Was wie Schimmel in der Bude (Schwer loszuwerden)
Ende September des Jahres '17 nach dem Millenium, da konnt man auch noch in die Pilze gehen. Zu der Zeit. Da war es mitten in der besten Pilzesaison.
Und es heißt, hat man einen Korb voller Pilze, genügt ein einziger Giftpilz, daß man all das vielleicht in Stunden Gesammelte in einer Sekunde wegwerfen kann. Den gesamten schönen Korbinhalt entsorgen. Die Steinpilze, Rotkappen, Pfifferlinge ...
Und man kann sagen, wie das Wahlabendergebnis war: Jeder Siebte hatte einen Knollenblätterpilz,eine Giftlorchel, so dergleichen was mit im Sammelkorb. Das schönste, feinste Pilzragout war damit ungenießbar gemacht. Nicht zu servieren. Im Grunde genommen.
Den giftigen Pilz, den man ab und zu sogar noch absichtsvoll aufsammelte, bis heute entfaltet er seine Wirkung. Das eine oder andere Mal sieht man dem Gift bei der Arbeit zu. Solange es einen selber nicht betrifft, freut man sich scheinbar. Hat man überhaupt einen Begriff, was einen selbst was angeht, wie das Gift einen hernimmt.
Man hätte da wohl besser den und den giftigen Pilz gekannt. Schon vorher lange genauer hinsehen können, wenn die Pilzfarbe einem komisch, wundersam vorgekommen ist.
Schwer zu sagen. Manche essen da was, scheinen es aber nicht so recht zu merken, als hätten sie sich längst an eine nach und nach höhere Dosis von was gewöhnt. Währenddessen von einigen urplötzlich gelaufen wird. Mit bleichen, unvorteilhaft verzerrten Gesichtern sprinten sie los.
Allem Anscheine nach doch was Bauchweh. Oder was Schlimmeres? Schäden an inneren Organen?
Der Giftpilz, der einen was böse erwischen kann. Als ein Dauerübel. Irreparabel.
So was Schleichendes. Ein schleichender Prozeß. Den man erst mit im Verlauf späterer Tage merkt.
Wie bei einem Gegenwartssingspiel, das auf öffentlichen Medien zu sehen war, was schlich. Stetig an-, daherschlich. Nach Moderatorenart sich verhielt. Sonore Stimme. Sogar alleine mit sich, daß es in der Weise auf der Bühnenfläche umging. Vereinzelt von einem Bühnenende zum anderen spazierend. Nutzloses dabei bedeutungsschwanger redend, absondernd.
Oftmals sogar, daß die Gestalt mitten unter den Leuten unbemerkt blieb. Erst mal nur eine. Oder waren ihrer doch mehrere? Gab's ein paar weitere der Sorte? Unbesehen? Weib-, männlich, wirklich egal. Dort verhält man sich ebenfalls gleichberechtigt.
Bei so den "Cowboys" und "Indianern". Daß von irgendwoher noch einer, eine vortrat, von dem einigermaßen seltsame Kommentare herkamen, bekannte Sprache und doch Geschwätz, wie unzusammenhängend, abgehackt, nicht recht verfolgbar, was der, die direkt meinte. Obwohl er in keiner anderen Sprache erzählte.
Der, die, jemand, dessen Gesicht einem doch tatsächlich unbekannt war. Als Doppelgänger von wem alles andere als vertraut. Vielleicht hatte er, sie ja auch keine Entsprechung, zumindest keine, daß man ihn, sie unbedingt nötigerweise kennen hätte müssen. Doch nicht ums Verrecken.
Da kam der eine Schwarzgekleidete - ungepflegt, unrasiert oder folgte er einer Mode? -, mit einem breiten niedrigen schwarzen Zylinder am Schädel unvermittelt aufs neue von der Seite, plötzlich Höhe Zuschauerparkett, dahergetänzelt. Hielt einem Hauptdarsteller, der einen spielt, hoher Machtposten demnächst, ein dünnes Seil mit Schlaufe hinauf. Das Symbol für einen Galgenstrick. Das, was der an Macht mit den seinen doch mit dem einen vereinzelten "Indianer" dort machen, anstellen könnte: ihn denn aufknüpfen. An den erstbesten Baum hinhängen. Ist doch nur einer. Bei den vielen. Die da mehr sind.
Sehr beiläufig, die Überreichungszene von unten herauf, und der eine, der sich zu dem hinabbeugte, um DAS nehmen zu können. Anbei herrschte weiterhin jedem Zuschauer Menge Trubel bei den vielen mit Bühnenauftritt, die etwas unmotiviert die Arme rumschwangen, gestikulierten. Der eine auf der Bühne. der den "Unbekannten" in Schwarz denn doch erregter mit einem Wink sich zu entfernen bat, was der auch rasch tat, als entwickele er Gehorsam. Hätte es nicht gern, unvermittelt gesehen zu werden. Als hätte er das noch im Sinn, größerer Aufmerksamkeit zu entgehen. Nach der einen Seite, daß er auch davonschritt, den kürzeren Weg für sich wählte, nicht den mitten durch das volle Bild. Vielleicht noch.
Immer wieder war diese eine Gestalt wie unbeabsichtigt am Auftreten. Und es gab vielfach jede Menge Gesichter ohne irgendeine klare Entsprechung auf der Bühne. Auf der die "Komparsen" bloß doch irgendwie Einfluß auf die Szene nahmen. In der manches recht wenig Schwung, Elan hatte, gekünstelt schien. Einen falschen Klang beim Singen entwickelte. Wie so Lieder freud-, lustlos gesungen.
Geradezu wenig Pepp, Glanz herrschte im allgemeinen auf der Westernwelt-Bühne vor. Als hätte man bei der altbackenen, staubigen Westernstadt wenig was in Petto gehabt. War bierernst auch nicht zu oft wirklich was zu lachen dabei. Obwohl durchaus ab und zu losgelacht werden durfte. Manches, das seltsam und unverhohlen viel zu klare, deutliche Szene hatte. Durchaus dauerhaft: immer ein verqueres Moment. Als wär irgendwas vor Ort, unbestimmt verkehrt gepolt. Hätte die Bühne - eine übliche, erkennbare Wilder-Westen-Stadt mit Saloon -, bei jeder Menge "Heimat"-Geschwafel überhaupt wenig was Elanvolles betreten. Selbst als Duell war: Nur der eine alte Machtbewußte duellierte sich mit dem neuen, altbekannten Machtbewußten. Dem Nachfolger, wie's angedacht wäre.
Im Wilden Westen gab es die Andeutung von Verstaubtem und einen Anflug ziemlicher ordinärer, banaler Gewalt. Die man jederzeit gegeneinander üben konnte. Bei öfters gezogenen Revolvern. Einer Schlägerei. Einer schlug einer Frau echt einen Backenzahn aus. Bei einem Duell am Ende dann offensichtlich, glattweg die Sechsschüsser, die man aufeinander richtete. Und immer wieder war was mittendrinnen anwesend, irgendwie am Vorkommen, Auftreten. Was wie verkehrtrum in Takt und Tonart.
Abgewiegelt wurde droben von manchem auf offener Bühnensequenz, abgetan. Kaum was, das Fahrt hatte. Es war wie niedergehalten, niedergeschlagen.
Und dann trat noch unerwartet eine viel zu bekannte, etwas bedeutendere Schauspielerin auf. Verkörperte eine Rolle. Die sie in ihrer Jugend spielte. In Winnetou-Filmen. Apanatschi, das Halblut und so. Sie schwatzte dabei in dem Indianerkleid, nicht jung, nicht alt, was daher, hörte sich an wie ein weiblicher Immobilienhai, eine aus der profanen Bauwirtschaft. Auch was fast Unzusammenhängendes, obskur Eingedrehtes an der Stelle. Wie was oberseltsames Alptraumbild.
Nur Karl Mai. Der Schriftsteller Karl Mai. Den manche von rechts so gerne haben, für sich in Beschlag nehmen. Ob der dann eben so dort zu ihnen dazugehört? Wenn man sich an einen Kernsatz Karl Mais erinnert, so Rassefragen und -probleme betreffend: Das Blut ist bei jedem rot. Den politischen Rechtsdrehern allerdings scheint das nicht recht ein Begriff zu sein, was Karl Mai jedem damit ansagte. Karl Mai, der zwar die meiste Zeit in Deutschland hockte, seine Zeilen verfaßte, aber in seinen Schriften zuoberst andere Länder, andere Sitten beschrieb.
Tja, so ein Giftpilz im Korb, der verdirbt das ganze Essen. Auch ein Singspiel, in dem wird manches anders, hat einen undefinierbareren Charakter. Als so die letzten Jahre gewohnt. Als es noch fröhlich zuging. Obwohl das Publikum das Bier schmeckte, das Essen. Wie manch anderem dieses Bier, dieses Essen ebensogut schmecken könnte. Nur, die, die beim Bühnenauftritt, denen war anscheinend mancherlei mau. Flau zumute.
Dort, wo die finsteren Schatten dräuen. Was da sein könnte? Was überhaupt alles ständig präsent war, aber nicht zu deutlich vorkam. Nicht mit Kommentaren belegt wurde, ausgesprochen? Nur Beiläufigkeit war. Blaß an Gestaltung war man doch die meiste Zeit, überall am Westernstadtbühnenbild. Abgestanden. Staubig. Gar gewöhnlich.
Schon was Hintergründigkeit, nicht? Ein oberseltsames Singspiel. Scheinbar ohne viel Inspiration. Muß schon sagen, wie man die Dinge im Nachgang interpretieren kann ...
Manches Bekannte, Altvertraute anbei hier geradezu undefinierbar. Wie das unbesehene EINE. All das Schräge bei dem, das Gesamte, wie lustlos aufgesetzt. Der Pointen aber doch für was "Klatschervolk" noch ein paar. Man besah sich schließlich was Lustiges hier; es sollte Spaß machen. Dann und wann war man, allem Ernst zum Trotz, zu einem Gag gezwungen. Wo nichts witzig ist, gab's manchmal für einen auch was zu lachen.
Haha! Nicht?
Tja, so ein Giftpilz im eigenen Körbchen. Bei was Schimmel noch dazu.
So ein Schimmelpilz in der eigenen Bude, echt schwer, den wieder loszuwerden. Schwarzer Schimmel, grauer Schimmel. Selbst weißen Schimmel gibt's, für die weiße Wand. Daß er weniger deutlich auffällt. Weil er die Farbe des Wandanstrichs hat. Deshalb nicht ahnt, daß man in Schimmeligem lebt.
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