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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 17.12

1. April 2021 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Aus dem Augenwinkel blickte Jo, der Revolvermann, der sich um die eigene Achse drehte, eine Gestalt, die ein klein wenig anders aussah. Einfach, weil sie kein rotes Tuch um den Hals geschlungen hatte.

Heftig, daß Jo, der Revolvermann, zusammenfuhr.

Das Beinkleid der daliegenden Gestalt war keine Hose, wie sie an sich jeder Willy zu seinem schwarzen Jackett trug. Sondern ein Rock. Ein Weiberrock zu Reitstiefeln.

Marga, die Barfrau!

Auf weichen Knien näherte er sich dem Liegeplatz der Reglosen. Während sich ihm die Worte Marga, die Barfrau, Marga, die Barfrau, wiederholten.

Die Daliegende, sie war Marga, die Barfrau. Marga, die Barfrau, an dieser Totenstätte der Willy. Hier lag Marga, die Barfrau, bei den restlichen Willys mit am Wiesenboden. Marga, der Barfrau, ihr ging es auch nicht viel besser als dem Rest.

 

Kaum, daß er kurz an Marga, die Barfrau, gedacht hatte, war diese auch schon für ihn zu sehen.

Marga, in einem bei Willys üblichen schwarzfarbenen Jackett, nur in einem Reitkleid. Schwere staubige Reitstiefel mit langen, spitzen Silbersporen hinten an der Stiefelferse. die bot der ein Stückweit hochgeschobene Rock dem Betrachteer dar.

Eine lederne schwarze Reitpeitsche umfaßte Marga, die Barfrau, am Griff. Die Peitsche befand sich an einem Lederband, das ums Handgelenk der einen Hand geschlungen war.

Die Lederpeitsche, sie vielleicht nicht nur beim Reittier in Gebrauch zu nehmen. Vielleicht auch zur Abwehr des nächstbesten Willys. Der eventuell der Meinung war, daß Marga, die Barfrau, ihm wie dem einen Willy zu Willen sein könnte.

 

Marga, die Barfrau, teilte nun das Schicksal der gewöhnlichen Willys. Die, die alle ein rotes Tuch um den Hals geschlungen trugen.

An der Seite Margas, der Barfrau, befand sich ein Willy, der tatsächlich kein rotes Halstuch trug. Was von Jo, dem Revolvermann, erst auf dem zweiten Blick zu erkennen war.

Schlagartig begriff Jo, der Revolvermann, wer dort leblos beim Rest herumlag: der eine Willy der Willys war das.

Kein anderer war das dort, als der eine Willy.

Der eine, derjenige, der unter den Willys das Sagen hatte. Derjenige Willy, der sich schon alleine dadurch von dem handelsüblichen Willy-Pöbel unterschied, weil ihm keiner ansagen konnte, ein rotgefärbtes Halstüchlein tragen zu sollen.

Der eine Willy, demnach ebenfalls darniedergeworfen. Wie jeder vom Willy-Rest leblos.

 

Von dem Willy der Willys guckte Jo, der Revolvermann, dann rasch fort. Weil er den einen Willy einfach mal unerträglich fand, nicht lange ansehen wollte.

Lieber widmete Jo, der Revolvermann, sich der Betrachtung Margas, der Barfrau, rätselte weiter, an was Marga, die Barfrau, gestorben sein mochte. Um mitten beim Betrachten Margas, der Barfrau, mitzubekommen, daß das Kopf und Antlitz Margas, der Barfrau, zu verschwimmen anfingen. Von mal zu mal durchsichtiger begann Marga, die Barfrau, zu werden.

Dem einen Willy der Willys geschah dasselbe, gewahrte Jo, der Revolvermann, als er doch eine Sekunde zu ihm zurückblickte.

 

Schlagartig war nichts mehr der körperlichen Gestalt des einen Willys und Margas, der Barfrau, zu sehen. Nichts, außer der Kleidung, die in sich zusammenfiel, weil in ihr keine Körperlichkeit mehr Platz nahm.

Bei den restlichen Willys war DAS ebenso. Nur noch Stiefel, Anzüge, Hosen lagen am Gras. Das hieß, Jo, der Revolvermann, er erblickte durchaus noch was: eine Art feinen, grauen Staub.

Jo, der Revolvermann, fand es unglaublich, faßte nach dem Rock Margas, der Barfrau, um nichts als Kleiderstoff in der Hand zu halten.

Die Kleidung, die vorhanden blieb, während sich die, die sich damit bekleidet hatten, restlos in Luft auflösten. Daß sich Jo, dem Revolvermann, die Frage stellte, was eigentlich mit IHM war. Was stand er rum, bestaunte die Umgebung, als wäre hier vor Ort nichts das Ereignis?

 

Vorsichtig beugte sich Jo, der Revolvermann, herab, als könnte eines der Kleidiungsstücke Margas, der Barfrau, wie eine Schlange nach ihm schnappen.

Dorthin wagte er kurzenschlossen hinzufassen, wo sich bis vor kurzem noch das Gesicht Margas, der Barfrau, fand.

Nichts von einer Wange, der Nase oder den Lippen war ertastbar. Bloß den Stetson Margas, der Barfau, ihn stieß Jo, der Revolvermann, ein bißchen zur Seite. 

Der feine Staub, in den Jo, dem Revolvermann, hineinfaßte, rieselte ihm aus der Hand. Aus dem Kleidungsstoff staubte es heraus, den er anhob, befingerte.

 

Der feine Staub, er ekelte Jo, dem Revolvermann, an.

Gräuliche Staubmasse, die auf das Gras herabrieselte, als Jo, der Revolvermann, Jackett, Hemd Margas, der Barfrau, hochriß. Um die Kleidungsstücke angewidert fallen zu lassen.

Dazu zwang Jo, der Revolvermann, sich, nochmals mit den Fingern tief in die graue Substanz hineinzufahren.

Zwischen Daumen und Zeigefinger zerrieb Jo, der Revolvermann, das Undefinierbare.

Schlichtweg, daß er sich weigerte, seine eigenen Gedankengänge für bare Münze zu nehmen. Bis er doch das überlegte, daß der graue Staub das sein mochte, was von Marga, der Barfrau, übrig war.

 

Marga, die Barfrau, eine, zu Staub zerfallen? Von einem Momentchen zum anderen.

Unbegreiflich, das, was mit Marga, der Barfrau, innerhalb der einsam gelegenen Pferdekoppel passiert war. Auch mit dem einen Willy der Willys. Dem Rest der Willy-Bande, auf die zu pfeifen war.

Nur eins, das Jo, der Revolvermann, an der Sache komisch fand: daß er das, was da Staub war, irgendwie von anderswo her längst kannte. Unbekannt war ihm das nicht.

Nur, von woher sollte er das kennen? Wo hätte er mit so was früher schon Bekanntschaft gemacht?

 

Susan, der Wallach, wieherte erschrocken, daß Jo, der Revolvermann, augenblicklich den Kopf verdrehte und nach Susan, dem Wallach, hinstarrte.

Beide Revolver links und rechts, die Jo, der Revolvermann, blitzartig aus den Holstern riß. Beide Revolverhähne, die metallisch klickten

Von dem Baumgeäst linker Hand, an den er mit dem Zügel angebunden war, daß sich Susan, der Wallach, losriß. Nur noch die Hinteransicht Susans, des Wallachs, die Jo, der Revolvermann, dann im Blick hatte.

Auf dem Weg galoppierte Susan, der Wallach, davon, den er mit Jo, dem Revolvermann, seinem Reiter, gekommen war. Auf und davon war Susan, der Wallach, innerhalb kürzester Frist.

 

Wenigstens Susan, der Wallach, konnte sich auf seine Fluchtinstinkte verlassen. Susan, der Wallach, hatte nicht lange auf irgendwas gewartet.

Anders wie sein Herr und Besitzer und Reiter machte sich Susan, der Wallach, unverzüglich vom Acker. Ohne noch irgendwas weiteres von dem wissen zu wollen, was hinter ihm lag.

 Aus der Umzäunung der Pferdekoppel wollte Jo, der Revolvermann, nur noch hinausgelangen. Um, als er sich eben herabbeugte, zwischen dem Quergelegten hindurchzuklettern. Mysteriöses um sich rum zu bemerken.

 

So eine komische Finsternis nahm Jo, der Revolvermann, um sich herum wahr. Als wäre es Nacht geworden. Dann erhellte eine Helligkeit die Verdunkelung. Als wäre doch hellichter Tag. Während die Sonne am Firmament stand.

Beim genauen Hinsehen war das ein sonnenhell leuchtender Vollmond. Einer, der es des Nachts schaffte, die Nacht zum Tag zu machen.

Außerdem brannten dazu noch da und dort noch andere kugelrunde Lampions. Jo, der Revolvermann, hatte solcherart Straßenlampions zwar schon mal gesehen, aber nicht so oft.

 

Es war Jo, dem Revolvermann, noch etwas. Wie es aussah, befand er sich nicht länger auf einer Wiese. Vielmehr, daß er mit dem Hinterteil auf einer granitenen Pflasterfläche herumsaß.

Rückenlage nahm er dann ein, um den Oberkörper sofort hochzuwuchten. Um sich mit dem Rücken an etwas heranzuschieben und anzulehnen, das sich wie gekörnte Mauer anfühlte.

Eine dicke Holzüre beguckte er, die sich langsam, aber stetig nach drinnen geöffnet hatte.

Voll das schrillste, blendendste Licht, das ins Innere hereinstrahlte.

 

Ein gelbfarbener Kugelkörper, der blendend den Türrahmen füllte, ohne über Türschwelle hinweggleiten zu wollen.

Jo, der Revolvermann, kriegte mit, daß Lichtstreifen über ihn drüberstrichen. Als würde er von irgendwas durchleuchtet, überprüft.

Schmerz verspürte er deswegen nicht. Nichts tat ihm irgendwie weher wie sonst. Die Lage bei ihm vor Ort mußte jedoch mal fertig gepeilt sein.

Das kugelförmige Leuchding ruckelte an, um sich zurückzuziehen und aus dem Türrahmen zu verschwinden.

Die Tür, die llangsam zuging, wie von Geisterhand zugezogen, schloß. Bis für Jo, den Revolvermann, nichts mehr als dräuende Dunkelheit zu gewahren war.

 

Schrecklich war das, von allem verlassen im Dunklen rumzuhocken. Schmerzensreich wurde es außerdem.

Bis sich dann das mit der Schmerzgegenwart schlagartig verlor, weil da nichts weiter Besonderes an der Dunkelheit im allgemeinen war.

 

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