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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 11.9

14. August 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Der Bann, der auf Jo, dem Revolvermann, lag, mit dem hatte es sich, als die Silberkugel in den Boden hineinfuhr.

Das nächste, was er wußte, war, daß er im Nu zur Rückansicht der hölzernen Willy-Stadt-Kirche zurückkehrte. Wie zuvor beschaute er sich das Bauwerk und den Glockenturm. Erkennbar, daß oberhalb eine große, goldfarbene Glock angebracht war. 

 Hinter der Kirche war weiter nichts los. Kein Mensch, ob Priesterschaft, Willy-Vasall oder sonst einer der Willys persönlich lief hier herum.

 

Jo, der Revolvermann, ärgerte sich darüber, daß er ein Weilchen woanders gewesen war. Auch so eine Eheschließung mit Gästen, die dauerte nicht ewig. Alles konnte längst wieder vorüber sein. Dann hatte er den Moment verpaßt, die Feierlichkeiten zu stören. Etwas dagegen zu sprechen, daß der Willy der Willys und Marga, die Barfrau, sich gegenseitig das Ja-Wort gaben und sich die Ringe über den Finger streiften.

Trotzdem erforderte es Mut, sich in Bewegung zu setzen. Statt loszuspazieren, drehte Jo, der Revolvermann, sich einfach mal so um die eigene Achse, überblickte lieber alles noch mal eine Sekunde.

Ehe er denn um das Kirchenbauwerik herumschritt, sich zum Vordereingang begab. Dort sich die Begebenheiten anzuschauen.

 

Starr wurde der Blick Jo's, des Revolvermann. Das, das er von seinem Standort aus bei den Bäumen und dem Gesträuch sah, hatte er nicht das bißchen in der Erinnerung. Das hatte er vorhin nicht gesehen.

Hier war eine frische Grabstelle. Eine, bei der auch eine Steinplatte hinter der Erdliegestelle aufgestellt war.

Allerdings Sandstein mit glatter Fläche, was hieß, daß der Steinmetz noch zu arbeiten hatte, einen Namen und so Kleinigkeiten in den Stein hineinzumeißeln.

 

Ein frisch aufgeschütteter Erdhügel, allerbeste Blumenerde, von einem Steinrain umgeben.

Dümmlich kam sich Jo, der Revolvermann, vor, sicherlich daß er dumm, verständnislos aus der Wäsche guckte.

Wirklich, beim anderenmal war das noch nicht. Als er erstmals die eine saubere Zimmermannsarbeit an der Holzkirche bewunderte. Nicht gerade üblich für eine schnell hochgezimmerte Willy-Stadt wie Pain City, die morgen auch schon wieder eine Geisterstadt sein konnte.

Es blieb dabei, nichts war Jo, dem Revolvermann, erinnerlich, daß hier bei den Baumgestalten und dem Gesträuch eine Begräbnisstätte vorhanden gewesen wäre.

Zwingend hätte er die gesehen haben müssen, sich darauf entsinnen.

 

Plötzlich geriet die schwärzliche Blumenerde in Bewegung.

Erst mal, ohne einen Grusel deswegen zu empfinden, schaute Jo, der Revolvermann, zu, wie sich zwei Glatzköpfe aus dem Erdhügel in die Höhe schoben.

Grinsende, erdverdreckte Fratzen mit nachtschwarzen Kohleaugen starrten Jo, dem Revolvermann, entgegen.

Zweimal mal zwei menschliche Gliedmaßen, die dunkle Erdkruste von einem im Grundton weißen, zerfressenen Leinen zur Seite und von sich herunter wischten.

Menschliche Oberkörper, die sich hochrichteten. Der eine männlich, der andere weiblich.

 So allzu lange schien man noch nicht eingebuddelt zu sein. Alles andere als angefressene Gesichter, die sich Jo, dem Revolvermann, dauergrinsend entgegenreckten. Den Schmutz hätte man abwaschen können. Wäre das seltsam funkelnde Kohleschwarz der Augen nicht gewesen, wäre Jo, dem Revolvermann, alles beinahe ganz gewöhnlich vorgekommen. Da waren eben zwei, die sich darin gefielen, in Graberde rumzuhocken.

 

Schlagartig, daß Jo, dem Revolvermann, das durch den Kopf schoß, daß er jenes Pärchen kannte. Bekannter als bekannt war er mit den beiden. Er wußte glattweg, wer sie waren. War in einer Weise mit ihnen vertraut, daß sich eigentlich nur eine Frage stellte: Warum kannte er sie nicht auf der Stelle?

 Der eine Kahlkopf war der Margas. der Barfrai. Der zweite, dem ebenfalls das Haupthaar flötenging, das war der eine Willy.

Dieser Willy der Willys, dem Jo, der Revolvermann, unter anderem auch Entführung vorwerfen hätte können. Ein verlogener Ent- und Verführer war er, der eine Willy. Der eine Willy, der Marga, die Barfrau, die die bevorzugte Geliebte Jo's, des Revolvermannes, gewesen war, mit falschen Versprechungen lockte. Aus der Stadt, daß der eine Willy Marga, die Barfrau, fortlockte. Aus dem Hotel, in dem Marga, die Barfrau, lange ihrer Arbeit als Tänzerin und Bedienung nachging. Immer hatte Marga, Barfrau, sich in dem Gebäude mit den zahlreichen Gemächern aufgehalten, dort Jo, den Revolvermann, und sein Wiederkehren erwartet.

Darauf wartete Marga, die Barfrau, daß Jo, der Revolvermann, das nächstemal in die Stadt hineinritt und sich später zu ihr in die Garderobe begab.

 

Zu Bewußtsein kam Jo, dem Revolvermann, die Tatsache, daß Marga, die Barfrau, und der eine Willy zu zweit in einem Grab lagen. Von unter Erde heraus hatten beide die Oberkörper aufgerichtet, hockten erdverdreckt rum, die Beine weiterhin nicht zum Vorschein gebracht.

Den Anblick, Jo, der Revolvermann, konnte ihn nicht fassen. Mit allem rechnete er, aber nicht, derartiges zu Gesicht zu bekommen.

Es sah ganz so aus, als wäre mit Marga, der Barfrau, und dem einen Willy der Willys etwas Schreckliches passiert. Irgendwas, mit dem Jo, der Revolvermann, nicht die geringste Kleinigkeit zu tun hatte.

Unbegreiflich, unerklärlich, aber Jo, der Revolvermann, der war das nicht. Lediglich im Sinn hatte Jo, der Revolvermann, das ständig, die Trauungszeremonie Margas, der Barfrau, mit dem Willy der Willys zu stören.

Nur, zu nichts war es durch Jo, den Revolvermann, bisher gekommen. Jo, der Revolvermann, war noch nicht einmal drinnen in der Holzkirche der Willy-Stadt Bloß im Sinn trug er das, den einen Willy der Willys zu fordern. Ihn vor allen Hochzeitsgästen dazu zu veranlassen, die laut ausgesprochene Herausforderung anzunehmen, mit Jo, dem Revolvermann, ins Freie hinauszuschreiten. Wo man sich einander gegenüber Aufstellung nehmen konnte.

 

Statt dessen war das. Marga, die Barfra, und der eine Willy der Willys in einem frisch angelegten Grab. Nebeneinander dasitzend, weiter von zuviel Erde verdreckt.

 Die eine Szene: Der eine Willy und Marga, die Barfrau, einträchtig miteinander. Schulter an Schulter, untot dahergrinsend.

 Die grinsenden Zerrgesichter Margas und des einen Willys der Willys - Jo, der Revolvermann, wußte nicht genau zu sagen, ob da das Grinsen daher rührte, daß Marga, die Barfrau, und der eine Willy der Willys Jo, dem Revolvermann, Spott entgegenbrachten. Regelrecht schien es, sie könnten sich nicht einkriegen, müßten sich einfach an dem doofen Gesicht Jo's, des Revolvermanns, erfreuen.

 

Marga, die Barfrau, und der eine Willy hoben die Hände, winkten, als wollten sie tatsächlich, daß Jo, der Revolvermann, zu ihnen hinbegebe. Sich ihnen dazugeselle.

Die auffordernden Fingerzeige Margas, der Barfrau, und des einen Willys der Willys in Richtung Jo's, des Revolvermannes, wollten überhaupt kein Ende nehmen. Als ob das zu dritt in einem Grab auch was Schönes wäre.

 Irgendwelches milchig helles Getier, das Marga, der Barfrau, aus der Nase herausschlüpfte. Den Halt an Margas Oberlippe verlor, auf der schwarzen Friedhofserde landete, um zu beginnen, in die Richtung Jo's, des Revolvermanns, voranzukriechen.

Große weiße Maden und hautfarbenes Gewürm, das aus den Nasenlöchern Margas, der Barfrau, an die frische Luft drängelte. 

 

Von dem grinsenden Fratzengesicht des einen Willy der Willys war schlußendlich wegen des über seinen Schädel drüberflutenden, wimmelnden Gewürms und weißlichen Madenzeugs nichts mehr zu erkennen.

Auch an Marga, der Barfrau, kroch das Maden- und Würmerzeug überall mmer dichter rum.

Herunter wischte der eine Willy der Willys was der Wimmelmenge, als das ihm sichtlich zu lästig wurde. Eine Handvoll ließ der Willy nicht weiterkriechen, sondern stopfte es zu anderem dazu, daß ihm aus dem offenen Mund kroch, um diesen zuzuklappen und mit dem Kauen, dem Mahlen der Zähne anzufangen.

 

-Dort, zu Marga, der Barfrau, und dem Willy der Willys,sollte Jo, der Revolvermann, sich dazubegeben. Es war widerlich.

Jo, der Revolvermann, der losgeschritten war, verharrte in der Bewegung, glücklich darüber, daß er abrupt im Schritt anhielt.

Ziemlich unfaßtlich war das, das an sich zu erkennen, daß er dem Begehr Margas, der Barfrau, und des einen Willys tatsächlich Folge leisten hatte wollen.

Langsam wurde es Jo, dem Revolvermann, dem zuzusehen, wie es auf Marga, der Barfrau, dem einen Willy wuselte. Alles nach Tod und Untergang ausschaute.

Etwas Gespanntes  fand sich unvermittelt im Gesichtsausdruck Margas, der Barfrau, und des einen Willys der Willys, als befände sich irgendwas, jemand in seinem Rücken.

Spontan, daß Jo, der Revolvermann, nachdem er in der Weise angeguckt wurde, sich am Absatz herumwarf. Um sie sogleich ihm ziemlich nahegekommen zu sehen: eine Silberkugel. Eine ähnliche, wie er vorhin an einem anderen Platz mit einem Schuß in die Kugelspitze abgelenkt und in den Wiesenboden hineinfahren gesehen hatte. Nach dem Schuß und dem Treffer Jo's, des Revolvermannes, wieder auf Normalgröße geschrumpft.

 

Jetzt war da eine der anderen vergleichbare Silberkugel, eine von Handgröße, bis auf Armlänge Höhe Brustkorb an Jo, den Revolvermann, herangekommen.

Jo, der Revolvermann, war zwar in der Lage, schnell zu ziehen. Allerdings hatte er nicht das Gefühl, daß er das tun sollte. Daß ihm hier nochmals die Gelegenheit geboten wäre, seinen Sechsschüsser herauszureißen, mit dem Daumen den Hahn des Revolvers einrasten zu lassen, auf das kurz entfernt sich zeigende Geschoß zu zielen und abzudrücken.

Was Jo, dem Revolvermann, einfiel, war spontan nichts weiter, als sich nach rückwärts niederfallen zu lassen. Überrascht war Jo, der Revolvermann, davon, daß er seiner Idee Folge leistete.

In einem Moment war er mit dem Rücken in grünem Gras gelandet. Unglaublich fand er das, dabei zuzusehen, wie die eine Silberkugel über ihn hinwegflog. Schließlich hätte es gut und gerne sein können, daß das Geschoßteil einfach die eine Flugrichtung änderte, auf ein Normalmaß zusammengeschrumpft Jo, den Revolvermann, in  den Körper dringen.

 

Den Hals verdrehte Jo, der Revolvermann, im Liegen. Gewahrte, daß sich Marga, die Barfrau, und der eine Willy der Willys, auf denen gekrochen und gekrabbelt wurde, damit abmühten, die wurm- und madenübersäten Beine aus der Graberde herauszuheben. Um auf Jo, dem Revolvermann, der ihnen ziemlich nahe gekommen rumlag, loszumachen.

Marga, die Barfrau, war die erste, die sich befreien konnte. Nach der Seite, daß sich Jo, der Revolvermann, rollte, sich geradezu im letzten Moment außerhalb der Reichweite nach ihm grapschender zu Klauen geformter Hände mit langen Fingernägeln schaffte.

Auf die Füße, daß Jo, der Revolvermann, sprang und fortrannte, als wären alle Dämonen der Unterwelt hinter ihm her. 

Beim Umschauen kriegte Jo, der Revolvermann, mit, daß Marga, die Barfrau, und der eine Willy ihm hinterherkamen. So, wie sie ausschauten, wie Viehzeug auf ihnen wuselte, waren Marga, die Barfrau, und der eine Willy der Willys auch schreckliche Ungeheuer, Kreaturen der Totenwelt.

 

Nichts und niemand stellte sich Jo, dem Revolvermann, in den Weg. Als er kopflos voranrannte, trotzdem irgendwie der Friedhofgegend der Willy-Stadt Pain City entfloh. In einer breiten Gasse zwischen Holzgebäuden, daß er sich bewußt wurde. Um sich kurz darauf auf der staubigen Hauptstraße wiederzufinden, die die Willy-Stadt in zwei Hälften teilte.

Beim Herumblicken bemerkte er das Holzschild des Saloons Empireless.

Statt sich zum Saloon zu begeben, die Holzlattenstiege dort hinaufzusteigen, im Salooninnern nach dem Rechten zu schauen, warf er sich herum, stürmte die staubige Straße hinauf.

Überraschend sah Jo, der Revolvermann, ein Pferd mit Sattel am Rücken, das ihm bekannt vorkam.

Es war tatsächlich Susan, der Wallach, mit der Leine an eine hölzerne Querstange ohne Wassertrog dahinter angebunden.

Anscheinend hatte sich das dumme Vieh außerhalb der Stadt irgendwo zwischen den Wanderdünen einfangen lassen. Womöglich von einem stinkenden Willy; es war nicht zu fassen.

 

In den Ledersattel, daß Jo, der Revolvermann, sich hinaufschwang. Der linke seiner Revolver, der ihm beim Hinaufschwingen aus dem Lederholster rutschte und im Straßenstaub landete, ärgerlicherweise.

Absteigen wollte Jo, der Revolvermann, deswegen aber nicht noch mal. Lieber beugte er sich an Susans Langhals vor, zur festgemachten Lederleine am Balken hinab, befreite die  Leine von der hölzernen Stange.

Dann hielt Jo, der Revolvermann, die Leinen knapp in der Hand, zog an ihnen, daß der Pferdehals seitlich schwang. Damm rammte er Susan, dem Wallach, die Sporen in die Bauchflanken, daß Susan, der Wallach, vor Schmerz loswieherte, einen Sprung machte und dann, einen kleinen Bogen beschreibend, vorangaloppierte.

 

Mitten auf der staubigen Postkutschenstraße ging der wilde Ritt. Immer weiter, solange er das als Reiter weiter konnte, ihn nichts vom Pferderücken Susans, des Wallachs, herunterholte.

Wie es aussah, wollte nichts Jo, den Revolvermann, daran hindern, seine Flucht fortzusetzen. Er durfte der Willy-Stadt Pain City entkommen.

Oben auf einer Sanddüne, daß Jo, der Revolvermann, Susan, den Wallach, neben der Straße zum Stehen brachte, von dort aus auf Pain City, diese Willy-Stadt, hinabzustarren.

Tatsächlich hatte er keine Verfolger.

Regelrecht widerstehen mußte er dem Verlangen, zurückzureiten, noch mal nach Marga, der Barfrau, und dem einen Willy zu sehen. Bei der Frage, ob er sich getäuscht hatte, was diese Grabstelle anging oder nicht.

 

 

 

 

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