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Blog von TeddeMehr

Die populäre Fälschung

21. März 2017 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #Kurzware

Charlie Chaplins "Tramp": einer, haltlos in der Welt, trotzdem auf der ständigen Suche nach seinem Glück.

Anzug hatte der "Tramp" an, ein zerknittertes, abgetragenes Teil, trug einen zu kurzen Gehstock, zu große Schuhe an den Füßen. Aber er war keiner der Bärtigen, er war rasiert; statt eines Schnauzers oder Vollbarts präsentierte er ein links und rechts ab einem gewissen Punkt abrasiertes Bärtchen, dessen Härchen immer kurz gehalten wurden.

Die Filme um den "Tramp" brachten Charlie Chaplin jede Menge Erfolg ein. Er war dadurch populär. In harten Zeiten entdeckten sich viele in dem "Tramp". Weltweit. Wollten sogar aussehen wie er.

Eine echte Mode.

Daß einer daherkam, sich als der "Tramp" maskierte. Nicht selten.

Ja, auch er, der andere, hatte Armutserfahrung. Konnte sich in den "Tramp" hineinversetzen. In Wien hatte er mehr schlecht als recht als Künstler gelebt. Sich ohne allzuviel Lob für seine künstlerischen Werke, Malereien, durchgeschlagen. War durch die Männerhäuser in Wien gezogen. Bis der erste Weltkrieg anfing. Während jenen Tagen trug er noch Allerweltsschnauzbart.

Erst die Charlie Chaplin-Filme veränderten nach dem ersten Weltkrieg sein Aussehen. Ab da trug er dieses "Tramp"-Bärtchen. Das ihm anscheinend weiterhalf auf seinem rechten Weg.

Nicht wieder, daß dieses Bärtchen sein Gesicht verließ, auch nicht, als das Faschisten-Glück ihn fand. Weil er nicht seine Zeichen- und Malkunst verfeinerte, sondern an seinen Redefähigkeiten arbeitete. Damit kam er in den rechtslastigen Kriegsveteranen- und Monarchietrauervereinen seiner Zeit voran. Erwarb sich einen Ruf als beredter Provokateur, der Leute zog.

Bis zum Schluß blieb es ihm verhaftet, das "Tramp"-Bärtchen. Bis in der Berliner Reichshauptstadt sein Ende kam, das Selbstmord hieß. Zu einem machtvollen Despoten war er zwischendrinnen geworden. Spuckte auf einen wie den "Tramp", obwohl er ihn weiterhin abbildete. Einen großen Krieg hatte er als Staatsführer geführt, der verlorenging. Ein Krieg, für dessen schrecklichste Vorkommnisse er ein Hauptverantwortlicher war. Den Siegern, die sein Regime hinwegfegten, wollte er sich wirklich nicht stellen. Also ...

Wegen ihm ist es nicht Charlie Chaplins "Tramp"-Gesicht, das gesehen wird, wenn jemand so aussieht. Mit diesem Stutz-Bärtchen daherkommt. Sondern das seine. Seine Despoten-Fratze.

Das schlimme Antlitz, das er dem "Tramp" gegeben hatte. Aus ihm einen national-orientierten arroganten, rassistischen Massenmörder machte, der die gesamte Welt gegen sich aufbrachte. Weltweit muß einer mit einem "Tramp"-Bärtchen schon noch ein paar Kleidungsstücke dazutun, um sich etwa im Fasching als DER "Tramp" zu präsentieren. Um nicht mit IHM verwechselt zu werden, dem boshaften Diktator. Als solcher nicht wegen Erregung eines öffentlichen Ärgernisses, Volksverhetzung und dergleichen Delikten eines fehlgeleiteten, verwirrten Geistes festgenommen und inhaftiert zu werden.

Es ist eher wahrscheinlich, daß einer mit einem derartigen Aussehen für IHN gehalten wird, nicht für den "Tramp". So pervertiert wurde die "Tramp"-Figur von ihm.

Mit dem Charakter SEINER Maske spielen nichtsdestotrotz Leute, die ansonsten nicht viel mit dem "Tramp" zu schaffen haben wollten. Den "Tramp" jedes Hauses verweisen würden. War schließlich nicht der Reiche, den Charlie Chaplin ruhmreich spielte. Es war die Rolle des hungernd Herumstreunenden ohne Halt, die Charlie Chaplin einnahm. Einen, der nie allzuviel besaß. Vielleicht das am Körper. Der höchstens dann und wann was gewann. Mit der Frage: Blieb dieses Glück denn allzu lange? Eine Frage, die Charlie Chaplin nicht recht beantwortete, Charlie Chaplin, der den nächsten "Tramp"-Film drehte. In dem die Situation zu dem zuvor ein klein wenig anders war. Oder, als wäre manche Szene vom letzten Filmstreifen nicht wahr gewesen.

 

 

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