1. Teil: 13.11
Sicherlich hätte Joachim zur Einsicht kommen können. Das einsehen, daß er so, wie er sich Marga und Willy gegenüber verhielt, nicht weitermachen könnte.
Nur, so einfach war das nicht, das zu sehen, daß zwischen ihm und Marga Schluß war.
Auch wenn Marga längst bei ihm ausgezogen war.
Ihre sieben Sachen hatte Marga gepackt, war bei ihm samt Sack und Pack aus der Wohnung raus. Als er damals von der Arbeit heimkam, sich mit Mara unterhalten wollte, fand er keine Marga mehr vor.
Für ihren Auszug hatte Marga sich extra freigenommen.
Mit einem anderen war Marga zusammen. Nur, der eine, der war für Joachim nicht irgendwer. Derjenige, der war Willy. Sein Freund Willy.
Was meinte Marga bei beinahe jeder Begegnung? Joachim hätte die Trennung zu akzeptieren, die Verhältnisse hinzunehmen und mit seiner Stalkerei aufzuhören.
Jetzt hatte Joachim aber wieder einen neuen Ansatz. Marga hatte ihm eine neue Phon-Nummer übermittelt. Weiter, daß es die Nummer gab.
Freiweg, daß Joachim die Nummer von Marga erhalten hatte. Daß Joachim, mit einem lockeren Druck seines Fingers, bei Marga ...
Orten konnte Joachim Marga allerdings dadurch auch wieder. Wenn sie das eine Phon mit sich führte.
Zu wiederholen war das mit der Anruferei bei Marga,
Joachim ließ es tuten. Legte wieder auf, rief aufs neue an, legte auf: Telefonterror.
Marga mußte ihr Phon auf lautlos gestellt haben.
Bei Margas Nummer war weiter nichts zu erlauschen, als Margas abgespeicherte Mailbox-Ansage, wenn Joachim es dazu kommen ließ, daß Margas Phon Margas Ansage kundgab.
Margas Speicherplatz-Stimme, die denn erklärte: "Hier ist Margas Mailsbox. Du willst was von mir ... Ob ich aber auch was von Dir will ...? Hast Du mir was zu erzählen, dann nach dem - PIEP!"
Auf dem Eisenfußstuhl in seiner Küche rumsitzend, wuchs in Joachim der Zorn, nachdem sich bei Marga nichts abspielte. Nicht, daß sie zurückrief. Zu nichts, daß die Dame sich herabließ, was immer Joachim auch krächzend absonderte, ihr auf die Mailbox sprach.
Nicht einen Buchstaben wollte Marga empört tippen. War Joachim nicht gewöhnt von Marga. Marga, die ganz schön hochgehen konnte, wenn sie was las oder auf der Mailbox erlauschte.
Marga, gerne das eine oder andere unkontrollierte Wort auf Lager.
So oft, wie er schon bei ihr anrief, hätte Marga längst mal an die Decke gehen müssen. Um zurückzurufen, Joachim das zu erklärern, worauf sie bei Joachim dem Stalker gut und gerne verzichten konnte.
Marga mußte Joachims Nummer doch auf der Phon-Anzeige sehen. Es war ihr klar, wer sie da auf der Dauerschiene antelefonierte. Es dann und wann zu einem Mailbox-Spruch kommen ließ.
Wenn Marga nicht gewollt hätte, daß er ihre Nummer in Gebrauch nahm, hätte Marga ihre Nummer ändern müssen.
Zeit genug dafür hatte sie zur Genüge.
Das würde er Marga demnächst deutlich auseinandersetzen. Wenn Marga dann ihre Ruhe verlor.
Welche Tonart Marga dabei auch immer für sich erwählte, Joachim beabsichtigte, mal die Oberhand über alles zu gewinnen. Nicht nur sich die Musik vorgeben zu lassen.
Im Grunde hatte Marga Joachim schon überall blockiert. Und trotzdem rückte Joachim ihr des öfteren auf die Pelle. Wenn Marga auf üblichen Wegen nicht mehr für Joachim erreichbar war, mußte eben dafür gesorgt werden, daß Marga auf sozialen Medien getäuscht wurde.
Vor seinem geistigen Auge sah Joachim Marga, wie sie mit Schiefmaul-Willys ins Bett stieg. Lächerlicher- und ekelhafterweise betteten Marga und Willy sich zu zweit. Nebeneinander lagen Marga und Schiefmaul-Willy im Bett.
Eine Geschichte, die nicht zu fassen war.
Sein alter Freund Willy, der mit dem schiefen Maul. Letztes Jahr verlachte Marga Willy noch in einer Tour. Und jetzt kriegte Willy von Marga, die Joachims Marga war, auf das gräßlich windschiefe Maul geküßt.
Marga hatte Schiefmaul-Willy ihm ausgespannt ...
Mit einer denkbar einfachen Methode: Er klingelte früh abends an der Wohnungstüre Joachims, fragte nach Joachim. Willy, dem Mistkerl, der nach Joachim fragte, machte Marga die Türe auf. Bis Willy im Wohnzimmer rumsitzen durfte, dort auf Joachims Heimkehr zu warten, Joachim, der nicht heimkam.
Von mal zu mal länger, daß Willy in der Wohnung Joachims die Ankunft Joachims erwartete. Joachim, der jederzeit von der Arbeit dahein eintreffen hätte können. Bloß, Joachim fiel es nicht ein, heim zu Marga zu gehen. Sofort nach Arbeitsschluß, daß Joachim in die Kneipe aufbrach.
An sich, wäre das nicht egal gewesen? Vollkommen egal? War denn daran zu denken, daß wer sich wegen irgendwas bekümmern hätte müssen? Am allerwenigsten wegen war dabei an Willy zu denken. So, wie Willy ausschaute.
Nicht dachte Joachim an Willy. Nicht daran, daß Willy mit Marga, Willy mit Marga, alleine, und das auch noch in Joachims Wohnräumen.
So, wie Willy ausschaute und Marga zu der damaligen Zeit außerdem noch daherredete, wenn sie das Wort Willy erwähnte.
Nie wäre Joachim auf den Einfall gekommen, daß Willy ... Daß Willy bei Marga mal landen und irgendein Rennen bei Marga machen könnte ... Nicht für eine einzige Runde.
Ärger und Haß kochte in Joachim.
Stalkerei nannte Marga das, was Joachim anstellte.
War denn bloß zu fragen, was Willy betrieben hatte. Willy, der es anscheinend fertgbrachte, Marga zu hypnotisieren.
Und Joachim merkte die ganze Zeit davon nichts.
Immer rechtzeitig, daß Willy sich auch aus Joachims Wohnräumlichkeiten verzog.Nicht einmal, daß Joachim Willy bei sich antraf
Immer nur Marga, die alleine in der Wohnung war, wenn sie Joachim die Türe aufmachte. Joachim, von nichts etwas ahnend, rein gar nichts bemerkend.
Nichts war mitzukriegen, daß Willy bis vor kurzem noch bei Marga rumsaß. Nichts schien Joachim anders zu sein als sonst auch.
So gegen elf Uhr abends rum erschien Joachim zumeist daheim. Nach ein paar Getränken in der Kneipe beschwipst, meistens torkelig.
Von mal zu mal länger hockte Willy bei Marga rum. Bis er sogar abendliche Filmstreifen, Fußballspiele von Anfang bis Ende guckte. Von Marga mit Knabberzeug und Getränken versorgt.
Vielleicht half Willy das Alkoholische bei Marga. Denn, es spielte sich etwas ab. Zwischen Marga und ihm.
Nebenher, daß man sich dann und wann ein klein wenig berührte, bis es irgendwann zum Festhalten der Hände kam, zu trauten Umarmungen.
Davon hatte Marga Joachim mal etwas erzählt.
Schlußendlich wurde daraus mehr und noch viel mehr. Während Joachim, bei dem daheim sich der Spaß abspielte, kaum irgendwas ahnte. In den eigenen Wohnräumen fehlte er, und wenn er zu Hause eintraf, war kein Willy mehr in der Wohnung, war Willy ganz gemütlich längst heimwärts abmarschiert..
Nicht mal das war Joachim zum damaligen Zeitpunkt bewußt, daß er Willy länger nirgendwo mehr getroffen hatte. So gleichgültig war Willy ihm, daß Willy ihm nirgendwo abging, wo er für ein paar Getränke hinging.
Bei der Geschichte ereignete sich der Abend, daß Joachim im Wohnhaus angehickst im Lift hinauffuhr. Um vor seiner Wohnungstür festzustellen, daß diese offenstand. Ein kleiner Stoß, und die Tür schwang nach innen auf.
Kein Mensch fand sich drinnen, erst recht nicht Marga, als Joachim nach Marga rief.
Da war keine Marga mehr. Ohne den kleinsten Anruf getätigt zu haben, eine Benachrichtung für Joachims Phon geschrieben zu haben, hatte sich Marga aus dem Staub gemacht.
Vor vollendete Tatsachen, daß Joachim von Marga gestellt wurde. Nicht das kleinste bißchen, daß Marga mit sich reden lassen wollte. An sich legte Marga sofort wieder auf, wenn Joachim bei ihr anrief. Und wenn Marga was zurückschrieb, textete sie, daß sie Joachim verlassen hätte. Was sonst noch war, die Gründe, bei Joachim auszuziehen, da drüber schwieg Marga sich anfangs aus.
Vor seinem geistigen Auge sah Joachim sich und Marga in einem Treppenhaus am Absatz einer Treppe.
Die hohe Stiege, die er Marga hinunterstieß. Marga, die beim Abwärtskugeln ein paarmal schrill schrie.
Die Stufen trippelte er später lässig hinunter, beschaute sich alles an Margas verdrehtem Körper ganz genau.
Als Joachim das klar wurde, daß Marga mit Willy zusammen war, konnte er das nicht fassen. Bis heute war es an sich nicht zu fassen, für ihn.
Noch dazu kam hinzu, daß Marga, seit sie mit Joachim bekannt war, Willy nie gemocht hatte. Nie hatte Marga ein gutes Wort für Willy übrig. Marga war es, die Joachim gegenüber das Aussehen Willys besprach, Willy, Joachims Kumpel.
Mit dem Gewöhnungseffekt, daß Willy bei Marga spielte. Auf die Weise, daß Willy sich an Marga herandruckste.
Ziemlich erfolgreich war Willys Unternehmung. Viel Geduld brachte er dabei auf. Das mußte Joachim Willy lassen.
Da drauf wäre er nie gekommen, daß Willy Marga jemals zu etwas anderem bewegen würde können, als daß sie ihn mit seltsamen Augenaufschlag anstarrte.
Trotzalldem war das durchaus klar, daß Joachim Marga die Wochen zuvor ziemlich vernachlässigt hatte.
Fast, daß er Marga ansah, als wäre Marga ein selbstverständlicher Teil seiner Wohnungseinrichtung. Wie irgendein Sitzmöbel.
Damit, daß es anfing, daß er nach der Arbeit nicht in seine Wohnung zurückkam, sondern sich ohne Umwege in die Kneipe begab. In Bars ließ er sich Drinks serverien.
Dabei hatte er nicht die geringste Ahnung. Ahnte nicht das kleine bißchen, daß sein altbekannter Kumpel Willy sich bei Marga den Hintern platt saß.
Willys Clou dabei, nach Joachim zu fragen. Auf Joachim, daß Willy warten wollte. Und das abends an jedem Werktag. Und Joachim machte ihm den Gefallen, unter der Woche nicht von der Arbeit heimzukommen. Erst gegen dreiundzwanzig Uhr war mit Joachim zu rechnen.
Irgendwann, daß sich bei Willys Warterei auf Joachim irgendwas zwischen Marga und Willy ereignete. Willy, der keine hämevollen Worte aus Margas Mund mehr erlauschte. Zu allem Überfluß, daß Marga und Willy anfingen, sich anzufassen. Bis sie in enge Umschlungenheit gerieten.