Als alles dann ehedem schon ganz schlimm wurde
"Korrumpieren", "Unterminieren".
Das mit dem "Korrumpieren", "Unterminieren" ...
Auch als schleichender Prozeß könnte sich was äußern. Daß sich denn was wo einschleicht, beinahe, daß man den Wandel nicht bei einem selber merken möchte.
Manch einer könnt heutzutage glattweg was sagen, meinen. Wovor er bis vor kurzem noch eher zurückschreckte. So flau, komisch wurd ihm zumute. Vielleicht, weil er fand, er würde wo schiefer angesehen. Eventuell, weil er sich so und so geäußert hat. Daß er eigentlich dachte, er hätte einen Fehler gemacht, was so und so rauszulassen, abzusondern. Vielleicht denkt er das nächstemal besser mal nach, statt doof untendrunter rumzusülzen.
In der Gegenwart, beste Jahr '18-Tage, solche nach dem Millenium, ist was anderes zu merken: Irgendwo sind bereits Tische zu bemerken, um die herum sich Gestalten scharen. Mehr ist man dort. Wird anscheinend immer mehr. Von dorther, von einem solcherart Tisch, daß auf ihn zugegangen wird. Auf die Schulter haut ihm einer, gibt ihm ganz recht. All die getätigten Aussagen, die könnt er nur unterschreiben. "Daumen hoch", das wird ihm gezeigt. Ihm die Frage gestellt, ob er nicht rüberkommen wolle, zu einem an den Tisch da. Dort sitzt man auch ganz gemütlich zusammen.
Wenn wo was mal Schaden brachte, damit sieht es im Heute ein wenig anders aus. Manche müssen nur woandershin rübergehen, und sie sind ein paar mehr. Ein paar mehr, die freiweg ... Im Grunde jeder, der da so auf diese Weise sich kundtut. Eher man in der Nähe rumschaut, ob nicht noch mehr sich zu einem dazusetzen. Ob nicht des weiteren Tische nebendran voll werden könnten ... Noch mehr Tischrunden und so: man unter sich.
Dann wären da was viele, die dort sind, bei Dingen, Sachverhalte daherzureden und so, all die Kleinigkeiten, die früherdings für eine gewisse Beschädigung bei einem gesorgt hätten. Einen kleinen Ansehens- und Statusverlust und so, den man zu befürchten gehabt hätte.
In diesen Jahr '18-Gegenwartstagen allerdings. Bei so dem immer häufiger werdenden Auftreten von welchen. Da hat man ja fast keine Kümmernisse mehr, schwatzt man mal schal, vorurteilsbeladen daher. Da kann einer fast regelrecht, frei von der Leber. Und die, die ihn angucken, beste Kumpels, nicht die, die einen befremdlich finden, Spott für einen haben.
"Es darf das doch mal gesagt werden", klingt eine lautstarke Stimme. Hören läßt sich keiner, der widersprechen möchte. Vielmehr vernimmt man das: Applaus, Zustimmung.
So was. Das geht ab. Das fährt. Nichts wahr?
Mit dem Auftritt eines bestimmten "neues" Parteiwesens noch dazu. Da wird es erst möglich gemacht. Das mit der großmächtigen Dumpfheit. Dann klingt, was SIE Leuten alternativ auch schon öfters angesagt haben: "Dann komm doch zu uns. Bei uns bist du nicht außen vor. Da kannst du so reden, wie du redest. Bei uns bist du willkommen. Und du kannt was bei uns werden, willst du dich einbringen. Vieles geht vielleicht ganz schnell."
Mit so was, aus der Welt der allerbesten Vorurteilsverhaftung, demnach, daß es so "Wärme", Umarmung für einen gibt. Diese erwähnten Schulterklopfer. Wie was da vor Ort, so die europäischdeutschregionale Landschaft, das seinen höchsten Gipfel in dem der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts hatte. Bis hin zu dem Moment, daß man den Schläger- und Totschlägertrupps der "SA" echte polizeiliche Legalität verlieh. Daß keiner mehr so leicht was gegen das Ankommen von pseudouniformierten SA-Leuten haben konnte. Nicht die von der "SA" die im Kerker, sondern der, der sich über die "SA" und ihr Ankommen aufregte.
Die dreißiger Jahre, als man dann anfing, einfach so auf die Minderheiten im Staat loszugehen. Bis hin zu dem Moment, daß es zur Verfolgung in bestimmt mörderischer Absicht ausartete.
Gezielt wurde irgendwann die dreißiger Jahre nach der Abstammung von jemandem geforscht, nach seinen "Rasse"-Merkmalen. Niemand konnte sich irgendwann mehr sicher sein, daß er nicht ... Und man sah das, wie man mit denen umging, bei denen das mit einer Abstammung unzweideutig klar war. Nur, daß man zuvor nicht viel davon ahnte, daß man was unter Umständen selber haben konnte. Das, sich urplötzlich unter denen eingereiht zu sehen, die unter den Besuchen durch die Gestapo oder derer in "SS"-Uniform litten.
So war das alles schließlich schon mal. Als das Thema "Rasse" und das mit dem "Zionismus", dem Vorbehalt gegen "Zigeuner" wirklich mit sich voll abging. Sich was echt nicht nur mehr mit seltsamen Blicken äußerte, wie was die Tage der "Weimarer Republik", als man sich dran zu gewöhnen hatte, daß auch Männer sich mal küßten, Frauen Frauen. Daß so was sich nicht zu verstecken hatte, im Staat. Was einer nach seiner Machtergreifung wieder änderte. Sogar dafür sorgte, daß was zu was für Staatsbeamte und die Behörden gemacht wurde. Festgenommen konnte man wieder werden, zu Vernehmungen verbracht. Als hätte was, eine Minderheit im Staat zu sein, jemand mit gleichgeschlechtlichen Vorlieben, anderer Denkweise und so, mit was Verhaftenswürdigem zu tun. Und dann schaute man auch noch ganz genau nach, welche Abstammung man hatte, was für eine Ahnenreihe bei einem zum Vorschein käme. Von der man oftmals zuvor gar keine Ahnung hatte. Hatte man nie Interesse für, was denn die Uropas, -omas so freimütig ohne weiters miteinander trieben. Daß sie tatsächlich keine Hemmung hatten, sich wo kurz einzuheiraten. "Jüdisches", das scherte sie nicht unbedingt. Manche Jahrzehnte.
All das, was der eine Breitbärtchenträger sich im Ersten Weltkrieg, die Jahre danach, anfangs der zwanziger Jahre durchweg anlas. Was er da an rassistischer Gehässigkeit, großnationaler Denke, all dem mit "Blut und Boden" und so durch die rechtsgerichteten reaktionären Schreiberlinge in Textgestalt erfuhr. Was die etwa gegen "Juden" hatten, Zigeuner, das saugte er quais in sich auf. Nahm es für sich. Und ER, er war DER, der das in die Realität umsetzte. Das ließ er wahrwerden, dafür benutzte er seinen Beamtenapparat. Beamte, die darüber nachsannen, wie was bestmöglich umzusetzen wäre. Selbst Industrielle machten sich so ihre Gedanken, was für Öfen, Ofenrohre - und mit was kamen DIE vor, das "Zyklon B" hieß. Aus dem heraus, aus der Beamtenstube, daß man wahre Schreckenslager errichten ließ. "Konzentrationslager" - Vernichtungslager. Der "SS", daß die unterstellt waren. Jene Orte, an denen mit Mitmenschen grausamst verfahren wurde. Aus einem Rasse- und rassistischen Überheblich- und Überlegenheitsdenken heraus. Für das sorgte der mit dem Breitbärtchen, daß so was staatstragend wurde. Im Schatten des großen zweiten Weltkriegs noch dazu. Mit so was verhielten sich Uniformierte, die an jeder Haustür klingeln konnten. Das beamtete Stempelkissen, das war es, mit dem, daß sinnige Kopfnicker des Dekrete-Verfassers Sachen initiierten. Die Wirklichkeit. Daß die es würde, das, das man umsetzte.
All die Feindseligkeit, die sich in so was von Heftchen abbildete, in denen sich erstmal monarchistische, dann, die Zwanziger, antidemokratische Stimmungsmacher in ihren Haß-, Hetz- und Sudeltexten abrackerten. Das vewirklichte der eine mit dem Breitbärtchen am Ende. Bei einer reichsdeutschen Bevölkerung, die durch IHN das allerschlimmst vorstellbare Joch erfuhr. Ein Volk, bei dem mitunter hart daran gearbeitet wurde, die vielen da als Einzelpersonen, als die, die dem Bild des Rassedenkens ungefähr entsprachen, mitzunehmen. Indem sie die eine oder andere Bevorzugung erfuhren. Eventuell dadurch, daß jemand sie darauf verwies, daß da jetzt eine Wohnung, ein Haus freigeworden wäre. Neu beziehbar wäre das, man könnte das sein Eigen nennen, als Grundbesitz eingetragen bekommen. Man wollte das doch früher schon, nicht? Nicht zu träumen hätte man gewagt, daß man mal selber ...
Die dreißiger, vierziger Regimejahre durch kriegten "Reichsbürger" was öfters für lau. Durften wo rein, wo sie ehemals höchstens kurz zur Hauswand hingucken konnten. Kein Gedanke, daß sie dort so ohne weiteres zu dem und dem kommen hätten können. Sich das für den Eigenbedarf zu erwerben, wäre wohl nicht drinnen gewesen. Außerdem wollte jemand überhaupt nicht ausziehen, Grund und Boden verkaufen. Jetzt war der Vorbesitzer allerdings enteignet worden, "abgereist". Da konnte man sich melden, hatte man Interesse daran. Präsentierten mehrere eine Interessenlage konnte geschehen, daß man nicht drankam, verhielt man sich zu zögerlich.
Und das, wenn das nicht als was Versuch zu bewerten wäre, den Bürger, bei dem, was man trieb, betrieb, mitzunehmen. Ihn mit Vorteilen, die man als Bevölkerung hätte, zu unterminieren und ihn zu korrumpieren. "Das gehört jetzt dir. Los, zieh dort ein. Hat keiner da was dagegen. Es ist DEIN. Das alles gehört jetzt dir. Bloß, entscheiden solltest du dich besser bald. Sonst hat's ein anderer."
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