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Blog von TeddeMehr

Die, an die die Schwester dachte

2. September 2018 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #Kurzware II

Es gab sie schon immer, so national-konservative Leute, erfüllt noch von der allergrößten Dumpfheit. Früherdings klarerweise Monarchisten und nationalschwangere Rechtsdraußen, Kriegshetzer, Personenkreise mit den rassistischsten Vorurteilen und dem gesamten Bild dieser üblen Gegend. In diesen bestimmten Kreisen waren sie wer. Sozusagen größere Nummern. Solche, die dort anderen was ansagten und das. Sich selbst, aus diesem obskuren Horizont heraus, als größere Künstler sahen, die es nicht so recht verstanden, warum sie bei anderen Künstlern nicht so ein Ansehen hatten.

Schließlich auch zu sehen, das reicht ab und zu nicht hin, nur unter seinesgleichen was zu gelten. Man wünscht sich noch was andres, was darüberhinaus. So etwa die Anerkennung an Orten. Etwa bei Bestimmten, die sie doch als ihr Eigen empfanden, die es auch weiter schafften. Beispielsweise Friedrich Nietzsche. Daß SIE es im Grunde nicht faßten, warum der denn - und nicht SIE.

Da war demnach Friedrich Nietzsche. Als es ihm noch ein klein wenig besser ging. Er er selbst war. Der Mann, der zu mancher Wortgewalt und Kraft fähig war. Daß das größer und größer wurde, das bei ihm. Wo das alles mit ihm noch hinführen würde, schwer zu sagen. Richtiggehend ein Donnerhall, er.

Nun also dagegen SIE, ebenfalls so Schreiber, Texteverfasser. Für alles des Kaiserreichs, der Monarchie. Des deutschtümelnden Deutschtums mit seinen Rasseüberheblichkeiten. Leute quasi, die im großen Rezessionskrieg in den USA nicht besiegt worden waren, weil Europäer. Herausragendes Lob fand die Schreiberei Friedrich Nietzsches bei IHNEN. Sie dachten sich richtig, Friedrich Nietzsche, er wäre auch DAS, Friedrich Nietzsche, fast einer von ihnen. Eine Lobpreisung, die sie Friedrich Nietzsche entgegenbrachten, die Friedrich Nietzsche an sich eigentlich nicht so nötig gehabt hätte. Friedrich Nietzsche, der in die Welt hinausging, mit seinen Textzeilen

Sie empfanden, an Friedrich Nietzsche müßten sie sich heranwerfen. Friedrich Nietzsche, das wäre der, geradezu der größere Fisch unter ihnen. Kein Hecht im Karpfenteich, wie sie zumeist. Die so regional blieben. Die zwar Leserschaft hatten, aber sonst keinen Menschen interessierten. Mit all den feindseligen, bösartigen und oftmals gewöhnlichen Rasse- und feindseligen Deutschtum- und Volk-, Land- und Heimatgedönstexten, öfters jedoch reichlich wortschwanger..Solche Art Verfasser von Textzeilen, wie sie unter anderem der immer lieber las, der aus dem ersten Weltkrieg zurückkam. Derjenige, der sich überdies was der nordamerikanischen Charlie-Chaplin-"Tramp"-Filme anguckte. Auch er einer, der meinte, er hätte so ein Gefühl, so von einem mit einer gewissen Haltlosigkeit und von manchem, was der "Tramp" Charlie Chaplins so vorzeigte, das Mißgeschick, daß er erlitt. Die Mode des "Tramps", das Breitbärtchen betreffend, nahm er für sich an. Viele, viele gesichtslose triste Masse damals, die plötzlich keinen Schnurrbart mehr trug, sondern jenes geschmälerte Charlie-Chaplin-"Tramp"-Breitbärtchen.

Und der eine Mann, der maltratierte sich die Augen mit derlei Heftchen, Wochen-, Monatsschriften. Die das Gusto von jenen waren, die sich auch bereits bei Friedrich Nietzsche einfanden. Mit dem im Begehr, sich im Ruhm Friedrich Nietzsches zu sonnen. Vielleicht nebenher was davon für sich abzubekommen. Derweil man festhalten muß: Heute kennen den Namen Friedrich Nietzsches weiter manche. Während diese anderen Namen, durchaus noch bekannter im Kaiserreich, keinem mehr sonderlich geläufig sind. Auch angesichts der gewissen vorurteilserfüllten, hetzerisch-blenderischen Textzeilen, die man ausführte. Schüler im Literaturunterricht, bei Goethe, Schiller, Kant, Hegel, Heine, dem, die erfahren nicht viele der Namen von DENEN, die damals jedoch öfters borniert großspurig obrigkeitsgläubig raumgreifend umgingen, unter anderem auch für Stimmung in der Künstlerwelt sorgten, für Spuk.

Die Schwester Friedrich Nietzsches, die war es eigentlich. Die Schwester, ganz hin und weg von diesen älteren, jüngeren Kerls, die ihr schmeichelten, weil sie ihr die Hand küßten. Ihr schön taten, weil sie DIE Schwester war, die Schwester Friedrich Nietzsches. Extra zu Terminen verhalf sie DENEN bei ihrem Bruderherz. Der jene allerdings nicht ganz so betrachtete, wie sein Schwesterlein das tat. Diejenigen, die so vor ihn hinkamen, als wären sie dies und das an Wichtigkeit. Hätten so und so viel Bedeutung. Und er, Friedrich Nietzsche, er hätte, weil sie DAS glaubten, nichts anderes im Sinn, als ständig einer von IHNEN zu sein. Mit IHNEN Zigarren zu rauchen, Schnaps zu schlürfen, und dabei so zu reden, wie diejenigen in einer Tour redeten. DIESE Art von Sülze, Extrabrei.

Da geschah es dann bisweilen, daß der Bruder seine Schwester entsetzte. Der Bruder seiner Schwester, der durchaus mal die Geduld mit Bestimmten verlor. Die er im Grunde nicht für das kleinste bißchen was brauchte. Für nichts benötigte er diese Groß- und Wichtigtuer. Es konnte geschehen, daß er sie mitten beim Daherreden hinaus aus dem feinen Salon jagte. Mit klarsten, unmißverständlich unfreundlichsten Worten. Mit nichts hinter dem Busch haltend, was er von dem Inhalt von dem und dem Schrieb hielt, dieser esklusiven Absonderung.

Dabei war der, den Friedrich Nietzsche als sein Opfer wählte, den er ansprach, durchaus ein Riesenkarpfen im Trübstwasserteich. Der unter denjenigen, der eine geradezu, der den Ton bei jenen vorgab. Friedrich Nietzsche reichte es nichtsdestotrotz. Bei der schönsten wohlschmeckenden Zigarre und dem besten Schnapsnipper forderte er sie auf, ihn und seinen Salon und das ganze Gebäude sofort zu verlassen. Nichts ließ Friedrich Nietzsche des weiteren unausgesprochen, die Besucher in seinem Haus betreffend. Auch das nicht, was passieren würde, wenn sie seinem Begehr nicht nachkamen. Auch wenn man sich vorhin noch so und so nett miteinander unterhalten hatte, daß die Szene wie festgefressen wirkte. Im dichten Zigarrenqualm und beim hochprozentigen Gesöff.

Entsetzt war die Schwester, als sie DIE so sah. Die Hals über Kopf die Flucht ergreifen mußten, noch mit dem Glas in der Hand. Wie sie so an ihr vorbei- und rausmachten. Sie, die Schwester, die DENEN hinterherlief. Bückelnd entschuldigte sie sich, kaum war des Bruders Haustür zu, bei DENEN. DIE, an denen ihr so außerordentlich gelegen war. Die, denen sie zu einem Besuch beim Bruder verholfen hatte und die ihr Bruder nun bodenlos verärgerte. Groß, die Sorgen, mit denen Friedrich Nietzsches Schwester jenen hinterhersah, als sie gestikulierend fortgingen, echauffiert von Friederich Nietzsches Sprache und Verhaltensweisen.

Weiß man ja auch, wie das der Schwester Friedrich Nietzsches endete. Daß es schwer ist, das bei Friedrich Nietzsche. Weil die Schwester selbst an seinen Zeilen rumfeilte. Um sie wirklich einem Geist anzunähern. Einem, der es am Ende sogar möglich machte, daß der eine, der Erste der "Nationalsozialisten", bei ihr im Pavillon rumstand, zu Ehren ihres Bruder Friedrich.

Eine große Unterstützerin der "Bewegung" war sie darüberhinaus, drückte was ab für diese. Wie auch die eine, die mit dem alljährigen Auftritt in Bayreuth. Auch die gab was für die "Bewegung". Auch dort besuchte der "Führer" jedes Jahr ab einer gewissen Zeit die Festspiele. Schüttelte Hände und patschte von oben herab großzügig Köpfe. Festspiele, in denen manches Spiel irgendwie SEINEN Geist noch besser wiederspiegelte. Schließlich, auch darum mußte Sorge getragen werden, daß ein Werk nicht nur so ein wenig die Vorurteile gewisser Lebenszeittage des Verfassers wiedergab. Sondern noch ein wenig tauglicher für die "Nationalsozialisten", die Machthaber im Reich, wurde. Wie er, der "Führer", ja auch die Schreibe Friedrich Nietzsches als eine Kunst in seinem Sinne wähnte. Wofür die das Erbe Friedrich Nietzsches verwaltende Schwester wirklich einiges unternahm, daß es nur ja bei der bestimmten Perspektive blieb.

 

 

 

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