1. Teil: 4.1
Jo, der Revolvermann, er war nicht erledigt, tot. Jo, der Revolvermann, er marschierte sie hinauf. Die staubige Straße. Einen Revolvergürtel um die Hüften. Links und rechts staken zwei Sechsschüsser in ihren Holstern.
Die nächste Stadt der Willys, von der ihm was erzählt worden war.
Nach Pain Way sollte er reiten. Nach Pain Way war er auf Susan geritten.
Pain Way hatte er auch gefunden, dort, wo man ihm gesagt hatte, daß er die Örtlichkeit finden würde. Am Rand der Wüste.
Jede Menge Willys würde er in Pain Way treffen, Willys, die europäische Weiber als Sklavinnen hielten, wie die im Süden Afrikaner.
Eine neue Stadt der ruch- und respektlosen Willys war Pain Way.
Behelfsmäßig hochgezogen, für das Glücksspiel und die Hurerei. So ein Städtchen, morgen schon wieder abgerissen oder verlassen.
Diesesmal, daß Jo, der Revolvermann, nicht großspurig auf Susan, seinem Wallach, hineinritt, nach Pain Way. In die Holzlattenstadt, notdürftig zusammengenagelt, gezimmert.
Herunter, daß er von Susan stieg. Um sich zu Fuß auf den Weg zu machen.
Selbst seine Sporen hatte er von seinen Stiefeln heruntergeschraubt. Damit ihn niemand sofort hörte, sollte er sich mal wo anschleichen müssen. Überdies zog er sich seinen Stetson tiefer ins Gesicht, daß nicht jeder ihn sofort erkennen konnte, der ihn womöglich kannte und lässig daherspazieren sah.
Andererseits, so ganz geheim wollte Jo, der Revolvermann, seine Anwesenheit in der Willy-Stadt auch nicht halten. Jeder, der ihm entgegentreten wollte, der konnte ihm gegenüber jederzeit Aufstellung nehmen. Und wenn sich wo ein Gewehrlauf bei einem offenstehenden Fenster präsentierte, wollte Jo, der Revolvermann, sofort in die Richtung schießen.
Nur ein toter Willy war ein guter Willy.
Auf der Hauptstraße, daß Jo, der Revolvermann, voranmarschierte. Mit herabhängenden Armen, einen Zahnstocher im Mund. Als wäre er in Pain Way auf Dinge aus, hinter denen jeder Ortsfremde her war.
Eine doofe Willy-Stadt, Pain Way. Die Europäerinnen sollten jedoch herzureiten sein, prächtige Hinterteile haben. Das wurde Jo, dem Revolvermann, zumindest so gesagt.
Eine, die aussah, als könnte es Marga, die Barfrau, sein, die beschrieb man Jo, dem Revolvermann, ebenfalls. Marga, die Barfrau, die, ganz wie früher, Saloongäste mit in ihre geräumigen Gemächer hinauf mitnahm. Scheinbar nichts, über das der eine Willy der Willys sich beschwerte. Größer etwas gegen Margas Geschäfte zu haben, das schien der Willy nicht. Der eine Willy, von dem man berichtete, daß er unter den Willy den Ton angab.
Die Stadt Pain Way fand er besser, als noch mal nach Pain City hineinzureiten. Wenn Marga in Pain Way gesehen wurde, der Willy der Willys auch, dann war die Wahrscheinlichkeit groß, daß sich Marga, die Barfrau, und der eine Willy im Augenblick wirklich in Pain Way aufhielten. Überdies hatte Marga früher schon Europäerinnen, Französinnen, solchen aus dem Commonwealth, den Vorzug gegeben, ihre Freundinnen zu sein.
Marga, die Barfrau, und der Willy der Willys. Weiterhin, daß Marga, die Barfrau, mit dem einen bestimmten Willy abhing. Der eine Willy, der nichts dagegen hatte, daß Marga, die Barfrau, ihr von früherher bekanntes Leben mit Männerbesuchen in ihrer Garderobe führte. Blumensträuße und Fortsetzung.
Richtiggehend ungeheuerlich, das. Daß Marga, der Barfrau, die Augen nicht groß wurden ab und zu. Sie den Willy nicht zu scheuen lernte. Weshalb Jo, der Revolvermann, neugierig darauf war, wie das sein würde, wenn er Marga, die Barfrau, wiedersah.
Zwar hatte er Marga, der Barfrau, in der Vergangenheit des öfteren versprochen, sie mit sich zu nehmen und vielleicht sogar zu heiraten. Gekommen war es jedoch irgendwie nicht dazu. Es war nichts, daß Jo, der Revolvermann, Marga mit sich mitnahm, wenn er die Stadt verließ, in der er Marga wußte. Das war ihm nicht eingefallen. Vertröstet hatte er Marga, die Barfrau.
Der eine Willy der Willys jedoch, der hatte Marga, die Barfrau, zu einem Treffpunkt reisen lassen. Eine Örtlichkeit, an der der eine Willy Marga, die Barfrau, auch abholte. Und jetzt, jetzt war die Geschichte bei Marga, der Barfrau, ganz die alte. Obwohl der Willy der Willys in Margas Nähe blieb.
Der eine Willy, der Marga mit den Armen umfaßte. Alles Vorstellbare mit und an ihr anstellte. Was der Willy der Willys allerdings auch andere an Marga, der Barfrau, anstellen ließ. Ganz das altbekannte Leben bei Marga, der Barfrau.
Jo, der Revolvermann, spuckte aus.
Marga, die Barfrau, war eine Verräterin. Jo, den Revolvermann, hatte Marga verraten. Marga war es nicht zu verdanken, daß Jo, der Revolvermann, lebte. Für Marga war eine Kugel zwischen die Augen genausowenig etwas Unbilliges, wie für den einen Willy der Willys.
Gesichtslos wirkten die Leute, die Jo, der Revolvermann, auf den Schreitstegen links und rechts der Straße von Haus zu Haus gehen sah. Irgendwie war keinem von jenen ins Gesicht zu blicken. Echt, als hätte keiner eins. Nur Waffen trugen alle offen. Revolver staken ihnen in den Holstern an ihren Hüften. Auch Gewehre ließ man begutachten.
Sollte Jo, der Revolvermann, sich deswegen was Besonderes denken? Jo, der Revolvermann, er war schnell. Und er traf Ziele, sobald er eine Waffe in der Hand hielt.
Was Marga nur dazu brachte, unter den Willys bleiben? Ihr altes Leben mit den altgewohnten Dingen, Umständen?
Es war für Jo, den Revolvermann, kaum zu fassen, daß Marga dafür heutzutage Willys brauchte. Willys als Beschützer.
Hätte Jo, der Revolvermann, wirklich gerne gewußt, was Marga den Willy für die Gemächer zahlte, die sie oberhalb von dem einen Saloon in Pain Way bezog. Der eine, bestimmte Willy, der sollte samt seinem persönlichen Gesinde ein ganzes Haus für sich haben.
Wie da zwischen dem Willy der Willys und Marga, der Barfrau, die Verhältnisse genau waren, eindeutig war das Jo, dem Revolvermann, nicht mitgeteilt worden. Wenigstens nicht nachvollziehbar.
Wenn Marga, die Barfrau, genug damit zu tun hatte, das anzustellen, was bei ihr schon war, als sie sich von Jo, dem Revolvermann, einen Blumenstrauß schenken ließ.
Im Grunde mußte er für nichts bei Marga, der Barfrau, Verständnis aufbringen. Marga, die Barfrau, war eine Verräterin.
Verraten hatte Marga, die Barfrau, Jo, den Revolvermann, in gleicher Weise, wie jedes Licht jemanden des Nachts verriet.
Gnadenlos sollte Jo, der Revolvermann, mit Marga, der Barfrau, umgehen. Mit ihr dassselbe unternehmen, was Jo, der Revolvermann, im Angesichte eines Willys unternehmen sollte: ihm eine Kugel zwischen die Stirn jagen. Am Ende dem einen Willy für ein Duell gegenüberzutreten, zu einem Genuß mußte der Moment werden. Den einen Willy der Willys unter den Augen Margas, der Barfrau, ein für allemal zu erledigen. Den Willy in seinem Blut daliegen zu sehen, das mitanzusehen, was Marga dann anstellte.
Warf Marga, die Barfrau, sich auf die blutüberströmte Hemdbrust des einen Willys? Brauchte Jo, der Revolvermann, nur noch auf den Rücken Margas, der Barfrau, zu zielen, dem Haupt-Willy das Weib hinterherzuschicken? Oder wollte Marga höchstselber nach einer Waffe greifen? Marga, die Barfrau, sie konnte sich ja auch Jo, dem Revolvermann, gegenüber aufzustellen, als eine Duellantin.
Marga, die konnte auch nach einem Revolver fassen. Im Angesicht von Jo, dem Revolvermann.