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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 1.12 (1.5)

26. Dezember 2019 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Er hatte unvermittelt die Augen aufgerissen, war zusichgekommen.

Die Kugeln, die hatten Jo, den Revolvermann getroffen, nicht ihn. Jo, der Revolvermann, war ein Alptraum. Nichts, als ein Alptraum. Obwohl Pain City, das windschiefe Holzlattenstädtchen der Willys, das Geschehen im Westernsaloon Empireless beinahe echt wirkte. Als hätte es was mit bester Wirklichkeit zu schaffen.

Einzig und alleine, es war nichts daran wirklich, es war nichts als ein schlimmer Traum, aus dem man hochschrecken konnte, im Todesmoment.

Eine Alptraumwelt eines fiebrigen Irrlichtes. Eine, das den Schrecken in sich barg. Revolverkugeln, die ihn in die Brust trafen, hatten Jo, den Revolvermann, niedergestreckt.

 

Am Ende wußte er, wer er war. Wie sein Name lautete: Joachim Herrmann.

Joachim war alles andere als ein Revolvermann. Joachim kannte den Wilden Westen ausschließlich aus Westernfilmen.

Im Wilden Westen hatte er nie gelebt. Er hatte keine Ahnung, warum er von sich als einen Revolverhelden träumen sollte. Andererseits, Marga eine Kugel zwischen die Augen zu verpassen, dafür wäre er durchaus gerne ein Revolverheld gewesen, einer, der schnell ziehen und gewissenlos abdrücken konnte.

Wie das Geschehen im Traum aber war, war Jo, der Revolvermann, zwar einer mit zwei Schießeisen. Bloß, klug war er deswegen lange nicht, wenn schlußendlich er es war, der blutüberflossen auf den Holzboden des Saloons herumlag.

 

Nirgendwo anders konnte Joachim sich vermuten als in seiner Wohnung. Das in seinem Nacken, das fühlte sich an wie ein Kopfkissen.

Das mit den "Glühwürmchen", den Feuerrädern, -spiralen, den sprühenden Funken, dem Feuerwerk, das hatte allerdings viel was mit der Realwelt Joachims zu tun.

Dergleichen Phänome fingen unaufhörlich vor seinen Augen an.

Bald konnte er nichts anderes mehr bei sich gewahren als das. Wünschte sich den Tod, den Jo, der Revolvermann, vielleicht kennenzulernen hatte.

 

Daß Joachim sich bewußt wurde, das bedeutete Leben. Nur, was für ein Leben?

Wer mit einem Bewußsein und Körpergefühl erwachte, der war nicht gestorben. Sonst aber auch nicht viel.

Irgendwie schien es Joachim trotz seinem miserablen Zustands so, daß das ein besseres Erwachen war als die vorhergehenden Male. An die einen, auf die er sich entsinnen konnte.

Weniger mit Qual, Schmerz verband sich alles. Was bisher Pein gehießen hatte, das hielt sich einstweilen im Hintergrund. Im Moment spürte er nochgeraden nicht viel von dem, was ihm beim letzten Wachsein die Welt noch voll umfänglich verleidet hatte.

Vielleicht ein Glück, daß jemand gestorben war: Jo, der Revolvermann.

 

Es blieb bei der Tatsache, daß das Ungemütliche sich eher hintergründig meldete. Unbestimmt war da weiterhin was. Einzig und alleine, grell entfalten wollte es sich nicht.

Das große Elend, wie Joachim es schon hatte, blieb aus. Nichts der schmerzensreichen Flut, die aus jeder Körperpore von überallher anbrandete. Nahezu unerträglich. Ohne daß er dem Ausmaß entkommen hätte können.

Viel eher nahm die Furcht Platz in Joachim, daß jeden Moment die frühere Pein Rückkehr halten könnte. Vielleicht ab dem Moment, wenn er sich wieder besser spüren und rühren konnte. Was derzeit nicht der Fall war. Außer mit den Augen zu zwinkern brachte er nichts zustande.

Bildlich gesehen schien das eine ein Biest, das ganz in der Nähe lauerte. Als warte es auf eine gute Gelegenheit, aus dem Dunkel des Dickichts hervorspringen zu dürfen. Aufs neue mit aller Fürchterlichkeit an Schmerzentfaltung über ihn zu kommen.

 

Ein Gesicht sah Joachim unvermittelt unverlangt vor seinem geistigen Auge. Das eine Mörder-Willys. Mörder-Willy, die Hauptfigur aus seiner Wildwest-Alptraumwelt.

Jener Mörder-Willy, der eiskalt den Revolver auf Jo, den Revolvermann, richtete, Abgedrückt hatte Mörder-Willy mehrmals, Jo, den Revolvermann, niedergestreckt.

Mörder-Willys dreckige Visage war nichts Zusammengeträumtes. Mörder-Willy, der war die reinste Realität. Mörder-Willy, das war Willy. Ebenso wie Marga, die Barfrau, Marga war.

Im Leben jenseits aller guten und schlechten Träume war Willy nicht irgendwer. Genausowenig wie Marga. Mörder-Willy war Willy, sein allerbester Freund. Und mit Marga, mit Marga war Joachim ewig zusammen. Zusammengezogen waren Marga und er schon lange, hatten zusammen in der Wohnung gelebt, für die in der Gegenwart nur noch Joachim die Miete zahlte.

 

Ein komisches Gefühl hatte Joachim beim Denken an Willy. Als Mörder-Willy war Willy in der Alptraumwelt von Pain City der Dreckskerl, der mit Marga, der Barfrau, zusammen war. Mit Marga, der Barfrau, die Marga war.

Marga hätte seine Freundin, Geliebte sein müssen, nicht die Willys. Bei ihm hätte sie bleiben sollen, nicht bei ihm ausziehen, um mit Willy, seinem besten Freund, zusammenzukommen.

Nur wegen Joachim, obwohl sie sich von ihm trennte, wohnte Marga noch nicht fest, sondern nur ab und zu bei Willy. Wie auch Willy öfters nicht bei sich daheim in den Wohnräumen wohnte. Woanders, daß Willy und Marga zusammen waren. Vor allem, wenn Joachim wieder mal drohte, bei Willy vorbeizukommen. Willy die Fresse zu polieren, Willy die Knochen im Leib zu brechen.

Marga wünschte sich das zwar, daß Joachim sie in Ruhe ließ. Wie Marga zu Joachim meinte, er sollte Willy in Ruhe lassen. Nur, Joachim hatte sich dahingehend bis jetzt schwerhörig gezeigt.

Bei Willy und Marga blieb Joachim am Ball.

 

Marga hatte sich von ihm getrennt. Mit Marga, daß seit ein paar Monaten nichts mehr klappte. Marga, sie kehrte nicht zu ihm zurück. Es war nichts zu machen.

Kaum war man wo gemeinsam eingetroffen, saß beisammen, sich auszusprechen, war der nächste Streit fällig.

Bis es zuletzt die Tage keine weiteren Treffen und so zwischen Marga und ihm mehr gab.

Der reinste Alptraum, das mit Marga und Willy.

War das auch nur irgendwie zu glauben, Marga und Willy? Willy, alles andere als ein Mörder-Willy, ein Willy der Willys. Willy, immer einer, der Probleme hatte, Weiber kennenzulernen. Und das nächste Problem war, wenn Willy wollte, daß eine ein Weilchen länger bei ihm blieb.

 

Daran konnte Joachim sich überhaupt nicht erinnern, daß es eine mehr als ein, zwei Wochen bei Willy aushielt. Kaum fragte Joachim bei Willy nach, wo denn seine Freundin abblieb, stotterte Willy rum, er wäre alleine da.

Verlassen wurde er, Willy dies und das erzählt, wenn er einer hinterherlief, es nicht begreifen konnte, daß er sitzengelassen wurde. Da kriegte Willy schon mal was auf die Ohren, wollte er Gründe erfahren. 

Und jetzt waren Marga und Willy ein Paar. Monatelang waren Marga und Willy zusammen, als hätten sich da zwei gefunden. Es war rein unfaßbar. Alles, wie in dem Wilder Westen-Alptraum, Marga, die Barfrau, und der eine Willy der Willys, der Mörder-Willy traut miteinander. Beide ein Herz und eine Seele.

Zum Totschießen, die beiden, Willy und Marga. Aber, nicht mal in seinem Alptraum hatte Joachim den Willy abgeknallt, bisher. Weder Mörder-Willy noch Marga, die Barfrau hatten da Kugeln niedergeworfen. Bei Jo, dem Revolvermann schlugen die Bleikugeln in der Brust ein.

Unerträglich war das.

 

Träume waren Schäume, bis dato, für Willy.

Seine Marga und Willy-Boy? Mußte man das ernster nehmen?

Schwer setzte Joachim darauf, daß Marga mit ihrer Trotzerei aufhören würde.

Doch normalerweise eher der größte Witz: Marga und Willy. Willy, nicht eben Billy the kid bei den Weibern. Willy, einer mit Problemen, einen hochzukriegen. Schon mehrmals hatte Joachim Kumpel Willy geraten, sich mal Tabletten zu besorgen. Willy mußte sich dabei ja nicht erwischen lassen, wie er sich die Tablette in den Mund schob. Vielleicht die Tablette in Saft auflösen, das im Kühlschrank kaltstellen, dann beizeiten trinken. Oder so.

Und jetzt klappte die Sache bei Willy und Marga, daß man an der Welt zu zweifeln anfangen wollte. Fast wie ein falscher Film.

Hatte er Marga auch schon gefragt, wie das so lief, zwischen ihr und Willy im Bett. Gab Marga zur Antwort, daß sie sich nicht beklagen könnte. Sie wüßte nicht, was ihr Ex namens Joachim ihr mit seinem Gelaber da sagen wolle.

 

Unbegreiflich war das mit Marga und Willy.

Noch dazu, wenn Joachim sich eins überlegte: Marga, sie mochte Willy nie so.

Die meiste Zeit, als Marga noch mit Joachim zusammen in einer Wohnung wohnte, kam Willy zu Besuch, war Marga nichts als am Rumstänkern. Wegen Willy. Willy, der Joachims bester Kumpel war.

Sobald es am Wochenende oder dann und wann abends unter der Woche an der Wohnungstüre klingelte, es sich herausstellte, daß das Willy war, der sich per Guckloch sehen ließ, quakte es boshaft bei Marga raus. Daß Willy draußen das gut mitanhören konnte. Daß Joachim Willy beschwichtigen mußte, Willy, der erst gar nicht über die Türschwelle drüberkommen wollte. Nur, das gute Zureden Joachims, das dafür sorgte, daß Willy doch hereinkam.

Ein paarmal, daß Marga Willy wirklich offen beleidigte. Willy, den sie einen Störenfried nannte, der wohl selber gerne bei Joachim eingezogen wäre. Mit seinem Hintern. Statt mit seinem besten Freund, hätte Joachim sich aber mit einer Frau zusammengetan. Für die Liebe und das Küssen.

 

Es stimmte aber durchaus, daß Willy ab und zu öfters als oft vorbeischaute. Ständig wünschte Willy irgendwas von Joachim. Sogar Zucker war Willy holen gekommen, dafür extra durch die halbe Stadt gelatscht. Willy wollte, daß Joachim ihm dort und dort bei was aushalf. Mit ihm wo hinging. Scheinbar war das am besten, wenn Marga nicht mitkam.

So was war Joachim durchaus nicht entgangen. Bloß, Willy, er hielt sich dahingehend zurück. Mit was Sexuellem, was der Beziehung zwischen ihm und Freund Joachim beschädigen hätte können, kam Willy nicht nach vorn. Nicht direkt wenigstens.

Marga redete nichtsdestotrotz komisch daher, wenn Joachim wieder mal mit Willy zusammen loszog. Marga meinte, daß Joachim es anscheinend nicht daheim aushalten könnte. Trotzdem entfernte sich Joachim dann mit Willy, um mit ihm zusammen kurz einen zu heben. Was auch länger dauern konnte. Bis rein in die Nacht.

Schlief Marga eben schon, wenn er ohne Willy in die heimische Wohnung zurückkehrte. Er mußte allerdings darauf verzichten, Marga anzufassen. Wollte er was von Marga, weckte sie deswegen auf, reagierte sie unwirsch.

 

Früher, hatten Marga und er Streit, kam von Knall auf Fall Willy, Joachims bester Freund zur Sprache. Aus dem Spiel ließ Marga Willy kaum je. War die Stimmung zwischen ihm und Marga trister als trist, arbeitete Marga sich im Angesicht Joachims am Thema Willy ab. Erwähnte Willys Hintern, der vielleicht nicht so schlecht aussah wie Willys Gesicht. Wenn also Joachims Kumpel Willy keiner mit einer Vorliebe fürs eigene Geschlecht war, vielleicht war Joachim ja der, der sich so was insgeheim wünschte. Als der Freund Willys mal bei Willys Willy ...

Und wie war das heutzutage? Marga und Willy waren ein Liebespaar. Und das nicht bloß in diesem schlimmen Westernstadttraum, aus dem Joachim zu sich kam. Gewissermaßen ein ziemlich trautes Paar, Marga und Willy.

Im Grunde alles unvorstellbar. Daß Marga mit Willy so zusammsein konnte, wie sie das mit Joachim war. Alles in derselben Weise mit Willy unternahm, wie sie es unternommen hatte, als Joachim und sie noch gemeinsam wohnten.

 

 

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