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Blog von TeddeMehr

deMehr's K.K.-Expo, II 7

10. Mai 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.

 

7. Zeitung - Radio ...

 

* Langsam hing René Depart das aus dem Hals, daß Jack Spearbow auf der Speisekarte immer das teuerste Menü wählte. Außerdem hatte René Depart gedacht, Jack Spearbow hätte in New York eine Frau und zwei Kinder. Was die Gattin wohl dazu sagen würde, wüßte sie, daß ihr Jack es jeden Tag nötig hatte und daß er für die Huren seinen guten Kumpel René Depart zahlen ließ. Und nicht eben die billigsten Flittchen, nein, das Puff-Ambiente mußte schon stimmen, sonst kriegte Jack die Hose nicht auf. Warum er, René Depart, mit Jack Spearbow an seiner Seite die Zeit weiter in dieser Landschaft vertrödelte, keine Ahnung. Vielleicht, damit's Jack Spearbow gut ging.

 

* Sämtliche ausländische Mitarbeiter von "Up-Genetics" waren vor Jahrtausenden abgereist. Auf Nimmerwiedersehen. Die einheimischen Befehlsempfänger hatten kaum irgendwas mitzuteilen. Die wirkten entweder eingeschüchtert, dumm oder störrisch, wenn man sie auf ihre Tätigkeit bei "Up-Genetics" ansprach. Das Ergebnis aller Bemühungen: gleich Null. Am offensten sprach das José Mullo, dreißig Jahre, ehemals Laborant bei "Up-Genetics", aus. Mullo jammerte regelrecht, wenn er hier Sachen erzählen würde, kämen mal Attentäter, Leute, die vielleicht nicht ihn, José, umbrachten, sondern jemanden aus seiner Familie. So war das: ein Kartell des Schweigens.

 

* Der Schweiß lief René Depart in Strömen überall runter. Die Hitze war drückend; die Klimaanlage im ganzen Hotel funktionierte nicht richtig. Vom Ausgehen, Bier und Schnaps saufen wurde das nicht besser. Die Frage der Fragen: Was sollte als nächstes geschehen? Praktisch hatte sich jede Spur ins Nirgendwo verloren. Nach Zilla: nichts. Wenn er und Jack Spearbow in die Staaten zurückreisten, wäre das möglicherweise das beste. Mochte sein, daß Rebecca Sponti noch etwas auf Lager hatte. Ein weiteres Geheimnis ihres Vaters Dominik. Oder Vater Dominik war wieder da, lebendig in den Schoß der Zirkusfamilie zurückgekehrt. Es klopfte an der Holztüre. Es wäre nicht abgesperrt, bellte René Depart. Jack Spearbow rannte aufgeregt in die Räumlichkeit, wedelte mit einer Zeitung, schrie, das müßte er, René Depart, auf der Stelle lesen. Den Artikel auf Seite drei.

 

* Lustlos faßte René Depart nach dem Käseblatt. Der Artikel auf Seite drei, wiederholte Jack Spearbow. In Ordnung, wehrte René Depärt ab, schlug Seite zwei und drei auf. Tatsächlich war der Text, auf den Jack Spearbows Finger zeigte, höchst interessant: Im Nachbarland war ein Kommando Soldaten hinter Guerilleros her. Statt auf Guerilleros stieß der Trupp auf etwas anderes: eine Horde grüner Monster auf zwei Laufbeinen. Erst Maschinengewehrsalven schlugen die angreifenden Ungeheuer in die Flucht. Sieben Soldaten überlebten den Überfall nicht. Das miserabel gedruckte Schwarzweißbild links auf Seite drei präsentierte zwei der Soldateska mit langen Gewehren, vor irgendwas, was die Strecke der getöteten Monstrositäten sein sollte. Jack Spearbow kreischte, daß er, wenn das nicht die grünen Raptoren wären, seinen Hut ohne Salz verspeisen würde.

 

* Für René Depart und Jack Spearbow hieß das eins: sofortige Abreise. In einem von René Depart bar bezahlten Jeep fuhren sie Richtung Grenze. Jack Spearbow steuerte den Geländewagen, entdeckte beim Hantieren mit dem Sendersuchlauf des Autoradios einen Sender aus dem Nachbarland. Nicht nur Musiktitel wurden da gespielt, sondern dazwischen interessante Geschichten in Portionen aufgetischt. Als die zweite Stunde anfing, horchten René Depart und Jack Spearbow auf. Es begann mit der Meldung, daß ein Unteroffizier namens Fernandez Diaz festgenommen worden wäre. Begründung: Vertuschung einer Schießerei unter Untergebenen, Täuschung höherer Dienststellen und der Öffentlichkeit, Aufruhr. Es wäre Unteroffizier Fernandez Diaz' Pech, daß zwei europäische Archäologen vor Ort waren und genauer hinschauten. Die riesige Kreatur, die Unteroffizier Diaz zusammen mit seinen Männern getötet haben wollten, wäre kein Stegosaurus, wie das Unteroffizier Diaz weis machen wollte, sondern wären lediglich zwei Dschungelelefanten, die im Erdloch bereits stark in Verwesung übergegangen waren, als die Europäer, Dr. Meyer und Dr. Hefthand, sich den Spaß anschauten. Das Gehörn: angespitztes, mit weißer Farbe angemaltes Holz; von einem Dinosaurier konnte wirklich nicht die Rede sein ... Wenn das, was er, Jack Spearbow, gesehen hätte, immer alles nur Elefanten gewesen wären, wäre ja alles gut, meinte Jack Spearbow, hieb mit beiden Handflächen auf das Lenkrad.

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