Wenn was wo schwer ist, weil man gerne was hätte
Das Badezimmerfenster öffnet sich. Rausgeguckt wird. Man sieht weiter all das, wie es da schon eine halbe Ewigkeit ungefähr ist: Gesträuch, Bäume - und, vom erhöhten Platz aus runter - besieht man sich die Dachziegel eines Hauses.
All der Grund und Boden da. Man könnt das alles sicher seit ewigen Jahren gut vertragen. Könnt es sich auch sicherlich locker leisten. Nur ... Nur ...
Man marschiert schon lange unbesehen oftmals auf dem Gelände der anderen rum. Schneidet mit der Astzange dies und das im Vorübergehen ab. Hat denn auch längst mit der Säge rumhantiert dort, für die deutlichste Scharte. Eine einfache Armmuskelsäge, doch besser als eine laute, kreischende Kettensäge. Obwohl es juckt, man jederzeit am liebsten alles an Gebüsch, Gesträuch und Baumdingern restlos rasieren würde. Damit hier für die ebenerdige Ordnung am Gelände gesorgt wäre.
Wie man denn im Grunde bereits lange Jahre umging, auf dem Grund und Boden andrer Leute. Niemand dort eigene Familie. Oder sonstwie ein besserer Freund.
Wem aus der Nachbarschaft hat man zwischendrinnen mal großzügig angesagt, er, sie dürfte alles dort drüben anstellen: den Haselnußstrauch und auch auf der Fläche drinnen was be- und abschneiden. Dabei geredet und getan, als gehöre einem jegliches seit langem höchstselbst. Hätte hier zu bestimmen. Das eigene Gusto walten zu lassen. Das, Zeug plattzumachen, wie man die Laune dafür hat. Bei der Freude an der Gartenarbeit. Am Rasenmähen, mit dem Traktor, dem Rasenmäher... Eine Rasenfläche fürs Rasenmähen wäre es dann, die entstünde. Wie was das, das man selber am liebsten hat, herrscht man wo: nur noch ebenflächige Erde. Ein weiter Britenrasen. Sonst weit und breit nur die Bepflanzung in den Töpfen. Dort dürfen auch die Blümlein bisweilen mal kurz höher und länger herauswachsen, beim kontrollierenden Blick mit den geschürzten Lippen.
Unvorstellbar, wie man da schon auf der einen Grundfläche rumgewerkelt hat, Über die Jahre. Was es da für Arbeit für einen oft gab. Wahnsinn. Man hat das aber gerne getan, weil man seinen Spaß an so was hatte. Insbesondere bei fremden Leuten drüben, da ist was heiß. Und die eine Fläche, die würde einem, wie erwähnt, hätte man sie erst, gewaltig taugen, gut zu Gesicht stehen. Der Wahnsinn, daß einem alles noch nicht selber gehört. Obwohl man hergeht, alles so Eigenbesitz markiert. Daß alles DENEN noch nicht auffiel? Das, daß man nicht von einem selber unbestimmt was umnietete, selbst den Stumpf noch dazu ausgrub? Mit einem geräuschlosen Erdbohrer, mit der Hand und Körperkraft bedient. Ganz unbesehen, diese emsige Beschäftigung. Wobei DIE, die hatten anscheinend nicht unbedingt den Blick für so was, die ursprünglichen Eigentümer, hatten nicht das Verständnis, nicht so, wie man selber was verstand. Weil ihnen diese Idee unvorstellbar war, und sie den Wandel nicht so überschauten.
Wie sich dort die Landschaft sofort total ändern würde, hätte man sie selber. Man hätte die Tausendsten an Ideen, was alles damit auf der Stelle zu unternehmen wäre. Statt dessen muß man sich leider bei jedem Rumspazieren dort um Dinge besorgen,, von wegen Haus- und Landfriedensbruch. Boshaft fliehen, die Flucht aus dem Stand ergreifen. Sobald man den Klang einer Haustür da hört, ein Hundegebell klingt, hat man die Beine in die Hand zu nehmen. Kürzeste Strecke, und man ist total atemlos, so hat man sich schon des öfteren zu beeilen gehabt. Ist überstürzt ausgefahren von drüben.
Schäbig wie das Hinterletzte was hatte man sich davonzumachen, zu rennen. Nichts für den Stolz, die Selbstachtung. Dabei gehört einem das Ganze doch schon, fast. In der Vorstellung, Phantasie zumindest, besitzt man all das dieser Nachbarschaft lange. Davon hat dauernd was in den Gedanken, wie man bei den Nachbarn erst gesehen würde, wenn man den Besitz sein Eigen nennen könnte. Statt sich nur so aufzuführen, als ob es einem gehöre, mittendrinnen dabei, bei so was, auch aus der Nachbarschaft heraus beobachtet. Diejenigen, die einen zu kennen glauben, einen grüßen. Keine besondere Ahnung haben sie, wissen nicht direkt was. Auch wenn sie zuschauen, wie man besitzheischend umgeht, geradezu geisterhaft spukend ist, wo einem nichts das bißchen gehört. Daß man nur so und so lange auf dem Grundbesitz anderer so tut, als hätte man die Umgebung als sein Eigentum.
Selbst dabei, als man fluchtartig davonstürzte, wurd einem schon von Kindern, Opas, Omas zugesehen. Welche, die denken, mit einem ganz gut bekannt zu sein. Weil man ab und zu so nett miteinander spricht. Nur netteste Kleinigkeiten erzählen sie sich einstweilen von einem.
Alle, daß sie so starrten, glotzten, zu einem rüber. Anzufangen wußten die Zuschauer nicht so recht was mit einem. Bei seinem Abenteuer. Totale Ahnungslosigkeit, was mit einem los wäre. Dort drüben. Manch Perspektive, die konnten sich die Opas, Omas einfach nicht anders draufkriegen, die Kinder.
Dabei ... Dabei könnt nochgerade die Polizei kommen. Würd die irgendwie gerufen. Wegen einem ein Polizeiauto. Unbegreiflich wäre DAS. Was hat man mit den Behörden zu schaffen? Gewiß ein Irrtum, nicht?
Das kann doch echt nicht sein, daß das ein derartiges Hauptdelikt wäre. Daß man mit Haus- und Landfriedensbruch ... Selbst einwandfrei ins Gefängnis kommen könnte, bei einem Verhalten. Eine Vorstrafe kriegen, wenn man Pech hat. Was an Geldstrafe zu zahlen haben. Daß man überdies sogar um seine Tagesarbeit zu fürchten hätte. Den Beruf. Von wegen dem Ansehen im eigenen Betrieb. Daß plötzlich bekannt wird, daß da einer, eine mit Vorstrafe da reingelatscht kommt. Jemand, bei dem man nie so was vermuten hätte können. Der doch so brav schien, pünktlich zumeist war, all das. Kaum faßlich, plötzlich ein Familienvater, ein angesehener Mensch, der seinen Job verliert. Wegen so einer doofen Vorstrafe. Das, mit dem man überrascht wurde.
Als wär man wo bei Verbrechern. Bei Einbrechern, Dieben, Betrügern, Zechprellern, all dem. Bloß, weil man dauernd wo verstohlen rumgeht, am Geistern ist, wo einem nicht das geringste selber gehört. Aber man beschäftigt sich dort, werkelt rum, als hätte man drüben was zu tun. Wäre zu irgendwelcher arbeitseifrigen Beschäftigung eingeladen worden. Behorcht nebenher die Hausbewohner, ihre Gespräche, der Themen-Titel des Paragraphen: was von "Stalking".
Man stelle sich das Bild nur vor: Dinge, die anderen gehören. Mit so was war im Dritten Reich was. Im Dritten Reich konnt man freiweg unverhofft was kriegen, übereignet bekommen. Um als neuer Grundbesitzer ... Die Tage des Dritten Reiches konnt sein, daßi´man einfach wo reingegangen ist. Uneingeladen. Ohne Haus- und Wohnrecht in ein fremdes Haus. Kriegte dafür sogar die Haustür extra geöffnet. Dort reinzulinsen, wo man längst mal reinlinsen wollte. Und dann war man tatsächlich bisweilen überrascht. Als jemand, der an so was Interesse zeigte, weil da Grunderwerb möglich wäre. Daß da eine Familie noch um den Essenstisch herumsaß. Man wollt's nicht fassen: die waren noch da. Einen, daß sie anglotzen konnten. Weil man einfach zu ihnen reinspaziert gekommen ist. Daß man DIE noch antreffen konnte, unbegreiflich. Man dachte doch, DIE, DIE wären längst sonstwo. Treblinka, Auschwitz, was immer gesagt wurde, daß da welche hintransportiert würden. Und die sind DA, stieren dümmlich nach einem hin. Man mußt sie grüßen, echt wahr. Der Uniformierte nebendran, der sich deswegen nicht regen wollte, nicht das bißchen unfreundlich werden. Zu DENEN. Der Uniformmensch hat nur hergeguckt, einen angeschaut. Sonst wollt er nichts größer mit irgendwem eine Kleinigkeit anstellen. Hier. Obwohl er einen Schlagstock hatte. Man ist dann nicht gegangen, sondern weiter rumspaziert, im gesamten Gebäude, das einem demnächst selber gehören sollte. Für nicht so viel, kriegte man denn darüber Bescheid. Man hatte nur selbst fürs restliche Ausräumen zu sorgen. Wenn die Leute nicht mehr da wären. Dann konnte man das sagen: meins. Endlich MEINS. Solange hatte man hin- und rübergespitzt, sich die Lippen drum hergeschleckt, jetzt war es das Eigentum von einem selber.
So weit, so weit könnt's direkt heute wieder kommen. In der allernächsten Zukunft. Daß man unbesorgt einfach was kriegen, in Eigenbesitz nehmen könnte, was man selber schon länger haben wollte. Wie ungefähr DAMALS. Als sie schon einmal war. Die ANDERE Zeit. Die vor Adenauer, Erhard. Da wurden überall das Jahr durch diese Jahre beständig jede Menge Häuser frei. Selbst Wohnblöcke waren zu übernehmen.
Bisweilen jedoch DAS: zuletzt, diese Ära, daß SIE einem das Zeugs der Vorbesitzer selber ausräumen ließen. Daß man nicht nur ahnen konnte, wo man hinkam. Als wer, der nicht darauf verzichtet hat, da was anzunehmen. Sondern man alles direkt wußte, nachdem man auf Familienfotos starrte. Die normal gewißlich mitgenommen worden wären.
Wenn sich aber wirklich demnächst dahingehend was tut, daß sich an der derzeitigen "Eurokratie" was ändert, kann man da noch direkt was abkriegen. Mit dem man sonst noch übel was tun haben hätte können. Bei Haus- und Landfriedensbruch als Text in einem Gesetzbuch. Etwas, mit dem man groß jahrelang umging. Lange aufmarschiert ist.
Daß Haus und Hof dort hinkommt, wo es hingehört. Zu einem, wie man das meint. Wird's erst so richtig "alternativ" hier. In diesen Landen. Beim "Nationalen".
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