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Blog von TeddeMehr

1. Teil: 12.1

21. August 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #dreimal erwachen

Ewig schien ihm das mit Jo dem Revolvermann. Jetzt war er woanders zurück, wäre lieber wieder zu Jo dem Revolvermann zurückgekehrt, Jo der Revolvermann, der auf Susan, seinem Wallach, der Willy-Stadt Pain City auf und davon ritt, neuen Abenteuern entgegen.

Jo der Revolvermann litt nicht unter Benommenheit, fiebrigem Schüttelfrost. Blut lief Jo dem Revolvermann auch nicht sofort aus der verkrusteten Haut,  kaum daß er sich mal bewegte.

 

Trotz allem, das ihn quälte, rappelte Joachim sich hoch, versuchte, sich mit Händen und Armzug auf die Küchenanrichte hochzuziehen.

 Tatsächlich schaffte Joachim es, auf die Füße zu gelangen. Das Problem war nur, daß die Beine ihm wegknickten. Aufrecht blieb Joachim nur, weil er sich schnell mit dem Oberkörper auf die Anrichte und eine herumliegende Holzscheibe, die als Schnippelunterlage diente, drauflegte.

 

Irrer Durst begann Joachim zu quälen.

All seine Kraft nahm Joachim zusammen, schwang sich nach linker Hand. Näher ran an das Doppel Abtropfwaschbecken mit nach links und rechts zeigenden Druckpunktwasserhähnen.

Trotz tauber, ungeschickter, kraftloser Finger schaffte Joachim es, den Warmwasserhebel etwas anzuheben.

Der Wahnsinn, beinahe hätte er das nicht geschafft, was er üblicherweise locker zu vollbringen in der Lage war. Ganz selbstverständlich war ihm der Umgang mit allem in seiner Küche.

 

Sich hinabzubeugen, den Mund unter den Wasserhahn zu halten und ein paar Schlückchen warmes Nass zu trinken, das kostete Joachim jede Menge Mühe.

Dann mußte Joachim mit der Angelegenheit aufhören, weil er Wasser zu würgen anfing, klatschte mit der Handfläche auf den Metallhebel, hinterließ an ihm eine rote Spur.

Die Augen verdrehte Joachim vor Schmerz; aber er hatte vollbracht, was er wollte; der Wasserstrahl hörte in einem Augenblick auf.

 

Freihändig dazustehen, einfach so probierte Joachim das. 

Das mit dem Stehenbleiben, das klappte tatsächlich überraschend gut

Bis Joachim ins Taumeln geriet, gegen den Einbauküchenherd krachte, sich von ihm ab abstieß. Auf wackligen Beinen blieb er das nächstemal stehen.

Hätte wer ihm zugeschaut, hätte derjenige fragen können, ob er sich nicht ein paar Gläschen zuviel hinter die Binde gegossen hatte.

Vor den Augen blickte Joachim Feuerräder, Funken spritzten nach überall herum.

Nichtsdestotrotz, auf die Küchenfliesen setzte er sich deswegen nicht nieder. Und das war die nächste Überraschung.

 

Wegen den neugierigen Nachbarn, die ihm und Marga öfters direkt in die Küche hineingafften, hatte Joachim die Rollos der beiden Küchenfenster heruntergelassen.

Alles schien für die nebenan Wohnenden noch interessanter zu werden, als Marga und er sich damals immer heftiger zu streiten anfingen, sich gegenseitig anschrien und herschubsten.

Bis es mit dem Zuschauen vorbei war, weil den Gaffern die Rollos heruntergemacht wurden und drunten blieben. Bis in die heutigen Tage.

Nichts wollte sich bei den Rolläden rühren, obwohl Joachim an ihnen fingerte und zog, sie hochzumachen.

So kraft- und saftlos war er weiterhin, daß selbst das eine Fensterrollo zu einem Problem wurde

 

Wären die Rolläden nicht unten gewesen, hätte Joachim gewußt, welche Tageszeit es war. Ob Tag oder Nacht war.

Wenn es draußen hell gewesen wäre, wäre es keine nächtliche Ruhestörung gewesen, Leute mit sich zu belästigen. 

Das, zu nachtschlafener Zeit anzurufen, aufzuwecken, nächtens an eine Tür anzuklopfen ... Überzeugt war Joachim davon nicht. Egal, wie schlecht es ihm im Moment ging. Ob er sich mit seinem Übelbefinden rechtfertigen konnte oder nicht.

Krankenhäuser, Ärzteschaft hätte er zu jeder Tages-, Nachtzeit anrufen dürfen, weil eine echte Notlage vorlang. Oder doch nicht?

Joachim konnte sich nicht darauf entsinnen, die Notrufnummer gewählt zu haben. Marga hatte er irgendwas auf die Mailbox gekrächzt. Dann war das Phon tot, weil der Akku alle war. War weiteres, war es momentan von ihm vergessen.

 

Früher hatte es Joachim in der Küche öfters mit Marga getrieben. Ohne daß die Rollos unten gewesen wären - und ohne, daß jemand der Nachbarschaft Marga und ihm großartig dabei zuschauen hätte wollen. Erst, als er und Marga miteinander stritten, war zu bemerken, daß sie beide Zuseher hatten.

Dann reichte es Joachim irgendwann, und er ließ die Rolläden herunterknallen.

War durchaus etwas Spaßiges, über das Marga und er sich unterhalten hatten. Über das, daß sie in der Küche Liebe gemacht hatten. Ohne begafft zu werden. Während, bei den Streitereien rumgestanden,  rübergeglotzt wurde.

Marga hätte längst bei ihm in der Wohnung sein müssen. Bei ihm, ihrem Jo. Mal eine gute Gelegenheit nützen. Willy, der mit dem schiefen Maul, der war doch nichts für sie.

Was Marga früher immer alles über Joachims Freund Willy gesagt hatte ... Und jetzt war Marga Willys Geliebte, küßte Willys schiefes Maul.

 

Sein Phon sah Joachim unvermittelt linker Hand. Das Ding war sicher auch vorhin da rumgelegen. Nur, daß er es nicht in der Wahrnehmung hatte.

Jetzt schien es fast, als wäre das Phon gerade erst an dem Platz aufgetaucht.

Auf die Anzeige drückte Joachim drauf, sah diese hell werden.

Nur um eine Sekunde drauf mitanzusehen, daß die Beleuchtung ausging. 

Ein weiteresmal erhellte sich die Anzeigefläche nicht wieder. Die durch Joachims Drauftipperei frische blutige Fingerabdrücke abkiregte.

 

 Wo war das doofe Ansteckteil für den Ladeakku seines Phons? Es war nicht zu begreifen: Nirgendwo war die Leitung samt dem Zubehör für den Phon-Besitzer zu blicken. Nichts war es damit, daß Joachim bloß hinzufassen gebraucht hätte, es zur Hand zu haben.

War denn die Welt - er selber - für ihn von allen guten Geistern verlassen? Er hatte das Ansteckteil schon in Gebrauch gehabt - und räumte es wieder weg? In seinem Zustand dachte er ans Aufräumen?

Was hatte er denn getrieben, als er das letztemal in der Küche an manchem herumhantierte?

War das Phon geladen gewesen, war es das nun wieder nicht mehr. Das Kommunikationsgerät hatte neues Aufladen nötig - und das zum Anstecken war nicht zur Hand.

 

Dann kam Joachim  etwas in den Sinn: wegen seines Ordnungssinns. Die eine Schublade!

Hatte er die Ansteckegerätschaft fürs Phon-Laden in die Schublade unter der fürs Besteck zurückgelegt?

Üblicherweise fand es sich dort. In der Küche. Bloß - daß die alte Ordnung jetzt auch noch galt, angesichts seines miserablen körperlichen Allgemeinzustandes?

Sich mit der Hüfte anlehnend, mit dem Unterarm abstützend, daß Joachim die betreffende Lade ungeschickt, saft- und kraftlos mit viel Ruckerei voller Probleme aufzog.

Feuerräder kriegte Joachim vor den Augen, hatte sich schwer auf der Geschirrabstellfläche abzustützen.

Der Drehwurm hinderte Joachim nicht daran, hinabzuschauen.

Das Netzteil lag tatsächlich auf dem alten Kochbuch auf.

Schnelles Essen, leicht gemacht - auch für den Kochanfänger, der Titel des Wälzers.

 

Nachdem Joachim das Ladegerät aus der Schublade herausgehoben hatte, knickten ihm kurz vor Schwäche die Beine weg.

Neuerlich im letzten Moment, daß Joachim den Sturz abfangen konnte, indem er sich schwer seitlich mit dem Oberkörper auf die Fläche auflegte.

Mehrere Teller und eine Bratpfanne, die Joachim überhaupt nicht in der bewußten Wahrnehmung gehabt hatte, landeten krachend auf den Fliesen der Küche.

Scherben, die sich in der Gegend rumverteilten.

Nur die gußeiserne beschichtete Pfanne blieb scheinbar heil, die Aufsetzseite aufwärts.

 

Das fand Joachim das reinste Glück, daß er sich nicht am Fliesenboden zwischen den Keramikscherben wiederfand.

Mit dem Fuß schob Joachim, solange er dazu noch in der Lage war, Scherben zusammen und seitwärts weg, um nicht irgendwie demnächst mal zufällig mal mit den bloßen Füßen mittenrein in etwas zu steigen.

Das Phon und das Ladeteil in den Fingern torkelte Joachim zum Küchentisch.

Auf die Sitzfläche des schwarz angestrichenen Eisenfußstuhls plazierte er das Phon.

Der Schweiß, der ihm herunterlief, biß Joachim.

 

Daß sein Körper eine einzige schwärende Wunde war, kehrte Joachim ins Bewußtsein zurück.

Das Grelle der Pein hatte, darauf aufmerksam geworden, keine weitere Pause mehr.

Niederhocken mußte Joachim sich auf den silberfartenen Metallstuhl, der sich glücklicherweise in Griffweite befand.

Die Frage der Fragen: Wie konnte es sein, daß Joachim angesichts solch eines miserablem Allgemeinbefindens überhaupt am Leben blieb? Wenn der Tod doch eine höhere Wahrscheinlichkeit hatte als irgendwelches Weiterleben.

 

 

 

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