Eine bemerkte Mißstimmung
Die britische Queen hat ungefähr gesprochen, so was von einer schlechten Stimmung auf der Briten-Insel, wie sie die letzten Monate herrscht, hätte sie lange nicht mehr mitgekriegt. Fast schon für die Dauer eines Jahres: eher Tristesse.
Oder hat sie das anders gesagt? War da was mißzuverstehen?
Schließlich: Welches britische Ereignis gab's vor einem Jahr? Da hatten Bestimmte ein Fest.
Vor einem Jahr ungefähr, Stand jetzt, Juni '17 nach dem Millenium, hat ein unübersichtlicher Milliardär einen großen Sieg gefeiert. Auf dem Inselreich der Briten. Das abgefeiert, daß es ein bißchen mehr Ja- als Nein-Stimmen für einen Abschied Britanniens aus der europäischen Union gab.
Zwar kein allzu riesiges Plus, daß es der Rede wert hätte sein müssen. Keine zehn, fünfzehn, zwanzig Prozent über den fünfzig Prozent. Aber immerhin, die Fünfzig-Prozent-Marke war knapp überschritten. Um zwei Prozentpunkte.
Eine Überraschung. Nach allen veröffentlichten Wahlprognosen die Zeit zuvor.
Und auch schwerer zu überblicken: daß sich die üblichen britischen Parteien des "Brexits" tatsächlich später größer annahmen. Als wäre er der ihre. Obwohl das Referendum ohne weiteres von ihnen übergangen werden hätte können. Noch dazu: bei der Knappheit des Endergebnisses.
Wie gesagt: keine fünfzehn, zwanzig Prozent die fünfzig Prozent für eine unzweideutige Meinung überschritten. Nicht mal die sechzig Prozent gekratzt. Lediglich zweiundfünfzig Prozent.
Nur zwei Prozent drüber, daß man sagen könnte: solange die Entscheidung nicht besser fällt ... Beim nächstenmal geht's glatt andersrum aus. Da könnte bei einer eventuellen Wiederholung ja direkt ein ganz anderes Ergebnis herauskommen. Ein gänzlich gegensätzliches Moment.
Trotzdem, es gab und gibt den "Brexit".
Der eine Milliardär, dem bei nichts nie etwas fehlt, was gewöhnlichen Leuten Schwierigkeiten bereiten kann, hat seinen Willen bekommen. Der rechtsnational auftreibende Mann, bei dessen Geld man mal die Nationalfrage stellen sollte, hat nach jahrelanger Kampagne für einen "Brexit" sein Siegergefühl gekriegt. Wie ein Sportler bei einem Langstreckenrennen hat er mit seinem Sportsgeist durchgezogen und mit seiner Ausdauer obsiegt.
Eigentlich, um den "Brexit" daraufhin sofort sich selber zu überlassen. Ihn den Parteien zu überantworten, die im Grunde nicht mit IHM, dem Superreichen, und seiner rechts nach außen driftenden "Brexit"-Idee waren.
Jetzt haben die Bewohner Britanniens jede Menge Unsicherheit auf ihrer Inselwelt, aber die "Brexit"-Verhandlungen haben doch noch pünktlich wie vorgesehen begonnen. Zu haltende Termine. Als der Scheidungswillige hatte man zu erscheinen, ist geradezu hingerempelt erschienen. Es wurde davon erzählt, daß jeder der Verhandlungsführer seine Krawatte und so farblich auf den anderen abgestimmt hatte. Die Fahnen im Hintergrund: der Union Jack und die Europaflagge.
Der Fahrplan für den Austritt des britischen Königreichs aus der europäischen Union, der steht. Geradezu fast als einziges. Weil von gesicherten politischen Verhältnissen auf der Briten-Insel keine Rede sein kann. Dort ist alles sehr instabil, fragil. Fast weiß keiner dort, was die nächsten Tage, Wochen genau an Entwicklung bringen. Sogar den "Brexit" könnte man plötzlich abblasen. Gleichgültig, was der Austrittsprozeß für Zwänge hätte.
Irgendwie scheint es, die Europa-Termine wären für die Briten die einzigen verläßlichen Fixpunkte. Der Rest daheim, der ist wie ein Marsch in unbekanntem Sumpfgebiet: Kommt jemand auf unsicheres Terrain, gerät er auf seinem Weg ins sumpfige Morast, kann er nur hoffen, daß wer in der Nähe rumläuft, die Hilferufe hört. Damit er noch rechtzeitig gerettet werden könnte, ehe ihn das Saugende, in dem er festsitzt, aus dem für einen alleine nicht herauszukommen ist, hinuntergezogen hat in die Untiefe.
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