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Blog von TeddeMehr

Wo jahrelang auch mancher Künstler am Sternenhimmel eine Bahn hatte

19. November 2018 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #Kurzware II

Tatsächlich, wer weiß wirklich immer die Dinge ganz genau? Wer hat heutzutage ständig die Kenntnis davon, wie so die Ansichten bei Leuten wirklich sind? Wenn da Lebenstage in einer Weise aufscheinen, daß man beruhigt etwas dürfte. Etwas dürfte man: ganz anders daherzureden. Als früher noch. Selbst als jemand, dem "Geist" nachgesagt wird, der dem Künstlerberuf nachgeht.

Da gibt es mit Sicherheit solche und solche. Unter den Schauspielern, freischaffenden Künstlern. Welche für die Malerei, das Bildhauen, das Herumtexten, was immer es am Kunsthimmel gibt.

Heinz Rühmann etwa war im "Dritten Reich" jemand ganz Besonderes. Höher als der konnte im "Dritten Reich" kaum jemand fliegen. Beinahe die gesamten zwölf Jahre durch ist der in den "höchsten Sphären" herumgeschwebt. Als ein ziemlich guter Freund des "Reichspropagandaministers" des "Dritten Reichs".

Per Film mimte der eine Mann den Kumpel- und Kameradentypen. Jemanden, von dem einer eher denken mag, man dürfte bei ihm vertrauensselig sein. Bei einem wie ihm müßte man sich nicht verstellen, verbiegen, könnte privat sein, wie man so unter sich eben freimütig war. Das spielte Rühmann, eine Person, bei der einer annahm, es wäre gestattet, sich ganz unverfälscht in seiner Umgebung zu verhalten. Unbesorgt sich gehaben. Bei seinen Ansichten und Witzen, wie eben so untereinander mal was dahergeredet wird, auch für ein Gelächter.

Dabei war Rühmann allem so nahe. Von Anfang an. Praktisch hatte Heinz Rühmann alles bei sich nebendran. Als Rühmann beispielsweise damals, die zwanziger Jahre, noch "Weimarer Republik", was Sprech- und Habitusunterricht bei einem Professor hatte. Dabei geschah mituner, daß er, sobald er vom Unterricht rauskam oder terminlich später für ihn drankam. Daß er nach oder vor einem sozusagen. Weil der eine Lehrer nach einem Terminplaner arbeitete, wie man eben eingetragen war. Für eine Stunde. Zwei Stunden.

Da hat Rühmann dann wen treffen können, Rühmann jemandem begegnen. Dem EINEN. Der, DER war. Der eine Bestimmte, auch noch nicht DER. Noch nicht zu dem Zeitpunkt. Jedoch bereits mit dem "Tramp"-Breitbärtchen im Gesicht. Der, einer, der auch was vertiefendere Unterrichtsstunden nahm. Wie bei einem Schauspieler, daß an seinem Habitus und so dem einer Aus- und Ansprache rumgefeilt werden sollte. Deshalb ging er hin,. Daß eine Geste bei ihm wie zufällig, spontan aussehen konnte, die nichts Spontanes an sich hatte. Sondern vielfach nichts weiter war, als was vorm Spiegel Eingeübtes. Das man dennoch zu verfeinern hatte.

Dort, das war in den zwanziger Jahren denn ER lange: Heinz Rühmann. Man spazierte sich im Treppenhaus vor die Füße. Wartete bisweilen in der Vorhalle, während man den einen herauskommen sah. Die Klinke, daß man sich in die Hand gab, sich grüßte.

Fast ein Ding der Unmöglichkeit, dann zu behaupten, man hätte sich nie direkt kennengelernt. Wäre nur so unablässig aneinander vorübergelaufen. Als hätte was nie geschehen können. Daß man mal zufällig wo gemeinsam rumstand, hinwartend. Daß sich nicht das kleinste bißchen eines Gesprächs dabei entwickeln hätte können. Daß man nicht mal kurz miteinander plapperte, sich in Themen verwickelte.

Ständig wäre er nur vorbeigelaufen, gab Rühmann späterhin den an der Geschichte Interessierten zu Protokoll. Daß es bei den Tagesterminen Unterschiede gegeben hätte.

Obwohl es doch mit Sicherheit denn so Zufälle gibt. Nebenher, bedenkt man sich das, wie das späterhin alles so für Rühmann im Dritten Reich verlief. Als der mit dem "Tramp"-Breitbärtchen der Mächtige wurde. Rühmann selber, beim "Reichspropagandaminister" vorstellig, und Rühmann, ganz weit vorn im Rennen bei dem. Wie im Sprint ohne Umwege vorgekommen, alsbald mit einem Titel versehen: "Bestes Pferd im Stall".

Ständig nur noch in einer Hauptrolle war er zu sehen, Heinz Rühmann. Häufig mit sich lange alleine am Bild einer Szene. Exklusiv der Stern, um den sich die Sonne drehte. Woran am besten keiner was ändern sollte, wünschte er sich nicht, daß der Reichspropagandaminister, mit dem man oft speiste, daß der beiläufig davon erfuhr.

Wie Rühmann nun die "Drittes Reich"-Tage in der Lage war, selber der sein zu können, ein Mann, in der Lage, Regie zu führen. Nicht bloß der ewige Schauspieler, wie so in den fünfziger Jahren. Als da seine Nachkriegsschauspielkarriere glattweg, allem zum Trotz, tatsächlich immer besser anrollte.

Und Willy Fritsch, was war mit dem? Auch ein "Bestes Pferd im Stall". Willy Fritsch, in "Die drei von der Tankstelle" eigentlich die vorgezogene Figur. Bei den drei Gestalten immer wieder die etwas zentralere Gestalt, der im Mittelpunkt. Willy Fritsch, er war da lange das, ein Liebling der Frauen. Bereits die Tage der "Weimarer Republik" war Willy Fritsch das. Der Frauenliebling war Willy Fritsch, der er auch während des "Dritte Reich"-Regimes blieb. Willy Fritsch, der eine, den die Frauen liebten. Als DAS war er des öfteren Anreißer in so diversen Propagandastreifen. Für DAS war er ein Gesicht dort, das dazugenommen wurde. Daß man ihn einmal länger, kürzer ins Bild gesetzt sah. Als Mitspielender. Willy Fritsch, den insbesondere die Weiber bis hin zu den Müttern, Omas so gerne hatten. Er war der, dem viele selbst die jüngsten Töchter noch anvertraut hätten. Unbesorgt. Obwohl, zuletzt da mitunter, nahe beim Weltkriegsende, ein bißchen ältlicher in der Erscheinung. Als wäre er eigentlich schon ein wenig älter als ehemals dauernd gedacht.

Der Schauspielberuf im "Dritten Reich". Er war ein Dienender. Er diente, der Propaganda des "Dritten Reichs". Selbst der harmloseste Film hatte einer Ästhetik und Erwartung zu entsprechen. Sonst wurde er rausgenommen, aus dem Programm. Hatte keine besondere Aufführung. Wie Bildhauer, Maler keine Vernissagen, Schreiber keine Verkäufe hatten, gehorchten sie nicht dem, was sich die Zensoren im "Dritten Reich" so vorstellten.

Es konnte vorkommen, daß der Reichspropandaminister höchstselbst Filmschnitte anordnete. Veränderungen am Film. Obwohl der lange seinen Schnitt hatte. Fertiggemacht war für die Filmpaläste. Der Reichspropagandaminister beguckte einen fertigen Filmstreifen. Um mittendrinnen die Hand zu heben: er hatte da noch Änderungsvorschläge.

Tja, so ein Künstler, das war oft genug in der Geschichte nicht der eine freischaffende Freigeist. Sondern war voll systemrelevant und wo hintenrein gekrochen. Konnte ganz unbescheiden als jemand aufscheinen, der für das eigene Gusto vor nichts irgendwie zurückschreckte. Was mußte man nach Hollywood, wenn man es anderswo so gut hatte? Einzig und alleine, hielt sich das? Selbst in den Konzentrationslagern führten SIE den ruhmreichen Schauspieler, Sänger denn noch rum, erklärten dem weib-, männlichen Besucher, Gast dies und das auf der Szene. Daß es sicherlich öfters ziemlich schwerfiel, was nicht zu verstehen, was man so deutlich gesagt kriegte.

 

 

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