Die Neuigkeit kann gut warten
Man kann sich wirklich drüber freuen, daß die Neuigkeit noch ein Weilchen Zeit hat, sich vollumfänglich präsentieren zu dürfen.
Alles bestens, bis zu dem Zeitpunkt, daß es MUSS.
Die alte Regierung ist kommissarisch im Amt. Das einzige Größere der einen Neuigkeit bisher: daß sie sich konstituiert hat. Mit all den Unter-Fünf-Prozent-Parteien, die neu mit Zahlen über den fünf Prozent in dieses nächste Exemplar eines Bundestags eingezogen sind.
Besonders zwei Parteien über fünf Prozent, die weit drunter sollten.
Jede der Parteien, die neu in den Bundestag einziehen durfte, brauchbar für nichts.
Da kann man wirklich beruhigt auf alles warten, was jede von denen angeht, bis das endgültig kommt, das mit dieser Bundestagsneuausgabe. Je mehr Zeit vergeht, bis zu einer Regierungsneubildung, um so besser. Sowieso für die Zukunft kaum was Brauchbares dabei.
Diese "Freiheitlichen", die Wirtschaftsliberalen, kaum eingetroffen, wollen die sofort mitregieren. Zurück auf ihr altes Gestühl an den Fleischtöpfen der Macht. Beinahe wie altgewohnt, daß sie dort Wiederkehr halten wollen. Als wären SIE nie weggewesen. Als wäre ihr angestammter Platz, wie selbstverständlich.
Und mit denen denn mitgekommen: DIE.
Die, die sich mit dem schönen Wort "alternativ" schmücken. Als wären sie auch nur eine Alternative für irgendwas. Praktisch das eine Alternative, bei dem jeder im Grunde nur eines könnte: abwinken.
Zurück in die altvorderste Vergangenheit wünschen die sich, als wäre diese Vergangenheit von ganz früher brauchbar für das Heute. Gäbe es dort Wünschenswertes. Daß man irgendwie froh sein müßte, noch mal irgendwann dorthin zurückgelangen zu können, in gewisse Vergangenheitstage.
Als wäre das in Echt erstrebenswert, so was als eine Neuheit, Neuigkeit für sich auf die Wiederholungsschiene zu kriegen. Würde es nicht hinreichen, in Büchern oder sonst einer Schrift von den Geschehnissen von ehedem zu lesen. Als wäre dort nicht alles detailliert genug geschildert.
Alles vor Adenauer, Erhard in Wahrheit was Unsägliches. Bis auf die Alliierten. Die Alliierten, die das mit der Entnazifizierung einigermaßen voranbringen konnten. Das mit der Entnazifizierung durch sie, das auf fruchtbaren Boden fiel.
Es war allerdings auch damals alles zu unmittelbar schrecklich für die Deutschen, was IHNEN nach dem zweiten Weltkrieg Schreckliches von sich klarwerden mußte. Der Ungeist, der mit ihnen zusammenhing. Als die Schuppen von den Augen fielen, sie wirklich in vollem Umfang überblicken mußten, wer sie da zwölf Jahr lang regieren hatte dürfen, da war das große Schlucken.
Da hatte am Ende jeder großes Glück, der nicht mehr als notwendig in diese "nationalsozialistischen" Angelegenheiten verwickelt war. Schließlich diejenigen, "Nazis" genannt, durchaus, daß sie im Sinn trugen, jeden Mann, jede Frau bei ihrem Tun und Lassen mitzunehmen. Teilnahme sollte das Volk haben. Bei dem, was als institutioneller Massenmord in industriellem Maßstab gesehen werden kann. Abstrakt, kalt distanziert, daß es bei ihnen bei ihren Unternehmungen zuging. Bis hin zur Vollvermarktung menschlicher "Abfallprodukte" im "Reich", Güter, Waren, aus den Resten von Toten gewonnen, hatten sie alles auf Lager. Nichts ließen sie außen vor.
Als denen doch klarwurde, daß sie den großen Krieg verlieren würden. Ab da suchten sie sich mit dem, was sie betrieben hatten, nach Möglichkeit noch rasch zu verbergen. Es kam deswegen sogar zu Ausmärschen von KZ-Insassen aus ihren Lagerörtlichkeiten. Die Wärter gingen mit den Lageribewohnern auf die Flucht, kaum daß sie die Leichen zuvor Getöteter notdürftig verscharrt hatten. Sie flohen mit jenen, die sie aus Zeitmangel nicht mehr umbringen konnten. Immer weniger Zeit stand ihnen schlußendlich für ihr Tun und Lassen zur Verfügung.
Von einigen Gewaltmärschen mit vielen Toten kann man was erfahren. Wenn man was hinterherlesen möchte.
Dieses Neuexpemplar eines Bundestags, sich bei ihm zu beeilen, bräuchte keiner wirklich erstreben. Schon alleine: ihn zu flüchtig zu betrachten. Da Kleinigkeiten hinterherzudenken, da könnt einem manches vergehen.
Die Bundestagsbegebenheiten wären tatsächlich so, daß man, sobald im mindesten absehbar wäre, Bestimmte könnten unvermittelt unter die fünf Prozent rutschen, sofort Neuwahlen anberaumen könnte. Damit sie alternativ dorthin zurückgelangen würden, in ihre wahre, angestammte Heimatregion: die unter fünf Prozent.
Dort, wo sie im Grunde hingehören, daheim sind und bleiben sollten. Nirgendwo sonst. Die Lügen- und Märchenerzähler, Täuscher, Trickser, hinterkünftigen Aufrechner.
Unter fünf Prozent, das sollte das Ihrige sein. Ihre wahre Heimatlandschaft. In die sie gehören. Samt all ihren ewiggestrigen "Identitäten".
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