1. Teil:: 6.1
Marga, die Barfrau, stand Jo, dem Revolvermann, gegenüber rum. In einem weißfarbenen, zu einem Kleid genähten Laken, weißes Häubchen am Haupt. Unbewegt, Marga, die Barfrau, wie sich dieim Hintergrund bei ihr, die Kugel- und Ovalköpfigen, sich allesamt genausowenig regten.
Schon klug, gaben sie alle Jo, dem Revolvermann, damit keinen Anlaß, seine Revolver herauszureißen.
Die komisch gesichtslosen Kugel- und Ovalköpfe in ihren schwarzen, grauen Staubklamottten standen herum, Marga, die Barfrau und Jo, der Revolvermann. Jeder war am Rumstehen. Kaum auszuhalten war es.
Die Kugel- und Ovalköpfe, die ansonsten wohl im Kramerladen eines Willys als Kleiderpuppen dienten, wollten, daß Jo, der Revolvermann bei ihnen dachte, sie hielten allesamt eine Totenwacht. Bei Marga, der Barfrau, war es die Frage: Trug sie ein Hochzeitskleid? Oder war das Leinen ein Tuch, das man einer Toten überstreifte, ehe man sie in den Holzsarg legte.
Hätte Marga, die Barfrau, nicht das kecke weiße Seidenhäubchen aufgehabt, sich zuerst mit Verschleierung gezeigt, Jo, der Revolvermann, dabei geblieben, bei der Betrachtung Margas, der Barfrau, ein Begräbnis zu vermuten.
Daß Marga, die Barfrau, einer Totenstätte entwichen war, selbst wenn sie aufrecht dastand.
Und - was war mit Jo, dem Revolvermann? Als was sollte Jo, der Revolvermann, besehen werden?
Jo, der Revolvermann, er nahm an allem teil. Jo, der Revolvermann, war nicht in der Lage, von der Stelle fortzukommen. Überdies mochte Jo, der Revolvermann, sich zu nichts Rechtem entschließen.
Einen gesunden Teint präsentierte Marga, die Barfrau, denn nicht. Vielmehr war Marga, die Barfrau, ziemlich totenbleich im Gesicht.
Nichtsdestoweniger blieb Marga, die Barfrau, jemand, der, ohne von jemandem gehalten oder gestützt zu werden, am Dastehen war. Auf beiden Beinen Rumstehende konnte irgendwie keiner für tot halten.
Viel eher war bei einer Frau in Weiß über eine Hochzeitsgesellschaft nachdenken. Eine, die gestört wurde. Von einem, der in der Willy-Stadt Pain Way eintraf und Jo, der Revolvermann, hieß.
Bleiche Gesichter waren nichts Ungewöhnliches, wenn Jo, der Revolvermann, sich wo an einem Ort eingefunden hatte. Nach Hochzeit zumute war es den Wenigsten, kam Jo, der Revolvermann, vorüber, und konnten sie überblicken, daß die Ankunft Jo's, des Revolvermannes, mit ihnen zu tun hatte.
Die Augen verdrehte Jo, der Revolvermann, gereizt.
Seinen linken Sechsschüsser holte Jo, der Revolvermann, blitzschnell ziehend, aus dem Lederholster.
Den Revolver ließ Jo, der Revolvermann, um den Zeigefinger wirbeln.
Dann hielt Jo, der Revolvermann, Marga, der Barfrau, den Horngriff des Schießeisens hin. Ruckte auffordernd den Arm, Marga, die Barfrau, sie solle die Waffe nehmen
An der Stelle eines Willys war Marga, die Barfrau, schließlich herbeigekommen. Unbewaffnet.
Daß Marga, die Barfrau, keine Waffe besaß, dem konnte Jo, der Revolvermann, Abhilfe schaffen.
Nahm Marga, die Barfrau, den einen Revolver Jo's, des Revolvermannes, dann war sie nicht länger waffenlos. Dann war sie die eine, die Jo, dem Revolvermann, zu einem Duell gegenübertrat.
Daraufhin mußte man schauen, wer der war, der am Ende im Dreck rumlag: Marga, die Barfrau, die das Schießeisen schon in den Fingern hatte. Oder Jo, der Revolvermann, der seinen Sechsschüsser erst mal noch herauszureißen hatte.
Marga, die Barfrau, sie war zwar am Ende nicht der eine Willy, für den Jo, der Revolvermann, Kopfgeld bezahlt bekommen hatte. Trotzdem würde die Geschichte, daß Marga, die Barfrau, sich anstelle des einen Willys mit Jo, dem Revolvermann, duellierte, in der Öffentlichkeit die Runde machen.
Marga, die Barfrau, diejenige, die wenigstens den Mut hatte, sich mit Jo, dem Revolvermann, zu konfrontieren. Währenddessen der eine Willy und all die restlichen Willys in ihren Verstecken blieben.
Dieser Ruf würde den einen Willy der Willys begleiten, wo immer er hinritt.
Den Revolvergriff reckte Jo, der Revolvermann, fordernd.
Marga, die Barfrau, sie brauchte bloß kurz herbeizukommen, nach dem Revolvergriff zu fassen.
Ab dem Moment war das eine veränderte Sachlage. Vieles, das Marga, die Barfrau, entschied, war sie bewaffnet.
Allerdings wartete Jo, der Revolvermann, vergebens darauf, daß Marga, die Barfrau, an ihn herantrat. Auf das Angebot Jo's, des Revolvermannes, einzugehen, nicht, daß Marga, die Barfrau, sich darauf einließ. An Ort und Stelle Marga, die Barfrau, lieber. Obwohl sie den Sechsschüsser sofort in der Hand hatte, während Jo, der Revolvermann, erst ziehen mußte.
Verächtlich trat Jo, der Revolvermann, mit dem Fuß nach der Bodenfläche. Eine Staubwolke spritzte hoch, verteilte sich nahe bei Marga, der Barfrau.
Nicht mit der Wimper, daß Marga, die Barfrau, gezuckt hatte.
Keine Ahnung hatte Jo, der Revolvermann, was in der Willy-Stadt los war. Nichts haute ihm hin. Mit nichts konnte er was anfangen. Marga, die Barfrau, so mir nichts, dir nichts durfte er sie nicht abknallen. Einfacher Mord war ebenso unnütz rufschädigend, wie das, nicht schon längst dem Willy der Willys sein verdientes Ende bereitet zu haben. Die Golddollar hatte Jo, der Revolvermann, genommen, ohne bisher viel für Golddollars getan zu haben.
Jo, der Revolvermann, zuckte zu Marga, der Barfrau, hin die Schulter. Den einen Revolver, der für Marga, die Barfrau, gedacht war, schob er zurück ins linke Lederholster.
Er hatte getan, was er tun konnte. Wenn Marga, die Barfrau, sich gegen die Waffe entschied, hatte man eben weiter rumzustehen. Auf irgendwas zu warten. Vielleicht darauf, daß sich der Willy der Willys doch noch dazu entscheiden konnte, dem Geschehen bei Marga, der Barfrau, dazuzukommen.
Abfällig, daß Jo, der Revolvermann, winkte. Vielleicht war Marga, die Barfrau, mal ein klein wenig zu reizen.
Starrer, maskenhafter schienen die Gesichtszüge Margas, der Barfrau, durchaus. geworden. Sonst war allerdings nichts.
Etwas fiel Jo, dem Revolvermann, unvermittelt an Marga, der Barfrau. Irgendwas an ihr hatte sich geändert.
Die Augen, die Jo, der Revolvermann, zusammenkniff. Er wollte die Wahrnehmung nicht glauben. Das konnte nicht wahr sein. Aber es stimmte: Marga, die Barfrau, sie war durchsichtig geworden. Hindurchzusehen war durch Marga, die Barfrau. Als wäre Marga, die Barfrau, längst ein Geist.
Es blieb für Jo, dem Revolvermann, dabei: Es konnte durch die Gestalt Margas, der Barfrau, hindurchblicken.
Wie ein Geisterwesen, Marga, die Barfra. Ein durchsichtig gewordenes Gespenst in einem weißen Tuch. Die behosten Beine, Hüftansichten, der Im Rücken Margas, der Barfrau, dastehenden graue Anzüge tragenden Kugel- und Ovalköpfe, die gewahrte Jo, der Revolvermann.
Als wäre eigentlich von Haus aus nichts an Marga, der Barfrau, echt gewesen. Nichts als eine Täuschung, ein Trug, Marga, die Barfrau. Deshalb, daß er Marga,die Barfrau, auch nicht herbeispazieren gesehen hatte. Marga, die Barfrau, sie war vielmehr plötzlich da.
Das weißfarbene Gewand Margas, der Barfrau, doch das einer Toten. Eins, von einer aus der Totenwelt.
Kein Kleid für eine Hochzeit, das von einer, die man in den Sarg gelegt hatte.