, die hatte er vernommen. Ein einzelner Laut und alles andere als lange anhaltend.

Fast konnte er sich auch getäuscht haben.

Wenn, dann kam der Alarmton aus der Wohnküche. Aller Unmittelbarkeit zum Trotz. Schließlich hätte er ansonsten das Phonteil am Teppich rumliegen gesehen.

Oder - kam der Meldeton aus der Wohnung der Dottlers unterhalb? Stockies Gebelle tönte derzeit in einer penetranten Weise, daß es verwunderlich war, daß Joachim früher nicht schon öfters vor der Wohungstüre der Dottlers rumgestanden hatte, sich über Stockies Gekläffe zu beschweren. Ein Anruf beim Hausmeister oder den Vermietern hätte auch drinnen sein können.

Andererseits - das war der Unterschied zu vordem - solange Zeit war Joachim nie bei sich am Wohnungsflur herumgelegen. Was die Dottlers unterhalb beredeten oder wenn Stockie mal losbellte, so bewußt hatte er sich das nicht gemacht.

 

In die Rückenlage legte Joachim sich zurück, glotzte nach der Flurdecke hoch.

Ein paarmal atmete er tief durch.

Es durfte nicht sein, daß der Vibrationsalarm bei den Dottlers losging, nicht bei bei ihm oben. Er mußte in die Küche. Er mußte. Er mußte nach der Anzeige seine Phons sehen.

Das war zwingend notwendig, nachzusehen, ob sein Smartie Meldung machte oder nicht.

 

Entsann er sich recht auf Dinge, hatte er das Phon an den Lade-Akku angesteckt. Der Akku, der lud.

Und vielleicht war der Akku längst geladen.

Wenn der Vibrationsalarm losging, war die Telefonie eingeschaltet. Reichte es womöglich für ihn aus, mit dem Finger auf die Anzeige zu tippen, das zu überblicken, ob er angerufen wurde oder eine Kurznachricht, sonstige Post gekriegt hatte.

Trotzdem blieb das Joachim ein Rätsel, warum auf Vibration geschaltet sein sollte. War das doch eine Angelegenheit, davon was mitzubekommen, wenn sich jemand bei ihm meldete.

 

Vielleicht war das Marga, die sich gemeldet hatte ...

Auf den Bauch drehte Joachim sich herum. Fing mit Versuchen an, Richtung Küche zu robben.

Die Küchenschwelle war alles andere als weit entfernt. Trotzdem war die Robberei keine gute Idee. Rasselnd hörte Joachim sich atmen, viel zu rasch zu keiner Bewegung mehr fähig. Das bißchen an Anstrengung war anscheinend schon zuviel für ihn.

 

In der Küche war sicher noch anderes Essen als blöde Chips, bei denen man den eigenen Verstand anzweifeln mußte, wie da drauf zu kommen war, eine Chipspackung aufzureißen und leerzufressen. 

Wie Orangensaft ein paar Vitamine mehr als Mineralwasser hatte. Vitamine, die brauchte Joachim mit Sicherheit nötiger als irgendwas.

Andererseits, die Joghurts, die befanden sich im Kühlschrank. Ebenso der Orangensaft.

Wie es ausschaute, waren die Chipstüte und die Mineralwasserflasche griffbereit herumgestanden.

Wenn er aber so fit war, mit der Packung Chips und der Flasche Mineralwasser auf den Flurgang hinauszumachen, hätte er sich zuvor auch zum Kühlschrank begeben können. Den aufmachen.

 

War er erst zurück in seiner Küche, war alles gut. Dort würde er sehen, was er dort getrieben hatte. 

Vielleicht hatte er längst einige Leute angerufen. Telefonisch mit jemandem gesprochen. Mußte nicht ständig Marga sein.

In einer Sekunde würde er das mitkriegen, sobald die Phon-Anzeige aufschien.

Ob er von Marga einen Rückruf gekriegt hatte. Eine Meldung. 

 

Hatte er mit Marga telefoniert, texteten Marga und er miteinander, gab es ein Problem: Die Sanitäter und der Notarzt noch nicht vor Ort.

Unmöglich war das, daß diese Hauptsache außen vor blieb, wenn Marga und er Konservation trieben. Daß weiterhin keine ärztliche Versorgung eingetroffen war, das ließ fast auf geistige Umnachtung schließen. Daß man sich die Frage stellen konnte, um was es sich bei dem zwischen Marga und ihm eigentlich drehte.

War doch für Marga nichts dabei, den Notruf an Joachims Statt zu wählen. Daß der Notarztwagen dem Krankentransporter vorausfuhr, damit Joachim in seinem miserablen Körperzustand aus seiner Wohnung rauskam, ehe sich noch was Schlimmes bei ihm abspielte.

Eine einzige schwärende Wunde, Joachims Körper. Die Dauerbluterei, die sich nicht abstellte. Daß es ein Wunder war, nicht längst in die tiefste Bewußtlosigkeit gefallen zu sein. Eine, aus der er nicht mehr zu sich zu kommen war.

 

Weiterrobben wollte Joachim. Dann war das zu schmerzhaft, strengte zu sehr an.

Auf den Rücken, daß Joachim sich herumdrehte, sich aufhockte. Nachdem er in der Sitzposition bleiben konnte, daß Joachim Oberkörper und Beine Richtung Küchenschwelle schwang.

Wie ein Mitspieler bei einer Runde Sitzfußball schaffte Joachim sich voran, Richtung Küche. Wenn alles bei ihm auch in Zeitlupe geschah.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, daß Joachim in der düsteren Küche drinnen war.

 

Keine Ahnung hatte er, warum das elektrische Licht der Deckenlampe aus war. Warum er selber in der Küche ausgeschaltet hatte. Als hätte er die Küche mitsamt Chipspackung und der Wasserflasche verlassen, nicht mehr so bald in sie zurückzukehren.

Entweder war seine Überlegung, sich ins Wohnzimmer zu begeben. Oder hatte er  sein Arbeitszimmer im Sinn gehabt? An seinen Rechner gewollt?

Blieb nur das Rätsel, warum er sich auf den Flurboden hinhockte. Dort die Chipspackung leer fraß und allem Mineralwasser hinterherspülte.

Mit den Fingern seiner linker Hand suchte Joachim patschend den Lichtschalter der Küche. Und das war das nächstemal ein Stoßen an seine Grenzen. Die Welt des Schmerzes überwältigte Joachim von einem Moment zum anderen. In schwärzeste Umnachtung fiel Joachim blitzartig.

 

 

 

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