Zwölf Jahre lang SIE, bis zum Totalschaden
Da scheint ja wirklich was "Großes" einzutreffen, demnächst die Tage, wenn so ein Wahlabend Feiernde und Verlierer sieht.
Tja, könnte durchaus möglich sein, daß auch ein Verlierer was zu feiern hat. Weil er größer was gewonnen hat, und Jahre mit ihm als Gewinner einem lang werden können.
Weil man ein wahres Verlierergesicht bei so frischen Larven mit Neuigkeitsmienen und all das einfach nicht in der Wahrnehmung haben will, feiert man da sorglos was ab. Möglicherweise das, daß jeder Verlierer auch ein Weilchen mit seinem Einsätzen an einem Tisch gewinnen kann.
Noch fern, der Moment des großen Verlierens, dieser Sieger. Des Großverlierertums. Es dauert manchmal, das, bis zur Pechsträhne. Bis dann immer mehr, bis hin zu allem auf dem Tisch liegt, in den Pott hineingeworfen wurde.
So gestern hatten die Großverlerer als allerletztes ihren Charakter mit drinnen. Als der Gewinner dann die Tischfläche abräumte, jegliches zu sich hinschob, konnte er seinen Gewinn sich prüfend ansehen. Bekam das in Sicht, daß da sogar noch so ein Übelcharakter mit dabei war. Einer, den man am liebsten im verborgenen gehalten hätte.
Nur war der nun vor der gesamten Welt entdeckt, bestens in Licht gesetzt.
Die Siegreichen kamen, und sie befreiten damit so die Sammellager. Über das Grauen in diesen Lagern waren sie zunächst nicht mal ganz so umfassend unterrichtet. Das mußten sie doch erst mit eigenen Augen mitkriegen.
Es war schier nicht zu glauben, was da aufschien. Sie zu sehen kriegten. Was sie da Großes erfuhren, von den "Nationalsozialisten", deren "Führer" es tunlichst vermied, die Ansage dieser Untaten in seinem bürokratisch durchorganisiertem Land unzweideutig dokumentieren zu lassen. Obwohl einiges davon als Dokument, verfertigt von seinem Beamtenapparat, daß sehr vieles einwandfrei nachverfolgbar war.
Da verstand man es schlußendlich plötzlich besser, warum so ein SS-Mann besonders tapfer kämpfte: Er hatte richtig was zu verlieren.
Sein Schicksal bei denen, die ihn gefangennahmen, konnte sicher nicht besonders sein. Da sah er das Bild der eigenen Erschießungskommandos, den Galgen für den Mörder. Was immer ihm geschehen konnte, fand er nicht einen Weg für sich, Leute mit seinem Verhalten zu täuschen. Oder zu fliehen. Sonstwohin zu gelangen, wo niemand auf ihn Zugriff hatte.
Selbst Arabien war da kein zu weiter Weg, für so einen. Horden von Flüchtlingen mit europäischen Gesichtern sahen Araber während gewisser Tage, als der nationalsozialistische Großverlierer glücklich war, daß ihm in letzter Sekunde doch noch die Flucht vor seinen Häschern gelang.
Auch als Flüchtling war ihm fast jedes Mittel recht.
Aber sicher, solange jemand nur das sieht, solange der Eins-a-Verlierer nur dasitzt an einem Rundtisch und gewinnt und gewinnt.
So ein knapper Blick in die Vergangenheit jedoch, schon ist er rasch in Sicht geraten. Der Verlierer. Wie schändlich es mit IHM zu Ende ging. So die Zeit vor Adenauer, Erhard. Genau die.
Da blickt man die mit ihrem wirklich allumfassenden Verliererwesen. Alles hatten sie als Einsatz reingeworfen, in den Pott am Tisch. Um ohne alles von diesem wegzugehen. Und man überließ sich den Siegreichen, daß der wirklich alles umfänglich überblicken durfte, was dann nochgerade mit im Pott mit dabei war. Was inbegriffen war. Als er sich seinen Gewinn genauer anschaute.
Und hier, das was da aufschien, ist das Verlieren wirklich wörtlich zu nehmen: Selbst irgendwas eines Charakters ließ man denn links liegen. Es war Verlierertum gewaltigsten Ausmaßes.
Wehrmacht, SS, man mußte aushalten, wie man angesehen wurde. Fast keinen Widerspruch konnte man einlegen, sich mit dem allerwenigsten rechtfertigen.Nach den Einsatzgebieten seines Kommandos wurde man betrachtet, was dort sich in den Gebieten abspielte, über die man ein Weilchen gebieten hatte können, nachdem man Schlachtensieger war..
Im Rassewahn war der bürokratische, industrielle Massenmörder zum Vorschein gekommen. Jemand, der selbst aus dem Mord noch ein Geschäft machte. Die Toten wurden von den SS-Leuten, ihren Lagerkadern, zu Ware fürs Volk portioniert. Mit Seife konnte man sich im Innern des Reichs waschen, zu der man was Talg von Toten verarbeitet hatte. Mit Bürsten fuhr man sich die Dame durch das Haar ... Auf dem Essenstisch landete ebenfalls was ...
Der Greuel, zu dem sich die von der SS hinreißen ließen. Auch ihre Geschäftsideen waren irgendwann was fürs bloße Grausen. Eigentlich.
Nur, wenn man sich nicht mehr graut. Vor nichts mehr. Wenn nichts mehr einem graut. Dann ist das Ankreuzen bei einer Wahl bei IHNEN vielleicht zunächst das Allerwenigste.
Wie man sich scheinbar entschließt, in der Gegenwart in der Wahlkabine bei Leuten sein Kreuzchen zu machen. Solchen, die nun nicht mehr wollen, daß man sie auf so zwölf Jahre Herrschaft von welchen bei den Deutschen anspricht. Auf jene dumpfe Ära. Vielleicht ja insbesondere nicht wegen irgendwelchen Deutschen, sondern tatsächlich wegen sich. Als die, die sich zur Wahl stellen, liebend gerne auf die Machtsitzpolster gelangen würden.
Damals, alles hatten sie zur Genüge da schon. Jegliches. Es ist nachzusehen. Von Anfang bis Ende. Von A bis Z. Zu Beginn: Abschaffung der "Weimarer Republik", "Ermächtigungsgesetz", sprich: neue Verfassung. Gleichschaltung aller Institutionen im Staate.
Der Systemwechsel, die Diktatur, die sich daraus gebar.
Wer möchte da auf Anfang zurückgesetzt werden? Am liebsten alles noch mal von vorn?
Haha, da kann man wohl das Sprichwort hernehmen: "Man sollte besser das Ende sehen".
Das vor Adenauer, Erhard, im Heute lästig. Die zwölf Jahre. Dafür hätte man den Großweichzeichner gerne. Das großflächige Weg- oder Ausblenden von allzu vielem.
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