Wo man mit was nicht abseitig gesehen wird
Da könnt ich aber wo. Mit meinen allerbesten Vorurteilen ... Sorgenfrei.
Leute, die nicht zu einem sagen, man sollt sich mal mit seiner Denke ins Eck stellen. Sich wegen irgendwelchen Mist, den man wo verzapft hat, Leuten, denen man sich zuneigt, Gedanken machen.
Sondern es läuft alles ganz anders rum: Auf die Schultern gehauen wird einem. Dort. Für so jeden abgesonderten Müll. Man ist praktisch unter seinen besten Freunden, Kumpanen. Gleichgesinnte allüberall. Mit jedem im Rund in bestem Einklang.
Was Harmonie!
Zwar guckten mich Leute, die das von mir mitkriegten, seltsam, undefinierbar an. Aber, das waren ANDERE. Jetzt, mitten unter meinen neuen Freunden, zwischen denen ich reingeraten bin, kann mir das total gleichgültig sein. Muß mich doch nicht um DIE an den restlichen Tischen kümmern. Wie ich geredet hab, und was die davon mitkriegten. Um DIE muß ich wirklich nicht weiter größer nachdenken. Vielmehr sollten die aufpassen, irgendwann werden SIE selber ... Und wenn nicht, dann besser aufpassen, daß SIE nicht mal ... Wo hingedrängt werden ...
Jetzt hab ich Kumpels. Freien Lauf kann ich allem lassen. Unter denen all meine besten Ressentiments, Vorurteile ablassen. Ständig. Selber redet man doch von nichts anderem. Und wie toll's früher schon mal war. So Jahre. JENE Jahre. Die zwischen '33, '45. Da konnt man mal mit Leuten, Bevölkerung anstellen, was man wollte. "Aufgeräumt" hat man zur damaligen Zeit. Im Volk. Und dort, wo man die Abgeholten dann hinschickte, könnt man auch heutzutage wieder so Menschen, "Pack", "Gesindel", hinschicken. Ganz wie früher.
Der ganz alte Geist war der, daß man alles "dem Juden" in die Schuhe schob. Von "Zionisten" was anklingen ließ. In den Tausendsten Wochen- und Monatsschriften. Das und das gab es in rechtsgerichtetem Schriftgut nachzulesen. Bis es denn so weit kam, daß eine "Bewegung" ihren Gipfel erreichte. Man ihr einen glatt Wahlsieg gestattete. Daß man sich Übergriffe gegen jüdische Geschäfte, jüdisches Leben ganz unbesorgt erlauben konnte. Weil man mit seinem Zeug von der hinterletzten Müllhalde Polizei wurde. Auch viel Neid spielte dabei eine Rolle, wegen der Weltläufigkeit, dem geschäftlichen Erfolg vieler Juden. Trotz der vielen Armen jüdischer Abstammung, die jede mißliche Lage irgendwo ebenfalls zu teilen hatten. Und so gutbürgerliche Reiche, die hat's denn anderswo auch noch gegeben. Bloß, die waren nicht so gemeint.
Das wurde, was im "Judenstern" gipfelte, als man die Macht beim Reichsbürger genommen hatte, während der das Joch, das er selber von DENEN übergeworfen kriegte, stets nur bei anderen merkte.
Heute sind das weniger die Juden, mehr Art die Kriegsflüchtlinge, aus ausländischen Regionen Herstammenden. Selbst auf unbewaffnete Kinder, wenn sie von irgendwoher kommen, würd man am liebsten noch schießen lassen. An einer Grenze. Käm man wieder an die Machtposten, gäb's wirklich wieder eine glasklare Grenzziehung. Vielleicht noch mit Selbstschußanlagen der alten DDR-Art, Landminen, all das. Ganz von den dauerpatrouillierenden Uniformierten mit den vorm Bauch hängenden Kleinmaschinenpistolen oder geschulterten Armeewaffen abgesehen. Liegen lassen würd man die Unglücklichen in ihrem Blut, daß sie krepieren.
Dann wär man wieder eine Insel. Auf der kein Schwimmer anlanden würde können. Weil er vorher abtreibt, ertrinkt.
Die "Nation" hätte man wieder, die hinter ihren alten Grenzen. Beim DDR-Bürger war eine Fragestellung: Man läßt selten einen raus, oder? Reinkommen darf aber auch nicht oft einer, oder nicht?
Außer er war von einem sozialistischen Staat, mit dem man befreundet war. Weil man da die Staatsführung mit bestimmten fernen Ländern freundschaftlich tat. Daß es den einen oder anderen eingeladenen Gast gab.
Der allerdings nicht unbedingt das Beste kennenlernte, wenn er zu deutlich erkennbar war. Etwa die Hautfarbe betreffend. Das, daß er "anders" war, schwarze Haut, gelbe; Augenschlitze. Afrikanisch - asiatisch.
Manchem Studenten oder Arbeiter aus einer entfernteren Landschaft, dem erging es in der DDR nicht gerade eben gut. Jede Sekunde konnte er mit Übergriffen auf seine Person rechnen. An die verkehrten Plätze durfte er nicht hingeraten, wenn er nicht Leib und Leben riskieren wollte.
"Skinheads" waren eine Seuche in dem kommunistischen Land, das ehemals DDR hieß. Jederzeit in der Lage, einen, eine mit Springerstiefeln zusammenzutreten, wenn da eine Nasenspitze, Hautverfärbung, irgendwas nicht paßte. Und sie liebten nationalsozialistische Devotionalien, auch in der DDR. Vieles, das die DDR-Oberen in der Hinsicht der bräsigen Gleichschrittgesellschaft gegenüber geheimhielten. Auch denen im Ausland verbargen. Während eher langhaarige Typen in Nachbarländer fuhren, da und dort auf einer Städtereise nette Liedchen trällerten.
Und heute kommt so ein neuer, politisch rechts raus drehender Geist insbesondere aus mancherlei Regionen, die man als Gebiet der ehemaligen DDR benennen dürfte. Dorther, wo der linke "Kommunismus" vormals sein Regime hatte. Heutzutage findet so eine gewisse Partei der rechten Last insbesondere Halt in jenen Landstrichen. Wird derartiges noch und nöcher von Ureinwohnern gewählt. Als wär man nur kurz mal eine Sekunde rübergegangen, von links nach rechts übersiedelt. Erst hatte man die linke Intonation, nun erscheint die rechte. Immer, daß man sich insgeheim den politischen Rand behalten hat. Den äußeren Rändern zustrebend. Links-, rechtsrandig.
Da könnt man denn nun, in der Gegenwart ... Sich wiederfinden. Mit dem kleingeistigsten, biestigsten Spießbürgerrassismus, einem Regionalgemüt, bei einem Personenkreis, bei denen man nichts des eigenen Gelabers zu bereuen braucht. Weil da jeder dasselbe absondert. Ganz unbesorgt. Als wär das was, für was nütze. Hier hat einer nun seine Schulterklopfer. Einer wird befreundet zugenickt. Von ebenfalls aus diesem Horizont heraus wegen dies und das "Bekümmerten". Um eine "Na-zi-on" Besorgten. Im Gegensatz zu einem Europa der Staaten, lieber das kleinteilige Enge, Regionale. Am besten hinter hohen Grenzzäunen, Mauern mit noch höheren Grenztürmen mit Schießscharten und doppelten Maschinengewehrnestern.
Borniert, intolerant, ignorant, hier kann man laut damit werden. Alles ablassen. Sorglos. Wenn so viele dasselbe absondern, was muß man sich wegen irgendwas des eigenen Abgelassenen bekümmern? Obwohl man sich ausgesprochen hat, hat man, wenn die alten Freunde nicht mitkommen mögen, neue. Setzt sich bei einem Gesellschaftsauftritt denn bei denen dazu. Dort muß man keine Fehler einräumen, wird nicht mit dem Finger auf einen gezeigt, sich eindeutige Blicke zugeworfen, einen anbetreffend.
Dort hat keiner wegen seines veränderten Denkens, was derartiges, seinen Kummer, seine Sorgen. Man wird sogar immer mehr. Erlebt wundersame Vermehrung.
Das "Dritte Reich" und die "DDR", das geht groß. Da wußte wer, was er sagen durfte, was nicht.
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