1. Teil: 9.3
Die Wolkenwatte, sie war sehr verstörend.
Obwohl sie erneut wie weißwattiertes Süßzeug vom Jahrmarkt erinnerte, wollte Jo, der Revolvermann, nicht noch mal den Finger in die Masse hineinstecken, den dann zum Mund führen und probieren.
Das, was eklig gewesen war, das war eine Erfahrung. Eine, die Jo, der Revolvermann, nicht noch mal brauchte.
So recht begreifen konnte Jo, der Revolvermann, das nicht, was das für ein Ort sein sollte, an dem er sich auf dem Rücken Susans, seines Wallachs, aufhielt. Seit längerem jetzt bereits.
Er war Teil einer Alptraumwelt. Sich selber in ihr bewußt, und solange sich nichts daran änderte, war alles hinzunehmen.
Susan, der Wallach, der im Schritt ging. Oder ein wenig in Trab verfiel. Eine halbe Ewigkeit auf Susans Pferderücken zu reiten, das mochte etwas heißen. Schließlich kam es immer, wie es kommen mußte: Irgendwann man erreichte ein Ziel. Einen Bestimmungsort.
Susans Hufe, die nie einsanken. Susan, der Wallach, der stets auf festen Untergrund trat. Während Jo, der Revolvermann, sich davor fürchtete, mal absteigen zu müssen.
Sorgenvoll, daß er nach der wolkigweißen Bodenfläche hinabstarrte. Eine, die an Aufgeschäumtes erinnerte.
Nichts war eine irgendwie begreifliche Umgebung. Ob sie Zuckerähnlichkeit hatte, oder nicht.
Nichtsdestotrotz war die Wolkenlandschaft eine, in der sich Jo, der Revolvermann, aufhielt, im Sattel am Rücken Susans, seines Wallachs, hockte, Susan, der Wallach, der sich ohne jeden Zügelzug Jo's, des Revolvermannes, seinen Pfad suchte. Was Jo, den Revolvermann, ebenfalls fast unerträglich fand, sich nichts gestatten zu dürfen, was Susan, den Wallach, eventuell zu einem Fehltritt verleiten konnte.
Er war gezwungen, die unfaßlichen Begebenheiten seiner Umgebung zur Kenntnis zu nehmen. Das zu ertragen, daß Susan, der Wallach, den Weg suchte und auch fand.
Nichts blieb Jo, dem Revolvermann, als kühlen Kopf zu bewahren. Für ihn hieß es, Susan, seinen Wallach, ausschreiten oder vorantraben zu lassen. Ohne größer an den Lederzügeln zu ruckeln, Susan, dem Wallach, zu zeigen, wer hier eigentlich der Herr war. Der, der gebot, wohin geritten wurde.
So sehr es ihm mißfiel, Susan, der Wallach, war der Herrscher. Susan, der Wallach, wußte, was er unter den Hufen spürte.
Wo die passenden Stellen zum Passieren waren, wo nicht.
Der Wind war zuletzt abgeflaut gewesen. Totale Windstelle. Nichts mehr, das die Wolke verwirbelt hätte, in der Susan, der Wallach, unverzagt vorantrottete. Jetzt spürte Jo, der Revolvermann, daß wieder eine etwas steifere Brise wehte.
Knallerei mit Gewehren oder Revolvern ließ Jo, den Revolvermann, zusammenfahren.
Linker Hand wurde wiederholt geschossen.
Allerdings war das nicht, daß Susan, der Wallach, nach dorthin abbog. Sich die Richtung erwählte.
Nur noch dann und wann fiel ein ferner einzelner Schuß.
Zu gerne hätte Jo, der Revolvermann, das gewußt, wer dort aufeinander schoß. Zumindestens eins hatte das am Schluß zu bedeuten: So einsam war es denn hier doch nicht, wenn welche Schießeisen aufeinander richteten und Bleikugeln verfeuerten..
Das Abenteuer, das hätte gejuckt. Vielleicht wäre in Erfahrung zu bringen gewesen, was das überhaupt für eine Gegend war, in der er Susan, nichts als sein Pferd, den Weg finden ließ. Während er selbst nicht mit dem Unbekannten zurechtkommen konnte, obwohl er Jo, der Revolvermann, war.
Es blieb dabei, Susan, der Wallach, wählte keine Strecke nach dem Geschmack Jo's, des Revolvermannes. Und Jo, der Revolvermann, der beließ es dabei, sich vor den Folgen für sich fürchtend.
Dieser und jene Zug der Zügel, Susan, den Wallach zu irgendwas zu veranlassen, der ein vertrautes Ergebnis haben konnte: daß Susan, der Wallach, bockig auf die Hinterbeine hochstieg, seinen Reiter abwarf. Was der letzte Fehler Jo's, des Revolvermannes, hätte sein können, tapste er auf den eigenen Beinen in der Wolke herum, auf festen Untergrund hoffend.
Die leichte Windbrise verblies das seltsam Weißwattierte, sorgte doch dafür, daß Jo, der Revolvermann, überraschend einen Rundumblick genießen konnte.
Alltägliches Himmelsblau mit Schafswölkchen in jede Richtung. Während Susan, der Wallach, weiterhin das Wolkenweiß unter seinen Hufeisen hatte. Fast meinte Jo, der Revolvermann, er befände sich am Rücken Susans, des Wallachs, oben auf einem hohen Berg.
Total gelichtet hatte sich die Welt um ihn herum. Die Sorge wuchs in Jo, dem Revolvermann, auf, daß die Wolke unter den Beinen seines Wallachs ebenfalls verlorengehen könnte.
Wolken guckte Jo, der Revolvermann, dabei zu, die verhältnismäßig rasch daherzogen. Anscheinend getragen von stärkeren Windböen, als er sie in der Wahrnehmung hatte.
Wie es ausah, daß die weißen Wolken vorüberziehen würden, die eine oder andere, die knapp an Susan, den Wallach, vorüberfliegen konnte. Daß der Wallach sich eventuell sogar dazu entscheiden konnte, schnell mal zur anderen Wolkenausbildung hinüberzugaloppieren. Selbst ein Absprung war im Bereich des möglichen.
Jo, der Revolvermann, hatte kein Verlangen danach, daß sein Pferd mit ihm im Ledersattel größere Sprünge einfielen. Selbst nicht mit Anlauf.
Weil auf Susan, dem Wallach, ein Wolkenwechsel drinnen war, begann Joe, den Revolvermann, eine Frage, die zu beschäftigen: Welche Bewandtnis hatte es mit den Wolken in der Nachbarschaft. Zwar schien jede Wolke dieselbe Konsistenz zu haben; trotzdem war das nicht abzuschätzen, wie die Verhältnisse drüben sein würden. Konnte Susan, der Wallach, das selbsttätig abschätzen, wie es auf einer Nachbarwolke zuging? Oder stand zu befürchten, daß Susan, der Wallach, eine Lage auch mal falsch einschätzte? Schließlich war Susan, der Wallach, auch nichts weiter als ein dummer Gaul. Zu Fehleinschätzungen fähig.
An den Zügeln riß Jo, der Revolvermann, brachte Susan, den Wallach, abrupt zum Stehen. Wie es aussah, mußte kehrtgemacht, die Strecke zurückgeritten werden, solange er noch konnte. Hatte Susan, der Wallach, den Weg bis jetzt gefunden, konnte er ihn auch zurück finden.
Das war doch nicht einzusehen, daß Susan, der Wallach, seinen Schreitweg bis jetzt ohne weiteres gefunden hatte. Dann aber vielleicht bemerken mußte, wenn er übermütig den Wolkenwechsel angebracht hatte. daß die eine Wolke nebenan, für nichts weiter gut war, als durch sie hindurchzustürzen.
Wohin stürzten er und Susan, der Wallach, ab? Was bedeutete das für ihn, unten aufzuschlagen?
Zur Wende zwang Jo, der Revolvermann, Susan, den Wallach. Dann rammte Jo, der Revolvermann, Susan, dem Wallach, die Sporen in die Flanken, daß der Wallach wiehernd voransprang.
Der schlimmste aller Fehler war das, Susan, dem Wallach, mit den Metallsporen zu traktieren. In Galopp verfiel der Gaul, und Jo, der Revolvermann, der Glück hatte, im Sattel zu bleiben, hatte alle Hände voll zu tun, Susan, den Wallach, zum Anhaltentehen, beruhigend auf ihn einzuwirken, wie schon mal.
Ganz knapp, daß es bei ihm zuging, bemerkte Jo, der Revolvermann. Viel fehlte nicht. Seitlich rechter Hand bei Jo, dem Revolvermann, war beim Hinabstarren nichts als jenes Himmelsblau zu erkennen.
Unendlich, daß man bei einem Sturz hinunter anscheinend fiel. Um doch viel zu rasch zu fallen, Aufprall auf einer Bodenfläche zu haben. Nichts, das zu überleben war. Nicht für Susan, den Wallach, aber erst recht nicht für Jo, den Revolvermann.