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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 18.5

1. Mai 2021 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Aus der Hockposition, in die er sich überraschend geschafft hatte, kippte Joachim sich lieber nach vorne. Um nicht am Rücken zu landen, mit dem Hinterkopf auf einer Steinfliese aufzuschlagen.

Anscheinend hatte er für solche Besorgungen noch genug Lebensfunken in sich.

 

Auf Kleidungsstoff landete Joachim mit den Handflächen.

Das Feuerzeug, das er zwischen Zeige- und Mittelfinger geklemmt bemerkte, gab ein komisches Knacksgeräusch von sich.

Als er das Plastikfeuerzeug zum Brennen gebracht hatte, war er erleichtert, daß die Flamme weiterhin brannte.

 

Das eine weiße Schört, das unzweideutig der Haustür druntergeschoben, daß diese nicht zurückschnellen und ins Schloß fallen konnte, an dem zog Joachim, ohne daß sich das gute Stück rührte.

Unzweideutig war das menschliche Scherzkeks-Art, die er in der Wahrnehmung hatte.

Doch das Treiben eines Clowns auf zwei Beinen?

Stockies Idee war so was jedenfalls nicht. Stockie, der Dottler-Hund, begeisterte sich mit Sicherheit nicht für solche Einfälle.

Blieb an sich Joachim selber. Daß er sich manchmal bewußter war, dann weniger, das hatte er schon. Trotzdem, mit den kugeligen Leuchtedingern war zusätzlich eine unberechenbarer Machtfaktor im Spiel.

 

Ein Seufzer entrang sich Joachims Brust.

Trübe Gedanken und Furcht vor dem Unheimlichen nützten nichts.

Wäre alles allerdings das Gewöhnliche gewesen, wäre für die Leute mit Sicherheit nichts dabeigewesen, einem am Boden Rumliegenden hilfreich unter die Arme zu greifen und ihm weiterzuhelfen. Statt Spaßveranstaltungen und Dinge hinterkünftig zu präparieren.

 

War jemand nicht blind, genügte ein kurzes Momentchen, sich Joachim anzusehen, um sich darüber im klaren zu sein, daß Joachim geholfen werden mußte.

Trotzalledem: Kein Mensch hatte sich um ihn gekümmert. Er war liegengelassen worden. Bei offenstehender Haustür. In eisiger Zugluft.

Als ob irgendwer darauf setzte, daß sich das mit Joachim als Angelegenheit in nächster Zeit von selber erledigte.

 

Sein eigenes zorniges Keuchen belauschte Joachim.

Durch den Kopf schoß es ihm, daß es das jetzt nicht sein konnte. Voranmachen mußte er, weiterkommen. Zwingend. Solange er in der Lage war, sich zu bewegen.

Aufzugeben, das war etwas Verbotenes. Schon alleine, um es schadenfrohen Leuten zu zeigen.

Nichts und niemandem durfte das durchgehen, sich am Elend eines zu bespaßen. Schon alleine angesichts der Boshaftigkeit einer aufstehenden Haustür, durch die eisiger Wind hereinwehte.

Wiewohl die Böen im Moment nachgelassen hatten.

 

Vielleicht ergab sich mal eine gute Gelegenheit. Daß zumindestens mal dieses oder jenes Rätsel zu lösen war. So erschöpft er sich auch fühlte, er hatte sich zusammenzureißen, seine Willenskraft zu bündeln.

Fort von dem Ort, das war das Angesagte. Hinaus auf den Gehsteig. Auf ihm zu einem Doktor. Oder zu einer Apotheke.

Zwei Apotheken gab's in unmittelbarer Nähe. Seinen Hausarzt.

 

Das waren die Ziele der Nacht.

Der ganze Rest, der zählte nicht. Um alles andere konnte er sich jederzeit wieder kümmern. Bei passender Gelegenheit.

War er irgendwann in Ordnung, gesund und munter, war auch das mal drinnen, sich vor Dingen zu fürchten und sich vor Angst in die Hosen zu machen.

 

Schon seltsam, wie das alles war. Wie das wirkte. So haufenweise Kleidung von Fremden am Fußboden. 

Nicht zu fassen, daß so viele Leute  hier im Gebäude ihrer Kleidung ledig gegangen sein sollten.

Das bemerkte Joachim, daß er sich aufzurappeln probierte. Tatsächlich gelang es ihm, auf die wackligen Beine hochzukommen. Zur Haustürkante hinzutaumeln. Und das Gleichgewicht konnte er an der Türfläche halten, obwohl er auf ein Kleiderbündel draufgestiegen war.

 

Voran tapste Joachim, versuchte einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Fast stolperte er über die Gebäudeschwelle hinaus ins Freie, wo sich der Regen in ein stetes Nieseln verwandelt hatte.

Naßkaltes Wetter also.

Der Wind hatte also an Stärke nachgelassen. Es hatte zu blasen aufgehört, was ein Glück war.

 

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