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Blog von TeddeMehr

deMehr's K.K.-Expo, II 6

9. Mai 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #K.K.

 

6. Der freundliche General

 

* Hernandez Zilla gebot René Depart und Jack Spearbow in den teuren Ledersesseln seines Rauchzimmers Platz zu nehmen. Jack Spearbow und René Depart plazierten sich in den Sesseln. Noch einmal lobte René Depart das ausgezeichnete Mahl, das der Hauskoch Zillas zubereitet hatte, dann holte René Depart sein Scheckbuch aus der inneren Jackettasche. Mit einem echt goldenen Kugelschreiber schrieb René Depart einen Scheck über vierzigtausend Dollar aus. Der Betrag von vierzigtausend Dollar wäre gewiß ausreichend, General Zilla bei seinem Kampf um die Wählergunst von Nutzen zu sein, meinte René Depart. General Hernandez Zilla nickte freundlich. Es käme drauf an, legte René Depart nach; vielleicht ließe er mit sich reden, weitere sechzigtausend Dollar der Wahlkampfkasse von General Zilla zukommen zu lassen. Ein Wink General Zillas, und der Diener, der eine große Zigarrenkiste in beiden Händen hielt, kam herbei. Der Mann in Livree öffnete die Kiste, präsentierte den verehrten Gästen des Generals den Inhalt: dicke, teure Havannazigarren.

 

* Wenn er hier in diesem Bezirk zum Gouverneur gewählt werden wollte, bräuchte er alle Unterstützung, die er nur kriegen könnte, kehrte General Zilla zum Thema Politik zurück. Ein klein wenig wäre ihm, dem General, nun auch von ihm, René Depart, geholfen, gab René Depart zurück, grüßte mit dem Cognacschwenker. Eifrig sprach General Zilla einen Toast auf seinen freigiebigen Gast aus. Der General, der selber drei hübsche, kleine Kinder hätte, würde das sicherlich verstehen, daß die Sorge um das Kind einen Vater rasend machen könnte, umschrieb René Depart sein Anliegen. Zustimmend nickte General Hernandez Zilla mit dem Kopf, sprach, daß Kinder das Salz des Lebens wären; es gäbe auf Erden keine Speise, die gelänge, könnte man sie nicht mit einer Brise Salz abschmecken.

 

* Nachdem die Runde eine Weile mit dem Rauchen beschäftigt war, strich General Zilla sich über den feisten Bauch, eröffnete, daß er nicht das allergeringste Problem hätte, das zu erzählen, wovon Herr Depart und sein Freund Jack etwas hören wollten. Das wäre sogar sehr nett, mit jemandem darüber zu sprechen, mit jemand, der etwas von der Materie verstünde. Worum es sich damals gehandelt hätte, wäre eine geheime Kommandosache gewesen. Ziel: "Up-Genetics", eine Biotechnikfirma in Besitz eines internationalen Fonds. Seit längerem hieß es, daß auf dem Gelände von "Up-Genetics" seltsame Dinge vor sich gingen, und dann bekam man eine Handhabe, sich die Örtlichkeit einmal näher anzuschauen.

 

* Alles leitende Personal von "Up-Genetics" bestand zu dem Zeitpunkt, als das Problem gelöst wurde, aus Nordamerikanern; als ob die den Laden übernommen hätten, durch geschickte Personalpolitik. Bloß schienen sich die Damen und Herren, die führten, untereinander nicht grün zu sein, obwohl sie alle die gleiche ungefähre Herkunft hatten. Eines Nachmittags erschien ein soeben frisch bei "Up-Genetics" entlassener "Cowboy" auf der örtlichen Polizeistation. Was der Kerl den Polizisten dort mitteilte, klang eigentlich hanebüchen, richtig wahnsinnig. Aber der Cowboy mit Sporen an den Stiefeln hatte Fotos, jede Menge Fotos; außerdem legte er kopierte Computerdaten vor, die man nur auf dem Bildschirm anzuschauen brauchte. Damit untermauerte der Mann in aller Seelenruhe seine Behauptungen. Er machte darauf aufmerksam, daß es in der mittleren, der größten Lagerhalle mehrere abgegrenzte Abteile gäbe, in denen gräßliche Monster gehalten würden, "Raptoren". Die "Grünschuppenraptoren", die würde man züchten, um die Viecher zu "domestizieren". Praktisch, um Haustiere aus ihnen zu machen. Wirklich unglaublich, was der "Cowboy" auftischte.

 

* Wie dem auch war, "Up-Genetics" hatte sich lange einen zweifelhaften Ruf erworben. Und jetzt bekam er, Hernandez Zilla, den Auftrag, das Kommando zu führen, um auf dem Gelände von "Up-Genetics" nach dem Rechten zu schauen. Sollte der Polizei zusammen mit seinen, Zillas, Soldaten der Zutritt verwehrt werden, könnten sie sich auch mit Gewalt Zugang verschaffen. Tatsächlich weigerten sich die Pförtner hinten und vorne, den Polizisten die Tore zu öffnen; die Idioten riefen sogar den Werkschutz. Also gab er, Zilla, den Befehl, mit den Panzerfahrzeugen die Absperrungen zu durchbrechen. Im Schutz der beräderten Panzer stürmten einzelne Trupps mit verschiedenen Aufgabenstellungen das Firmengelände. Schnell waren die Bewaffneten des Werkschutzes bereit, sich zu ergeben, befanden sich die Soldaten in den Büro- und Laborräumen von "Up-Genetics", in denen nicht gearbeitet wurde. Vielmehr beschäftigten sich die anwesenden einheimischen Firmenmitarbeiter damit, Papier durch Reißwölfe zu schicken oder dieses sogar zu verbrennen und elektronische Dateien zu löschen. Das Geschehen wurde unverzüglich unterbunden. Irgendwer hatte die Leute, die bei "Up-Genetics" das Sagen hatten, gewarnt, dafür gesorgt, daß die Cowboys zehn Minuten vor dem Zugriff in ihren Limousinen abfahren konnten.

 

* Unvermittelt klang Schießen aus automatischen Waffen auf. Die dafür vorgesehene Kohorte hatte das Doppeltor der größten Lagerhalle aufgebrochen; dort sollten sich die Abteile mit den "Raptoren" befinden. Das mit den grünen Monstern war kein bloßes Schauermärchen, sondern blutige Realität. Die grünlichen Ungeheuer waren freigelassen, einige sprangen den eindringenden Männern aus dunklen Ecken entgegen. Die urzeitlichen Ungeheuerlichkeiten schafften es, ein Blutbad anzurichten; das dauerte, bis eines von ihnen im Kugelhagel niedersank. Am darauffolgenden Tag war in den lokalen Nachrichtenmedien zu hören und lesen, es hätte eine Schießerei zwischen den Soldaten und dem Werkschutz von "Up-Genetics" gegeben. Hinten und vorne eine Falschmeldung, die er, Zilla, eigenhändig bei den Presseleuten lanciert hatte.

 

* Noch etwas müßte er, Zilla, gestehen: Als er die Dinge gesehen hatte, die in der "Osthalle" von "Up-Genetics" herumstanden, hätte er sofort den Befehl gegeben, das Tor da zu versiegeln. Von dem Schönen, das in der "Osthalle" wartete, brauchte offiziell niemand zu wissen. Die Soldaten, die drinnen waren, alles sahen, bekamen für ihr Schweigen Sonderurlaub, einen Zuschlag auf ihren Sold und das Versprechen, bei nächster passender Gelegenheit befördert zu werden. Das, was in dieser Lagerhalle dastand, das waren die präparierten Dinosaurier, die, die er, Hernandez Zilla, an Dominik Sponti verkaufte. Die Viecher, die standen dort, wie auf den Abtransport wartend. Vielleicht sollten sie auch wirklich bald abgeholt werden, um auf Schiffsreise in einem Container zu gehen, nach Europa, in die Vereinigten Staaten. Die toten Saurier, die aussahen, als würden sie leben. Zu guter Letzt war er, Zilla, der Mann, der die Chance nutzte, mit den Monstern ein Geschäft zu machen. Dominik Sponti, der einen Zirkus besaß, zahlte den verlangten Preis, unternahm gar nicht den Versuch, den Betrag runterhandeln zu wollen.

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