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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 11.4

15. Juli 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

1. Teil: 11.4

 

Vom Friedhof mit seinem unübersichtlich weiten Horizont wünschte Jo, der Revolvermann, sich endlich fort.

Nur, das, was er wollte, war was anderes, als das, was seine Beine anstellten.

Um die eigene Achse drehte Jo, der Revolvermann, sich. Wirbelte noch mal im Kreis herum.

Das gleiche hatte er schon öfters gemacht. Das konnte er jetzt auch bringen, leider als einziges.

 

Plötzlich gewahrte Jo, der Revolvermann, aus den Augenwinkeln eine Bewegung.

Einen schattenhaften Umriß hatte er in der Wahrnehmung. Ein gelbes Aufblitzen.

Irgendwer schoß auf ihn. Mündungsfeuer hatte Jo, der Revolvermann, schon des öfteren gesehen.

Verspätet, daß Jo, der Revolvermann, zusammenfuhr.

Einigermaßen mit einer seltsamen Zeitverzögerung erreichte das Krachen des Schusses die Gehörgänge Jo's, des Revolvermannes.

 

Andererseits, irgendwie war Jo, der Revolvermann, auch nicht sicher, ob das, was er zu hören glaubte, der Wirklichkeit entsprach.

Alles seiner Umgebung war an sich unwirklich. Oder viel zu wirklich. Wo er den Blitz wahrgenommen hatte, blickte Jo, der Revolvermann, jede Menge Rauch. Alles der näheren Umgebung dort, wo der Gewehr-, Revolverschütze rumzustehen schien oder sich längst niederduckte, vernebelte die Rauchwolke.

Als das Rauchwerk sich verzogen hatte, war Jo, der Revolvermann, nicht überrascht, daß er keinen Menschen entdeckten konnte. Das zweite, das Jo, dem Revolvermann, in einem Augenblick klar, daß seine beiden Revolvermann links und rechts in ihren Lederholstern staken.

Es war ein Schuß auf Jo, den Revolvermann, abgegeben worden, und Jo, der Revolvermann, hatte nicht mal gemuckst.

Es war nicht zu fassen, jemand feuerte seine Waffe auf Jo, den Revolvermann, ab, und Jo, der Revolvermann, zog nicht. Riß keinen seiner beiden Ballermänner aus den Holstern.

 

Mit zusammengekniffenen Augenbrauen wunderte sich Jo, der Revolvermann, daß ihn nichts getroffen hatte. Obwohl er am Friedhof das beste Ziel abgegeben hatte.

Im Grunde konnte kein Heckenschütze Jo, den Revolvermann, verfehlen. Vorbeischießen verboten. So wie sich Jo, der Revolvermann, bei den frisch aufgeschütteten Gräbern darbot. Dann und wann mit einem aufgestellten, höchstens zwei Finger dicken Holzkreuz, während sonst nichts als freie Fläche war.

Beste Sicht auf Jo, den Revolvermann, hatte derjenige, der sich als feiger Attentäter probierte.

 

 Als der Rauch sich für Jo, den Revolvermann, verzogen hatte, erblickte er hinter dem hochgestellten granitenen Grabstein nichts und niemanden.

Anders hatte Jo, der Revolvermann, es allerdings auch nicht erwartet.

Das hätte ihn wirklich sehr gewundert, hätte sich jemand in kleiner Entfernung - auf Schußweite- ihm gegenüber betrachten lassen.

Keiner lief zwischen den von Steinmetzen bearbeiteten, geglätteten Granitklötzen von dannen, und trotzdem war Jo, der Revolvermann, sich das gewiß, wäre er hingelaufen, zu der Grabstätte, um hinter den Stein zu gucken, daß er niemanden dort zu Gesicht bekommen würde.

 

Es war die Tat eines Feiglings. Der geballert hatte, um in Deckung zu gehen.

Etwas, was gut zu jedem Willy paßte. Feigheit war ein Willy-Charakterzug.

Daran änderte sich für Jo, den Revolvermann, auch nichts. Keiner der Willy-Bagage hatte die Lust, sich Jo, dem Revolvermann, zu präsentieren. Scheinbar auch keiner der Kugel- oder Ovalhautköpfe, die zumeist in schwarzen, grauen Anzügen oder Frauenkostümen herumliefen.

 

Nichts bemerkte Jo, der Revolvermann, an sich.

Kein Schlag traf ihn irgendwo. Nichts war davon zu bemerken, daß auf ihn geschossen worden war.

Fast war es Jo, dem Revolvermann, er wäre einen Trug aufgesessen. Das eine Mündungsfeuer, wie von einem Gewehr oder einem schweren Revolver, da hätte er sich getäuscht.

Bloß, er hatte es aufblitzen gesehen. Alles war eingenebelt gewesen. Die Örtlichkeit bei dem Grabstein, von dem dahinter Irgendwer Unbekanntes, Namenloses einen Schuß auf ihn abgefeuert hatte.

Auf Jo, den Revolvermann, wurde gezielt und abgedrückt.

 

Das Attentat schien fehlgeschlagen zu sein.

Nicht das bißchen was hatte Jo, der Revolvermann, davon mitgekriegt, daß eine Kugel auch nur näher an ihm vorbeigesaust wäre.

Plötzlich gewahrte Jo, der Revolvermann, nahe dem Grabstein ein metallisches Blinken.

 Etwas Größeres, das in der Luft schwebte.

Es mußte bereits länger gegenwärtig gewesen sein. Nur, aus irgendeinem Grund wurde das Ding von Jo, dem Revolvermann, übersehen.

Vielleicht war es die schiere Größe, daß Jo, der Revolvermann, davon erst mal nichts mitkriegen konnte. Weil er an sich nicht darauf eingestellt war, derartiges in die Wahrnehmung zu kriegen.

 

Jedenfalls hatte Jo, der Revolvermann, es trotz allem übersehen. Nichts gesehen. Obwohl er in die Richtung guckte.

An eine Bleikugel von doppelter Handgröße erinnerte das Metallgebilde Jo, den Revolvermann.

 Das komische Übergroße, das die Form einer Revolverkugel hatte, näherte sich Jo, dem Revolvermann. Mit jedemmal eines Moments, daß das Geschoßteil näher an Jo, den Revolvermann, heranrückte. Beim Rankommen, daß es wiederum zu schrumpfen schien.

 

Warum er eine bleierne Kugel um ein vielfaches vergrößert zu Gesicht kriegen sollte, das war nicht zu verstehen. Das überstieg den geistigen Horizont Jo's, des Revolvermannes.

Es war der Wahnsinn.

Die Revolverkugel, die kam zwar verlangsamt an Jo, den Revolvermann, herangeflogen. Nichtsdestotrotz, da war eine Stetigkeit unübersehbar, mit der sich das Ding annäherte.

 

Als gäbe es nichts mehr sonst auf der Welt, schaute Jo, der Revolvermann, der Bleikugel auf ihrer Flugbahn zu. Das meinten seine Gedanken, daß er locker ausweichen würde können. Ehe das Metall bei ihm irgendwelchen Schaden anrichtete, schwang, duckte er sich in einer Sekunde einfach seitlich weg.

Dann dachte Jo, der Revolvermann, sich, doch sicherheitshalber mal zur Seite zu treten.

Extra abzuwarten, das war auch nichts. Überdies konnte das Bleierne jederzeit an Tempo zulegen und normalgroß in ihn einschlagen.

 

Das war eine schlimme Erkenntnis: Jede Bewegung war Jo, dem Revolvermann, unmöglich. Daß ihn eine Panik überkam, weil er die Gewehr-, Revolverkugel unzweideutig direkt auf sich zukommen sah.

Es blieb trotz aller Befürchtungen, Ängste dabei, daß Jo, der Revolvermann, es nicht schaffte, sich in Bewegung zu bringen.

Nichts war es damit, sich vor dem Geschoß in Sicherheit zu bringen. So, zur Salzsäule erstarrt.

Nicht mal niederhocken konnte Jo, der Revolvermann, sich, geschweige denn, sich nach rückwärts fallen zu lassen, um auf einem der Grabhügel zu landen. 

Was Jo, der Revolvermann, als einziges durfte, das war rumstehen, der von mal zu mal kleiner werdenden Kugelgestalt beim Heranfliegen zuschauen.

 

Für einen Beobachter von weiter weg mochte es aussehen, als wäre Jo, der Revolvermann, der Kühlste überhaupt. Wie er hochaufgerichtet dastand, das Bleigeschoß auf sich zufliegen ließ. Allerhöchstens mal blinzelnd

Plötzlich ging Jo, dem Revolvermann, eine Tatsache auf: daß der oder die, wer immer den Schuß abgegeben hatte, doch nicht gut gezielt hatte. Beließ das Geschoß es bei seiner Flugkurve, wäre es außerdem ein schlimmer Fehler gewesen, sich wonanders aufzustellen. 

 

-Die silberne Kugel, die auf ihre Bahn mittlerweile Normalgröße angenommen hatte, zischte in kleiner Entfernung Höhe seines rechten Schultergelenks an Jo, den Revolvermann, vorüber.

Jedenfalls war dort der silberne Scheme, von dem, das vorüberflog.

 

Eine echte Silberkugel war das, die sich aus seiner Umgebung entfernte, meinte Jo, der Revolvermann, der sich am Absatz herumdrehen hatte können, dem Geschrumpften hinterherlinste. Das nirgendwo einschlug, weil hier das Gräberfeld sich geradezu grenzenlos ausdehnte.

Das mit der Silbermunition des hinterhältigen Heckenschützen, das fand Jo, der Revolvermann, denn ziemlich lustig. Wer denn verschoß pures, teures Silber, wenn Blei reichte?

Fast war hier das zu überlegen, daß jemand wähnte, wenn massives Silber, in die Form einer Revolverkugel gegossen,ins Ziel fand, könnte er damit einen bösen Geist bannen. Vielleicht den Rachsüchtigen des tödlich Getroffenen. Vielleicht, um sich damit irgendwann in der Unterwelt vor Rache eines Ermordeten zu bewahren.

 

Einzig und alleine, Jo, der Revolvermann, gesund und munter entdeckte der sich. Überhaupt nicht tot, nicht mal verletzt. Weil ein Heckenschütze, einer, der aus dem Hinterhalt auf einen zielte, schlecht gezielt hatte. Sein Geschoßteil, daß Jo, den Revolvermann, verfehlte.

 Trotz des Fehlschusses seines Feindes, bei Jo, dem Revolvermann, kam keine Freude auf. Weil Jo, der Revolvermann, weiter wie zur Salzsäule erstarrt rumstand. Derweil er seine Revolver links und rechts in den Lederholstern stecken hatte.

 

Herum durfte Jo, der Revolvermann, jetzt gucken. Zumindestens nachsehen konnte Jo, der Revolvermann, ob er jemanden zu Gesicht zu kriegte, auf den zu schießen es sich gelohnt hätte. Das heißt, hätte Jo, der Revolvermann, eine seiner Waffen ziehen können. 

Oft gezogen und auf wen geschossen, hatte Jo, der Revolvermann, noch in keiner Willy-Stadt.

Vielleicht war hier der falsche Jo, der Revolvermann. Reiste der falsche Jo, der Revolvermann, an Bord mit, war Jo, der Revolvermann, nicht Jo, der Revolvermann. Hatte allerhöchstens mal die Finger in der Nähe der Revolvergriffe.

Die Revolver Jo's, des Revolvermann, staken beide in ihren Holstern. Als wären sie Zierde.

 

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