1. Teil: 9.7
Susan, der Wallach, war erschöpft. Trottete mit hängendem Kopf nur noch matt voran.
Jo, der Revolvermann, ließ seinen Wallach lieber gewähren. Über jeden Meter, den Susan, der Wallach, weiterschritt, war Jo, der Revolvermann, eigentlich froh. Immerhin saß dem Wallach sein Reiter weiterhin im Sattel auf seinen Rücken, als Zusatzgewicht.
Jo, der Revolvermann, fürchtete sich grundsätzlich davor, Susan, den Wallach, durch irgendeine Dummheit zum Anhalten zu veranlassen. Vielleicht wußte der Wallach nur noch nichts davon, in welch üblen Zustand er sich befand. Es war überhaupt nicht daran zu denken, was passieren könnte, wenn der Wallach umkippte oder sonstwie niederging.
Sollte Susan, der Wallach, am weißfarbenen Untergrund liegenbleiben, konnte das auch ohne weiteres für Jo, den Revolvermann, das Ende bedeuten.
Es war bisher nie gut, für länger auf einer der Wolken auf der Stelle zu verweilen.
Auf den Wattebauschwolken drehte es sich darum, voranzukommen. Wenn der schwergewichtige Pferdekörper in den Wolkenuntergrund einzusinken begann, kam es ganz darauf an, wie es um die tatsächliche Konsistenz einer Wattewolke stand.
Wenn Susan, der Wallach, aber mal damit anfing, hindurchzustürzen, fiel er unter Umständen ungebremst haltlos durch die gesamte Wolke.
Schwer zu sagen, wie lange der Absturz dauerte. Was einer noch davon hatte. Bei einem blaufarbenen Horizont mit Bewölkung, der zu genießen war. Bis doch unterhalb was zu erkennen war. Eine harte Bodenfläche. Auf der aufgeschlagen wurde.
Keinesfalls wollte Jo, der Revolvermann, es dem Wallach gestatten, einmal der Schwäche zu gehorchen. Darauf achtete er.
Die Sporen haute Jo, der Revolvermann, Susan, dem Wallach, jedesmal in die Flanken, bewegte Susan, der Wallach, sich komisch oder wankte zu schlimm.
Das doofe Pferdevieh hatte auf seinen Laufbeinen zu bleiben, komme, was da wolle.
Der Sporeneinsatz, der schien weiterzuhelfen. Susan, der Wallach, schnaufte zwar protestierend. Von einem Aufbäumen, Hochsteigen auf die Hinterbeine konnte jedoch nicht die Rede sein. Nichts von dem, was der Wallach üblicherweise anstellte, wenn er bei Kräften war, spielte sich ab.
Im langsamen Schritt war es auch gut, für Susan, den Wallach, sich zu erholen. Nach und nach.
Nur, sich niederzulassen, der Mattheit, Müdigkeit nachzugeben, das war für den Wallach was Verbotenes.
Irgendwie fühlte es sich für Jo, den Revolvermann, an, als ob Susan, der Wallach, am Wolkenuntergrund in einem weitläufigen Kreis vorantrottete. Das Ausschreiten war jedoch nicht das Schlimmste hier. Ob man unterwegs in höhere Wolkensphären gelangte, war kein Problem.
Das Schlimme wäre es gewesen, hätte Susan, der Wallach, sich auf den nur scheinbar harten Untergrund niederstürzen lassen. Davor fürchtete sich Jo, der Revolvermann; deshalb achtete er bei Susan, dem Wallach, auf die kleinste unübliche Regung.
Alles verlief einwandfrei. Nur ab und zu, daß Jo, der Revolvermann, bei dem Wallach die Metallsporen in Gebrauch nehmen mußte.
Nach einer halben Ewigkeit, während der es sich anfühlte, als würde im Kreis aufwärts geritten, meinte Jo, der Revolvermann, daß Susan, der Wallach, eher wieder geradeaus voranschritt.
Irgendwo waren Pferd und Reiter angekommen. Wenn es nur mehr in eine Richtung ging.
Zusammen, daß Jo, der Revolvermann, fuhr. Nachdem sein rechtes Knie wo dagegengeschrammt war. Etwas Hartes, Eckiges.
Eine Art Holz?
Ohne groß darüber nachzudenken brachte Jo, der Revolvermann, Susan, den Wallach, zum Stehen.
Ungefähr dieselbe Strecke mußte Susan, der Wallach, nach rückwärts zurücktänzeln, gehorchte ohne weiteres dem Willen seines Reiters. Bis das Knie Jo's, des Revolvermannes, das Unbekannte erneut berührte.
Als wäre das nicht beabsichtigt, nicht der Sinne an der gesamten Angelegenheit, daß Jo, der Revolvermann, zu lange ahnungslos blieb, setzte eine kleine Brise ein, die das Wattebauschige der Wolke fortblies.
Die Augen wurden Jo, dem Revolvermann, groß. Hübsch weit durfte er gucken, und alles in vielen Einzelheiten wahrnehmen.
Was für ihn rechter Hand zu überschauen war, war eine kleine Überraschung.
Eine ausgedehnte weiße Untergrundfläche, bestanden von verschiedenen Holzgebäuden.
Was er sah, war eine echte Überraschung für Jo, den Revolvermann.
Bauten, wie aus Holzlatten zusammengenagelt, obwohl weit und breit kein einziger Baum, geschweige denn ein Waldstück im Rund auszumachen war.
Das Hauptgebäude erinnerte an ein Farmhaus mit langer Veranda, wie Jo, der Revolvermann, sie schon haufenweise gesehen hatte. Aber ganz woanders. Überdies ließen sich drei größere Stallungen betrachten. Des weiteren zwei kleinere Schuppen.
Jo, der Revolvermann, konnte es nicht fassen, was er an dem Platz zu Gesicht kriegte.
Das, an dem sein Knie geschrammt hatte, war ein profanes Holzschild. Eine unbegreifliche Grenzmarkierung, unbemalt, schriftlos.
Genau an der Ecke endete der Holzlattenzaun. Die eine Strecke Zaun verlief unendlich geradeaus nach linker Hand, die andere nach rechts und die Richtung hinauf, um sich dort in Wolkendunst zu verlieren.
Nach links, dorthin, wohin zuvor dahingetrabt worden war, ließ Jo, der Revolvermann, Susan, den Wallach, den Weg längs am Holzzaun nehmen.
Gut schien der Wallach sich von den Strapazen erholt zu haben. Bewegte sich wieder wie eh und je. Daß Jo, der Revolvermann, darauf hoffte, daß sich so bald nichts Neues ereignete.
Nach den hölzernen Latten der Umzäunung, daß Jo, der Revolvermann, vom Sattel aus kurz hinunterwischte.
Das Empfinden, es blieb das von Holz. Ein massiv hölzerner Zaun. Als wäre hier, in der einen wattierten Schönwetterwolke, vor längerem mal ein Grundstück abgesteckt worden, das späterhin zu allem Überfluß eingezäunt wurde. Beinahe, als wäre darauf zu hoffen, daß es jenes Wolkengebilde noch in einer halben Ewigkeit gäbe.
Das mit der Umzäunung blieb seltsam, richtiggehend unverständlich unheimlich.
Unbegreiflich. Als hätte Susan, der Wallach, nicht wie der Wind vorangaloppieren und im passenden Moment abspringen müssen. Von einer sich auflösenden Wolke zur nächsten sich auflösenden Wolke. Mit der Gefahr, mal den richtigen Absprungsmoment zu verpassen.
Geradezu auf gut Glück war Susan, der Wallach, in den weißfarbenen Wattedunst der Wolke hineingaloppiert.
Und jetzt war hier, drinnen in der Wolke, ein Farmhaus, Stallungen, Silos samt Schuppenbauten zu entdecken. Vollkommen unerwartbare Bauten, als würden in der Wolke Leute ihr Dasein fristen.
Andererseits: War an dieser schwer begreifbaren Wattewolkewelt auf irgendwas zu vertrauen? Bei allem Wahrgenommenen konnte es sich um Lug und Trug handeln.
Nochmals faßte Jo, der Revolvermann, hinab, nach dem deutlich erkennbaren Lattenzaun. Hölzern war das, was er erspürte. Unleugbar waren das Holzlatten.