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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 10.7

25. Juni 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Am Flur draußen hatte Joachim auch ein Phon gehabt.

Hier ein Phon, dort ein Phon.

Alles war nun in einer Weise, daß Joachim überlegte, zurückzumachen, um am Flurgang nachzuschauen, was da am Gang irgendwo herumlag.

Nur, jetzt war er erst mal wieder in der Küche. Das hatte ihm Mühen genug gekostet. Das andere war erst einmal egal.

Auch wenn an allem zu zweifeln war. Was er denn glaubte, schon mal angestellt zu haben. Schließlich wähnte er, schon mal einigermaßen bei Bewußtsein in der Küche gespukt zu haben.

 

Von daher hatte er doch die Idee, er hätte das Phon zum Akku-Laden angesteckt. Daß er es zur Verfügung haben könnte, zurück in der Küche.

Praktisch, daß er sich seine Telefonie für alles und jedes nur zu nehmen bräuchte. Dann: sich an die PIN erinnern, kaum daß die Anzeige aufleuchtete.

Was anderes hatte er nicht einmal überlegt, als an die eine Geschichte, daß der Akku zwischenzeit längst aufgeladen sein müßte. Ganz davon abgesehen, daß er das Telefon zum Nachrichtenschreiben oder für die Sprachnachrichten bereit hatte, wenn das Gerät am Ladeteil stecken hatte. Der Rest war blanke Verwirrung.

Also mußte die eine Gerätschaft funktionsfähig gewesen sein, die er am Wohnungsflur in der Hand hatte, bis ihm das Ding aus den Fingern flutschte.

 

Was war das nun für ein Phönchen, das auf dem Mettalfüßestuhl mit der schwarzen Polsterfläche herumlag? Befand sich das dort, weil da was an der Gerätschaft kaputtgegangen war?

War das tatsächlich die Möglichkeit, daß er absteckte und gleichgültig liegen ließ, weil er feststellen mußte, daß die Anzeige dunkel blieb?

Hätte er sich bloß besser auf irgendwelche Kleinigkeiten entsinnen können. Wenn etwas nicht eben unwichtig war.

So war das eine verflixte Angelegenheit, nachdem auf dem einen Smartie Margas neue Nummer gespeichert war.

 

Dann wäre das natürlich trotzdem ein Einfall gewesen, sich ein zweites Smartie zu besorgen. Nur nicht, um mit Marga in Kontakt zu treten. Sondern für andere Anrufe.

Schließlich hatte er Margas neue Kontaktnummer auf dem einen Phon, sonst auf keinem.

Das war ein Fehler, nicht längst nach dem gegenüber befindlichen Metallgestühl hinübergerutscht zu sein. Nicht schon die nachtschwarzen Phon-Verschalung gegriffen zu haben. Der schlimmste Schüttelfrost, der Joachim überwältigte. Die Schmerzen brachen von überallher, aus jedem Eck seines Körpers, über ihn herein.

Einen dicken Blutbatzen würgte Joachim aus dem Hals herauf, spuckte ihn auf eine weiterhin weißfarbene Bodenfliese.

Ein hübsches Dunkelrot bestaunte Joachim.

 

Vorbei war es mit dem Sitzerei am Küchenfußboden. Ziemlich abrupt bretterte es Joachim nach rückwärts, daß er mit dem Hinterkopf hart auf der befliesten Fläche aufschlug.

Grelle Sterne sah Joachim.

Der Länge nach, daß er am Rücken am Küchenfußboden rumlag, schrillste Feuerräder vor Augen.

Wohl die Folge der Anstrengung der vergangenen kurzen Zeit seit seinem Zusichkommen.

Alles bald so, daß ihm das Kleinste noch zuviel wurde.

 

Hoch schreckte Joachim. Die Furcht war, am kalten Küchenfliesenboden einzuschlafen. Schlief er ein, war womöglich aus diesem Schlaf nicht wieder aufzuwachen.

Andererseits, er lebte weiterhin vor sich hin. Eine Lungenentzündung und ähnlich Vorstellbares, dergleichen konnte er sich schon lange abgeholt haben. Nur, daß er sich, angesichts seines miserablen Allgemeinbefindens, der Lungenentzündung und vielem mehr erst bewußt werden mußte.

Jederzeit konnte es ihn ereilen, das Ende. Ganz profan. Nebenbei.

Eine gewisse Hitze hatte er bereits an sich wahrgenommen. Als Fieber zu übersetzen.

Konnte alles seit längerem der Hinweis auf eine allgemeine Verkühlung bis hin zu einer Lungenentzündug sein. Daß das keine Fehleinschätzung war, daß jeder Notarzt, der ihn sich ansah, das Kopfschütteln kriegen würde. Um rasch eine Kanüle zu legen, daß der Patient an einen Tropf angehängt werden konnte.

 

Aufgeben, sich mutwillig in seine Lage ergeben - das wollte Joachim nicht. Selbst wenn das mit dem Wollen eine komplizierte Sache war.

Mancherlei hatte er in jüngster Zeit bereits gewollt. Um dann von Jo dem Revolvermann zu träumen. Jo der Revolvermann ... Der Willy der Willys, der erwischte Jo den Revolvermann, jagte Jo dem Revolvermann die Bleikugeln nur so rein. Statt daß Jo der Revolvermann dem einen Willy eins besorgte, besorgte es der Willy Jo dem Revolvermann.

Unfaßlicherweise. Der Willy der Willys, der war bloß irgendso ein Gauner, der Glücksspiele veranstaltete und Tänzerinnen für sich die Beine schwingen ließ. Während Jo der Revolvermann der Kopfgeldjäger war. Der mit den Revolvern, die er hochgeschwind ziehen konnte. Fast wie kein Zweiter. Und trotzdem war es das Blei des Willys der Willys ...

 

Margas grinsendes Spottgesicht sah Joachim unvermittelt über sich. Marga, die sich über ihn drüberbeugte.

Zorn baute sich in Joachim auf, angesichts dieses hämevollen Grinsens Margas.

Noch tieferer beugte sich Marga mit ihrem spöttischen breiten Grinsen. Eine Grinsemiene, äußerst schadenfroh. Letztes Jahr war das bei Marga noch nicht in der Weise vorstellbar, da hatten Marga und Joachim noch zusammengewohnt. Heiraten hätte sie beide denn zwischendurch können, Marga hätte nichts dagegen gehabt.

Wie sich die Zeiten ändern konnten.

 

Das wünschte Joachim sich nicht weiter, daß Marga sich in der Weise darüber freute, wie er am Küchenboden herumlag. Mit dem Spotten hatte Marga aufzuhören.

Was wollte Marga überhaupt bei ihm? In seiner Wohnung? Wenn sie nur herablassend auf ihn herabschauen wollte. Hätte sie genausogut wegbleiben können. Hätte sie sich sofort wieder verzogen, auch nicht so schlecht.

Das war wirklich nicht möglich, daß Marga sich derart über alles freute, was Joachim mitspielte. Darüber, daß ihr vielleicht im Laufe der nächsten Tage Mitteilung gemacht würde, daß Jo, ihr Ex, nicht mehr wäre. Entfleucht wäre Joachim Herrmann der Welt. Hinübergegangen, wohin auch immer.

Marga, wie sie am Dauergrinsen war. Voll die Häme. 

 

 

 

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