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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 11.5

21. Juli 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Dem Gefühl nach eine halbe Ewigkeit, daß sich Jo, der Revolvermann, am Friedhof von Pain City, der Willy-Stadt, aufhielt Zumeist auf der Stelle rumstehend.

Die Nase davon voll hatte er von allem schon lange. Auch weil nichts weiter irgendwo sich mehr ereignete.

Außer der einen Kugel, der er beim Ranfliegen zugeschaut hatte, war nichts. Der eine Attentäter, er blieb verschwunden. Während das ein Kummer war, daß Jo, der Revolvermann, nicht genau wußte, ob er wirklich einen seiner Revolver gezogen hätte; selbst wenn er jemanden zu Gesicht bekommen hätte.

Die Ereignislosigkeit, Langeweile pur beherrschte das Bild.

 

Ständig war das gleiche zu sehen. Nichts anderes als die eine fast unendliche perspektivische Weite. Aufgeschüttete Gräber, dann und wann bei ihnen aufgestellte Holzkreuzen.

Und dann das andere, der eine Kleinstadtfriedhof mit seinen steinernen Grabplätzen. Der Ort am Rand der Willy-Stadt Pain City, auf dem Jo, der Revolvermann, ursprünglich eintraf, zwischen Baumgestalten heraustretend.

Das weitere mit seinen unübersichtlichen Eindrücken hatte sich ihm erst später entdeckt.

 

Das fiel Jo, dem Revolvermann, urplötzlich ein, daß er überhaupt nicht wußte, wo der eine Willy der Willys sowie der Rest der Willys herstammten.

Schon die Frage, warum er das so unvermittelt wissen wollte.

Zuvor war es ihm ganz gleichglütig, wo die Willy-Brut her sein sollte.

Ob die Bagage von einem anderen Kontinent aus über das weite Meer gesegelt kam. Oder einer Oststadt entstammte. Jo, der Revolvermann, wünschte sich eins: dem Willy der Willys eine Kugel zwischen die Augen zu verpassen.

Das Ostvolk war eine Möglichkeit, wenn Leute aus dem Osten sich mit Jo, dem Revolvermann, trafen, Jo, dem Revolvermann, Golddollars hinzählten. Der Lohn dafür, daß Jo, der Revolvermann, seinem Ruf als Kopfgeldjäger gerecht würde, dem einen Willy der Willys solange Blei in den Leib jagte, bis dieser tot war.

 

Die Willy-Sippschaft, sie bestand aus einem Haufen von Strauchdieben, Falschspielern. Bei Tänzerinnen abzukassieren, das brachten die Willys gerade noch zuwege.

 Beim Ausschreiten bemerkte Jo, der Revolvermann, sich plötzlich. Als wäre er überhaupt nicht er selber, derjenige, der über sich gebot.

Zu dem Gehölz, durch das Jo, der Revolvermann, hindurchgelangt war, um sich auf dem Willy-Stadt-Friedhof wiederzuentdecken, begab er sich. Um seitlich an dem Gesträuch und den Baumgestalten entlang zu stiefeln, die Gräber linker Hand von ihm.

Rechts war denn ein schmaler Pfad zu entdecken, auf den Jo, der Revolvermann, einbog.

 

Im Schritt verhielt Jo, der Revolvermann. Alles um sich her fand er überraschend. Äußerst verwunderlich.

War das wirklich Pain City, die Willy-Stadt, auf die er erst vor kurzem von einer höheren Düne aus hinabgestarrt hatte? 

Gewaltig war ihm von dort aus nichts vorgekommen.

Nichts Besonderes als eine notdürftig genagelte, provisorische  Holzlattenstadt, Pain City. Beim erstenmal schon, als er auf Susan, dem Wallacheinfach mittenrein in die Willy-Stadt geritten war.

Während das Bühnenbild jetzt, nachdem er zu Fuß unterwegs war, schleichend draußen von der Seite in die Willy-Stadt eindrang, wirklich verändert aussah. 

Fast schien es, Jo, dem Revolvermann, er müßte sich irgendwo woanders aufhalten, nicht in Pain City.

 

Stimmte schon, wenn was Pain City hieß, konnte es solche Örtlichkeiten unter dem Menschen überall zuhauf geben. Auch eine Glückspiel-Stadt war eine Örtlichkeit des Schmerzes. Wenn es das meiste in ihr nur für Geld, Gold, Diamanten gab.

Mancherlei Not, Leid, Elend und Folter war in solch einer Stadt drinnen. Vor allem für den, der in der Stadt der blinkenden, funkelnden Lichter alles verloren hatte. Vielleicht sein letztes Hemd.

 

Unbegreiflich, was sich Jo, dem Revolvermann, darbot. Schließlich war Pain City auf Wüstensand errichtet, sonst auf nichts.

Das mußte einer sich vor Augen halten: nichts als Trockenheit, Staub beherrschte die nähere, fernere Umgebung. Was momentan in Pain City nicht länger der Wahrheit entsprechen wollte. Als wäre ein lebensspendendes Quell wo in Pain City entdeckt worden. Oder würde mittels einer Vorrichtung von tief unterhalb der Stadt Wasser in die Höhe gepumpt.

Wie alles gemacht wurde, das hätte Jo, der Revolvermann, gerne gesehen.

 

Bisher war er einmal im Saloon Empireless, der eine Tanzbühne hatte. Fand sich auf einem Hinterhof mit Stallung und kleinen Schuppen.

Wenn man sich nun dermaßen was an Überfluß, Luxus leisten konnte, war es unmöglich, daß der eine Saloon mit seinen Tischen für die Pokerrunden genügte; Es mußte in Pain City mehr geben; viel viel mehr. Roulettetische und noch mal die eine oder andere Mädchentruppe dazu, die auf Tanzböden die Beine in die Höhe schleuderten. Mal in ihren jeweiligen Kostümen, mal ohne.

Anders war der Reichtum nicht zu erklären.

 

Hoch guckte Jo, der Revolvermann, weil ihm etwas seltsam vorkam.

Vor Überraschung, daß Jo, der Revolvermann, zusammenzuckte.

Wo war er denn hier eingetroffen? Was hatte das mit der Willy-Stadt Pain City zu schaffen?

Die genagelte Holzbretterrückwand eines hohen Bauwerkes, an dem oberhalb an der Spitze des Turms ein großes Metallkreuz prunkte, bestaunte Jo, der Revolvermann.

Nichts anderes konnte er, als sich über das hochragende Bauwerk zu verwundern.

Zwar eine aus Holzlatten zusammengenagelte Kirche mit spitzem Glockenturm. Nur, es stand nirgendwo ein einziger Nagel über. Krumm, schief, quergenagelt war hier nichts. Alles mitsamt dem Holzanstrich war sauber ausgeführt.

Was Jo, der Revolvermann, im Überblick hatte, war besseres Zimmermannshandwerk als an jeden bei seinem letzten Besuch in Pain City von ihm bewunderten hölzernen Lattenbau.

Wobei  der Saloon Empireless die rühmliche Ausnahme von allem bildete.

 

Drobem im Kirchturm glaubte Jo, der Revolvermann, umrißhaft eine ziemlich gewaltige gußeiserne Glocke zu erkennen.

Das Kirchenbauwerk, mit Sicherheit eine Neuigkeit in Pain City, der Willy-Stadt, und Jo, der Revolvermann, hatte es übersehen, als er noch außerhalb auf der hohen Sanddüne rumstand, sich einen Überblick über das unterhalb verschaffte. Über Pain City.

Es blieb dabei, Jo, der Revolvermann, hatte in Pain City Neuigkeiten zu entdecken, die er von seinem vormaligen Besuch in der Willy-Stadt her nicht kannte.

So sehr er sich auch zu erinnern suchte, er konnte sich nicht darauf entsinnen, daß er vorhin, oben auf der Wüstendüne, was den Umriß oder auch nur den Turm eines gezimmerten Kirchenbauwerkes am Stadtrand der Willy-Stadt erkannt hätte.

Oder hatte er Kleinigkeiten übersehen, weil er nur das Erwartete sehen konnte? Das Weitere, das Neue, das kam ihm nicht zu Bewußtsein?

 

Pain City war ihm im Grunde wie eine schmucklose Örtlichkeit der Willys. Wie was Vorläufiges, dazu da, daß man die Aufbauten auch jederzeit sofort verlassen, sich selbst und dem Verfall überlassen konnte..

Solange Pain City den einen Zweck erfüllte, daß Besucher ihre Golddollars in der Stadt ließen, nützte die Stadt. Ansonsten aber sollte man nicht allzu lange Aufenthalt in Pain City haben. Allerhöchstens für eine, zwei Nächte, bis es reichte oder man seinen Whiskeyrausch ausgeschlafen hatte.

 

Das Empfinden von Größe, Wucht blieb, während Jo, der Revolvermann, die Holzlattenhinterwand des Kirchenbauwerks hinaufglotzte.

Wie kürzlich erst fertiggestellt, von unten nach oben in die Höhe genagelt.

Als hätte man nichts an Kosten und Mühen gescheut. Teure Wanderarbeiter zuhauf nach Pain City gerufen, in Kutschenwägen herbeigebracht.

 

 

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