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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 11.2

3. Juli 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Jo, der Revolvermann, er hatte zwar das Bedürfnis, irgendwas zu unternehmen. Aber, er zog nicht. Sinnlos in der Landschaft herumzuballern war nicht das Gelbe vom Ei.

Ein paar Schritte, daß Jo, der Revolvermann, voranmachte.

Keine Steingräber mehr. Zahllose schmucklose Holzkreuze blickte Jo, der Revolvermann, dann und wann; das andere waren nichts als frisch aufgeschüttete schwarze Erdhügel.

Beste Erde, wie jeder Farmer sie sich auf seinen Feldern gewünscht hätte. Kein Wüstensand, wie es ihn rundum um Pain City in rauhen Mengen gab. Neben ein bißchen mit bedürfnislosem Gras bewachsenen Sanddünen waren des öfteren übermannshohe Kakteen des beherrschende Bühnenbild.

Daß es hier am Friedhof von Pain City irgendwelchen Baumbewuchs gab, konnte nur mit künstlicher Bewässerung zusammenhängen. Irgendeine unterirdische Wasserader mußte angezapft worden sein. Von den Willys. Und den Helferlein der Willys.

 

In Pain City waren erst vor kurzem in rauhen Mengen welche gestorben. So weit Jo, der Revolvermann, bis zum Horizont blicken konnte, war das eine richtige größere Armee, die hier verbuddelt lag.

Schwer zu begreifen. So dicht besiedelt war die Wüstengegend überhaupt nicht. Kaum zu vermuten, daß eine Bürgerwehr von Vigilanten aus den ferneren Nachbarstädten Kavalleriestärke erreichen konnte.

Oder hatte zornige Bürgerschaft, verärgert von der Liederlichkeit in den Willy-Städten und dem gewerbemäßigen Glücksspiel in den Willy-Städten doch Soldaten angefordert, Nester wie Pain City auszuräuchern?

Grabreihe um Grabreihe bestaunte Jo, der Revolvermann. So weit das Auge reichte. Es war nicht zu fassen.

Hier hatte ein regelrechter Krieg stattgefunden. Der Sensenmann reichlich Ernte gehalten. Oder täuschte Jo, den Revolvermann, sein Blick? Schließlich war Pain City ein etwas kleineres Städtchen. Wegen den Tänzerinnen und der Hurerei und den Möglichkeiten für Pokerrunden und Roulette erregte Jo, der Revolvermann, sich nicht das bißchen.

Jo, der Revolvermann, war hinter dem einen Willy her, weil er dafürvon Leuten aus dem Osten Golddollars gekriegt hatte. Außerdem aus dem Grund, weil der Willy der Willys mit Marga, der Barfrau, zusammenkommen mußte, Marga, die Barfrau, hatte der Willy zu sich geholt hatte. Statt Marga, die Barfrau, dort zu lassen, wo sie war.

 

Zahllose Tote. In Pain City. Und Jo, der Revolvermann, hatte für keinen einzigen von ihnen gesorgt.

Nicht einen einzigen Willy hatte Jo, der Revolvermann, umgelegt, seitdem er anfing, hinter den Willys herzusein.

So vielköpfig waren die Willys an sich überhaupt nicht. Die, von denen Jo, der Revolvermann, schon ein paar mehr gesehen hatte, zählten zu den gesichtslosen Kugel- oder Ovalköpfen. Trotzdem erklärte das die hohe Zahl der Gräber nicht.

Ohnehin war die Frage, wie die Willy es mit den Kugel-, Ovalköpfen hielten. Richtig vorstellbar war das nicht, daß die Willys lange Veranstaltungen, Umstände mit jenen Lederhäutigen machten. Wenn es reichte, die Kugel-, Ovalköpfe nach außerhalb der Willy-Stadt verfrachten zu lassen und sie in rasch mit Schaufeln ausgehobenes Sandloch zu stürzen und wieder zuzuschaufeln?

 

Das glaubte Jo, der Revolvermann, wirklich nicht das bißchne, daß irgendeinem Kugel- oder Ovalkopf von den Willys viel Achtung entgegengebracht wurde. Willys hatten zwar selber schiefe Mäuler, nur ... Das Willy-Pack herrschte hier. Willy-Städte hießen die Orte Pain City und Pain Way überall. Von jenen Bestimmten, die so ohne Ohren, Augen, Nase, Mund wie so die Anziehpuppen in den Kramerläden daherkamen, hatte Jo, der Revolvermann, vorher noch nie gehört gehabt. Anscheinend wurden diejenigen von denen vergessen, die Jo, dem Revolvermann, Geschichten von den Willys erzählten.

Überhaupt, schwer zu sagen, von welcher Kreatur die Kugel- und Ovalköpfe waren. Nur eins war klar, daß sie den Willys zu Diensten sein mußten.

Das blieb einfach ein Rätsel, was es mit diesen komischen Gestalten auf sich hatte. Selbst wenn sie Anzüge, Frauenkostüme trugen.

Stellte man sich die Herrscherart der Willys vor, einen Willy-Friedhof. Während außerhalb der Willy-Stadt Pain Way der Wüstensand sich zu Dünen türmte. Dann waren die Zusammenhänge nur schwer zu verstehen.

 

Jede Menge Bekanntschaft hatte Jo, der Revolvermann, zuletzt mit den Kreaturen gemacht, die wie belebte Kleideranziehpuppen wirkten, bei denen mittels Kuhleder auch noch für eine Kopfform gesorgt wurde. Einen hautfarbenen Anstrich besorgte man der Kugel oder einem Oval.

Von einer Nähnaht hatte Jo, der Revolvermann, beim Hingucken nach den Kugel- oder Ovalköpfen noch nichts gesehen, so geschickt war dort gearbeitet worden. Während das Unheimliche, das Unerklärliche zur Kenntnis genommen werden mußte: Die Puppen lebten oder schienen durch irgendwas belebt beziehungsweise beseelt zu sein.

Unheimlich waren die Kugel- und Ovalköpfigen, ob im Männeranzug oder im Frauenkleid.  Geradezu unausstehlich. Im Grunde, daß Jo, der Revolvermann, bereits bei der ersten Begegnung mit ihnen auf alles verzichten konnte, was diese Monströsitäten anbetraf.

 

Der Friedhof von Pain City. Mehr als eine Kavallerie, daß frisch auf ihm zur letzten Ruhe gebettet wurde.

Bis jetzt jedoch einer nicht - Jo, der Revolvermann. Jo, der Revolvermann, der lag weiterhin unter keinem dieser Grabhügel. Ob mit Holzkreuz mit Zetteln oder sonst einer eingeritzten Beschriftung oder nicht.

Jo, der Revolvermann, er war kein Toter. Jo, der Revolvermann, der aufrecht dastand, seine Revolver links und rechts in den Lederholstern.

Alles andere als tot fühlte sich Jo, der Revolvermann. Wiewohl er ein kurzes Weilchen am Boden des Friedhofs rumgelegen war. Eingegraben hatte Jo, den Revolvermann, deswegen kein Totengräber. Nichts und niemand.

 Jo, der Revolvermann, konnte sich aufrecht stehend gehaben. Die Grabstellen des Friedhofs in einer Willy-Stadt überblicken.

 

An den haufenweise Gräbern auf dem Friedhofsgrund von Pain City, einer Willy-Stadt, begann Jo, der Revolvermann, Freude zu empfinden.

Jo, der Revolvermann, kein Dahingeschiedener. Wiewohl in jüngster Zeit verschiedentlich Kugeln Jo, den Revolvermann, niedergeworfen hatten. Deshalb konnte sich doch wieder erholen. All seine von Schüssen verursachten Verletzungen zählten nicht.

Und Jo, der Revolvermann, wußte, wer auf ihn geschossen hatte. Der eine Willy der Willys. Obwohl der eine Willy sein anvisiertes Ziel nicht verfehlte, war es ihm nicht gelungen, Jo, dem Revolvermann, das Letzte zu verpassen.

 

Durchaus diesen und jenen Gedanken wert, die Frage, wer Jo, dem Revolvermann, weiterhalf.

Weshalb rechnete Jo, der Revolvermann, nicht zu den ungezählten Verstorbenen? Warum durfte er mit dem Leben davonkommen, obwohl er schwerverletzt, böse von Bleikugeln niedergestreckt am Boden herumlag?

Es war nicht zu begreifen, daß die Dunkelheit für Jo, den Revolvermann, nicht ewig währte. Aus dem Finstern kehrte er dem Licht zurück.

 

Die Schulter zuckte Jo, der Revolvermann. Was wußte er vom Dunklen?

Woran er dachte, war, daß es wie schon früher mal war. Daß er auf Susan, dem Wallach, nach der Willy-Stadt Pain City hingeritten. Daß Susan, der Wallach, sich im Umkreis von Pain City herumtrieb. Sich möglichst nirgends auf offener Fläche sehen ließ. Darin war Susan, der Wallach, überhaupt nicht schlecht.

Andererseits, ganz genau wußte Jo, der Revolvermann, nichts. Bewußt geworden war er sich, als er sich auf die Füße hochgerappelt hatte, die Grabsteine eines Friedhofs überblickte. An etwas anderes konnte Jo, der Revolvermann, sich weiterhin nicht erinnern.

Aus der Sicht war es nicht mal eben sicher, daß er sich am Stadtrand von Pain City aufhielt. Davon abgesehen, daß er an die Willy-Stadt Pain City dachte. Ansonsten hätte er auch ganz woanders sein können. Schließich war schon alleine die weitläufige Ausdehnung dieses Friedhofes eine Seltsamkeit.

Es war ihm aber klar war, daß diese eine Örtlichkeit Pain City war - mußte es so sein. Genauso wie das, daß er meinte, daß er schon getan hätte. Daß er um die Stadt Pain City herumschlich. Bis er abbog, die Fläche aus Sand und verschiedenen Kakteen-Arten verließ, um zwischen den ersten Holzgebäuden eine Passage zu nehmen.

 

Keine Ahnung hatte er, wer ihn momentan von irgendwoher beobachtete. Bloß, ein komisches Gefühl sagte Jo, dem Revolvermann, es würde ihm zugeschaut.

Herab nach seinen Hüften guckte Jo, der Revolvermann. Hellbraun, der Revolvergürtel, den er umgebunden hatte.

Links und rechts steckten Revolver in ihren Holstern.

In der jüngsten Zeit liebte Jo, der Revolvermann, Sechsschüsser mit Perlmuttgriffen.

Was immer bereits geschehen war, man hatte es bleibengelassen, Jo, den Revolvermann, zu entwaffnen.

Womöglich ein Fehler. Oder, irgendwer war sich das gewiß, daß Jo, der Revolvermann, zwar Waffen mit sich rumschleppte. Aber deswegen einem durch Jo, dem Revolvermann, nichts geschah. Außer daß Jo, der Revolvermann, einen Ruf hatte, war nichts mit Jo, dem Revolvermann, los.

Schwer ein Witz, Jo, der Revolvermann, für den einen Willy. Den Willy der Willys.

 

 

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