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Blog von TeddeMehr

1.Teil: 3.3

19. Januar 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

In gewisser Weise war Joachim die Verwunderung überkommen. Das Wundern darüber, daß er unter derartigen Umständen weiterhin lebte. Obgleich er eher dahinvegetierte.

So, wie Joachim an sich alles überblickte, wie es wirkte, sollte er tot sein. Längst verstorben.

Dringend, daß er ärztliche Versorgung nötig gehabt hätte. Es war nicht zu sagen, wie sehr er sich einen Arzt herbeiwünschte. Jemanden, der ihn sich ansah. Mit ihm über eine Diagnose redete. Das nächste, das dringendst benötigt wurde: eine Erklärung. Ihm mußte erklärt werden, was sich Schönes mit ihm ereignet hatte. 

Die Begebenheiten, die er an sich entdeckte, die waren ungeheuerlich. Da war nichts normal.

 

Marga mußte ihren Hintern zu ihm hinbewegen. Marga hatte herbeizukommen. Bei ihm an der Wohnungstüre Aufstellung nehmen, klingeln. Und wenn ihr keiner öffnete, den Schlüsseldienst herbeizutelefonieren.

Weggehen durfte Marga dann nicht. Nicht einfach wieder. Marga hatte sich Gedanken zu machen, sobald sie bei ihm vor der Wohnungstüre rumstand.

Das Kinn hob Joachim in die Höhe, bemerkte, daß er weiterhin dasaß. Nicht erneut hatte er sich in die Rückenlage zurücksinken lassen.

 

Er hatte sein Gesicht der Holztür hinein zu seiner Wohnung zugewandt.

Zu seinem Erschrecken sah Joachim, daß die zwei Sicherheitsketten vor waren. Auch der Wohnungsschlüssel steckte im Schloß.

Demnach war nie irgend jemand  bei ihm in den Wohnräumen gewesen. Seit längerem nicht. All das, worauf er sich entsann, daß Marga bei ihm da war, mit ihm in der Küche und so - nichts als Einbildung. Etwas, das ihm das Gehirn vorgaukelte. Ein Trug.

All das, was er von Marga wußte,, Marga in der Küche und so weiter, das hatte nichts mit der Wirklichkeit zu tun.

Nicht, wenn zugesperrt war. Die Sicherheitsketten vor waren, die Marga beim Fortgehen sicherlich nicht vorhängen hätte können. Wenn sie draußen war, die Wohnungstür hinter sich zugemacht hatte.

 

Marga, sie kam nicht zu ihm rein. Wenn Marga ihren alten Schlüssel aus der Handtasche holte, willens, sich aufzusperren, auf Joachims Phon-Anruf hin, konnte Marga ihren Wohnungsschlüssel überhaupt nicht ins Türschloß reinstecken.

Weil Joachim den seinen drinnenstecken hatte.

Höchstens dauerklingeln hätte Marga können, war sie bereits bei ihm vor der Tür. Oder war Marga das schon längst mal gewesen?

Joachim wußte von nichts irgendwas. Daß jemand bei ihm in der Wohnung geklingelt hätte, es war ihm nichts bewußt.

 

Der Gedanke machte Joachim fertig, fast irre, daß Marga vielleicht schon mal bei ihm vor der Wohnungstür gestanden hatte. Daß Marga mehrmals geklingelt haben könnte. Daß Marga sogar reinzukommen versuchte. Ohne am Ende reinkommen zu können. 

Er hatte doch schon mal Richtung Wohnungstür geguckt. Im Moment war er nicht in der Lage, sich in Erinnerung zu rufen, ob er da die Sicherheitsketten schon vorgelegt gesehen hatte.

Waren die Ketten schon vor?

Oder waren diese erst seit kurzem vor?

Wer hätte die Ketten vorlegen können, wenn nicht er selber? Warum sollte er so was machen, wenn er sich nichts dringlicher wünschte, als daß Marga sich bei ihm einstellte? Marga sollte zu ihm hereinkommen, nicht außerhalb herumstehen. 

 

Wegen Stockie die Ketten vorhängen? Hatte er aus Angst vor Stockie ...?

Stockie hatte im Augenblickmit seiner Kläfferei aufgehört.

Warum sollte er sich denn vor einem Hundevieh fürchten, das sich ein Stockwerk tiefer aufhielt und anscheinend nicht zur Wohnungstür herauskonnte, weil niemand bei ihm daheim war?

Vielleicht waren die Dottlers auch vor ein paar Momenten nach Hause gekommen. Schlußendlich hatte Stockie das mit seiner Bellerei eingestellt. Da war zu vermuten, daß ...

 

An was hatte er gedacht? Daß Marga den Schlüsseldienst anrief?

Nein, das würde Marga mit Sicherheit nicht machen. Wenn Marga sich bei ihm draußen vor die Türfläche aufhielt, Joachim sich nicht innerhalb meldete, sie klopfte und klingelte und sie weiter nicht reinkonnte, würde Marga fortgehen.

An was anderes war nicht zu denken Auch wenn sich das, was Joachim ihr auf die Mailbox gesprochen hatte, nach Verzweiflung anhörte.

Gereizt sah Joachim Marga vor seinem geistigen Auge wartend und horchend rumstehen, dann gereizt abwinken. Um daraufhin am Absatz kehrtzumachen, sich Richtung Aufzug zu begeben, der sie nach unten ins Erdgeschoß zurückbringen würde.

 

Es war zum aus der Haut fahren.

Zur Wohnungstüre würde Joachim hingelangen müssen. Erst mal den Schlüssel aus dem Schloß zu ziehen. Die Sicherheitsketten wegzunehmen.

Damit Marga, sollte das Marga einfallen, doch noch mal bei ihrem Jo vorbeizuschauen, sich die Wohnungstür aufsperren konnte.

Vielleicht, nachdem er nochmals bei ihr anrief, daß Marga ... Um Marga seine mißliche Lage zu verdeutlichen, mußte er ihr eine Kurznachricht schicken. Eine mit einem unzweideutigen Hilferuf.

Wäre das Phon nicht tot gewesen, hätte sich Joachim unverzüglich darangemacht, Marga was zu texten. Was er von Haus aus tun hätte müssen.

 

Weiter, daß Joachim traurig am eigenen Flurgang rumhockte. Irgendwas würde er dann bringen müssen. Solange er sich einigermaßen fühlte, es ihm nicht zu übel ging.

Es blieb ihm das nicht erspart, als, allem Elend, aller Schwäche zum Trotz, zur Wohnungstüre zu kriechen. Dort nach dem Türschloß zu fingern. Hochzukommen oder hochzugreifen zu versuchen, das Problem mit den Sicherheitsketten zu lösen.

Ansonsten hatte weder Marga noch sonstwer die allergeringste Möglichkeit zu ihm hereinzugelangen. Ohne die Wohnungstür einzuschlagen.

 

Andererseits - es reichte doch, den Schlüssel im Schloß zu drehen, diesen herauszuzerren.

War einmal aufgesperrt, würde Marga die Sicherheitsketten von außen wegfingern können, hatte sie die Tür erst von außen aufgedrückt.

 

 

 

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