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Blog von TeddeMehr

Doppelgänger und irgendwelche Dubletten

5. März 2018 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #Kurzware II

Etwas fing an, wie was aus einem Italo-Western ... Italo-Western, da knallt ein einzelner durchaus mal fast eine ganze Stadt weg, stürzen von Kugeln getroffene Leute im blanken Dutzend von ihren Pferden herunter. Wird haufenweise niedergemäht.

Der schwarzgekleidete, seltsame Mann kommt eine kleine Anhöhe herab, zieht ein langes Ding an einem Seil hinter sich her. Einen eckigen Holzkasten. Eine Sarglänge. Jedenfalls was aus Holz gezimmertes kantiges Behältnis.

Klarerweise der Totengräber, der vor Ort eintrifft. Demnach ein Sarg, den er nachschleift.

Als der "Totengräber" steht der eine zumindest im Programmheft.

Daß das hölzerne Behältnis, das er scheinbar leicht daherzieht, Gewicht hat, beweist der Mann, der im Singspiel als "Totengräber" eine immer wieder auftauchende Figur ist, selbst eine gewisse Sprechrolle hat, als er das Ding die Bühnenaufgangsstiege hinabrutschen läßt. Schwer und lautstakr, daß es nahe den Zuschauerrängen auf den Fußboden knallt. Irritierend.

Ein Effekt, der sicher aufhorchen lassen sollte, bereits ein wenig im allzu Gemütlichen, Drögen verstören: "Nichts ist, wie es mal war ..." - der Satz, der zuvor enervierend die Anspracheminuten dauerwiederholt gehallt hatte.

Wie die "Totengräber"-Spielfigur des öfteren nebenher boshaft, ungemütlich wiederkehrte, sich freiweg, ohne Scheu nahe der wesentlichen Hauptdarsteller aufstellte. Unbekümmert mit einem Maßband, daß er hinterrücks lässig herumvermaß.

Der "Totengräber", der mal einfach mal seine Arbeit machen wollte, mittendrinnen im Volk, daß er Maß nahm. Selbst einem jüngeren Mann in bedeutenderer Position kann im Wilden Westen manches passieren. In einem Kugelhagel. Ob er wichtig ist oder nicht, eine Kugel, ein Ab-, Fangschuß fragt nicht danach.

Und der "Totengräber", er stellt sich einwandfrei vor den Gewichtigeren auf, spricht zu ihnen ansagende Worte. Die am deutlichsten zurückgewiesen werden, als er dem einen, der zukünftig hochpostig sein sollte, einen Galgenstrick fürs Aufhängen überreicht, aus der Höhe Publikumsparkettebene herauf. Man möchte quasi die "Einflüsterungen" nicht länger haben, verbietet es sich, wird zu dem Schwarzgekleideten zürnend herabgeredet. Auf kürzestem Weg, daß der "Totengräber" daraufhin auch geschwinden Schrittes fortmacht.

Der Galgenstrick für den einen "Indianer" da, das Symbol war nun unzweideutig klar. Ein Strick, dienlich, jemanden am nächsten Baum aufzuknüpfen, der wird von dem einen Mächtigen in Händen gehalten. Als wüßt er nicht recht, was mit ihm anzufangen wäre. Der, das Aufhänge-Teil, wie desorientiert, erst mal nicht außer Sicht bringt, während um ihn herum Trubel herrscht. Trubel, im Grunde ohne besondere Heiterkeit.

Der eine, der als der Nachfolger des älteren gesehen wird, vor den der "Totengräber" provokant hingetreten war, blickte früher bereits in einer Szene länger zu dem einen zudringlichen Mann in Schwarz zurück. Richtiggehend ein Augenduell, das man miteinander ausfocht. Der mit DEM. Bis der eine sich doch noch knapp entscheidet, sich abzuwenden, eine seitliche Türnische rein zu entschwinden.

Tja, noch wendet ER sich ab. Noch schleicht ER sich. Nervt "bloß" mit dem einen oder anderen Auftritt durch die Gegend. Obwohl er auch lange Höhe Westernstadt quer von einer Bühnenbreite zur gegenüberliegenden rübertänzelt und schwadroniert. Irgendwas Unzusammenhängendes mit Knarze-Sprache, in der Bedrohliches mitschwingt; täuschen sollte man sich in ihm nicht.

Wie so Musikanten plötzlich keine Musikinstrumente mehr spielten. Zwar immer noch als Claqueeure vortraten, aber, plötzlich doch etwas anders geworden, im Charakter. Kurz vor Singspiel-Ende gestatten sie sich sogar eine Verfolgungsjagd mit gezogenen Revolvern. Verfolgen den einen Hauptdarsteller. Richtig rennen muß DER auf der Flucht. Um dann doch gesund und munter wieder auf der Bühnenseite rumzustehen, einer unter vielen. Auch seine Verfolger sind im Schaubühnenspiel ins Unbesehene entglitten. Bei jeder Menge unbekannten Mienen, die als so zum Vorschein gekommene "Bürger" überall verstreut mit nichts, dir nichts dastehen. Kein Antlitz mit einer vertrauteren Entsprechung von irgendwem. Daß er Doppelgänger wäre, eine Dublette.

Oder doch ein Doppelgänger, eine Dublette? Hat man sich doch größer drum gekümmert? Daß doch hier gewissermaßen Doppelgängertum war?

Alles scheint beim gleichfalls überreichlich seltsamen "Apanatschi"-Auftritt sofort vergessen. Jene "Apanatschi", die sich als eine aus der Immobilienwelt zu erkennen gibt. Zusammen mit ihren "Indianern" hat sie die Westernstadt so ziemlich aufgekauft.

Relativ eilig, daß auch diese Szenerie vergeht, "Apanatschi" mit ihrem Begleiter wegschreitet, der ihr um die Hüften faßt, als hätt hier Mann, Frau was miteinander vor. Und damit das andere umfänglich zurück in den Blick gerät. Bei vielerlei bloß rumstehender Westernstadtbevölkerung, die jeder am Zuschauerparkett als reine "Komparsen", "Sänger" sehen könnte. Direkte Entsprechung haben sie nicht bei der Menge der auf ihrem Gestühl in der Aula Rumsitzenden. Oder doch?

Die "Hossa"-Schreier, wer hat die vorher tatsächlich gekannt? Oder viele andere, die das Bühnenbild ab und an geentert haben? Fast muß man seine Phantasie bemühen, ob man da irgendwen kennt. Nicht kennen müßte. Fast ein "Insider" sein, um sich die Frage zu beantworten, ob hier wer doch doppelt wär. Wer hier, einerseits auf dem Bühnenboden droben beiläufig rumplaziert, seine Entsprechung in der Untiefe der Zuschauerränge haben könnte.

Wer könnte bereits dabeigewesen sein, der nächstes Jahr Teil eines Singspiels sein könnte? Singen konnten hier ein paar, selbst ein Instrument spielen.

Ob man sie jedoch deswegen nächstes Jahr am selben Ort wiedersehen wird. Wer weiß das schon? Was die genau für Gesichtszüge haben werden, die dann im Folgejahr, Jahr '19, ihren Schau-Auftritt nehmen.

Das Bier jedenfalls ist dunkel, hat eine Stammwürze von achtzehn Prozent.

Viele können dieses Bier trinken. Als könnt man zuviel davon achtlos in sich hineinschütten, ohne was Wirkung zu merken.

Das Bier, das fragt wirklich nach nichts, nicht danach, wer den Bierkrug hochstemmt, sich mit ihm befreundet zuprostet.

Dem war glatt schon früher immer so.

Und außerdem - wer erinnert sich demnächst noch irgendwie größer an das eine Jahr '18-Singspiel? Was war, wer auftrat. Im Jahr '19 könnte sich mancherlei Verhältnis grundlegend verändert haben.

 

 

 

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