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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 12.2

26. August 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

1. Teil: 12.2

 

Den Kopf, der auf seinen Armen aufgelegen war, riß Joachim abrupt in die Höhe.

Dann setzte er sich am Küchenstuhl zurecht, von dem er herunterzurutschen drohte.

Diesesmal wußte er nichts von irgendwelchen Träumen. Hatte überhaupt keine Ahnung, wie lange er im Dunkel jedes Nichtwissens war.

 

Am Küchentisch in seiner Wohnung entdeckte Joachim sich jedenfalls. Weiterhin alleine. Alleinegelassen.

Weiterhin war keiner in seiner Nähe. Verstorben hätte er längst sein können, und es hätte keinen gekümmert.

Vor allem auf Marga hoffte er die ganze Zeit. Auf SEINE Marga.

 

Wenn etwas an der Kücheneinrichtung anders war als beim letzten Wachsein, fiel es ihm nicht auf.

Was ihm auffiel, waren jede Menge Blutflecken. Überall sah es blutbesudelt aus. Am Tisch, an der Kücheneinrichtung.

Das Ladegerät war ebenfalls voll mit eingetrocknetem Blut.

Ebenso das Phon, das auf der Sitzfläche der anderen, schwarzgestrichenen metallenen Sitzgelegenheit rumlag.

 

Wie es bei ihm in der Küche ausschaute, das war nichts für ein schlichtes Gemüt.

Im wahrsten Sinne des Wortes wirkte es so, als ob in Joachims Küchenwelt eine Tierschlachtung stattgefunden hätte. Ohne Vorkehrungen zu treffen, wo überall Blut hinspritzen konnte.

Scheinbar hatte man beim Schlachten auf nichts Rücksicht genommen, es wie wild in der Gegend  rumspritzen lassen. Weil man eigentlich nichts von der Metzgerei verstand, und es eigentllich gleichgültig war, wer am Ende die Geschichte in der Küche saubermachte.

Joachim freute sich schon darauf, sich, fitter geworden, gesünder, an die Arbeit machen zu dürfen.

 

Joachim spürte Schmerzen. Irgendwas lief wie eh und je ständig an und auf seiner Hautfläche.

Ekelhaft, wie da Haut aufbrach, sich die Blutrinnsale ihre Bahn brachen.

Überdies fühlte es sich an, als krabbele Viehzeug auf ihm herum.

 

Greller Glanz entstand Joachim vor den Augen.

Sterbenselendig fühlte er sich, be- und mitgenommen, schwach. Und trotzdem war er in der Lage, in seiner Küche auf dem einen Metallstuhl sitzenzubleiben.

Erneut wollte er den Kopf auf seine Unterarme herabsinken lassen. Der eine Alptraum endete einfach nicht, fand und fand seine Fortsetzung.

Die Welt wurde anscheinend für ihn keine andere mehr.

Entweder war es Jo der Revolvermann. Oder es war DAS.

 

Ein Seufzer entrang sich Joachims Kehle, bei der Flottheit, mit der er sich dabei entdeckte, daß er sich das Ladeteil griff, um es an das Phon anzustecken auf der Sitzpolsterfläche anzustecken.

Dann, daß Joachim sich erhob, die Telefonie und den Rest gegen die Brust gedrückt, zu dem einen Dreifachstecker in der Küchenwand rechter Hand torkelte.

Ohne weiteres, daß er das vermied, auf eine einzelne Keramikscherbe draufzusteigen.

 

Sich an der Küchenthekenkante festhaltend, daß er sich hinabbeugte, das Steckerteil reinschob und den roten Knopf drückte. Daß der Strom frei fließen konnte.

Rot aufleuchten sah Joachim das Innere des Plastiks..

Sein Phon, es lud. War überdies per Fingerdruck einzuschalten.

Nur, gegen die Blutschmiere mußte Joachim noch einiges unternehmen, sich dieses und jenes Trockentuch besorgen. 

 

Die Papiertücher fanden sich, wo sie immer befanden. Eine ganze unbenutzte Rolle, die Joachim mitnahm, sofort Blutspuren dran hinterließ..

Erst mal mußte er sein Phon wieder ausschalten und beginnen, die Phonanzeige anzuhauchen.

Glücklicherweise brachte das Blut an den glatten Flächen den Wischversuchen nicht zu viel Widerstand entgegen. Wenn er dann die Phon-Anzeige sofort sauberwischte, war dem Problem sehr ausgeholfen.

 

Am Fliesenboden hockte Joachim rum, gab die Doppel-PIN ein. Ohne groß darüber nachzudenken.

Und weil die Zahlrenreihen stimmten, hatte er in einem Augenblick ein funktionierendes Phon zur freien Verfügung.

Der Akku lud. Das Gerät hatte die passenden Kennzahlen eingetippt bekommen. Alles paßte.

Schlagartig, daß Joachim das begriff: er konnte telefonieren, Kurznachrichten schreiben.

 

Hatte Joachim das nicht bereits gemacht?

Ein Blick genügte, das festhalten zu können, daß er keine einzige neue Nachricht empfangen hatte. Auch Anrufe hatte er keinen erhalten.

Auf keiner Anruferliste war eine Neuigkeit. Nachrichteneingänge hatte Joachim auch keine.

 

Ein Umstand begann Joachim zu ärgern, daß er sich nicht mehr darauf entsinnen konnte, wie das genau war, als er das Phon eingeschaltet hatte, als er sich damals das erste Mal sich in seinem miesen Körperzustand in der Küche befand.

Unter den gegebenen Umständen war alles möglich, vor allem das, daß Joachim ungeschickt mal Mist gebaut hatte.

Sollte er früher mal Kleinigkeiten gelöscht haben, die er nicht hätte löschen dürfen. Dann waren das Kleinigkeiten, die unwiederbringlich verloren waren.

 

 

 

 

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