1. Teil: 16.10
Eine der Typen bei der Dicken Gerda war Joachim besonders aufgestoßen. Einer, mit dem er öfters im Aufzug fuhr, wenn es abwärts ging.
Einmal war ein besonderes Moment. Als der eine, nachdem er die Dicke Gerda geküßt hatte, auf ihn zuschritt, ihn mit der Schulter rempelte. Damit er und die Dicke Gerda noch mehr Platz im Aufzug für sich hatten.
Was an dem Tag weiter geschehen sollte, geschah nicht, weil die Liftkabine ruckend anhielt, und einer aus dem ersten Stock die Kabine betrat. Während Joachim sich dazu entschlossen hatte, sich auf der Stelle hinauszubegeben.
Abwärts wählte er die Treppenstufen für ein wenig Sport. Abwärts wäre von Haus aus gut hinabzulaufen gewesen, wozu sich Joachim für mehrere Tage entschloß.
Wiederholt, daß Joachim beobachtete, daß der eine, der in seiner schwarzen Schmuckuniform vorgab, etwas Amtliches zu sein, mit der Dicken Gerda ausging. Wobei man es dem Gesicht der Dicken Gerda ansah, wie geschmeichelt sie sich fühlte, sich an der Seite dieses Kerls verhalten zu dürfen.
Der eine, der Joachim ab und zu zwang, die Augen niederzuschlagen. Was sicherlich das Beste für Joachim war, weil der eine Mistkerl Kumpels als Begleitung dabei hatte, die genau dieselbe schwarzfarbene Uniform anhatten. Jedoch mit kleineren sternförmigen Orden, die verdächtig nach Gold ausahen. Jedoch glaubte Joachim eher nicht an die Echtheit der Dinger. Daß das keine Goldlegierung war, wäre ihm zu beweisen gewesen.
Unvermittelt, daß der eine, der für Joachim ekelhaft wurde, eine andere Uniformhose anhatte. Genau dieselbe, wie die Dicke Gerda sie in mehrfacher Ausfühung zu besitzen schien. Eine mit Goldfarbereißverschluß an den Außenflanken jedes Hosenbeins.
Nahezu im Partnerlook mit der Dicken Gerda kam der daher. Wiewohl der eine nichtsdestotrotz danach ausschaute, als ob er dort, wo er zusammen mit der Dicken Gerda hinging, ein bißchen mehr zu sagen hatte als die Dicke Gerda
Den Kopf schüttelte Joachim, soviel wußte er zur Sekunde von der Dicken Gerda und ihrem Umgang. Als hätte alles nichts als Flüchtigkeit gehabt, das ihn, als es Realität war, an sich kaum berührte.
Trotzdem, im Augenblick im Dunkeln, mit der Schulter gegen die Wand gelehnt, war ihm da eine Szene nach der anderen deutlich, allesamt hatten sie die Dicke Gerda zum Mittelpunkt.
Besonders der eine Kurzhaarknilch, der ein Mittzwanziger sein mußte, der drängelte sich bei den Erinnerungen an die Dicke Gerda arg in den Vordergrund.
Einer, der annähernd zwei Meter Körpergröße erreichte. Wirkliches Gardemaß.
Ekelhaft unmittelbar hatte Joachim den Anblick desjenigen in seiner schwarzen Phantasieuniform vor dem inneren Auge.
Die dazugehörige schwarze Schirmmütze, die er drinnen im Gebäude abnahm, um seinen Scheitel zu zeigen. Die Mütze drehte er in den Fingern. Die goldgefärbten oder blechern wirkenden Zierorden vermehrten sich an seiner Brust von mal zu mal. Mehr und mehr Kordeln schmückten die schwarze Uniformjacke.
Und dann dieser bestimmte Augenaufschlag in Richtung Joachims, der aussagte, daß ihm bewußt war, daß Joachim ihm und seinen Kumpanen aus dem Weg ging. Als hätte Joachim alleine schon deswegen die Hosen voll, weil sie da waren Scheinbar machte Joachim sich in die Hosen.
Die andere Frage war, was hatte Joachim davon, stellte er sich in Positur, um mutig zu sein.
Wollte er etwa die Dicke Gerda dort aus dem Kreis herausholen? Dafür sorgen, daß diese Figuren die Dicke Gerda nicht mehr abholten, um sie zur nächsten Feier unter ihresgleichen mitzunehmen? Zu irgendwas, das deren Sinnen war?
Schwarzglänzende Reiterstiefel, auf die Joachim auch bei der Dicken Gerda hinunterglotzte. Ohne daß die Dicke Gerda für einen Ausritt auf einem Pferd ein Gestüt aufsuchen wollte, ebensowenig, wie die bei ihr.
Der eine, der so unübersichtlich eine Vorliebe für die Dicke Gerda hatte, reckte Joachim auch schon mal die lederne Reitgerte entgegen. Drohend. Um sich daraufhin geziert die Schirmmütze aufzusetzen. Dann fingerte er nach der inneren Jackenbrusttasche. Das, was er herausholte, stellte sich als Zigarettenetui heraus.
Er war Raucher, blickte herausfordernd im Umkreis herum. Um sich dann, an der Seite der Dicken Gerda, die Joachim angriente, bei den normalen Leuten mit im Aufzuginnern seine Rauchware doch nicht anzuzünden. Als die Aufzugtüre zuglitt, kriegte Joachim noch schnell den Daumen und Zeigefinger zum Kreis geformt zu sehen, die restlichen Finger abgespreizt.
Stockie bellte aus dem Erdgeschoß herauf, was Joachim aus seiner Belämmerung in die finstere Welt zurückholte.
Auf den Lichtschalter, daß er spontan mit der flachen Hand haute, damit die Umgebung um ihn herum wieder hell wurde. Ihm bewies, daß der Rest nichts als Vergangenheitsschemen waren. Die nichts zählten.
Die Wohnungstür der Dicken Gerda, sie war und blieb zu.
Lustlos kratzte Joachim an der Wohnungstür der dicken Gerda. Lauschte, ob sich drinnen doch etwas regte. Bis das Licht um ihn herum wieder verlosch.
Stockie kläffte nicht mehr, und Joachim glaubte, etwas zu erlauschen. Das sich bedenklich nach dem Geräusch von krallenbewehrten Pfoten anhörte.
Kam Stockie die Stiegen heraufgelaufen? So weit war es nicht ins zweite Stockwerk. Im Nu, daß Stockie bei Joachim oben sein konnte.