deMehr's K.K.-Expo, I 42
28. April 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.
42. Das Jungtier
* Mit schwarzem Rauch brannte das Hubschrauberwrack langsam zwischen den Steinen aus. Drunten fehlte von Jaques und Irene jede Spur; nur zwei der "Piraten" hatte René Depart laufen sehen. Waren Jaques und Irene also von irgendwelchen herumfliegenden Trümmerteilen des Helikopters getroffen worden? Wenn Irene irgendwas geschehen war, wollte er, René Depart, das wissen. Schließlich war Irene seine Tochter. Und er würde Ruth eine Geschichte erzählen müssen. Sicher nicht die, daß Irene für Jaques einen Menschen umgebracht hatte. Das war nichts für Ruth.
* Der unsäglich riesige Affe saß reglos neben der Großhöhle, den Kopf auf die Brust gesunken. Anscheinend war das Monstervieh doch tot. Auf der Steinhalde unten bemerkte René Depart neue Bewegung. Sofort erkannte René Depart den Mann, Jaques, Jaques in seinem schwarzen Cowboydress, aber ohne Hut. Jaques, gesund und munter. Die Dame, die hinter Jaques herschritt, das war Irene. Irene, alles andere als verstorben. Irenes ursprünglich weißes Miederkleid war am Oberkörper blutgetränkt. Allerdings schien Irene vollkommen unverletzt; nicht das geringste, das Irene fehlte. Also wahrscheinlich, daß das nicht Irenes eigenes Blut war. Hatte sich einer der Leute Jaques' auf Irene draufgeschmissen, damit Irene nichts von einem Trümmerstück abkriegte? Ein edler, tapferer Ritter für Irene mitten unter Jaques' erwähltem Personal? Mochte sein, daß derjenige abgekratzt war, während Irene gesund und munter bei Jaques sich befand.
* Jaques war bester Stimmung, so machte es den Eindruck; Jaques, überhaupt nicht mehr geknickt wegen dem teuren Hubschrauber aus Armeebeständen, der kaputtging. Fröhlich hob Jaques ein dünnes Kunststoffteil vom Boden auf. Von unten nach oben und zurück begutachteten Jaques und Irene das Viereck, drehten es um. Als Jaques eben beabsichtigte, die Platte wieder wegzulegen, fuhr alles auf der Szene vor Schreck zusammen: ein heulender Schrei, der durch und durch ging. Es war nicht das große Untier, das hatte sich nicht von der Stelle gerührt. Es war der halbe Monsteraffe. Das Jungtier, dem die Mutter fehlte, das sich aus der Großhöhle herauswagte, nachzuschauen, wo Mutti denn bliebe.
* Das Junge faßte den Arm der stillen Mutter, schüttelte ihn. Mehrmals wiederholte sich das. Die Finger tauchte das "Kleine" in die klaffende Bauchwunde, hob sich die behaarte Pratze vor die Augen, beguckte voller Unverständnis die rote Färbung. Darauf schmierte sich das blöde Jungvieh die Sauce auf die wulstigen Lippen, leckte mit der Zunge.
* Unterhalb machte Jaques den Eindruck, er hätte einen Schatz ausgegraben. Wie ein Irrer tanzte Jaques dann mal um Irene herum, umarmte Irene, schwang Irene in die Luft, setzte Irene wieder ab. Danach war bei Jaques Ruhe; Jaques hob sich das Sprechfunkgerät vor die Wange, sprach eindringlich hinein. Währenddessen hatte sich das zottelige Affenkind vor die Mutti hingehockt. Öfters zog das Kleine die Mutter am Arm, zupfte an Mutterns Armbehaarung. Aber der Affenmutti war alles gleichgültig, egal, was um sie her passierte, sie war regungslos.
Newsletter
Gib Deine E-Mail-Adresse ein, um bei zukünftigen Artikeln benachrichtigt zu werden.
Seiten
Kategorien
- 768 "Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
- 374 mehr meilen
- 370 Kurzware
- 368 "Drei Erwachen"
- 360 hug it
- 352 allerlei
- 325 Kurzware II
- 315 kleine Szenen
- 310 Kleinteile
- 304 rundgehen
- 223 "Die Augenzeugin"
- 167 nach dem Tritt
- 152 dreimal erwachen
- 93 T-Rixi
- 57 K.K.
- 39 miles
- 22 Jäger des nächsten Textes
- 16 Kurzgeschichte