1. Teil: 7.1
Das meinte Jo, der Revolvermann, er wäre von irgendwoher zurückgekehrt.
Nur, daß er eigentlich nirgends sonst gewesen sein konnte, außer am selben Ort. An dem alles unverändert aussah, wie eh und je.
Jenen rückwärtigen Hof von Willys Welcome überblickte Jo, der Revolvermann. Die dichtgedrängte Reihe der Kugel- und Ovalköpfe in ihrer grauen, schwarzen verstaubten Kleidung.
Ewiglich harrte Jo, der Revolvermann, bereits auf der Stelle aus. Das zu wähnen, er wäre woanders gewesen, mußte ein Trug sein. Allerhöchstens war das Unaufmerksamkeit, die ihm mitspielte. Von einer Abwesenheit konnte mit Sicherheit keine Rede sein.
Nichtsdestoweniger fühlte Jo, der Revolvermann, sich irritiert. Weil er Marga, die Barfrau, sah. Das heißt, vorhin war Marga, die Barfrau, verschwunden. Und Jo, der Revolvermann, jetzt kurz wieder zurück war, hielt sich Marga, die Barfrau, ebenfalls wieder dort auf.
Anders war das nicht zu begreifen, Marga, die Barfrau, in ihrem knöchellangen weißen seidenen Spitzenkleid wiederzusehen. Obwohl er anderes von Marga, der Barfrau, wähnte.
Das war glattweg keine Weise, die Jo, den Revolvermann, mit Freude erfüllte, Marga, die Barfrau, deutlicher zu blicken. Obwohl diese fort sein sollte.
Mitten am Platz war Marga, die Barfrau, vor der langen Reihe der grau- und schwarzgekleideten Kugel- und Ovalköpfigen zu blicken. Marga, die Barfrau, die ernst guckte, keine Lippe für eine Erklärung bewegte.
Nichts weiter unternahm Marga, die Barfrau, als Jo, den Revolvermann, anzustarren. Jo, der Revolvermann, starrte zurück.
Einmal mehr war Marga, die Barfrau, der Welt deutlicher. War kaum durch sie hindurchzuschauen. Vielleicht, daß Jo, der Revolvermann, sogar mal auf Marga, die Barfrau, schießen hätte können. Um sie mit einer Kugel zu treffen. Wovor Marga, die Barfrau, sich allerdings nicht im mindesten zu ängstigen schien. Das bleiche Gesicht Margas, der Barfrau, deutete keine Gedanken an, nichts davon, daß sie erriet, was in Jo, dem Revolvermann, vor sich ging.
Dann konnte Jo, der Revolvermann, seine Revolver beruhigt steckenlasen. Das nächstemal, daß sich ereignete, daß er genauer hinzusehen hatte, um auch nur irgendwie noch was eines Umrisses Margas, der Barfrau, auszumachen.
Schließlich sah Jo, der Revolvermann, Marga, die Barfrau, wirklich nicht mehr. Daß Jo, der Revolvermann, zur Überzeugung gelangte, daß er von Marga, der Barfrau, verlassen wurde. Von ihr bei den vielen schrecklichen Kugel- und Ovalköpfigen zurückgelassen. Diese Kreaturen, für die zwölf Bleikugeln zu wenig waren. Die zwei mal sechs Schuß, die von Jo, dem Revolvermann, abgefeuert werden konnten. Ehe von ihm nachgeladen werden mußte. Was zwar schnell hinhauen konnte, neue Patronen in die Trommeln hineinzustoßen, bloß, angesichts der Nähe der vielen, daß alles nichtsdestotrotz zu langsam geschah.
Dann tröstete der Anblick Margas, der Barfrau, das Auge Jo's, des Revolvermannes, doch wieder. Marga, die Barfrau, daß Jo, der Revolvermann, begehrlich ins Auge faßte, nachdem sie zurück war, neuerlich aufgetaucht.
Marga, die Barfrau, das Wichtige für ihn schlechthin. Der Mittelpunkt der Welt. Hätte Marga, die Barfrau, nur bei irgendwas geholfen. Derweil Marga, die Barfrau, nicht mal mehr Worte mit den Lippen formen wollte. Ausdruckslos blieb das Mienenspiel Margas, der Barfrau, ihr Blick kühl, distanziert.
Derweil Jo, der Revolvermann, gerne von ihr aufgefordert worden wäre, zu ihr hinzutreten zu dürfen, nach ihr hinzufassen. Das eine Laken von weißer Seidenspitze zu betasten. Genähtes Tuch, das für eine Hochzeit sein konnte oder für eine, die man in einen Sarg zu legen beabsichtigte.
Oder wollte Jo, der Revolvermann, Marga, der Barfrau, die Gewandung vom Leibe herunterreißen? Weil das doch ein Überwurf war, der nach Heirat aussah?
Schon die Frage, warum Jo, der Revolvermann, Marga, die Barfrau, diese Willy-Braut entblößen wollte.
Jo, der Revolvermann, verdrehte die Augen. Derweil Marga, die Barfrau, reglos blieb.
Beständig fanden sie sich weiter im Rund, die bestimmten Kugel- und Ovalköpfe. Wie Statuetten wirkend.
Nichtsdestotrotz war es nicht so, daß Jo, der Revolvermann, mir nichts, dir nichts, fortgehen konnte. Wollte Jo, der Revolvermann, sich der Reihe der seltsam gesichtslosen Kreaturennähern, war das die größte Gefahr für Jo, den Revolvermann.
Ab und an, daß Jo, der Revolvermann, das vorzeigte, wie schnell er ziehen konnte. Einen oder beide Sechsschüsser riß er aus den Lederholstern. Um wie eh und je nicht abzudrücken. Mit der Schußwaffe zu drohen, das hatte den Kugel- oder Ovalköpfen zu reichen.
Nur mehr für die Kugel- und Ovalköpfe, daß Jo, der Revolvermann, mit der Waffe in der Gegend rumfuchtelte. Damit jeder der Meute, ob in Männerkleidung oder einem Frauenkostüm, sich darauf entsann: die erste Kugel konnte ihn, sie treffen.
Zweimal sechs Schuß hatte Jo, der Revolvermann. Zwölfmal, daß Jo, der Revolvermann, rasch hintereinander abdrücken konnte. Weit auseinander stand man nicht beisammen, daß Jo, der Revolvermann, locker den Revolverlauf von einer Gestalt zur nächsten hinschwingen konnte.
Sobald Jo, der Revolvermann, das Gefühl hatte, daß das mit seinem Getue, seiner Revolverfuchtelei wieder reichte, daß er den einen Revolver oder beide in sein ledernes Holster zurückschob. Ohne eine Patrone vergeudet zu haben.
Erneut widmete Jo, der Revolvermann, sich ganz dem Geschehen bei Marga, der Barfrau. Marga, die Barfrau, sie war tatsächlich nur mehr alle paar Augenblicke in einer flüchtigen Umrißhaftigkeit zu blicken.
Die Dauerfrage bei Marga, der Barfrau: Warum kehrte sie der Welt der Willy-Stadt überhaupt noch mal zurück, wenn sie denn schon zur Gänze fortgewesen war? Warum war das nicht endgültig, daß sie weblieb? Damit der Spaß mit Marga, der Barfrau, endlich ein Ende hatte?
Statt dessen hatte Jo, der Revolvermann, das wahrzunehmen, daß Marga, die Barfau, erneut in dem weißfarbenen Leinen, aufrecht in der Gegend rumschwebte, das eine große Schuppengebäude in ihrem Rücken, von dem Jo, der Revolvermann, jede einzelne genagelte Holzlatte nahe dem Holzschild mit dem Schriftzug Totenwacht sehen konnte.
War doch bei weitem längst alles sinn-, nutzlos bei Marga, der Barfrau, die sich in ihrer Durchsichtigkeit kein bißchen mehr regte. Nichtsdestoweniger, ohne Wiederkehr hinüberzugehen, das war nicht bei Marga, der Barfrau. Das fehlte der Dame, ansonsten eher tot als lebendig.