1. Teil: 9.2
Stahlblauen Horizont und weiße Schäfchenwolken blickte Jo, der Revolvermann, wenn Susan, der Wallach, dann und wann aus dem seltsam Wolkenartigen heraustrabte oder sich das Weißliche durch Windstöße urplötzlich verblies.
Obwohl sich Jo, der Revolvermann, im Rund umblickte, so wirklich sich an was zu orientieren, das war nicht.
Außer einer Wolkenumgebung, blaufarbenen Himmel war oben und unten nichts zu erkennen. Und den Blick hinab, den daß Jo, der Revolvermann, lieber nicht beibehielt. Weil ein Schwindel sich einstellte.
Das fiel auf die Nerven, daß sich das mit dem Blindreiten in dem Wolkenartigen immer weiter fortsetzte. Daß hier nichts aufhören wollte. Während für ihn nichts zu tun war, als im Ledersattel dazusitzen und alles weitere Susan, dem Wallach, zu überlassen.
Zu fragen begann sich Jo, der Revolvermann, was mit ihm los war.
Er fühlte sich lebendig. Susan, sein Wallach, fühlte sich wie ein Pferd an. Die ledernen Zügel, die er in der einen Hand hielt, waren aus Leder geschnitten.
Alles schien mit der Wirklichkeit übereinzustimmen. Wiewohl die Umgebung rundherum um Jo, den Revolvermann, und Susan, dem Wallach, äußerst unwirklich schien.
In einer Wolke voranzureiten, das überhaupt irgendwie mal zu können, auf die Idee wäre er bis vor kurzem nicht gekommen.
Allerhöchstens Geister, phantastische Spukwesen oder Gestalten in Schauermärchen stiegen in irgendwelche himmlische Sphären auf. Vielleicht noch die Seelen der Toten, wenn so Dingen zu glauben war, die Leute einem weismachen wollten.
Von denen, die Jo, der Revolvermann, erschossen hatte, war derweil noch keiner aufgestanden. Wenn Jo, der Revolvermann, etwas merkte, noch mal abdrücken mußte, dann war es das endgültig für ihn.
Jo, der Revolvermann, hatte noch von keinem vernommen, der wiederauferstanden war, nachdem Kugeln aus den Revolvern Jo, des Revolvermann, ihn fällten.
Wenn irgendwer eine Schießerei überlebte, dann nur, weil er noch rechtzeitig bei einem Pferdedoktor eintraf.
Das war Jo, der Revolvermann, schließlich auch schon geschehen. Daß er nur deswegen im Moment noch lebte, weil er in letzter Sekunde noch bei einem versoffenen Farmer eintraf, den sie Doc nannten. Die Bleikugeln, daß der Mann ihm aus dem Körper holte. Ein anderer hatte mal ein Mittel gegen Schlangengift gekannt.
Schwer tat sich Jo, der Revolvermann, mit dem Ganzen, das er rund um sich herum gewahrte.
Diese Wolkengegenden, die bedeuteten entweder, daß Jo, der Revolvermann, lange tot war. Oder es war Teil irgendeines Alptraums, der so deutlich war, daß das, das er träumte, nahe an die Realität herankam.
Tote hatte Jo, der Revolvermann, auch schon gesehen, die zu verwesen begannen. Da regte sich sicher endgültig nichts mehr an denen. Und das, daß da die in Verwesung befindliche Gestalt noch irgendwie etwas träumen könnte, das war nahezu unvorstellbar.
Und Jo, der Revolvermann, wenn der das im Grunde echt nicht wußte, was Tote so als Umgebung wahrnahmen, hieß das nichts anderes aus, als daß Jo, der Revolvermann, nicht tot war.
Lediglich seinem geistigen Horizont überstiegen hier Kleinigkeiten. Etwas, das er ertragen würde müssen, solange er über nichts besser Bescheid wußte.
All die Gedanken an den Tod, daran, daß er verstorben sein könnte. Zorn stieg in Jo, den Revolvermann, auf. Mit der flachen Hand haute Jo, der Revolvermann, nach Susans langem Hals, daß der Wallach zusammenzuckte, voransprang und empörtes Wiehern hören ließ.
Augenblicklich streichelte Jo, der Revolvermann, besänftigend die Ohren Susans, des Wallachs, beugte sich im Sattel nach vorne, Susan sanfte Worte in den Gehörgang zu sprechen. Alles, damit Susan, der Wallach, der vor sich hin schnaubte, sich beruhigte.
Das hätte ihm zur Sekunde noch gefehlt, daß Susan, der Wallach, ihm auf die Hinterläufe hochstieg, seinen Reiter abwarf und durchging. Nach voraus reißaus nahm, rein in das Wolkenartige und drinnen verschwand. Auf Nimmerwiedersehen. Jo, der Revolvermann, der sich daraufhin seinen Weg selber suchen hätte müssen.
Ein Glück war das, daß Susan, der Wallach, nicht allzu viel Böses von Jo, dem Revolvermann, gewöhnt war. Beruhigen konnte sich Susan, der Wallach. Trabte schließlich voran, als wäre nie das kleinste bißchen geschehen.
Während der Horror blieb, daß Susan, der Wallach, seinen Herrn im weißfarbenen Nirgendwo zurücklassen hätte können. Dort, wo ein einziger Fehltritt der letzte für Jo, den Revolvermann, sein hätte können. Jo, der Revolvermann, bei weitem nicht mit den Sinnen Susans, des Wallachs, ausgestattet.
Seine graue Hose befühlte Jo, der Revolvermann. Seinen lederner Revolvergürtel mit den Sechsschüssern links und rechts.
Alles wie bekannt. Er hatte seine eine gewöhnliche Körperlichkeit. So schien es ihm zumindest.
Er war nichts Geisterhaftes. Kein Gespenst. Sonst hätte er sich anders anfühlen müssen. Hätte er sicher durch sich oder durch Susan, seinen Wallach, hindurchgegriffen.
Es war ihm weiterhin nichts geschehen. Nichts derartiges, wie es in der Willy-Stadt Pain Way an Marga, der Barfrau, zu erkennen war.
Ungern entsann Jo, der Revolvermann, sich an das Unterschiedlichste mit Marga, der Barfrau. Dem Miststück, das einem Kutscher Geld zahlte, sich von ihm zu einem Treffpunkt bringen ließ, wo sie auf die Ankunft des Willys der Willys wartete. Tatsächlich, daß der eine Willy Marga, die Barfrau, nicht wartend herumsitzen ließ, bis sie alt und grau war.
Ohne daß er irgendwas danach gefragt hätte, quälte Jo, den Revolvermann, das, das ihm in der Willy-Stadt Pain Way widerfahren war.
Pain Way war eine Ekelhaftigkeit.