Overblog Alle Blogs Top-Blogs Literatur, Comics & Gedichte
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
Werbung
Blog von TeddeMehr

Die jüngste der Töchter

27. Juli 2018 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #Kurzware II

Die jüngste Tochter, wie es aussah, war sie zurück, oben in ihrem Zimmer. Herbei- und zurückgekommen aus der Stadt, in der sie studierte. Oder so. Erst mal schien es ein bißchen frühe für eine Studentin, heimwärts einzutreffen. Es hätten weiter Prüfungen sein müssen.

Ein neues Automobil hatte sie auch; gleichzeitig mit ihr, daß das Teil zur Tagesfrist ankam. Eine Kiste mit einer Aufschrift. Wie von einem "start-up", Anfänger-Unternehmen, die Risiko-Wirtschaft. Ein Automobil, das sie einem oder einer im Freundeskreis abkaufte? Weil sie unter Freunden denn man da war, sobald man schnell Geld brauchte. Wirklich, da mochte sie zur Stelle sein, konnte von daheim eine geldliche Summe auftreiben, Verständnis wecken für Geldbedarf:

So war das ein geisterndes Bild: der fahrbare Untersatz, der wirkte samt der Firmenaufschrift tatsächlich ziemlich gepflegt, neuwertig. Ferne der Schrottpresse. Schon möglich, daß hier ein unvermittelter Verkauf wegen eines Freundschaftsdienstes stattfand. Geldliches, das spielte am Ende bei ihr in der Familie keine größere Rolle, sie konnte das, einem Kumpel, männ-, weiblich, aushelfen, für ihn, sie Dinge klarmachen. Das hieß, hatte man was zur Hand, es rüberzureichen, eine Kleinigkeit zu verkaufen, wie dieses Geschäftsauto, ging was eventuell auch in bar und unbürokratisch über die Bühne. Fuhr eben SIE ein Weilchen damit rum. Bis man es als der-, diejenige der anderen Seite unter Umständen beizeiten zu dem und dem Betrag zurückkaufen konnte.

Da war es nachts, und einer befand sich öfters auf einem nächtlichen Spaziergang. Da sah er sie, eher zufällig, sie, die jüngste der Töchter des Hauses. Dort, wo im Gebäude anscheinend die Garderobe war, da fummelte sie an Kleidung herum. Als wolle sie dann bald ausgehen, so zupfte sie dort. Nicht viel was anderes zu denken als was Normales.

Bis ... Bis er vorüber war. Im Nu war er vorübergegangen. Drehte sich jedoch glattweg noch mal nach ihr um. Schließlich war sie eine Schönheit, sie mal direkt exklusiv zu blicken, für ihn ein flüchtiges, zufälligs Momentchen. Ihre Rückansicht bestaunte er. Irgendwelcher heller Stoff, der sie kleidete, ein Hemdchen. Irre langes Haar, das sie hatte, offen herabhängen ließ. Ziemlich strähnige Fransen.

Sein Weg führte ihn geschwind weiter.

Dann wurde es ihm komisch zumute: was war das? War sie wirklich dort an der Hausgarderobe, sich fürs Ausgehen noch was zum Drüberwerfen zu wählen? Alles an ihr wirkte urplötzlich so brutal ungepflegt. Ihre ewige Haarlänge: eine vereinzelte Strähnigkeit. Wie was das Ergebnis über einen längeren Zeitraum. Von höherem Fieber? Seit einer halben Ewigkeit war dort nichts mehr gewaschen oder rumgekämmt worden. Ohne, daß die je Rastas gehabt hätte. Alles an ihr ließ nun an Gebrechlichkeit denken, an eine, die aus einem Krankenbett hochgekommen war.  Daß sie, alleine im Haus, mal aus dem Bettchen herausstieg; jeder mußte schließlich irgendwann kurz wohin. Und sie schaffte sich danach aus dem Obergeschoß die Treppen runter. Ins Parterre. Mit irgendeiner spontanen Idee.

Seltsam. Das, wie sie urplötzlich für ihn rüberkam. Die Garderobenräumlichkeit nahe dem Bereich, wo die im Wohnhaus der Straße zu seitlich ihr hübsches Badezimmer hatten. Mehrere Tage war sie bereits daheim. Was das eine Fahrzeug mit Beschriftung bewies, das vorndran hingeparkt war. Außerdem kriegte er von ihnen auf die Ohren, daß sie neuerdings einen "Swimming pool" hintenrum ausgebaggert hatten. Also: alles für die Körperhygiene noch und nöcher bei denen. Dort mal eine Langhaarige zu blicken, die länger keinen Kamm kannte, eine Braut, mit der tagelang nichts los war, sich mal einzuschamponieren, eine unglaubliche Szene.

Vielleicht ... Eine Sommergrippe? Kann einen auch hernehmen, nicht? Oder andererseits: ein Schub. Das Geheimnis eines Schubs. Ein mehrtägiger Schub. Von was Schlimmeren als einer Grippe. Was es unmöglich machte, sich irgendwelchen anderweitigen Dingen widmen zu können. Über Tage. Er erinnerte sich, daß er sie früher mal beim Küssen bewunderte. Flüchtig. Sie, sehr jung zu der Zeit. Sie und ein Kerl in einem verlassenen Bushäuschen. Während noch einer dort bei ihnen ausschritt, rumging, einer, wie auf Wachposten. Schwer zu sagen auf dieser Reise. Der schwerste Teil der Fahrt. Jedenfalls küßte sie an einem rum, und den Kuß, den hätte man auch für einen Abendfilm hernehmen können. Reichlich geübt. Wie was von "Vom Winde verweht", könnt man fast sagen. "Vom Winde verweht". Eine eindrückliche Kußszene. Eine, die einem haften blieb im Gedächtnis. Auch als Unbeteiligter. An die zu erinnern war. Sie war die jüngste der damals frischen Schwestern, hatte da noch mit bestimmten Verboten herumzukämpfen. Daß sie nicht so durfte. Und damit, daß nicht jeder Kerl bei ihr daheim gerne gesehen war. Da mußte sie zu der Zeit noch einiges dazulernen. Nicht jedoch bei dem der Marke "Kuß". Das sah nach bestem Training aus, bei dem Mädchen.

Hatte DAS sie erwischt? So was? Ihre Küsse mochten nicht schlechter geworden sein über die Jahre. Sie wußte von "besseren", "schlechteren" Küssen viel was. Und das, daß sie ein wenig vorschnell heimwärts hatte machen müssen ... Prüfungszeit der Studenten. Tage stand das eine beschriftete Geschäftsauto von irgendwoher noch auf seinem Parkplatz. Als ob sie nicht wieder abgefahren wäre. Während es hinter ihrem Fenster droben dunkel war, die Rolläden nicht den Hauch eines elektrischen Lichts verrieten.

Der Schub so einer gräßlichen, namenlosen Erkrankung? Einer, von der man mancherorts nur hinter vorgehaltener Hand spricht? Wie gesagt, sie konnte das, das mit den filmreifen Küssen. Und der Rest, sicher auch nicht von schlechten Eltern. Bei ihr. An Schönheit, Reiz mangelte es ihr die Jahre nicht, genausowenig wie an verfügbarem Geld. Nur, der Gedanke daran, eine Leiter bei ihr vor das Fenster zu stellen, die Leiterstreben hinaufzusteigen, voller Bedacht dort bei ihr anzuklopfen. Um sich die Frage zu beantworten, wie sie diesen Einfall aufnahm. Da beließ man es unvermittelt doch lieber dabei, auf der Straße drunten zu bleiben, vorüberzuschreiten. Es reichte da bei weitem überallhin, für sich ein klein wenig an was zu denken.

Dann war das irgendwann komisch abfahrbereit hingeparkte Auto wie von einem Geschäftsfreund doch irgendwann fort. Nach ein paar Tagen.

Kann man der Phantasie überlassen: Hatte sie sich erholt? Oder war sie nach einem geraumem Weilchen in irgendeinem Krankenhaus angelandet?

Manche Leute, die sich die Medizin leisten können, die lebten mit ihr ewiglich voran. Nur nicht so in Afrika, in einigen Ländern des Ostens Europas. Jene Gegenden. Örtlichkeiten, da hatte man um bessere medizinische Versorgung sich Sorgen zu machen.

 

 

 

-----

Werbung
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post