Was tristes Liedgut, doch ein Beweis für alte Zeiten
Kann ja nicht behaupten, daß ich so Liederbücher mal irgendwie in der Hand gehalten oder überhaupt mal flüchtig gesehen hätte.
So welche wirklich nicht, wie sie anscheinend unsägliche austrianische Burschenschaftler an ihre Mitglieder weiterreichen. Daß ich irgendwann, vielleicht im Verlauf umdüsterter Tage, mal großartig nach so was verlangt hätte. Schwierig, mich an so eine Idee zu erinnern. Derartige Lieder hatte ich geradezu nicht im Bewußtsein. Mich haben die nicht geschert. Wie so musikalischen Gruppierungen, von denen es hieß, sie seien rechts.
Quasi nationalsozialistisches Liedgut, eins aus dem hinterletzten Vorvorgestern, das im Wienerischen in die Wahrnehmung gerät. Textzeilen, die viel mit Judenhaß und dem zu tun haben. Durchaus die Geisteshaltung abbilden, aus der heraus es zu so was wie damals kommen konnte. Dem Massenmord in den Konzentrationslagern. An Reichsdeutschen jüdischer Abstammung. Einer der Minderheiten im Staat. An denen, die man "unwertes Leben" nannte. Und vielerlei Bevölkerung mehr.
Aber so was händigt man sich in so Burschenschaftler-Kreisen aus, beschäftigt sich mit derartigem Liederzeugs auch noch irgendwie. Und zwar so, als müßte man da so einen Ungeist, obwohl man studiert sein möchte, aus fahlster tiefster Vergangenheit in Gegenwartstage herüberholen. Indem man sich an einem Gemeinschaftsabend mit so dem Singen dieser Zeilen umtreibt. Als wäre das irgendwas Kuhles für irgendso einen Kerl bei seiner nächsten Braut. Etwas, mit dem der auch noch vor die hintreten könnte. Ohne Zurückweisung zu erfahren. Oder das Geschehnis kennenzulernen, wenn eine Kleinigkeiten begreift.
Es heißt, viele Tanzpartnerinnen hatten die auf einem "Akademiker"-Ball in der Wiener Hofburg. Die weiblichen Exponate dort, die am Ende auch was davon mitgekriegt haben mußten, was zu singen angefangen wurde. War schließlich Gesang auf Deutsch. Deutschsprachiges. Reichlich Häme, Spott in der altehrwürdigen Wiener Hofburg, dem Sitz des Bundespräsidenten. Trotzdem: Jahr für Jahr DIE. Als wäre nie eine Art Besudelung möglich, würd es hinreichen, wo sauberzumachen, aufzuräumen. Also, heute könnt sein, daß in der Wiener Hofburg nichts weiter mitzukriegen ist, wer in ihr großtuerisch mit seinem Gelächter Spuk hatte.
Bis tief in die Nacht, daß dieser "Akademiker"-Ball ging, auf dem glattweg auch ein wenig "Opernball" gespielt wurde. Rechtsherum und so. Schon die Frage, wo bei den Burschen die von der Frauenpartie waren. In welchen Armen sie lagen, vielleicht auch Gesangszeilen mit anzustimmen, für den glockenhellen Ton sorgten. Als wäre man längst auch noch solcherart hämisch, spöttelnd traut miteinander. Die mit denen, diejenigen, die sich scheint's nicht für den wahren Opernball aufsparen wollten. Sondern an das "Akademische" eines Balles glaubten. Daran, daß dort, bei Professoren, Universitätsangestellten, irgendwas Besonderes wäre.
Fragt man sich wirklich, wenn man beim echten Opernball zuschaute, welche von den Debütantinnen, Debütanten am Wiener Opernball auch dort beim "Akademiker"-Ball "debüttierten". Wenn man nicht drauf verzichten konnte, da was mit dem echten, wahren, dem internationalen Opernball verwechseln mußte. Das, was Welt war, im Gegensatz zum anderen, das tristeste Unterwelt im Takt hatte.
Wie gesagt: So Liedgut, ich kenn das überhaupt nicht. Würd mir nicht einfallen. Nicht für das kleinste bißchen mir als was in den Sinn kommen, mit dem ich mit dergleichen auch noch vor Damenwelt auf- und hintreten würde wollen. Eher, daß ich da im Gedanken hätte, daß da welche Freundinnen bestimmt ihre Köpfe zusammenstecken, unter diesen Voraussetzungen am Ende noch nebendran vor mir zu warnen. Daß da jemand wirklich nicht ganz koscher wäre. Man sollte aufpassen, bei dem, muß nicht zu weit gehen. Gibt's nicht noch andere wo? Wie eben wahrscheinlich am normalen alljährlichen internationalen Wiener Opernball einige mehr der Tauglicheren sein hätten können. Bestimmte, die gut genug ausschauten. Ohne sich andere Gedanken, als die üblichen über sie machen zu müssen.
Ob als Mann oder Frau, denk mir, "Burschenschaftler" und so was. Da sagt einem das Wort "Burschenschaftler" längst alles. Da hätte ich wirklich lieber auf den Wiener Opernball hingewartet, statt als Frau, Mädchen so einer Einladung zu folgen. Mich für so was auch noch in ein Ballkleid zu schmeißen, Benimm, Etikette bereit zu haben.
Auf den originalen Wiener Opernball hätte ich gut hinwarten gekonnt, bei dem männlich, weiblich lange genug Zeit mit dem einen oder anderen Partner verbringen darf. Sich gegenseitig genauer anzusehen. Denn die Vorbereitungen für den wirklichen Opernball, die benötigen eine gewisse Zeit. Da hätte ich sicher den oder die mehr kennenlernen können. Ohne so Liederzeugs mitsingen zu müssen. Am "Akademiker"-Ball trunken überdies in so Arme zu fallen. Von Bestimmten. Die zu allem Überfluß scheinbar nicht nur vom männlichen Part sein konnten, sondern auch noch weibliche Brusthügel herzeigen. Von derselben Art wie die Kerle, im Grunde. Was Gestriges über Juden und so singend. Vielleicht noch auswendig, als wär das was, das man auswendig können müßte. Sich DAS auch noch ins Gehirn reinpauken.
Also, schon was los bei den Austrianern. Dort vom Planeten ist es sehr deutlich in Sicht geraten, was DAS ist. Gesangsbücherzeug, das nebenher jegliches von früher beweist. Das es zugibt, eingesteht, nicht abstreitet, leugnet.
Und so welche kommen an Universitäten tatsächlich durch die Semester. Nehmen eine Semesterhürde nach der anderen. Als fehle ihnen nichts Grundsätzliches, was sie für einen akademischen Grad weniger tauglich machen würde. Ob als Mann. Oder Frau.
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