Manch Blick zurück in so diese alten Tage
So viel Trauriges, das man aus den alten Tagen so früher erfahren kann. Selbst in der Jahr '18-Gegenwart bestens manches zu überblicken. Von dem vor Adenauer, den EU-Anfängen bei ihm und all dem, was eine EU-Idee erst größer machte. Daß sich selbst die Briten noch im Rund dazuhocken mußten. Als hätten sie keinen Geheimdienst.
Es gab Künstler, die arbeiteten. Auch während den Tagen des Dritten Reiches.
Als Schöpfer "entarteter Kunst" werkelten sie allerdings auf Halde. Für sich selber. Zurückgezogen. Einsam. Sturköpfig.
Daß bis heute niemand größer den und den, die oder die bei den gerühmten Namen in der Wahrnehmung hat. Die einem jeden als was Interessantes dahergeredet werden: "He, da mußt du hin. Das dir ansehen." Oder: "Lies das! Das öffnet dir den Horizont."
Die Jahre der "Nationalssozialisten", die hier Leuten die Karrieren versauten. Daß da welche der Kunstwelt bis auf ein paar Fußnoten beinahe verlorengingen.
Auf die Flucht ging so ein abstrakter Maler etwa eben nicht; er starb an der Front, wohin man ihn absichtsvoll verschickte, nachdem er für die Kriegsfron als Auffüller eingezogen worden war. Zuvor blieb er auf seinem Hof und so hocken, kam nicht weg von da. Brachte sich mehr schlecht als recht durch die Folgejahre des Wahlentscheidabends im Jahr '33. Ohne größere Verkäufe seiner Werke. Und so Vernissagen und all das, das man vielleicht haben hätte können, ist man etwas besser als andere. Nichts bei ihm. Mit ihm veranstaltete die Tage des dritten Reichs keiner irgendwas.
Vielleicht wäre er zu einem großen Faktor in der Kunstwelt geworden. Vorher, ehe das sich ereignete, daß die "Nationalsozialsten" jedem ankommen durften, war er schon dabei, ein wenig an Ruf zuzulegen.
Heute sieht man ihn derweil als irgendso ein Zwischending an. So nichts Ganzes. Nichts Rechtes. Eher eine Störung im Verkehr, eine Irritation: Wer ist das denn? So richtig Ehre entgegengebracht wird ihm demnach nicht, bei den Bildern, die man aus seinem Nachlaß geholt hat. Die zwar auch mal Leute-Aushang haben, Ausstellung. Nur nicht so mit den vielen, die dorthin gekommen wären, wie sie etwa zu anderen kommen, von denen ruhmreicher gesprochen wird. Die allgemein als "Das Ding" betrachtet werden.
Während er da manchem nicht ins Bild passen will. Bei den Vielgelobten, mitten in deren Strahlkraft, daß es ihm an besonderem Ansehen mangelt. Jenem Glanz.
Eines hatte er nichtsdestotrotz nicht gemacht: bei den gewaltig unsäglich schäbigen "Nationalsozialisten" den Nützlichen, den für die Gebräuchlichkeit zu geben. Wie so andere, beispielsweise eine Filmregisseurin, deren Propanadafilmchen man bis heute wegen Kameraperspektiven als irgendwas Größeres ansieht, statt angewidert abzudrehen, sobald der erste ihrer "Helden" seinen Auftritt hat. Oder so ein anderer, einer aus der Bergsteigerszene, der Filmer war, der die Ästhetik der Faschisten hintergründig, offen für deren Lobhudelei rüberbrachte. Dafür durfte der selbst auch noch teure Kostümfilme in bester Gebirgskulisse drehen, man stelle sich vor. Seine Regiearbeiten ließen sich die Nazis schon was kosten. Zig Komparsen, Schauspieler.
Da schlug sich einer derweil lieber unter miserablen Verhältnissen durch. Malte trotz Berufsverbot und mancherlei Elend unverdrossen weiter. Übte seine Kunst. Jedoch auf Solopfaden. Nicht anteilig bei anderen. Alles andere als unterrichtet darüber, was bei denen abging, los war; der Austausch mit irgendwem, nahezu peripher.
Nicht mal heute ist ihm irgendwie besser ausgeholfen, nicht im Konzentrationslager dahingeschieden zu sein, sondern durch eine rasche Kugel in bester Fronteinsatzlage in jenem Krieg bei seinen ersten Feindesberührungen. Spricht man größer seinen Namen an, "eh, was? Wer? Wer denn?" Eher sieht man ihn matt, trüb. Nicht ganz so die eine Wertschätzung. Statt als hell strahlender Stern am Himmel, wird er müde, träge beguckt, belächelt. Hat abschätzige Kritiken. Motto: "Was will man denn mit dem und so was? Wer hat das aus dem Müll gezogen?"
Wie es noch manch andere Trauergeschichte gibt.
Etwa welche, die ausreisten aus dem einen hinterfotzigen Nazi-Reich. Sie flohen vor dem Zugriff der Machthaber. Mit den Kindern dabei und allem. Um in der Schweiz zu enden. In der Schweiz, man stelle sich vor. In der Schweiz kamen sie nicht mehr weiter. In der Schweiz stagnierte ihnen alles restlos. Bis aufs äußerste.
Überlegt man sich allerdings nebenher, daß auch die Schweiz damals längst kein unberührter Ort war. Viele "nationalsozialistische" Konsorten hatten beste Schweizer Kontakte und tolle, weil prall gefüllte, Konten in der Schweiz, so hatten sie bei den Reichsdeutschen und dem deutschen Volk was unter der Hand abgezweigt. Daß die Schweizer Bankleute bei ihnen bückelten, vor diesen "Geldigen" sich servil aufführten.
Und die einen Besagten, die auf die Flucht gingen, Mann, Frau und Kinder, die befanden sich wo auf einer grünen Alm. Bei Schweizer Kühen und Emmentaler bei dem und dem Senn. Und es war ihnen irgendwann ziemlich was eng am Ort dort. Irre Beengung. Bei einer "völkischen" Aggression, die sie durch Schweizer auf "Switzer-Duitsch" erfuhren. Ohne eben dem: noch mal wohin weiterkommen zu können. Nichts mehr, der Beengtheit zu fliehen.
Schließlich brachte sich die Familie um.
Schon groß, weil der Ort die Schweiz doch eigentlich war. Herrliche Landschaft. All das. In der Schweiz war man, unter Schweizern. Da wählten sie dann lieber den Tod, als doch unvermittelt abgeholt zu werden, wie es ihnen geredet wurde. Daß Uniformierte kommen würden. Uniformen nach Schweizer Art. Schweizer Gewehre am Rücken. Bei all der Zunahme der Feindseligkeit der Einheimischen, der Schweizer Insulaner. Daß bei dem dieses aufklang, daß man sie zur reichsdeutschen Grenze zurückschaffen würde.
Was anderes konnte sich die Familie denn auch nicht leisten. Sonst wären sie ja auch nicht in der Schweiz festgesteckt. Als dem, daß da Schweizer sie an die reichsdeutsche Grenze brächten, sie alle von den Schweizern da an den reichsdeutschen Grenzschützer übergeben würden.
Nein, da wählten sie lieber gemeinsam alle den Tod und bestimmten den Zeitpunkt darüber selber. Als Informierte. Was drinnen in diesem "Reich" ekelhaft los war.
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