1. Teil: 13.1
Wolke um Wolke passierte man, geriet mehrfach in Unwetter. Regen passelte herab. Der Wind toste stürmisch.
Hätte man seine Teermäntel nicht gehabt, Teerplanen, sie auf den Pferderücken zu plazieren, dann neu zu satteln, wäre das Wetter schier unerträglich geworden. Für Reiter und Pferd.
Dann hob eine Sturmbö Susan, den Wallach, aus.
In den Lüften entdeckte Jo, der Revolvermann, sich am Rücken Susans, des Wallachs. Um nach einem kurzen Flug wieder auf festerem Boden aufzusetzen.
Beinahe hätte Jo, der Revolvermann, aus dem Sattel müssen, konnte sich nur mühsam auf Susan, dem Wallach, halten, der mehrere Meter voranstolperte.
Dann gewahrte Jo, der Revolvermann, sich beim Vorangaloppieren, zerrte an den Zügeln, Susan, den Wallach, fort von dem Wolkenrand zu lenken. Ehe eine neue Böe dem Glück ein Ende setzte und ein Abflug fällig war, vielleicht erst mal endlos hinab in die Tiefe. Während der Aufprall gewiß war.
Daß er weit und breit alleine war, ging Jo, dem Revolvermann, auf.
Der Sturm, der abflaute. Das Schütten, das sich in normalen Regenfall abänderte. Bis bei dem zuzuschauen war, daß sich oberhalb die Unwetter- in eine Schönwetterwolke verwandelte.
Kaum durchstießen die wärmenden Strahlen einer Sonne die Wolke ein kurzes Weilchen, waren Marga, die Barfrau, und der eine Willy der Willys plötzlich wieder zurück bei Jo, dem Revolvermann. Jo, der Revolvermann, guckte einmal, und da befanden sich Marga, die Barfrau, und der eine Willy bei ihm, wie herbeigezaubert.
Der Willy der Willys griente mit seinem schiefen Maul, während Marga, die Barfrau, eine komische Schnute zog. Von der man vielleicht eins sagen konnte: daß Marga, die Barfrau, von nichts etwas Genaures wußte. Schon gar nicht von Jo, dem Revolvermann.
Man mußte allerdings auf der Hut sein, vor Jo, dem Revolvermann.
Man ritt und ritt zu dritt zusammen. Als gäbe es sonst nichts auf der Welt. Wäre mit unsichtbaren Ketten aneinander gefesselt.
Wo die Reise Jo's, des Revolvermannes, an der Seite Margas, der Barfrau, und dem Willy der Willys eigentlich hinging, Jo, der Revolvermann, hatte davon nicht die leiseste Ahnung.
Wußte er unbestimmt irgendwas, kam es ihm nicht in den Sinn. Wie ihm nicht klar war, warum einer Jo, der Revolvermann, hieß, links und rechts einen Revolver im Ledergürtel hatte, sein Gewehr zusammengesetzt, wenn Jo, der Revolvermann, nie Jo, der Revolvermann, war.
Alles Friede, Freude, Eierkuchen, mit Jo, dem Revolvermann. Dem Kopfgeldjäger, der sein Gold schon als Entlohnung erhalten hatte. Ohne dafür bisher die Gegenleistung zu erbringen. Auch nur im geringsten seinem Ruf gerecht zu werden. Als wäre Jo, der Revolvermann, momentan ein ganz anderer Jo, der Revolvermann.
Im allgemeinen war Jo, der Revolvermann, über nicht allzuviel unterrichtet. Hätte Benachrichtungen nötig gehabt. Mitteilungen in der Art, wie der Willy der Willys zu Jo, dem Revolvermann, meinte, Jo, der Revolvermann, er hätte Marga, die Barfrau, und ihn, den Willy der Willys, aus einer schlimmen Notlage befreit.
An sich verließ Jo, der Revolvermann, sich dahingehend auf die Worte des einen Willys. Nichts sonst war Jo, der Revolvermann, sich schließlich bewußt. Außer dem, daß der eine Willy weiter im Ledersattel auf seinem Schimmel rumhockte. Von keiner Bleikugel aus den Revolvern Jo's, des Revolvermannes, getroffen und vom Rücken seines Gauls heruntergeschossen.
Der eine Willy der Willys, er wandte sich nach Jo, dem Revolvermann, um. Vollkommen arglos, daß der eine Willy Jo, den Revolvermann,angriente. Während Marga, die Barfrau, die gleichfalls ihren Hals nach Jo, den Revolvermann, verdrehte, kummervolle, ernste Gesichtszüge herzeigte. Dabei eine Schnute zog, als wüßte sie von was etwas, hätte sich durchaus mal gerne zu was geäußert, ohne das derzeit hören lassen zu können. Sie hatte auf eine bessere Gelegenheit zu warten.
Die Frage war, wohin man zu dritt unterwegs war. Irgendwo mußte man am Ende ankommen. Ein Ziel war immer sicher.
Am meisten freute sich weiter einer über alles im Rund. Der eine Willy mit dem schiefen Maul.
Der eine Willy der Wilys konnte sich nicht einkriegen. Damit, daß Jo, der Revolvermann, ihm das Leben gerettet hatte. Nur wegen Jo, dem Revolvermann, waren er und Marga überhaupt noch am Leben.
Sperrte der eine Willly sein Maul auf, klang das.
Ganz und gar war es nicht für ihn zu fassen, das, daß Jo, der Revolvermann, ihm mal das Leben retten würde. Ihm und Marga.
Jo, der Revolvermann, der konnte es selber nicht begreifen, zuckte schon mal die Schulter, als wäre das, Leben zu retten, das Wenigste, was er tun hätte können.
Immer, wenn der Willy der Willys zu dick auftrug, wiegelte Jo, der Revolvermann, mit einem Schulterzucken ab. Während Marga, die Barfrau, trüb aus der Wäsche guckte, als hätte sie am liebsten losgeheult.
Jo, der Revolvermann, dessen Kummer blieb, daß er im Grunde von nichts etwas wußte. Zumindestens fiel ihm nichts ein, das mit Geschehnissen in Zusammenhang zu bringen war, als er irgendwo einen Abgrund hinunterguckte.
Was Jo, der Revolvermann, wußte, das wußte er durch die Worte, die der eine Willy der Willys äußerte. Darüberhinaus hätte Marga, die Barfrau, sich selber retten können. Wenn sie denn wach geworden war.
Die Wangen blies Jo, der Revolvermann, auf.
Rechter Hand nahe bei ihm ritten Marga, die Barfrau, und der eine Willy der Willy eng nebeneinander, steckten die Köpfe zusammen.
Keinerlei Beachtung schenkten Marga, die Barfrau, und der Willy der Willys Jo, dem Revolvermann.
Kopf an Kopf besprachen Marga, die Barfrau, und der eine Willy sich, ohne daß Jo, der Revolvermann, der neugierig hinlugte, den Lippenbewegungen folgen konnte; nicht die kleinste Silbe verstand Jo, der Revolvermann, deutlich.
Die Gelegenheit schien günstig. Die eine Lederschlaufe hob Jo, der Revolvermann, vom Hahn des Revolvers im linken Lederholster herunter.
Jederzeit konnte er jetzt wie der Blitz links ziehen, durch nichts mehr behindert.
Ausgeredet hatten Marga, die Barfrau, und der eine Willy.
Als Jo, der Revolvermann, den einen Willy anglotzte, grinste dieser wie üblich zu Jo, dem Revolvermann, hin. Als wäre die Welt wie immer.
Dann ließ der Willy der Willys sich bei Jo, dem Revolvermann, abrupt zurückfallen, und Marga, die Barfrau, kam unmittelbar herübergeschwungen, ließ ihren Edelschimmel Seite an Seite vorantraben.
Zwar war so was auch nicht zum erstenmal, bloß, Marga, die Barfrau, sie war plötzlich gesprächig. Redete von der herrlichen Schönwetterwolke, auf der ohne Ende vorangeritten wurde. Schon seltsam, wie lange man auf der ewig gleichen Wolke reiten konnte, ohne zu einer anderen Wolke hinüberwechseln zu müssen. Im Kreis, daß auch nicht herumgeritten wurde. Das hätte Willy gemerkt; Willy, der hätte ein Gefühl für so was: ob man im Kreis herumritt oder nicht. Der Willy war sich jedoch sicher, daß sie ständig geradeaus dahinritten.