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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 9.1

22. April 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Jo, der Revolvermann ...

Jo, der Revolvermann, guckte von Susan, seinem Wallach, aus in der Landschaft herum.

Irritiert, als wäre er bis vor einem Moment noch ganz woanders gewesen.

Nicht die kleinste Ahnung hatte er überdies, wo er sich im Augenblick eigentlich aufhielt. Total hatte er alles vergessen.

So sehr er sich mühte, er erinnerte sich an nicht das bißchen an was. Außer dem, daß er fluchtartig aus der Umgebung einer Willy-Stadt namens Pain Way auf und davon geritten war.

 

Anderes sollte er auch noch wissen. Bloß, es wollte ihm nicht in den Sinn kommen. Nur eins war klar, daß er im Sattel auf Susans Rücken schon für länger unterwegs war.

Gehetzt fühlte er sich außerdem, weiterhin wie auf der Flucht.

Mit zusammengekniffenen Augen, daß Jo, der Revolvermann, herumstarrte.

War er schon mal an so einem Ort? Schwierig, das zu verstehen, wo er auf Susan, dem Wallach, im  Augenblick voranritt. Das allergrößte Wunder, daß Susan, als Pferd ein Fluchttier, sich in dieser Umgebung kühl, seelenruhig verhielt. Als wäre sie das Selbstverständlichste auf der Welt.

 

Das  war sich Jo, der Revolvermann, gewiß, daß er noch nie in einem derartigen Nebel ritt.

Jo, der Revolvermann, der kannte manchen Dunst. Jo, der Revolermann, er war an vielen Orten. Auch in Sümpfen, aus denen es herausdampfte.

In größeren und kleineren Städten war er, kaum erwähnenswerten Holzlattensiedlungen, von denen es nicht zu glauben war, daß Leute sie bewohnten. Im Sattel auf Susans Pferderücken hatte er Wüstendünen gequert, suchte in Wäldern nach den nächstbesten Pfaden. Gleichgültig ob von Getier, dem weißen Mann oder den Indianern. Alles auf der Jagd, hinter irgend jemandem her, für den er, wenn er ihn oder sie erschoß, Kopfgeld kassieren konnte.

War Jo, der Revolvermann, in der Lage, beweisen zu können, daß er den Erdboden von jemanden Bestimmten wirklich befreit hatte, kriegte er dafür die ausgelobten Golddollars. Auch mit einem Silberbarren war Jo, der Revolvermann, schon bezahlt worden. Tatsächlich schon mit allem möglichen. Auch mit Huren. Tagelang die freie Auswahl. Mit dem Saloon unterhalb, und Whiskey, soviel er trinken wollte.

All das war begreif-, faßbar. Üblichere Begebenheiten, für einen wie Jo, dem Revolvermann. Während die Gegend, in der er Susan, den Wallach, vorsichtig selber seinen Weg suchen ließ, ganz nach fremder, unbekannter Welt ausschaute. Nach einem unwirklichen Ort, wie Jo, der Revolvermann, ihn noch nie gesehen hatte.

 

Es war Jo, dem Revolvermann, als hielte er sich irgendwie in den höheren Gefilden eines Berges auf. Wäre da nicht brauner, dunkler Steinuntergrund gewesen, auf den er von Susans Rücken aus hinabsehen konnte, hätte er sich restlos verloren gefühlt.

Wie Nebel erschien ihm das rundherum gerade weniger. Eher wie weißer Schaum. Kein Schaum, wie in einer von Seife schäumenden Badewanne. Um einiges größere Blasen waren das.

Fast war es, er ritt auf Susan, dem Wallach, in Schwindel erregender Höhe in einer weißen Schaumwolke.

Ein feinfaserigeres Weiß, sah ungeheuer nach Zuckerwatte aus, wie Jo, der Revolvermann, sie Kinder auf Jahrmärkten essen gesehen hatte, seitdem er selber kein Kind mehr war.

Spontan steckte Jo, der Rolvermann, seinen Zeigefinger rein, führte ihn zum Mund, probierte das Komische.

Und es war ungeheuer. Süßlich schmeckte das, was Jo, der Revolvermann, probierte. Glattweg nach echter Zuckerwatte.

 

Mehr von der Süßigkeit wollte Jo, der Revolvermann, wiederholte die Geschichte mit der Fingerspitze bei dem größer aufgeschäumt Rüberkommenden.

Es zerplatzte, lief ihm flüssig durch die Finger.

Nach dem Probieren mußte Jo, der Revolvermann, in der Gegend rumspucken: Das war keine Süßware, vielmehr wirklicher Seifenschaum. Wie Badeabwasser, von dem er ebenfalls schon den einen oder anderen Mundvoll abgekriegt hatte. Ohne noch viel mehr davon schlucken zu wollen. Noch dazu, wenn so eine grinsende brünette Hure ihm gegenüber mit im Bottich hockte. Die es ohnehin schon blubbern gelassen hatte, daß Jo, der Revolvermann, hätte was zu riechen begonnen, ihr vielleicht eine reingehauen hätte.

Jo, hatte sie den Cowboy noch genannt. Außer Jo und Cowboy schien der Brünetten nicht viel bewußt zu sein. Nichts von dem, wo das Geld herkam, das Jo, der Revolvermann, bei ihr zum Fenster hinauswarf.

Dann mußte Jo, der Revolvermann, sie doch nicht an den Haaren aus dem Badebottich herauszerren. Alles verlief in seinen gewohnten Bahnen. Ohne ausgerissene Haarbüschel, aufgeplatzte Lippen und blaue Flecke.

 

Beim Hinabstarren von Susans Rückenpartie konnte Jo, der Revolvermann, nicht länger irgendwas Dunkelheit bemerken, als würde Susan auf einem verschlungenen Steinweg vorantraben.

Auf nichts als dieses beängstigende, fürchterliche Wolkenweiß, daß Susan, der Wallach, nunmehr seine Hufe aufsetzte. Als hätte Susan, der Wallach, ohne daß es Jo, der Revolvermann, unmittelbar mitkriegte, eine Grenze von hier nach dort überschritten.

Das verstand Jo, der Revolvermann, nicht, warum er an irgendwelche seltsame Weltengegenden dachte. Was er hier wähnte, hätte geheißen, daß Jo, der Revolvermann, sich in einer anderen Welt aufhielt als der gewöhnlichen.

Konnte kaum möglich sein, daß das eine Art Totenwelt war, so lebendig, wie Jo, der Revolvermann, sich fühlte.

 

Susan, der Wallach, bedächtig, daß er seine mit Eisen beschlagenen Huf aufsetzte und voranschritt. Ungehindert von Jo, dem Revolvermann, seinem Besitzer, der zwar die Zügel in den Fingern hielt. Jo, der Revolvermann, dem die Furcht im Nacken saß, daß alles verloren war, sobald er irgendwas Dummes unternahm. Ob aus Neugier oder nicht.

Es gab keinen größeren Horror für Jo, den Revolvermann, als daß Susan, der Wallach, ihm durchging, bockig seinen Herrn aus dem Ledersattel schleuderte. Nunmehr inmitten so eines unübersichtlichen Ortes, der gefährlich nach einer echten Wolke aussah.,

Eine unheimliche Wolkenpartie, die, trotz des Gewichts Susans, der überdies Jo, den Revolvermann, auf sich sitzen hatte, genug festen Boden an sich hatte. Nirgends gab was nach, wurde hindurchgestürzt. Hinab in irgendeine Untiefe.

 

Auf Susan, seinen Wallach, und dessen Instinkte war Verlaß. Susan behielt sein selbstbewußtes Dahintraben bei, traf zielsicher mit Vorder- und Hinterläufen den einen Pfad, der vonnöten war, auf ihm voranzukommen. Auch wenn Jo, der Revolvermann, nichts von irgendeinem Umriß oder so zu erahnen vermochte.

Nur eins war eine unleugbare Tatsache: Unbegreifliches Glück war das, auf Susan, dem Wallach, im Sattel sitzen zu können. Während Susan, dem Wallach, kein Fehltritt unterlief.

Auf Susan, seinen Wallach, konnte er beinhe blind vertrauen. Auch wenn Jo, dem Revolvermann, nichts allzu vertrauenswürdig schien. Er von nichts rundherum viel Ahnung hatte.

 

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