1. Teil: 18.1
Der Dauerton, den er wahrnahm, plötzlich wußte er, was es damit auf sich hatte: Es war das Klappern von Zähnen. Der eigenen.
Kalter Luftzug wehte, der bis auf die Knochen biß.
Er begriff, daß er auf einem harten, eiskalten Untergrund herumlag.
Seine Finger ertasteten Stein.
Als er die Augen aufriß, entdeckte er sich mit langgestreckten Beinen dasitzend, große Bodenfliesen überblickend.
Den rechtem Arm schwang er aus, wischte im Viertekreis herum. Dabei schob er ein Paar Halbschuhe und irgendeine komisch staubige Hose an sich heran.
Wimmernd, daß er die Schuhe und das Hosenteil sofort von sich stieß.
Wegen des komischen Staubs, der ihm an den Fingerkuppen klebte. Staubsubtanz, die er lange kannte. Selbst ihm Traum, daß Jo den Revolvermann diese Art des Staubs verfolgte.
Nur, daß jetzt nicht länger geträumt war. Jo der Revolvermann war in der Traumwelt geblieben.
Die Welt, in der er wach wurde, schien jedoch auch nicht viel besser als ein Alptraum zu sein.
Es war bitterkalt, ihm fror erbärmlich. Fürchtrlich unheimlich war ihm zumute. Ene Furcht spürte er in sich.
Irgendwas sagte ihm, daß sich etwas bei ihm in der Nähe befand, das ihn beobachtete.
Den Hals verdrehte Joachim ängstlich, und in der Sekunde ging um ihn herum das Licht aus.
Durchaus die Frage, wer das hier das Licht angemacht hatte. Er selber irgendwie ...?
War durchaus schon öfters, daß er Dinge, die er getan haben mußte, nicht mehr wußte.
Im Grunde war das, was er in kleiner Entfernung immer deutlicher viereckig leuchten sah, nichts Mysteriöses. Nichts weiter, als ein Lichtschalter, es im Dunkeln hell werden zu lassen. Sobald jemand den Schalter gedrückt hatte; vorhin mußte dem mal so gewesen sein.
Die Welt Jo's des Revolvermannes blieb, wo sie hingehörte. An sich dachte Joachim als Joachim.
Das war das Erdgeschoß des mehrstöckigen Gebäudes, in dem er seit einer halben Ewigkeit in der vierten Etage eine Wohnung hatte. Mit Marga zusammen war er vor Jahren in dem Steinhaus eingezogen. Als die Zeiten zwischen ihm und Marga noch gute waren.
Jo der Revolvermann - als es noch Traum war, was dieser zuletzt gesehen hatte.
Viel mit der Wirklichkeit hatte die Welt Jo's des Revolvermannes zwar nicht zu schaffen, trotzdem hatte Jo der Revolvermann sich plötzlch, statt sich unter freieem Himmel auf einer Pferdekoppel aufzuhalten, einer steinernen Wand gegenübergesehen. Ein grelles Leuchten hatte einen Türrahmen gefüllt.
Vor dem Joachim sich im Hier und Jetzt mit jeder Faser seines Körpers fürchtete. Weil ihm diese Schrecklichkeit schon bekannt war. Er hatte die Kugeldinger schon in der Wahrnehmung hatte. Gelb-, rotfarben daherkommende Fluggeräte, die er sich früher nicht als Wirklichkeit erträumt hättee.
Fremdartige, an zu klein geratene Sonnen erinnernde Gebilde.
Flugtaugliche Gerätschaften in Kugelform,
Kurznachrichten hatte ihm Marga auf sein Phon geschickt, die Nachricht von Geschehnissen mit unbekannten Flugobjekten gaben. Vor einer halben Ewigkeit schon, wie es ihm im Moment schien, hatte er die Textzeilen Margas offen gehabt.
Und jetzt belästigten die leuchtenden Kugeldinger schon Jo den Revolvermann.
Aus dem nächsten Alptraum hatte ihn so was gerissen. Jenes befremdliche Leuchten, das nur mit einer dieser Leuchtekugeln zu tun haben konnte. Bewußt wurde er sich, der Alptraumwelt Jo's des Revolvermannes entrissen.
Um sich trotzdem nicht in einer besseren, andeen Situation zu sein.
Sich besser zu fühlen, das war nicht. Obwohl er normal Joachim hieß, war hier noch viel weniger in Ordnung, als bei Jo dem Revolvermann.
Dachte er darüber nach, brauchte er das mit Jo dem Revolvermann nicht. Am wenigsten aber, daß er als Joachim unübersichtliche Unheimlichkeiten nötig hatte. Außerirdisches oder so.
Das, was ihm seit jenem einen Sonntag mitspielte, an dem es ihm im Grunde darum ging, wieder mal engeren Kontakt zu Marga zu haben.
Diese sonntäglichen Stunden, auf die er sich nur kraus entsann.
Bier und Wein hatte er getrunken, ein paar Schnäpse dazu gekippt. Irgendwann vor Mitternacht war er weggekippt, eingenickt.Und das, obwohl Aufregung die Welt beherrschte.
Um dann später in einem unsäglichen Zustand aufzuwachen. Schwer für Joachim, das einzuschätzen. Wieviel Zeit daziwischen vergangen. Schlimmer allerdings konnte nichts sein. Alptraummäßiger. Schmerzensreicher.