Zwei Asteroidengürtel und Irrläufer
Zwei echte Asteroidengürtel.
Einer zwischen Mars und Jupiter, der andere am Rand des Sonnensystems.
Wobei man mit immer schärferer Optik in die Untiefen des Weltalls reinstiert. Daß es derzeit vorstellbar ist, daß man den geschärften Blick auch dafür nutzt, nach den zwei Gürteln mit Asteroiden zu glotzen und nach verschiedenen Irrläufern in den umdunkelten Weiten jenseits dieser Gürtel Ausschau zu halten.
Dazu könnte der Asteroid "Oumuamua" dabei geholfen haben, daß man sich das Gesamte noch genauer ansieht. Gespannt und gleichzeitig unwillig.
Eventuell, daß man eine neue, bisher unbekannte Sichtung eines Dings sogar ein wenig nervös, ängstlich nimmt. Oder wie immer man im Augenblick in Verfassung ist, nachdem plötzlich wieder ein bißchen ein besonderer Schauder, ein Grusel, eine größere Spannung in was Sternengucken hineingekommen ist. Solange man sich einen Gesteinsbrocken noch nicht rundum genauer betrachten konnte, ist mancherlei unsicher. Gelobt seien die Tage, als man bisweilen eher unaufgeregt vor den Monitoren rumhockte. Öfters als oft gelangweilt gähnte, währenddessen einem die Dinge, Perspektiven ewig dieselben schienen. Massenweise Bilder kraterübersäter toter Gesteinsbrocken. Seufz. Gähn.
Was könnte den Spannungsbogen nun ein wenig erhöht haben, die Tage jetzt? Zwar, daß es seit Wochen, fast schon Monaten heißt, der eine Asteroid, "Oumuamua" benannt, hätte das Sonnensystem wieder verlassen. Wie der Blitz. Eine irre Geschwindigkeit, daß er draufgehabt hätte, teilt man dann und wann mit. Eine Fluggeschwindigkeit, nicht mit der zu vergleichen, mit der man ihn eine Zeitlang etwa in Erdnähe beobachtete und nebenher abfotografierte und filmte. So abgebremst, wie er war. Wie ein Tourist auf Erden, Schrittempo. Bis man das Fahrzeug begreift, in dem er hergereist ist. Dem sein Gefährt, das irrwitzig losrast. Hoffentlich ist die Polizei gut motorisiert, kann die Verfolgung aufnehmen ...
Nun ist der Sternenguckerberuf weiterhin der gleiche wie vorher, man kartografiert, benennt neuentdeckte Asteroiden. Die angesichts verbesserter Bildschärfe in Sicht gerieten. Nichtsdestotrotz, wie immer man die Erscheinung "Oumuamuas" abtat, es ist was Bestimmtes mit dazugekommen, was in der Weise vorher nicht so dagegewesen war: eine Befürchtung. Eine Unruhe.
Was wäre, wenn man den Asteroiden "Oumuamua" unvermittelt wiedersähe? Als hätte er das Sonnensystem überhaupt nicht verlassen. Bei der Möglichkeit, daß man genauer hinsieht, erkennt, daß was, das ähnlich strukturiert ist wie der Asteroid "Oumuamua" - nicht der Asteroid "Oumuamua" ist. Nur der "Schmelz", der ist derselbe wie auf dem Asteroiden "Oumuamua". Ansonsten ....
Jene kristalline Schicht auf der Oberflächenstruktur des Asteroden "Oumuamua". Das, was unter drunter am Belag auszumachen war, die Kleinigkeiten, die man eine "künstlerische Darstellung" genannt hat.
Wenn da was derartiges wieder an einer Objektoberfläche zu erkennen wäre. An einem Brocken, der im Äther rumfliegt und exklusiv für sich steht. Und doch jede Menge Übereinstimmung mit dem Asteroiden "Oumuamua" vorweist. Daß man meinen könnte ...
Eben, das.
Daß einen unter dieser Voraussetzung das mit der Asteroiden-Betrachtung unvermittelt unheimlich, ist. Befremdlich. Am liebsten würd man nicht mehr hinsehen ...
Weil, wenn man der Phantasie nur ein klein wenig freien Lauf läßt. Dann zittert sofort die Hand an der Tastatur. Dann ist man froh, wenn das kraterübersätes, altbekanntes Bild ist. Am Schluß das doch wieder alles beim alten. Bei was Neuentdecktem, das aus der Dunkelheit tritt. Perspektivisch besser von der Sonne angeleuchtet vor der geschärften Optik.
Da hat man sich glattweg länger ein wenig exklusiv und einsam in einem Fünfzehn- bis Zwanziglichtjahre-Radius gesehen. Fast wie damals, ehe Galileo daherkam, ein Weltbild zu zerstören. Und zwar das, daß sich die Sonne um die Erde dreht. Zufriedenheit herrschte, bei jeder Menge "Freak-Show" in der näheren Sonnensystemumgebung. Während man in einem Planetenystem mit einwandfrei strahlender Sonne lebt. Keiner, von der man sagen könnte: Es war einmal. Es war einmal vor langer, langer Zeit. Weil die eine Sonne, die die Erde beleuchtet, noch ein paar Äonen an Jahren braucht, bis auch sie mal ihre Brennkraft einbüßt.
Die eigene Normalsonne, die brennt absehbar noch ein geraumes Weilchen, ehe sie sich in was anderes verwandelt. In einen roten Zwerg zum Beispiel. Irgendwas, zu was eine Normalsonne wird, wenn sie implodiert. Weil sie jenseits ihres Haltbarkeitsdatum geraten ist. Wie manches dergleichen vor Jahrmillionen passierte, im Sonnensystemumkreis. "Alpha Centauri" beispielsweise, das unmittelbar nächste Gebilde, dort sind die "Brennstäbe" eine Ewigkeit lange hinüber. Wie anderswo im Rund ebenso. Trotzdem gäb's da was, in elf, zwölf, dreizehn Lichtjahren Entfernung. "Tau Ceti", zwei, drei. Zwölf, dreizehn Jahre reist das Licht dorthin.
Eine Rakete der Bauart, mit der man im Heute weiterhin Satelliten in die Umlaufbahnen bringt, die bräuchten für so eine Fahrt Jahrhunderte. Hat was halbe Lichtgeschwindigkeit dauerte eine Geschichte was 24, 26 Jahre. Hat was aber ein Drittel der Lichtgeschwindgkeit drauf, dann ...Dann ... Dann ist das auch ein lohnenswertes Reisetempo. Selbst der Mensch könnte bei einem Drittel Lichtgeschwindigkeit gut was Lichtjahre weit rumreisen.
Könnte eine Menschenkreatur bei einem Drittel Lichtgeschwindigkeit voranreisen. Wäre das ein Zeitraum von vierzig, fünfzig Jahrem. Bis "Tau Ceti".
Nun wäre vielleicht das anderweitig Interessante an der Geschichte: Was war vor sechzig, siebzig, achtzig, neunzig Jahren eigentlich auf der Erde los?
Darf man dem glauben schenken, was da und dort so geschrieben steht, hatte der Asteroid "Oumuamua" bei seiner Abreise ein Drittel der Lichtgeschwindigkeit am Tacho.
Quasi ein "Boost" bei "Oumuamua". Einer, wie man ihn als Mensch auch gerne draufkriegen würde, auf die Geschwindigkeitsanzeige.
Hätte man so ein Gefährt, das wär man viel froh. Würd sich freuen, daß man damit nun was anstellen könnt. Mit sich ins Weltall raus. Nicht mehr nur das, dröge auf der Erde rumzuhocken. Selbst am Mond war man nun länger nicht mehr. Und der Mars ist mehrere elendige Jahre entfernt. Bei dem, was auf dem Mars am Abgehen ist, wäre Io ja noch reizvoller.
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