1. Teil: 11.8
Jo, der Revolvermann, war auf dem Weg gewesen, um das aus Holzlatten zusammengenagelte Kirchenbauwerk herumzugehen, nach den Geschehnissen vorne am Hof der Kirche zu schauen.
Um kurz dunkelste Schwärze vor Augen zu haben.
Als er dann aufs neue blinzelte, das Augenpaar aufriß, kannte Jo, der Revolvermann, die Örtlichkeit nicht sofort wieder. Bis ihm klarwurde, wo er sich befand. Nicht allzu weit entfernt von jenem Kirchenbau in der Willy-Stadt Pain City. Zurück war er auf jenem Friedhof, der aussah, als würden sich die Grabreihen noch weit über den Horizont hinaus erstrecken. Viel weiter, als zu blicken war.
Eine wahre Heerschar an Toten. Ungezählt frisch aufgeschüttete Grabstellen. Daß es nicht zu glauben war, daß so viele in der Willy-Stadt Pain City ums Leben gekommen sein sollten. Geradezu eine ganze Armee. Nahezu mehr, als Leute die Städte der Umgebung besiedelten.
Alles beim alten, an der Stelle. Nicht anders, als zuvor.
Ab und an war ein schmuckloses Holzkreuz einem dunklen Erdhaufen gegenüber aufgestellt. Mit in das Geäst hineingeritzten Buchstaben. Oder mit Papyrus, das von einen einzelnen mehr schlecht als recht in das Holz eingeschlagenen einzelnen Nagel gehalten wurde.
Nicht viel am Bild, daß sich änderte. Als hätte Jo, der Revolvermann, sich nicht einen einzigen Schritt von dem Ort wegbegeben gehabt.
Fast unheimlich, daß es genau die Stelle schien, von der aus zu dem einen Grabstein hinzublicken war, wo sich der eine Attentäter befunden hatte, der auf Jo, den Revolvermann, den einen Schuß abgegeben hatte.
Nicht die allergeringste Ahnung hatte Jo, der Revolvermann, warum er sich nach der einen Stelle zurückbegeben hätte sollen. Weitaus interessanter wäre es gewesen, am Vordereingang des Kirchenholzbaus nach den Kirchgängern oder Hochzeitsgästen zu schauen.
Es wirkte für Jo, den Revolvermann, nicht das bißchen, daß er zu Fuß an den Platz auf dem Friedhof zurückgestiefelt wäre. Vielmehr, als wäre er erst dort gewesen, um nun hier zu sein. Undurchsichtigerweise.
Zu Bewußtsein kam Jo, dem Revolvermann, daß er rumstehen konnte, sonst nicht viel. Neuerlich fortgehen, das war eine Überlegung, nicht in die Tat umzusetzen.
Tatsächlich erinnerte alles an das eine Vorkommnis von vorhin. Auch da war er ewig lange nicht in der Lage, vom Fleck fortzukommen. Auch als er ein riesiges Geschoß erblickte, das auf ihm zumachte, war es nur das Dastehen, das er vermochte.
Jetzt war das wieder, als hätte er erneut darauf zu warten, ob hier wer gut oder schlecht zielte.
Das anderemal war das Ziel, Jo, der Revolvermann, verfehlt worden. Sollte sich das ändern?
Zwar wollte da ein Fluchtimpuls zu etwas veranlassen, bloß, daß Jo, der Revolvermann, sich deswegen auch nirgendwohin bewegte.
Es war nicht zu fassen, wenn Aufregung kein bißchen weiterhalf.
Das Wenigste hätte es für ihn sein müssen, sich in Bewegung zu schaffen, zu dem hölzernen Willy-Stadt-Kirchenbau zurückzuspazieren. Herumzuschreiten, zum Vordereingang sich zu begeben. Egal, ob hier wer einen Schuß abgab oder nicht.
Wäre er von hinten um die Kriche herumgegangen, hätte er das gesehen, was da los war.
War dort Volk, das eine Hochzeit feiern wollte, hätte Jo, der Revolvermann, sich unter die vielen mischen können. Zu seiner Trauung, daß der Willy der Willys sicherlich auch Freunde und Bekannte aus nah und fern einlud.
Daß nur Willys die Hochzeitgäste der Willys der Willys waren, war nicht vorstellbar.
Unter jenen Umständen wäre es sicherlich weniger aufgefallen, daß Jo, der Revolvermann, kein geladener, sondern ein ungebetener Gast war.
Hätte keiner etwas dagegen unternommen, daß Jo, der Revolvermann, wo eintrat ...
Sobald die Trauerfeierlichkeiten in vollem Gang gewesen wären, hätte Jo, der Revolvermann, wo immer er sich unter die Menge mischen hätte können, die Feierlichkeiten zwischendurch stören können. Um mit gezückten Revolvern eine Bedrohung für alle zu sein.
Bestimmt wäre es Jo, den Revolvermann, möglich gewesen, zum Traualtar hin Dinge zu rufen.
War es nicht Brauch, daß in die Gemeinde hinein gefragt wurde, ob jemand anwesend wäre, der gegen die Ehe von Heiratswilligen etwas einzuwenden hatte?
Das hätte Jo, der Revolvermann, anstellen können: Seine Stimme erheben, daß er mit dieser Eheschließung nicht einverständen war.
Daß er die Drohung ernst meinte, hätte jeder sofort gesehen, der in die Läufe seiner Sechsschüsser blickte.
Wohl eher nicht, daß der eine Willy es sich leisten hätte konnen, der Herausforderung zum Duell durch Jo, dem Revolvermann, nicht Folge zu leisten.
Der Willy der Willys hätte sich von seiner Braut fortbegeben, um sich zu Jo, dem Revolvermann, dazuzubegeben.
Unter freien Himmel hätte man sich kurz hintereinander begeben. Hätte der eine Willy keinen Revolver gehabt, hätte Jo, der Revolvermann, nichts dagegen unternommen, hätte jemand dem einen Willy einen Revolvergürtel hingereicht.
Alles, damit der eine Willy doch noch eine Chance hatte - und Jo, der Revolvermann, keinen Unbewaffneten abknallte.
Was immer sich Jo, der Revolvermann, wünschte, wohin er sich gerne begeben hätte, er konnte nichts unternehmen..
Auf der einen Stelle gebannt war er wie durch eine Zauberei.
Das einzige, was ihm möglich war, mal den Kopf von einer Seite zur anderen zu drehen.
Geradezu erwartete er, daß eine Gestalt, ein höhnisches Grinsen in der Visage, sich hinter dem einen Grabstein aufrichtete. Jemand, der darum Bescheid wußte, wie es um Jo, dem Revolvermann, stand.
In aller Seelenruhe, daß der gegenüber, ein Willy oder sonstwer, einen Revolver anhob oder sich einen Gewehrschaft an die Wange legte ...
In dem Moment, als er sich das überlegte, war Jo, dem Revolvermann, tatsächlich, er höre einen Schuß.
In einem Moment vernebelte dchter Pulverdampf die eine Grabstelle. Als würde Jo, der Revolvermann, sich Dinge nicht nur überlegen, vorstellen, sondern sie wären Wirklichkeit. Daß sich alles in seinen Gedanken genauso abspielte.
Jemand hatte nach Jo, dem Revolvermann, hingezielt und den Abzug seiner Schußwaffe durchgedrückt. Einen Einschlag in sich spürte Jo, der Revolvermann, erst mal nicht.
Der Pulverdunst bei dem Grabort wollte sich nicht verziehen. Nicht das bißchen, daß Jo, der Revolvermann, den Attentäter zu Gesicht bekommen konnte.
Bis Jo, der Revolvermann, doch etwas sah: Eine übergroße silberne Revolver- oder Gewehrkugel - sicher zweimal eine Handbreite - durchstieß die Rauchschwaden.
Wie schon mal, kam die Kugel sehr langsam auf Jo, den Revolvermann, zugeflogen. Mit jeder kleinen Strecke, die sie sich näherte, wurde das Geschoß wieder ein Stückweit kleiner. Daß der Effekt derselbe sein mußte, daß das Geschoßteil, sobald es näher heran war, wieder normalgroß wurde und üblich schnell.
Das trügerische Gefühl hatte Jo, der Revolvermann, erneut, daß er, angesichts der Langsamkeit, mit der das Silberne heranflog, dem Ding locker ausweichen würde können.
Bloß, auch das wiederholte sich, daß es dabei blieb, daß Jo, der Revolvermann, sich nicht das bißchen von der Stelle fortbewegen konnte. Zwar wollte er ständig fort, einzig und alleine, Wünsche und Realität waren nicht dasselbe.
Unvermittelt kriegte Jo, der Revolvermann, mit, daß er gezogen hatte. Den Revolver rechts hielt er in der Rechten.
Das war etwas Überraschendes, daß Jo, der Revolvermann, zog. Tatsächlich hatte er einen seiner Sechsschüsser gezückt.
Allerdings zielte Jo, der Revolvermann, eigentlich auf niemanden. Jo, der Revolvermann, hatte nichts anderes im Visier, als jenes weiterhin viel zu riesige Silbergeschoß. Währenddessen sich die Welt im Hintergrund bei dem Ding weiter dicht eingeräuchert präsentierte. Viel zu lange eigentlich schon hielt sich dieser Pulverdampf. Daß zu vermuten war, daß derjenige, der geschossen hatte, längst über alle Berge war.
Andererseits war der Pulverrauch auch ein Ziel, in das reinzuschießen war. Mal mehrere Schüsse mittenrein abzugeben - und hörte oder sah Jo, der Revolvermann, irgendwas, daß der Umriß einer Gestalt niederging, dann ... Dann war das ein Klasseschuß, obwohl ein ungezielt und zufällig
Dem langgestreckten Geschoßkörper, dem Jo, der Revolvermann, beim Näherkommen zuschaute. Auf Handflächengröße, daß das Silberne schrumpfte. Zum Glück noch ein Stückweit entfernt.
Mit rechts war Jo, der Revolvermann, eh und je treffsicher. Und auch diesesmal traf Jo, der Revolvermann, der zu seiner Überraschung abdrückte.
Eine gelbe Flammenzunge daß kurz aus dem Revoherlauf herausspritzte; die Rauchentwicklung, von der nach ein paar Momenten nichts mehr merkbar war, sich im Nu verflüchtigte.
Genau die Spitze der Silbergeschosses, daß die Bleikugel aus dem Sechsschüsser Jo's, des Revolvermannes, traf.
Besser war Anvisiertes von einem Schützen nicht zu treffen.
Das Geschoß, das sich auf der Stelle auf ein Normalmaß verkleinerte und in Echtzeit in den Erdboden hineinfuhr. Während die abgelenkte Bleikugel Jo's, des Revolvermannes, Richtung der frisch aufgeschütteten Grabhügel ins Irgendwo hinein abzischte.
Voll der Stolz erfüllte Jo, den Revolvermann, angesichts dieses Treffers. Anscheinend war Jo, der Revolvermann, doch Jo, der Revolvermann, und niemand anderes. Bei den Selbstzweifeln, die Jo, den Revolvermann, bereits geplagt hatten. Vielleicht knallte er den Willy der Willys demnächst doch noch ab.