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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 7.5

4. April 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Jo, der Revolvermann, er rannte. Ewig, daß er voranrannte, ohne irgendwo hinzukommen. Überdies war in ihm die Furcht, daß, in dem Augenblick, während dem er im Lauf anhielt, die Welt des Bleichen um ihn her unmittelbar über ihn käme.

Eigentlich hätte das eine kurze Laufstrecke sein müssen, auf die schnurgerade Straße einzubiegen, die mitten durch die Willy-Stadt Pain Way hindurchverlief, die Holzlattenstadt in zwei Hälften teilte. 

Jo lief und lief. Keuchen hörte er jemand, sich. Zumindest glaubte er das, daß er sich keuchen zu hörte. So ganz sicher war er sich nichts mehr.

 

Plötzlich, daß Jo, dem Revolvermann, beim Voranrennen der linke Sechsschüsser aus dem Lederholster herausrutschte.

Im Laufschritt, daß Jo, der Revolvermann, innezuhielt. Herum, daß er sich wandte, den Revolver im Bleichen daliegen sah, als wäre dort weiterhin fester Boden. Nur ein paar Schritte entfernt.

Präsent blieb das Metall der Schußwaffe, daß Jo, der Revolvermann, kurzentschlossen losstürzte. In einem Momentchen war Jo, der Revolvermann, bei der Stelle. Mit einem geschwinden Hinabbücken und entschlossenem Zupacken konnte er den Sechsschüsser greifen. Der plötzlich seltsam wirkte, als wäre das, was Jo, der Revolvermann, anstellte, gerade noch rechtzeitig gewesen. Anscheinend wollte die Bleiche das sechsschüssige Ding erfassen.

Allerdings, ohne größer was zu bewirken. Fest fühlte sich die Schußwaffe in den Fingern Jo's, des Revolvermannes, an, metallisch. Wie es eben sein sollte.

 

In das linke Holster schob Jo, der Revolvermann, seinen Sechsschüsser. Die Lederschlaufen, die er über die Hähne seiner Revolver drüberlegte. Um aufs neue voranzurennen.

Daß irgendwas für Jo, den Revolvermann, zu spät war, davon konnte keine Rede sein. Irgendwie ließ sich die eine die Welt auflösende Bleiche bei ihm bitten. Bis dato hatte sie ihm nicht das geringste angetan, warum auch immer.

Schwer einzuschätzen für Jo, den Revolvermann, ob er noch in die richtige Richtung voranlief. Auf alle Fälle konnte er bald nicht mehr, würde stehenbleiben müssen. Es war dringend für ihn nötig, jene eine Hauptstraße der Willy-Stadt Pain Way oder sonst etwas zu bemerken, was nichts mit einer Bleich zu tun hatte.

 

Die größte Erleichterung brach sich Bahn bei Jo, dem Revolvermann. Er hatte scheinbar doch die richtige Wahl getroffen. Auch wenn das voraus keine Straße war. Aus Sand herauswachsende Grasbüschel konnte er erkennen, diesen und jenen mannshoch aufragende dicke Kaktus.

Er lief auf einer Sanddüne, stolperte eine hinunter. Anscheinend hielt er sich außerhalb der Willy-Stadt Pain Way auf. Fast was Unglaubliches: nicht mehr war es mit jener Bleiche.

Karge Kakteenlandschaft mit Steppe war ihm unmittelbar. Herausgekommen, verlassen hatte er jene Welt der Schreckensbleiche, des Gestaltlosen.

Ganz eindeutig: Er befand sich außerhalb der Glückspieler- und Hurenstadt der Willys. Allem Mißgeschick der Willy-Stadt, er war ihm entronnen. All dem Bedrohlichen, daß ihm in der Willy-Stadt mitspielen hätte wollen.

Nichts voraus bei ihm war bleich. In einen stahlblauen Himmelshorizont Jo hinaufschaute, während er in Sand Spuren hinterließ, Gras zertrat, größere, kleinere Kakteenarten links und rechts von sich hatte. Scheinbar war er gerettet.

 

Schließlich entschloß sich Jo, der Revolvermann, zum Stehenbleiben. Herum, daß er sich am Stiefelabsatz schwang.

Der Blick zurück in die Richtung Willy-Stadt war der einzige Horror. Gar nicht so weit von ihm enternt war alles Schreckliche. Die Gegenwart jener monströsen Bleiche, die jegliches auslöschte, war schlimm.

Nicht mehr der kleinste Umriß irgendeines Holzgebäudes der Willy-Stadt Pain Way war für Jo, dem Revolvermann, erkennbar. Nichts mehr war dort, das Jo, der Revolvermann, an hölzernen Bauwerken erinnerlich war. Die schnöde Stadt der Willys, in die Jo, der Revolvermann, vor einer halben Ewigkeit viel zu lässig auf der Hauptstraße hineinspaziert war, von ihr nicht mehr der kleinste Hauch vorhanden.

 

Etwas kam Jo, dem Revolvermann, in den Sinn. Fast ganz hätte er ihn vergessen: Susan, seinen Wallach. Obwohl es das erste hätte sein müssen, an das von ihm gedacht werden hätte müssen, außerhalb der Willy-Stadt Pain Way: an Susan, seinen Wallach.

Zweimal pfiff Jo, der Revolvermann, laut in die Umgebung hinein. 

Susan, sein Wallach, ließ nicht lange mit einer Antwort auf sich warten. Gewiehere erlauschte Jo, der Revolvermann, in seinem Rücken, drehte sich herum.

 

Von hinter einer dreisäuligen übermannshohen Großkaktee tauchte Susan, der Wallach, auf, als hätte er zufällig überhaupt nicht weit entfernt in der Umgebung herumgelungert.

Alles hätte nicht besser sein können für Jo, den Revolvermann. Was brauchte er sonst als Susan, seinen Wallach? Außer Susan, seinen Wallach, hatte er nichts nötig. Susan, der Wallach, er bedeutete alle Glücksseligkeit der Welt.

Bei einem dichter hochwachsenden dornenübersäten Gestrüpp blieb Susan stehen, rupfte an den grünen Blättern von Zweigen herum, ohne sich an den Dornen zu verletzen. 

Zufrieden kaute Susan, der Wallach, an dem Blätterzeug herum.

 

An die eine näherrückende Bleiche, der er aufs neue den Rücken zuwandte, erinnerte sich Jo, der Revolvermann. Es war ihm, als würde er gehetzt.

Im Laufschritt kam Jo, der Revolvermann, bei Susan an, klatschte dem Wallach auf sein Hinterteil, daß Susan überrascht loswieherte und auf der Stelle hüpfte.

Nach dem Sattelknauf faßte Jo, Revolvermann, schwang sich in den braunen Rindsledersattel hinauf. Dann löste er die am Knauf festgezurrten ledernen Zügel.

Es war nicht zu fassen, allem in der Willy-Stadt Pain Way und jener einen alles auslöschenden Bleiche entkommen zu sein. Darüberhinaus konnte er so viele Meilen wie möglich zwischen sich und der ins Bleiche entschwunden Örtlichkeit der Willys legen.

 

Ein letztesmal verdrehte Jo, der Revolvermann, den Hals. Hinterrücks bei ihm war es dabeigeblieben, daß von der Willy-Stadt Pain Way kein bißchen mehr was auszumachen war. Nichts als diese eine unsägliche Bleiche befand sich dort, wo sich mal die Willy-Stadt Pain Way befunden hatte.

Neuer Schrecken befiel Jo, den Revolvermann. Was seine Augen gewahrten, war, daß die große Bleiche sich ihm geschwind näherte.

Das böse Gefühl überkam Jo, dem Revolvermann, daß er, wenn er sich nicht beeilte, eine größere Strecke zwischen sich und diese Bleiche brachte, nicht wieder glimpflich davonkam.

Es würde überhaupt nicht lange dauern, bis er und Susan, der Wallach, erwischt wurde. Wie es aussah, waren sogar Meilen vonnöten, jenes Milchigbleiche abzuschütteln.

 

Auf Susan, seinem Wallach, stand ihm allerdings die ganze Welt offen. Überall konnte er hinreiten, solange er nur fort von der Bleiche ritt. Solange Susan der Bleiche galoppierte, war alles für ihn gut.

An der ledernen Zügeldoppelleine riß Jo, daß Susans Kopf nach links schwang. Gleichzeitig haute er seinem Wallach die Hacken seiner sporenlosen Stiefel in die Flanken.

Links und rechts haute Jo, der Revolvermann, Susan, seinem Wallach, die Lederleine um den Hals. Die Geschichte war eilig.

Vom Schwung der Drehung seitlich getrieben, verfehlte Susan, der Wallach, ganz knapp die langen Stacheln eines vielfach mannshohen Großkaktus. Vor Ort, daß diese Kakteenart eine regelrecht kleine Kakteensiedlung bildete.   

 

Wüsteneinwärts, daß Jo, der Revolvermann, Susan, seinen Wallach, galoppieren ließ.

Jede Wüste war besser als das bleiche Nichts, das es auf Jo, den Revolvermann, persönlich abgesehen zu haben schien.

Den kalten Hauch des Todes spürte Jo, der Revolvermann, hinter sich herannahen. Er konnte nur noch darauf hoffen, daß die Bleiche ihm irgendwann nicht mehr hinterhereilte. Daß das mit der Verfolgung seiner Person aufhörte.

Susan, der Wallach, mußte außerdem fliegen, fliegen. Im Galopp mußte Susan, der Wallach, fliegen.

 

 

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